Januar 18, 2022
Von Indymedia
172 ansichten

Seit Anfang Dezember werden mehrere tausende Menschen zu den Querdenken-AufmĂ€rschen in Rostock mobilisiert. Immer hĂ€ufiger finden sich dort auch mehrere Dutzend teilweise gewaltbereite Neonazis. Sie fĂŒhren die Demonstrationen hĂ€ufig an und tragen zu Eskalationen gegenĂŒber der Polizei bei. In den vergangenen Wochen gab es verschieden Veröffentlichungen zu Kadern die an den Demonstration teilnehmen. (z.B. https://katapult-mv.de/artikel/neonazis-an-der-spitze) Wir wollen den Raum und die Öffentlichkeit abseits der Querdenker:innen nutzen um eine eigene Kritik zu formulieren. 

Im Anschluss dokumentieren wir den Flyertext der wÀhrend der Demonstration verteilt wurde:

Corona das Virus – Kapitalismus die Krise!

Seit etwa zwei Jahren leben wir nun mit einem Virus, dessen BekĂ€mpfung uns so viel nimmt: gemĂŒtliche FamilienzusammenkĂŒnfte, aktives Vereinsleben, Konzerte und unzĂ€hlige weitere schöne Sachen. Was uns jedoch nicht genommen wird, sind schlechte beziehungsweise jetzt noch schlechtere Bedingungen auf der Arbeit, bei der Ausbildung oder in der Schule.
WĂ€hrend zu Anfang der Pandemie in Deutschland noch alles runtergefahren wurde, um uns und die Gesundheit unserer Mitmenschen zu schĂŒtzen, sind die PrioritĂ€ten mittlerweile verschoben und hauptsĂ€chlich die Profite geschĂŒtzt. GroßraumbĂŒros sind offen, viele Arbeitgeber*innen verwehren ein mögliches Home-Office und setzen so bewusst unsere Gesundheit aufs Spiel – Hauptsache wir sind produktiv! Viele leiden unter der Doppelbelastung von Home-Office und Kinderbetreuung, Fabrikarbeiter:innen malochen zusammengepfercht wie eh und je.
Kleinunternehmer:innen wissen nicht, wie sie ĂŒber die Runden kommen sollen, wĂ€hrend die Lufthansa mit Milliarden von Euros gerettet wurde. Teure medizinische Masken sind in vielen Bereichen des Lebens genauso wie Schnelltests zur Pflicht geworden – doch anstatt genĂŒgend fĂŒr alle, besonders jene, die jeden Cent zweimal umdrehen mĂŒssen, bereitzustellen, sackten korrupte Politiker:innen durch krude Deals lieber selbst tausende Euros ein.
Die Pfleger*innen in den KrankenhĂ€usern mĂŒssen einen großen Teil der Last dieser Pandemie tragen. Doch die Arbeitsbedingungen wurden trotz zahlreicher Versprechungen nicht verbessert und auch ein angemessener finanzieller Ausgleich fehlt bis heute. Dies gilt auch fĂŒr die meisten anderen Berufe im Gesundheitswesen. Schlechte Bezahlung und zu viel Stress gehört fĂŒr viele zum Alltag.

Das alles hat System! Die Krise heißt nicht Corona, auch nicht Bill Gates oder George Soros, sondern Kapitalismus! Solange nicht der Mensch, sondern der Profit im Vordergrund steht, können wir keine grundlegende Verbesserung der VerhĂ€ltnisse erwarten. Wenn die Patente der Impfstoffe nicht freigegeben werden, um Profite der Unternehmen nicht zu gefĂ€hrden, fĂŒhrt uns das vor Augen, was wir wert sind.

Die aktuellen Entwicklungen jeden Montag in Rostock bereiten uns allerdings große Sorgen. Zwar richten sich die Proteste gegen die staatlichen Maßnahmen zur BekĂ€mpfung der Pandemie, die auch wir in einigen Punkten in diesem Text kritisieren, jedoch machen sich alle Teilnehmer:innen der Montagsdemos mit Neonazis und rechten Hools gemein.
Davon abgesehen, dass man nicht mit Nazis zusammen durch die Stadt spaziert, verurteilen wir auch die geschichtsrelativierende Juden Vergleiche mit denen sich Teilnehmende auf den Veranstaltung regelmĂ€ĂŸig brĂŒsten.  
Wir haben kein Bock mehr auf Corona, wir haben kein Bock auf Nazis in unserer Stadt und auch kein Bock auf einen Staat fĂŒr den Profit und Kapital wichtiger sind als die Gesundheit der Menschen.

Gegen den Kapitalismus & Nazis!
FĂŒr bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege!
FĂŒr einen leichteren Zugang zu Impfstoff – fĂŒr alle Menschen, in allen LĂ€ndern!
Hoch die internationale SolidaritÀt!

 




Quelle: De.indymedia.org