Februar 26, 2021
Von FAU Flensburg
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Seit Start der Pandemie hat das Arbeiten aus dem Homeoffice massiv zugenommen. Eine sinnvolle Maßnahme, die aber von unseren Bossen gnadenlos ausgenutzt wird.

Ein Leben im BĂŒro

Es ist ein lang gehegter Traum der Tech-Industrie, das BĂŒro in unser Zuhause zu verwandeln. Diese Ambition manifestiert sich in Entspannungs- und SchlafrĂ€umen, in betriebseigenen KindertagesstĂ€tten und Restaurants, bis hin zum letzten Vorstadt-Start-Up, dass sich lieber eine Tischtennisplatte leistet, anstatt seine BeschĂ€ftigten vernĂŒnftig zu bezahlen.

Google baut inzwischen sogar Siedlungen fĂŒr Arbeiter:innen, direkt eingebettet in ihre Landschaften aus BĂŒrogebĂ€uden. Auf den ersten Blick erscheinen diese als großartige und sinnvolle Verbesserungen der ArbeitsplĂ€tze. Aber es sind keine wohlwollenden Geschenke der Kapitalist:innen, denn wir bezahlen dafĂŒr mit verlĂ€ngerte Arbeitszeit durch weniger Pausen, Überstunden, weniger Lohn, stark befristeten ArbeitsvertrĂ€gen und mit unserer arbeitsfreien Zeit.

Denn wer nach der Arbeit bleibt, wird sich ArbeitsgesprĂ€chen nicht entziehen können. Wer bleibt, kann immer noch kurz eben was machen, wenn etwas anfĂ€llt. Am besten sollten wir immer fĂŒr unsere Bosse verfĂŒgbar und warm gehalten werden. Inzwischen zahlen wir fĂŒr die WĂ€rme sogar selbst.

Ein BĂŒro im Leben

Diese Entwicklung hat nun einen ultimativen Schritt gemacht. Das BĂŒro, das schon vor der Pandemie immer nĂ€her an unser Zuhause geschlichen ist, ist nun vollkommen eingedrungen.

Nicht jede Person kann mit der Arbeit aus dem Homeoffice umgehen. Nicht nur die Arbeit, sondern auch die Kommunikation mit Kolleg:innen und Bossen kommt nach Hause, weswegen man aktiv Maßnahmen ergreifen muss, um nicht mehr erreichbar zu sein. Slack, Microsoft Teams und andere professionelle Kommunikationsapps sind schon lĂ€ngst auf unseren Smartphones gelandet. Es ist so einfach geworden, uns jederzeit fĂŒr Arbeit heranzuholen, die Erwartungshaltung schraubt sich immer weiter nach oben. Der Druck steigt.

Die Reproduktionsarbeit wird komplett auf uns abgeschoben. Kinder mĂŒssen zu Hause von den arbeitenden Eltern betreut werden, da KindergĂ€rten aufgrund wiederkehrender Wellen durch die schwachen Maßnahmen der Regierung nur fĂŒr Notbetreuung offen sind und stĂ€ndig schließen mĂŒssen. Frag doch einmal jeden Elternteil aus deinem Bekanntenkreis, wie einfach es ist, sich vor den Kindern im Arbeitszimmer einzuschließen und in Ruhe zu schuften. Oft können wir uns sowieso keine Wohnungen mit genug RĂ€umen fĂŒr ein solches Szenario leisten. Elternteile, die zu Hause bleiben, mĂŒssen Arbeiter:in, Lehrer:in, Erzieher:in, Koch:Köchin und Reinigungskraft zugleich sein. Auch so etwas Banales wie die Stromkosten fĂŒr Arbeits-Peripherie geht an uns ĂŒber.

Doch wofĂŒr arbeiten wir eigentlich? Von dem, was wir erwirtschaften, bekommen wir gerade so viel, um uns weiterhin die Wohnung, nun unser BĂŒro, zu leisten. WĂ€hrenddessen schaut dein Boss dir ĂŒber die Schulter ins Wohnzimmer.

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Quelle: Fau-fl.org