Mai 30, 2021
Von FAU Hamburg
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Am 29.05. kamen etwa 200 Personen in Bad Bramstedt zusammen, um sich an einer Demo gegen die Vion Bramstedt GmbH Food Group zu beteiligen. Die Vion Food Group ist der zweitgrĂ¶ĂŸte Fleischproduzent Deutschlands. In dem Schlachtbetrieb in Bad Bramstedt schufften etwa 400 Menschen und bestreiten ihren Unterhalt ĂŒberwiegend durch das töten und zerteilen von Rindern. Die Demo wurde vom BĂŒndnis Gemeinsam gegen die Tierindustrie organisiert und richtet sich gegen die Zerstörung von Mensch, Tier und Natur durch SchlachthĂ€user und die Tierindustrie im allgemeinen. Die FAU Hamburg hat ebenfalls dazu aufgerufen, sich daran zu beteiligen und einen Redebeitrag vor dem FabrikgebĂ€ude mit dem Schwerpunkt auf Arbeitsbedingungen beigesteuert. (siehe unten)

Erst Anfang Mai gab es einen grĂ¶ĂŸeren Ausbruch des Coronavirus in dem Betrieb – mehr als 50 Personen wurden infiziert. (topagrar.com)

Unser Redebeitrag

Dokumentieren und organisieren! Diese beiden Aspekte wollen wir heute stark machen.

Wir sind von der Freien Arbeiter*innen Union aus Hamburg. Wir sind eine anarchosyndikalistische Basisgewerkschaft und sind davon ĂŒberzeugt, dass es im Kapitalismus nichts geschenkt gibt und wir nur bekommen, wofĂŒr wir kĂ€mpfen.

Bevor unsere Kollegin von ihren Erfahrungen mit den Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie berichtet, wollen wir ein paar grundsĂ€tzliche Worte ĂŒber den Kampf gegen miese Arbeitsbedingungen verlieren.

Die Ausgangsbedingungen, um sich gegen schlechte Arbeitsbedingungen zu wehren – das gilt aber genauso fĂŒr viele andere Widrigkeiten – sind sehr unterschiedlich. Dazu gibt es verschiedenen Ebenen, auf denen gekĂ€mpft werden kann. Gerade in prekĂ€ren BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnissen kann Recht und Gesetz ein Mittel der Wahl sein, da Recht und Gesetz gerade in solchen ArbeitsverhĂ€ltnissen hĂ€ufig gebrochen werden. Aber auf dem Spielfeld der Justiz sind die Regeln sehr eng und du musst gut vorbereitet sein, um zu gewinnen. So kommen wir zum ersten Aspekt: alles dokumentieren!

Vor Gericht zĂ€hlt nur, was du beweisen kannst. Verlasse dich nie darauf, dass dein Chef deine Arbeitszeit richtig erfasst, sondern fĂŒhre selber Buch. Wann fĂ€ngt deine Arbeit an und wann hört sie auf, wann sind die Pausenzeiten, wann hast du Urlaub, wann hast du einen Arbeitsunfall und wann solltest du dann beim Arzt sagen, das wĂ€re bei der Hausarbeit passiert. Mach Fotos, wenn die Arbeitssicherheit nicht ausreichend ist, oder wenn die Hygiene zu wĂŒnschen ĂŒbrig lĂ€sst. Je eindeutiger deine Dokumentation ist, desto besser sind deine Chancen vor Gericht. Videos von GesprĂ€chen mit den Vorgesetzten zu machen, ist natĂŒrlich nicht so einfach, aber ein GedĂ€chtnisprotokoll ist auf jeden Fall sinnvoll.

Um MissverstĂ€ndnissen vorzubeugen: wir sind keine großen Fans von Recht und Gesetz; und wenn diese nicht dazu taugen, fĂŒr Gerechtigkeit zu sorgen, dann mĂŒssen andere Wege gefunden werden. Aber die Arbeiter*innenbewegung hat dieses Mittel erkĂ€mpft und wir sollten dieses nicht ungenutzt lassen, wenn es hilfreich ist.

In prekÀren Arbeitsbedingungen kommt dieser Weg meist nur dann in Frage, wenn das ArbeitsverhÀltnis sowieso schon beendet ist, denn sonst beendest du es damit. Aber du solltest dir nicht die Genugtuung entgehen lassen, deinem Arbeitgeber wenigstensim Nachhinein noch eins auszuwischen. Und das Geld gehört dir und nicht der Firma.

Auch wenn dualleine vor Gericht gehen kannst,um deine individuellenRechte durchzusetzen, solltest du dies dennochnicht im Alleingang angehen. Gemeinsamist die Kraft immer grĂ¶ĂŸer, denDruck der Gegenseite leichter auszuhalten, das Durchhaltevermögen grĂ¶ĂŸer. Auch deswegen: organisieren!

Du bist mit deinen Problemen bei der Arbeit mit Sicherheit nicht alleine. Tausche dich mit deinen Kolleg*innen aus und suche VerbĂŒndete.
Du sollst aber gemeinsames Meckern und Schimpfen nicht damit verwechseln.
Denn gemeinsames Auskotzen ĂŒber die Arbeit ist zwar wichtig und rettet einen durch so manchen tristen Tag , aber esersetzt nicht das gemeinsame Beraten darĂŒber, was falsch lĂ€uft und, noch wichtiger, wie wir dafĂŒr sorgen können, dass es besser lĂ€uft.

Auch außerhalb vom Betrieb solltest du dir eine starke VerbĂŒndete suchen und in einer Gewerkschaft aktiv werden, am besten zusammen mit deinen Kolleg*innen. Der Fokus liegt hier auf den Worten„aktiv werden“! Das bedeutet nicht, jede Woche auf einem Treffen zu sitzen. Aber es sollte bedeuten, andere Mitglieder*innen und die Strukturen der Gewerkschaft zu kennen, um dann, wenn es ernst ist, sich Hilfe holen zu können und anderen helfen zu können, wenn es bei ihnen ernst geworden ist. Denn zusammen sind wir am stĂ€rksten.

Und außerdem:gemeinsam mit Kolleg*innen und Gewerkschaft können auch Forderungen durchgesetzt werden, die nicht unrecht sind, aber trotzdem ungerecht.

Und ist die Organisierung einmal weit genug, dann ist es vielleicht sogar möglich, mit den Ursachen des Übels Schluss zu machen, den Kapitalismus und die Herrschaft auf den MĂŒllhaufen der Geschichte zu verfrachten und eine Gesellschaft zu errichten, in der es heißt: jede nach ihren FĂ€higkeiten, jede nach ihren BedĂŒrfnissen!

Deswegen schließen wir mit dem Aufruf:
Alles dokumentieren!
Alle organisieren!




Quelle: Hamburg.fau.org