September 15, 2021
Von InfoRiot
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Potsdam – In der Potsdamer Innenstadt haben am Mittwoch rund 500 Menschen fĂŒr den Erhalt des frĂŒheren Rechenzentrums in der Dortustraße demonstriert, das seit sechs Jahren als Kreativhaus genutzt wird. Los ging es um 17 Uhr am Rechenzentrum mit einer Kundgebung. SĂ€nger Christian NĂ€the von der Potsdamer Band Hasenscheiße spielte ein paar Lieder. Anschließend setzten sich die Demonstranten im Dauerregen in Bewegung. Die Route fĂŒhrte ĂŒber die Yorck- und die Friedrich-Ebert-Straße in die Breite Straße zurĂŒck zum Rechenzentrum. An den Vortagen waren im Rechenzentrum viele bunte Pappschilder gebastelt worden. Darauf standen Slogans wie „Potsdam nur mit Rechenzentrum“ oder „RZ for ever“.

Die Sprecherin der Nutzenden des Rechenzentrums Anja Engel sagte, das GebĂ€ude habe sich zu einem einzigartigen Raum fĂŒr Zusammenarbeit entwickelt – und nicht fĂŒr den Konsum. Man wolle rechtzeitig darauf aufmerksam machen, was verloren gehen wĂŒrde, wenn das GebĂ€ude wie bisher vorgesehen nach 2023 abgerissen wĂŒrde. Nora Fritz, die im Rechenzentrum eine Siebdruckwerkstatt betreibt, sagte, ohne diesen besonderen Ort hĂ€tte sie niemals eine Chance dazu gehabt. 

Keine weiteren Abrisse von NachkriegsgebÀuden

Aufgerufen hatte ein BĂŒndnis aus mehreren Gruppen, darunter der Sprecher:innenrat der Nutzenden des Rechenzentrums, der Verein Freundliche Übernahme Rechenzentrum, die Kulturlobby Potsdam sowie die Ortsgruppe der KlimaschĂŒtzer von Architects for Future. Die Initiatoren hatten fĂŒr eine möglichst breite Teilnahme geworben. „Wir wollen ein Zeichen setzen fĂŒr ein Potsdam mit Rechenzentrum“, hieß es in einem am Montag verbreiteten Aufruf. Als weitere UnterstĂŒtzer wurden etwa die Martin-Niemöller-Stiftung, das Netzwerk KulturMachtPotsdam, das Stadtteilnetzwerk Potsdam West und das Jugendzentrum Freiland genannt. 

“Kulturinseln retten”, fordert eine Teilnehmerin.Foto: Andreas Klaer

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Leider bestehe die Stiftung Garnisonkirche auf einem Teilabriss des DDR-GebĂ€udes, ohne einen Bau auf der FlĂ€che des ehemaligen Kirchenschiffs in Aussicht zu stellen, hieß es in dem Appell. „In Zeiten von RessourcenengpĂ€ssen und Klimakrise ist es verantwortungslos, funktionierende, gut genutzte GebĂ€ude abzureißen.“ Es dĂŒrfe in der Innenstadt auch keine weiteren Abrisse von Bauten der Nachkriegsmoderne geben, so meinen die Veranstalter. Zuletzt war neue Bewegung in die Debatte gekommen.

Schubert spricht sich fĂŒr Teilerhalt aus

OberbĂŒrgermeister Mike Schubert (SPD) hatte kĂŒrzlich gesagt, „dass es einen Teilerhalt des Rechenzentrums geben muss“. In einer Stadtgesellschaft brauche es Reibung – es mĂŒsse Orte geben, an denen die BrĂŒche in der Stadt sichtbar werden können. „Es geht nicht darum, dass die eine oder die andere Seite gewinnen soll“, sagte Schubert. „Es geht darum, wie der ganze Standort funktionieren kann.“ Die ganze Stadtgesellschaft mĂŒsse vom Ergebnis profitieren, nicht nur die Nutzer:innen der jeweiligen GebĂ€ude. Schubert hatte zudem auf den von den Stadtverordneten beschlossenen „Design Thinking“-Prozess zur Gestaltung des Umfelds auf dem Areal zwischen dem neu gestalteten Stadtplatz Plantage und Dortu- sowie Breiter Straße hingewiesen. Außerdem hatte sich auch das Kuratorium der Stiftung Garnisonkirche, auf deren GrundstĂŒck das Rechenzentrum zum Teil steht, wie berichtet, im Juni erstmals offen fĂŒr einen teilweisen Erhalt gezeigt. 

Auch ein Affe war bei der Demo dabei.Foto: Andreas Klaer

Ob das GebĂ€ude des frĂŒheren Rechenzentrums in der Dortustraße unter Denkmalschutz gestellt wird, ist weiter offen. Das Landesdenkmalamt erwartet eine Entscheidung Anfang November, hieß es auf PNN-Anfrage. Nach der Unterschutzstellung des Glockenspiels hatte die Linke den Eintrag des benachbarten DDR-Baus an der Plantage in die Denkmalliste des Landes Anfang August beantragt. Wird ein GebĂ€ude auf die Denkmalliste eingetragen, besteht laut Brandenburgischem Denkmalschutzgesetz eine dauerhafte Erhaltungspflicht. Die Entscheidung zum Glockenspiel kritisierte auch am Mittwoch vor Ort in einem Redebeitrag Philipp Oswalt vom Lernort Garnisonkirche. Anders als das Glockenspiel verdiene das Rechenzentrum den Erhalt.

Die Demo sorgte auch fĂŒr Reaktionen im Netz. „Der Kreativort #Rechenzentrum als Freiraum fĂŒr Kunst- & Kulturschaffende muss erhalten bleiben“, schrieb die GrĂŒnen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock ĂŒber den Kurznachrichtendienst Twitter. Ihr Konkurrent um das Direktmandat im Wahlkreis 61 Norbert MĂŒller, der an der Demonstration auch selbst teilnahm, twitterte: „Genug Barock – erhaltet unsern Block!“




Quelle: Inforiot.de