Januar 16, 2021
Von End Of Road
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Heute vor 102 Jahren wurden die Genoss*innen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von rechten Freikorps ermordet.
Sie waren nicht nur, mit vielen anderen zusammen, an der GrĂŒndung der Kommunistischen Partei Deutschlands beteiligt, sondern auch ihre Vorsitzenden. Als revolutionĂ€re Kommunist*innen war ihr VerhĂ€ltnis zur parlamentarischen Demokratie immer nur ein taktisches. Trotz anderer Ansichten z.B. ĂŒber den Charakter und die Aufgaben einer kommunistischen Partei als z.B. Lenin und die Bolschewiki, war ihr VerhĂ€ltnis zum jungen Sowjet-Russland immer ein kritisch-solidarisches. Folgerichtig beteiligten sie sich aktiv an der revolutionĂ€ren RĂ€te-Bewegung nach dem 1. Weltkrieg. Ihr Ziel war es die bĂŒrgerlich-demokratische Revolution gegen Monarchie und Weltkrieg weiterzutreiben und als sozialistische Revolution zu vollenden. Als proletarische Internationalist*innen war aber auch das von ihnen und Millionen anderen angestrebte Sowjet-Deutschland nur ein erster, kleiner Schritt auf dem Weg zur Weltrevolution.
UnabhĂ€ngig von der durch die Alliierten nach dem 1. Weltkrieg auf 100.000 Mann reduzierte Reichswehr, befanden sich nach dem 1. Weltkrieg Zigtausende, noch aus dem Krieg mit schweren Waffen ausgerĂŒstete, deutsche Soldaten im Land. Diese paramilitĂ€rischen VerbĂ€nde orientierten sich politisch an rechten, revanchistischen und proto-faschistischen Organisationen und Parteien und wurden durch Unternehmer*innen und Großgrundbesitzer*innen finanziert. Diese, verharmlosend als „Freikorps“ bezeichnet, gingen gewaltsam gegen alle Linken und Demokrat*innen, gegen die Arbeiter*innenbewegung vor. Angefeuert und gedeckt in ihrem Kampf gegen die revolutionĂ€re Linke wurden die Freikorps durch die sozialdemokratische SPD-Reichsregierung unter Ebert und Noske. Die Arbeiter*innenbewegung, zu Millionen im 1. Weltkrieg als Soldaten zwangsverpflichtet und so unfreiwillig mit militĂ€rischem Wissen ausgestattet, stellte sich ihnen verzweifelt in den Weg. Beispielhaft hierfĂŒr steht die „Rote Ruhr Armee“ und ihre Erfolge im Ruhrgebiet, aber auch die Bremer RĂ€terepublik. Sie gehören zu den KĂ€mpfen der revolutionĂ€ren Linken im deutschsprachigen Raum die heute leider viel zu oft in Vergessenheit geraten sind.
Vom 5. bis zum 12. Januar 1919 kam es in Berlin zu einem Generalstreik. Dieser wurde von Freikorps blutig zusammengeschossen, unzĂ€hlige Genoss*innen wurden getötet und verletzt. Am 15. Januar 1919 schließlich entfĂŒhren in Berlin Freikorpssoldaten der „Garde-Kavallerie-SchĂŒtzen-Division“ Rosa und Karl. Sie waren zu diesem Zeitpunkt eigentlich bereits untergetaucht. Sie verschleppten die beiden in das Hauptquartier des Freikorps im Hotel Eden und folterten und verhörten sie dort. Anschließend erschossen sie Karl im Berliner Tiergarten mit drei SchĂŒssen aus nĂ€chster NĂ€he. Rosa wurde ebenfalls ermordet. Ihre Leiche warfen sie in den Landwehrkanal, wo sie erst Ende Mai 1919 gefunden wurde. Der AnfĂŒhrer ihrer Mörder, Waldemar Pabst, konnte auch nach dem zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik weiter ein beschauliches Leben fĂŒhren. Politisch der NPD nahe stehend und gedeckt von westdeutschen Geheimdiensten, konnte er als WaffenhĂ€ndler weiter ReichtĂŒmer anhĂ€ufen. Er starb wohlhabend 1970 in DĂŒsseldorf.
Wir sehen, dass Verstrickungen aus Staat und rechtem Terror kein neues PhĂ€nomen sind. Mit der Markierung des Landwehrkanals vor dem Verteidigungsministerium als Tatort rechten Terrors im Auftrag des Staates haben die Genoss*innen von Nationalismus ist keine Alternative Berlin auch auf heutige rechte Organisierungen in Armee und Sicherheitsbehörden hingewiesen. Die Spuren des Terrors, von den Waffenkammern von Nordkreuz ĂŒber die UnterstĂŒtzungsnetzwerke des NSU, können wir bis zum Landwehrkanal zurĂŒckverfolgen. Rechter Terror hat in Deutschland KontinuitĂ€t. HĂ€ufig erfolgt er mindestens im Interesse, oft genug im BĂŒndnis mit staatlichen Institutionen.
Doch nicht nur fĂŒr uns als Kommunist*innen ist das Erinnern an Rosa und Karl von Bedeutung. Auch die Faschisten haben diesen Mord nicht vergessen und erinnern gerne daran. Was uns zur Mahnung dient, ist ihnen ein Vorbild. So wies der militante Neonazi und Blood&Honour-Logistiker Thorsten Heise in einer Rede daraufhin, Antifaschist*innen drohe das Schicksal der „Ratten im Landwehrkanal“ (1). Gemeint war Lina, die seit November unter fadenscheiniger BegrĂŒndung in U-Haft sitzt (2), und weitere Beschuldigte, denen Angriffe auf Heises Kameraden vorgeworfen werden. Diese erlangten Bekanntheit ĂŒber ihre Kontakte zum ukrainischen „Asow Bataillion“, Schießtrainings in Tschechien und Propaganda fĂŒr die sogenannte Atomwaffendivision (3).
Das Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht als gefallene Genoss*innen lehrt uns, dass wir uns im Kampf gegen den Faschismus nicht auf den Staat verlassen können. Der Staat und seine Sicherheitsbehörden werden immer potentielle VerbĂŒndeten der Faschisten sein. Sei es der „Verfassungsschutz“ als Financier des Terrors und Beweismittelvernichter, oder KriminalĂ€mter als Rechercheabteilung fĂŒr Nazis.
Bevor der Staat uns schĂŒtzt, verbĂŒndet er sich mit den Faschisten. Also mĂŒssen wir es selbst in die Hand nehmen. SolidaritĂ€t und Gedenken im Angesicht des rechten Terrors heißt: Zusammen kĂ€mpfen!

Nika Berlin

1) https://cutt.ly/ljEoJTZ
2) https://freiheitfuerlina.noblogs.org
3) https://cutt.ly/kjEaz9h




Quelle: Endofroad.blackblogs.org