Juni 6, 2021
Von InfoRiot
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Das Schweizerhaus in Seelow ist ein historischer Ort, dessen Bedeutung ein Heimatverein vor mehr als zehn Jahren erkannte. Lange war vergessen, dass es samt umliegender LĂ€ndereien von 1919 bis 1933 dem jĂŒdischen Bankier Hugo Simon gehörte. Er war ein fortschrittlicher Politiker, Kunstsammler und MĂ€zen, darĂŒber hinaus ausgebildeter Landwirt. Nach der MachtĂŒbertragung an die Nazis floh er mit seiner Familie zunĂ€chst nach Frankreich, spĂ€ter nach Brasilien, wo er 1950 starb.

Am Freitag wurde im Beisein von Politikern des Landkreises, Förderern und Mitgliedern des Vereins der Beginn einer neuen Etappe im Ringen um die Wiederbelebung des Areals im Sinne Simons und seiner Nachfahren gefeiert. Denn seit dem 31. Mai ist eine nach Hugo Simon benannte Stiftung EigentĂŒmerin und Verwalterin des Schweizerhauses und von Teilen des ehemaligen GutsgelĂ€ndes. Den Stiftungsvorsitz hat Rafael Cardoso ĂŒbernommen, ein Urenkel Hugo Simons. Vizechefin ist Marion KrĂŒger, die Vorsitzende des Heimatvereins Schweizerhaus Seelow. Dem Engagement KrĂŒgers und ihrer Mitstreiter ist es zu verdanken, dass das ehemalige Mustergut dem Vergessen entrissen und freigelegt wurde, und dass das Schweizerhaus selbst heute ein moderner Veranstaltungsort ist (»nd« berichtete).

DarĂŒber hinaus gibt es seit Freitag in der Dauerausstellung zu Leben und Werk Simons ein neues Exponat: Das Fragment einer Großplastik, 1921 von Arthur Storch fĂŒr das »Porzellanpalais« in Leipzig geschaffen. Seinerzeit hatte Hugo Simon eine von damals vier »Hirscheber«-Skulpturen erworben. Mitglieder des Vereins hatten 2013 bei einer ihrer AufrĂ€umaktionen die Scherben dieses »Hirschebers« gefunden. Nun sind sie von Restauratorinnen wieder zusammengesetzt worden. Neben dem imposanten drachenartigen Kopf mit Geweih fehlen viele weitere Bestandteile. Die Figur stehe nun fĂŒr die »gebrochene Geschichte« des Ortes und fĂŒr die »Gebrochenheit deutscher Geschichte insgesamt«, sagte Friedrich-Wilhelm von Rauch, PrĂ€sident der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, die die Restauration der Skulptur gefördert hat. Gerade in Seelow lĂ€gen »Idyll und Inferno« auch rĂ€umlich nah beieinander. Wenige hundert Meter vom Schweizerhaus entfernt befindet sich die GedenkstĂ€tte fĂŒr eine der opferreichsten Schlachten des Zweiten Weltkrieges mit Zehntausenden Toten.

Rafael Cardoso betonte, die StiftungsgrĂŒndung sei ein »Meilenstein«. Zugleich aber sei der Akt ein »Grundstein, den wir hier legen«. »Erstmals bin ich nicht als Gast an diesem Ort. Jetzt bin ich Mitgestalter«, sagte der in Brasilien geborene und in den USA aufgewachsene Professor fĂŒr Kunstgeschichte. Wie Cardoso wĂŒrdigte auch Uwe Schumacher, Vorstandschef der Sparkasse MĂ€rkisch-Oderland, die Begeisterung, mit der die Aktiven des Vereins fĂŒr den Aufbau dieser besonderen Kultur- und BegegnungsstĂ€tte kĂ€mpfen. Er erzĂ€hlte, wie er und andere Banker vor Jahren von Marion KrĂŒger ĂŒber das GelĂ€nde gefĂŒhrt wurden und danach meinten: »Das Engagement der Leute hier ist ja aller Ehren wert – aber werden tut das hier nix. Damit war die Sache fĂŒr uns erst mal erledigt.« Da habe er aber die HartnĂ€ckigkeit von KrĂŒger und Genossen unterschĂ€tzt.




Quelle: Inforiot.de