November 15, 2020
Von Indymedia
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Liebe GefÀhrt*Innen,

immer wieder dringen die bewaffneten und gewalttÀtigen SchlÀger*innen des Staates in unsere Zimmer, Wohnungen und FreirÀume ein. Selten halten sie sich dabei selbst an die Gesetze, die sie ja angeblich verteidigen.

Immer wieder, werden bei solchen ÜberfĂ€llen Freund*innen von den Bullen verschleppt und eingesperrt. Zuletzt Jo, Dy, Lina und viele andere die seit Wochen und Monaten in der sog. “Untersuchungshaft” unter Missachtung ihrer Menschenrechte ausharren mĂŒssen. An dieser Stelle wollen wir einen solidarischen Gruß senden!

Die Gefangenen sind sicher immer die am schlimmsten von den ÜberfĂ€llen Betroffenen, dennoch sind solche “Hausdurchsuchungen” purer Stress auch fĂŒr Alle, die im betroffenen GebĂ€ude wohnen.

Die Erfahrung zeigt, dass die Bullen sich immer deutlich mehr zu erlauben versuchen, als ihnen selbst in ihrer eigenen Logik zusteht. HierfĂŒr ist es wichtig die eigenen Rechte zu kennen und den Bullen, auch wenn sie angsteinflĂ¶ĂŸend sein können, entschlossen entgegenzutreten.

Morgens um 06:01 wacht ihr von SchlĂ€gen unten im Haus auf. Verschlafen fragt ihr euch was da wohl los ist. Die SchlĂ€ge hören jedoch gleich wieder auf und ihr denk euch nichts weiter. Kurz darauf hört ihr Schritte im Treppenhaus und die Rufe “Polizei – Machen Sie auf”.

Und nun?

Hausdurchsuchungen sind in der Regel extrem chaotische und unĂŒbersichtliche Situationen, ĂŒberall sind Bullen, man bekommt keine Infos, niemand weiss erstmal was oder zu wem die SchlĂ€ger*innen in Uniform eigentlich wollen.

Wir haben einen Leitfaden geschrieben, der vor allem fĂŒr grĂ¶ĂŸere WG-Strukturen und Wohnprojekte geeignet ist, um auch in einer solchen Situation den Überblick behalten zu können und als Gemeinschaft selbst möglichst schnell handlungsfĂ€hig zu werden.

Wir können ausserdem allen linken HÀusern/WGs/Projekten stark empfehlen sich eine Bullenklingel oder etwas Àhnliches zuzulegen. Ein Alarmsystem, das nur im Notfall benutzt wird und das in der Lage ist, alle Anwesenden sofort zu informieren, dass die Bullen gerade versuchen in die WG/Haus/Projekt einzudringen.

Wir hoffen, dass möglichst wenige von euch sich damit im Ernstfall befassen mĂŒssen, aber wir hoffen auch, dass möglichst alle darauf vorbereitet sind.

Die StaatsschlĂ€ger*Innen sind es nicht gewohnt bei einer “Durchsuchungsmaßnahme” mit einer organisierten Gruppe konfrontiert zu sein. Der Vorteil ist a) wir können im Besten Fall den Bullen zumindest einen kleinen Strich durch ihre Rechnung machen b) wir lassen niemanden alleine und c) wir können schnell auch in der Presse eine Deutungshoheit erlangen und so auch öffentlichen Druck auf die Eindringlinge machen und ihr Verhalten und ihre VorwĂŒrfe delegitimieren.

In wie fern und mit welcher RadikalitĂ€t und Militanz mensch reagieren möchte, muss jede*r fĂŒr sich selbst wissen. Bedenkt nur immer, dass jede Reaktion der Freund*Innen auch Folgen fĂŒr die Gefangenen haben können.

Unsere SolidaritÀt gegen ihre Repression!



Vor der Razzia
> Im Zweifelsfall Unliebsames so lagern, dass es schnell entsorgt werden kann
> GerĂ€te verschlĂŒsseln! USB-Sticks, Laptops,…immer auch runterfahren (z.B. VeraCrypt, LUKS)
> Telefonnummern von AnwÀlt*Innen/Parlamentarier*Innen parat haben bzw. einspeichern
> Überlegen wie (KanĂ€le/FreundInnen/Gruppen) schnell UnterstĂŒtzer*Innen kontaktiert werden
> Wo sind die Schalter fĂŒr die Bullenklingel? Wie können die TĂŒren schnell verschlossen werden?
> Innerhalb der WG Aufgaben fĂŒr den Fall einer Razzia verteilen (Alle sollten wissen was, wie, wo)
> Als Gemeinschaft Ort fĂŒr Komintern (Deliplenum) wĂ€hrend der Razzia ausmachen (z.B.
Feuerstelle im Garten)

WĂ€hrend der Razzia:
      Bullenklingel auslösen und erstmal laufen lassen
      Alle Aufgaben sind wichtig, niemand sollte seine Aufgabe ohne Ablösung verlassen
> Durchsuchungsbefehl einfordern (Unverletzlichkeit der Wohnung); Einsatzleiter*In: wer, wo?
(Wenn möglich beim Einsatzleiter bleiben und Infos abgreifen), Wer hat den Einsatz angeordnet?,
Einzatzziel (wer)?
> Rausfinden wer betroffen ist falls noch nicht geschehen, dieses an Mitbewohnis kommunizieren
> Betroffener Person anbieten unabhÀgige*r Zeug*In zu sein, Bullen darauf hinweisen, dass
Betroffene das Recht haben selbst unabhÀngige Zeug*Innen zu benennen, von den Bullen
mitgebrachte Zeug*Innen niemals akzeptieren
> AnwĂ€lt*Innen / Parlamentarier*Innen kontaktieren und um UnterstĂŒtzung / Einsatzbeobachtung
bitten; wenn erfolgreich: Kontakt zu diesen Personen halten
> Wo sind ĂŒberall Bullen? Bullen nirgends & nie alleine lassen! Bullen abfilmen, Durchsuchungs-
maßnahmen dokumentieren, falls Bullen sich beschweren: Hausrecht!; durch Bullen entstandene
SchÀden dokumentieren! Keine Freund*Innen abfilmen, nicht unbedacht ins Internet stellen.
> UnterstĂŒtzer*Innen kontaktieren, um Hilfe und Anwesenheit bitten, Aufgaben verteilen
(mitbeobachten, Anwaltkontakte, Rote-Hilfe-Kontakte, Brötchen schmieren, Kaffee kochen)
> Wenn du gerade keine konkrete Aufgabe hast: finde heraus, wer Kontakt zur Einsatzleitung hÀlt,
wer BetroffenunterstĂŒtzung hĂ€lt und wer AnwĂ€lt*Innen-/Parlamentarier*Innen-Kontakt hĂ€lt
– frage ob sie UnterstĂŒtzung oder Ablösung brauchen
– trage die Informationen dieser Kontaktpersonen fĂŒr das Deliplenum zusammen
> wenn diese Aufgaben verteilt/erledigt: Komintern: Deliplenum (am besten 1 Person/WG): dort
Informationen zusammentragen und verteilen, Probleme und offene Aufgaben ansprechen,was
wĂŒnschen wir uns im Moment von den UnterstĂŒtzer*Innen? (mehr?,weniger?, Passantenkontakt?,
Wannenreifen?, Sponti?), Umgang mit Presse (GewĂŒnscht? Schon da? Falls ja: Fehlverhalten der
Bullen kommunizieren, mit weiterem zumindest bis zum internen Krisenplenum warten)
> Falls Betroffene*r von Bullen verschleppt wird: Soll Zimmer aufgerÀumt werden? Falls ja: Fotos!

Nach der Razzia:
> Krisenplenum (intern), ca. 2h nach Abzug der Bullen, als Ort nicht von den Bullen betretene
RÀume wÀhlen, genaue Zeit und Ort klar an alle kommunizieren
– UnterstĂŒtzer*Innen-AK fĂŒr Betroffene bilden
– Presse-AK bilden, Mandat der Gruppe absprechen
– Reaktionsmöglichkeiten ausloten und besprechen, AktionswĂŒnsche,
Aktionskonsens fĂŒr Reaktionen im Namen der Gemeinschaft,
MedienkanĂ€le ĂŒber die Aktionen beworben werden sollen rĂŒcksprechen,
Deligierte bestimmen die diese Entscheidungen auf das nachfolgende UnterstĂŒtzer*Innen-
Plenum tragen
– offene Fragen, Aufgaben und WĂŒnsche Ă€ußern / verteilen
> UnterstĂŒtzer*Innen-Plenum (mit Externen):
– was ist passiert?
– wie wollen wir das in die Öffentlichkeit trasportieren? (Aktionen, Darstellung)
– Aktionskonsens vorstellen
– AktionswĂŒnsche konkretisieren => wofĂŒr wird UnterstĂŒtzung benötigt?
– Aufgaben verteilen
> Alle deren Zimmer / Wohnung von Bullen betreten wurden: Dienstaufsichtsbeschwerden!
> Alle: GedÀchtnisprotokolle
> entstandene SchĂ€den dokumentieren (Verletzungen, TĂŒrschĂ€den, MĂŒll etc. mit Zeitstempel
fotografieren)
> UnterstĂŒtzen / self-care / BedĂŒrfnisse
> Presse-AK fĂŒttern und unterstĂŒtzen
> Nachbereitung nicht vergessen, zeitlichen Abstand zur Durchsuchung nicht zu groß werden
lassen! (Wie geht’s uns persönlich? Wie gehen wir mit dem Erlebten um? Was haben wir alles
geschafft und gut gemacht? Was hÀtte besser laufen können? Was sagen die Bullen? Wie war/ist die
Presse? Was gibt es noch zu tun, wer braucht UnterstĂŒtzung?)

Wie immer gilt: Passt auf einander auf! Hausdurchsuchungen sind Extremsituationen, Menschen können sich
schnell ĂŒberfordert fĂŒhlen, wenn unberechenbare und bewaffnete SchlĂ€ger im eigenen Haus sind. Bereitet euch
darauf vor, sprecht in euren WGs darĂŒber wovor ihr Angst habt, wo eure Grenzen liegen, was ihr euch im
Ernstfall wĂŒnscht. Wenn der Fall eintritt, sagt euren Mitbewohnis Bescheid, wenn ihr euch ĂŒberfordert fĂŒhlt und
Angst habt, damit diese dann damit umgehen können und, wenn möglich, euch aus der Situation holen können.




Quelle: De.indymedia.org