Februar 7, 2021
Von SchwarzerPfeil
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Beitrag von: beatrix

Bei dem folgenden Beitrag handelt es soich um die Übersetzung aus dem Englischen, die im letzten Jahr als BroschĂŒre im Down & Out Distro erschienen ist.

Verwirrt blicken wir auf unsere Welt, mit einem GefĂŒhl von Beunruhigung und Missgunst. Wir sehen uns selbst als SchĂŒler*innen obskurer Lithurgien, als einzelne EntitĂ€ten, die in Welten jenseits ihrer VerfĂŒgung gefangen sind. Die Wahrheit ist viel einfacher: In der Dunkelheit, die uns umgibt, gibt es Dinge, die uns Schaden zufĂŒgen wollen.1

Zu Beginn wollen wir uns einer einfachen, aber möglicherweise kontroversen Angelegenheit widmen, die die Basis unseres Aufrufs ausmacht. Polizist*innen mĂŒssen getötet werden, die Familien von Polizist*innen mĂŒssen getötet werden, die Kinder von Polizist*innen mĂŒssen getötet werden, die Freund*innen und UnterstĂŒtzer*innen von Polizist*innen mĂŒssen getötet werden. Wir meinen das sowohl materiell, als auch immateriell (obwohl nicht notwendigerweise beide Bedeutungen auf alle genannten Beispiele zutreffen2); um die mörderische Herrschaft des Terrors, die uns von den HĂŒter*innen der “Zivilisation” auferlegt wird, zu anihilieren, ist es nicht nur notwendig, sie von der ErdoberflĂ€che zu fegen, sondern auch, dass wir in einer solchen RadikalitĂ€t handeln, dass die Wiederkehr jeder “polizeiartigen” Macht nach der Annihilation des Policings3 nicht nur entmutigt, sondern tatsĂ€chlich unmöglich sein wird.

Wir werden hier moralische Fragen weder behandeln, noch erwĂ€gen. Fragen, ob Mord richtig oder falsch ist, ob es die Kinder von Polizist*innen verdienen zu sterben oder nicht, ob wir nach den Strömen an Blut noch in der Lage sind mit uns [und unseren Taten] zu leben. Genausowenig werden wir uns mit den GrĂŒnden beschĂ€ftigen, warum Policing im Allgemeinen sterben muss, an irgendein Konstrukt von politischer Gerechtigkeit appellieren oder eine kohĂ€rente Liste an GrĂŒnden aufstellen, warum die Dinge besser sind, wenn alle Polizist*innen tot sind. Wenn du diesen Text liest, weil du erwartest, dass wir diese Position ausfĂŒhren, begrĂŒnden oder erklĂ€ren, warum Policing schlecht ist, kannst du auch genausogut hier aufhören weiterzulesen. Wenn du nach einer praktischen Analyse, wie wir ein solch abgrĂŒndiges Projekt angehen könnten, dann willkommen in der Hölle, mein*e Freund*in.

Ebenso werden wir keine Fragen behandeln, die die Zukunft betreffen; wir werden nicht spekulieren, was passieren könnte, wenn die Polizei abgeschafft ist und alle Polizist*innen tot sind. Wir werden weder zu der Vorstellung einer zusammenbrechenden Gesellschaft masturbieren, noch die im Raum stehende Beerdigung von Recht und Gesetz beklagen. Wir werden weder ein detailliertes Bild einer Zukunft zeichnen, an die wir nicht glauben, noch Frohlocken in der Erwartung eines großen Zusammenbruchs. Wir wissen nicht, was passieren wird, wenn alle Polizist*innen tot sind und genausowenig haben wir irgendein besonderes Interesse daran, das zu wissen. Es mag sein, dass der Tod aller Polizist*innen wirklich im Interesse eines fortgeschrittenen Kapitalismus ist, der das Policing so sehr internalisiert hat, dass die PrĂŒgelbullen nicht lĂ€nger benötigt werden und medikamentierte Verbrecher*innen sich einfach selbst in den Knast begeben; Es mag sein, dass der Tod des Policings die gesamte Vorstellung gegenseitigen Interesses zerstört. So oder so, interessiert uns das nicht, wir wollen die Polizist*innen tot sehen und wir wollen das sofort.

Möglicherweise ist es erforderlich an dieser Stelle zwei Dinge zu definieren: Einerseits was wir mit “Polizei” meinen und andererseits was wir mit “töten” meinen.

Wir verstehen, dass fĂŒr viele Menschen (sogar in selbsterklĂ€rten anarchistischen Millieus) unter dem Wort Polizei allgemein der Staats-Apparatschik verstanden wird, der*die zwischen uns und der Umsetzung unseres destruktiven Verlangens steht, die “dĂŒnne blaue Linie”, die die Gesellschaft vor dem Zusammenbruch schĂŒtzt, die Peitsche in der Zuckerbrot-und-Peitsche-Metapher. Durch diesen Diskurs beschwören wir das Bild einer*s Bullen als blau uniformiertes Ziel herauf, der*die eine Knarre, Handschellen und FunkgerĂ€t trĂ€gt, einen Streifenwagen fĂ€hrt und unsere Freund*innen kidnappt.

Auch wenn keine solche Analyse notwendigerweise falsch ist, haben wir das GefĂŒhl, dass diese daran scheitern, einen grĂ¶ĂŸeren Zusammenhang herzustellen, in der “Policing” die Logik jeder sozialen Beziehung durchdringt und unseren Weg durch diese Welt bestimmt. “Polizei” ist nicht nur eine Jobbezeichnung, sondern vielmehr eine Beschreibung bestimmter sozialer Beziehungen und Handlungen, Policing ist ein Akt, eine lebendige Methodik und ein Medium der Kommunikation. Policing ist etwas, dass die Menschen tun, tun werden und getan haben, nicht etwas, dass sie sind.

Das bedeutet nicht, dass diejenigen, die Policing betreiben einfach aufhören könnten, ein Mitglied der Polizei zu sein oder dass sie einfach ihre Handschellen an den Nagel hĂ€ngen und sich selbst eine Absolution erteilen könnten, aber es bedeutet, dass wir unsere Definition von Polizei ausweiten mĂŒssen, jenseits der uniformierten SchlĂ€ger*innen in den Straßen. Wir wollen weiter fĂŒr eine Unterscheidung zwischen “Policing” und “Polizist*in” / “Polizei” plĂ€dieren, insofern, als dass wir das GefĂŒhl haben, dass “Polizist*innen” innerhalb anarchistischer Vorstellungen konkrete Individuen innerhalb der organisierten “Polizei”4 meint, wĂ€hrend wir glauben, dass “Policing” etwas viel allgemeineres bezeichnet, das wir hier ausfĂŒhren wollen.

Wir wollen uns hier kurz der Etymologie widmen, weil wir das GefĂŒhl haben, dass diese wichtig und komplementĂ€r fĂŒr die Theorie ist, die wir versuchen darzulegen. Im Englischen stammt das Wort “police” [Polizei] vom Mittelfranzösischen “policer” (die Ordnung aufrechterhalten) ab, was wiederum vom Lateinischen “Politia” (Regierung oder Staat) und dem griechischen “Polis” (Stadt) stammt.

FĂŒr uns ist Polizei daher nicht nur eine Bezeichnung, die sich auf diejenigen beschrĂ€nkt, die die Funktion der Polizist*innen ausfĂŒhren, sondern verweist vielmehr auf die Aufrechterhaltung von Herrschaft in einer Gesellschaft – Eine Funktion, die unserer Meinung nach von einer Menge Individuen durch eine Reihe heimtĂŒckischer sozialer Beziehungen ausgeĂŒbt wird.

ZunĂ€chst wollen wir die Definition von Polizei um Ärzt*innen, Hebammen und Psycholog*innen erweitern, die bei unserer Geburt gewaltsam Geschlecht und SexualitĂ€t bestimmen [police], um diejenigen, die uns “definieren”5, diejenigen, die uns in der Gender Identity Clinic6 befragen, diejenigen, die unsere Geschlechter als Erkrankung bezeichnen und die die Erschaffung unserer IdentitĂ€ten kontrollieren [police] und ihre Grenzen bestimmen.

Zweitens wollen wir die Definition von Polizei um Lehrer*innen, Sozialarbeiter*innen und Eltern erweitern, um diejenigen, die unsere sozialen Rollen kontrollieren [police], ihre Kolleg*innen (die uniformierten) durch Programme wie “Prevent”7 ĂŒber uns informieren und die unsere ersten StreifzĂŒge in die KriminalitĂ€t8 bestrafen.

Drittens um unsere Vergewaltiger*innen, unsere Missbraucher*innen und unsere Angreifer*innen, die die informellen Vollstrecker*innen der Gesetze der IdentitĂ€t, die von unseren Ärzt*innen, Lehrer*innen und Psycholog*innen gemacht wurden, sind.

Viertens erweitern wir den Begriff Polizei um “zivile Helden” [have a go heros]9, Blockwarter*innen [neighborhood watchers]10 und Hobby-Denunziant*innen, die unsere KriminalitĂ€t einschrĂ€nken, indem sie Netzwerke des Policings in unseren Nachbarschaften bilden.

Schließlich wollen wir die Definition von Polizei um unsere Freund*innen, GefĂ€hrt*innen und uns selbst11, um diejenigen, die uns erzĂ€hlen, etwas sei zu gefĂ€hrlich, zu unpopulĂ€r oder “unvolkstĂŒmlich”12, dass wir in den Knast kommen werden, und selbst um die leise Stimme in unserem Kopf, die uns wĂ€hrend eines Riots sagt, dass wir den Molotow-Cocktail lieber nicht werfen sollten.

Wenn wir all das sagen, wollen wir etwas wichtigs ergĂ€nzen, nĂ€mlich dass wir nicht denken, dass alle Bullen gleich sind, auch wenn wir der Meinung sind, dass alle Bullen Bastarde sind. Mit “nicht gleich” meinen wir, dass es einen materiellen Unterschied hinsichtlich der Auswirkungen der Handlungen von sagen wir einem Mitglied einer Anti-Terror-Einheit und denen eines Kleinstadt-Verkehrsbullen gibt. Im gleichen Maße gibt es einen materiellen Unterschied zwischen einer*einem Lehrer*in und einer*einem Psycholog*in oder zwischen einer*einem Ärzt*in und einer*einem Polizist*in.

Auf einer immateriellen Ebene dagegen, sprich einer vernetzten Polizei, die all unsere derzeitige Kultur durchdringt, glauben wir, dass es beinahe unmöglich ist, zwischen dem negativen Einfluss auf unsere KriminalitĂ€t zu unterscheiden, der sagen wir von der Polizeiarbeit eines*einer Lehrer*in und der Polizeiarbeit der Antiterroreinheit verursacht wird. Es ist diese Erkenntnis, die uns dazu bringt, die Definition von “Polizei” zu erweitern – Alle Cops sind Verschieden, Alle Cops sind Bastarde.

Kommen wir zu unserem VerstĂ€ndnis von “töten”. Wir wollen eine Definition davon geben, was es bedeutet, jenseits der Grenzen eines nur materiellen Ansatzes zu töten. Wir wollen das Töten in seine materielle (z.B. einen uniformierten Bullen abknallen) und immaterielle (die Stimme töten, die uns verbietet, den Molotow-Cocktail zu werfen) Komponente trennen, um deren Bedeutungen zu sezieren und zu deren Umsetzung aufzurufen.

Wir glauben an die Notwendigkeit von beidem, dem materiallen und immateriellen Töten der Polizei, um diese vollstĂ€ndig zu eliminieren (was, wie zuvor gesagt, unser Ziel ist). Im Verlauf dieses Textes werden wir versuchen, die Unterschiede zwischen diesen beiden Varianten des Tötens besser herauszuarbeiten und wie wir als KĂ€mpfer*innen gegen die Polizei (und in der Tat auch gegen uns selbst) Strategien fĂŒr diese Auslöschung entwickeln können.

Um erneut auf die Frage der Moral einzugehen: Wir wollen nicht vorschlagen, in welchen Situationen das materielle oder immaterielle Töten das Mittel der Wahl sein sollte, sondern vielmehr vorschlagen, dass jede Situation und die Reaktion jedes Individuums auf eine Situation verschieden und individuell ist. Deshalb werden wir hier nicht diskutieren, ob wir denken, dass es der richtige Weg zur Eliminierung der Polizei ist, dich selbst oder deine*n Lehrer*in abzuknallen, anstatt deine/deren immaterielle Polizeirolle handlungsunfÀhig zu machen (das musst du selbst entscheiden). Wir wollen nur konkret darlegen, was sie sind und wie mensch sie zur Strecke bringt.

Wir wollen jedoch folgendes einrĂ€umen. Die Verfasser*innen dieses Textes sind leidenschaftlich und einig der Meinung, dass es notwendig ist, alle Polizist*innen (amtierende und ehemalige) materiell zu töten, ebenso wie zivile Held*innen und Denunziant*innen. Wir sind in unterschiedlichem Grad uneinig darĂŒber, ob Lehrer*innen, Psycholog*innen, Blockwarte, Vergewaltiger*innen, Missbraucher*innen und Eltern materiell oder immateriell getötet werden sollten. Wir sind uns einig, dass immaterielles Töten die Lösung fĂŒr unsere Freund*innen, GefĂ€hrt*innen und uns selbst ist. Zugleich befĂŒrworten wir absolut das materielle Töten fĂŒr uns selbst/unsere GefĂ€hrt*innen unter bestimmten UmstĂ€nden, etwa wenn du uns jemals dabei erwischen solltest, wie wir versuchen, dich daran zu hindern, einen Molotow-Cocktail auf Polizist*innen zu werfen.

Wir enthĂŒllen diese Positionen, weil wir das GefĂŒhl haben, dass diese fĂŒr ein umfassendes VerstĂ€ndnis des praktischen Programms, das wir nun darlegen werden, notwendig sind und sie unseren Ansatz zur Auslöschung der Polizei beeinflussen.

“Ich möchte Bullen töten, bis ich selbst sterbe”

Die unsterblichen Worte von Raul Moat hallen uns in den Ohren, als wir beginnen, die Natur unseres immateriellen Unterfangens zu erlĂ€utern. Auch wenn Raul selbst diese Worte in einem rein materiellen Sinn gebrauchte und zugleich selbst weiterhin Polizeiarbeit leistete, indem er vergeschlechtlichte Gewalt fortschrieb (gegen seine Partnerin, sowohl vor, als auch wĂ€hrend seiner Flucht)13, denken wir, dass sein Ausspruch ein großartiger Ausgangspunkt ist, um unsere Hypothese einer selbstabschaffenden14 Ermordung der inneren Polizei, darzulegen.

Indem wir Rauls Skizzierung eines materiellen Vorschlags, Bullen zu töten, bis er starb untersuchen, wollen wir etwas immaterielles entwickeln, das vielleicht besser beschrieben werden könnte als “Nachdem ich Bullen getötet habe, werde ich tot sein”. Der Tod, auf den wir uns hier beziehen, kann grob als korrelierend mit dem Töten, dass wir zuvor beschrieben haben, betrachtet werden, nicht notwendigerweise als Beerdigung einer leiblichen Form in der Erde, sondern vielmehr als Zerstörung eines Selbst, das zuvor existierte, das heißt, eines Selbst, das annulliert und zerstört wurde, von seinem Wesen befreit und absolut getötet. Wir sprechen hier von einer Praxis der Selbstabschaffung, einem Ende des existenzialistischen15 Albtraums, der die Beschreibung des menschlichen Lebens als “ich denke, also bin ich”16 fĂŒr eine individuelle, wesentliche und empirische Wahrheit hĂ€lt. Wir plĂ€dieren fĂŒr ein Ende “von uns selbst”17, sozialer Beziehungen und der Welt – Wir vertreten die Meinung, dass diese Schritte einem Ende der Polizei vorangehen. Kurz gesagt, wir glauben, dass die Praxis des immateriellen Tötens von Bullen “unser eigener” Tod sein wird.

Es gibt kein allgemeines Wesen des Menschen, was wir sind wird vollstĂ€ndig von den UmstĂ€nden der RealitĂ€t in der wir sozialisiert, produziert, erschaffen werden, konstruiert; es ist die Summe unserer konstruierten IdentitĂ€ten, unserer Erfahrungen und unserer Interaktionen mit anderen – die Namen, bei denen wir genannt wurden und die Rollen, die wir ausgeĂŒbt haben.18

Es ist das Wissen, dass wir mit dem Ziel erzogen wurden, Stehlen schlecht zu finden, an Gott im Himmel zu glauben und Richtig und Falsch, Gut und Böse fĂŒr neutrale Konzepte zu halten, die ĂŒber die Menschheit hinausgehen und eine universelle Wahrheit enthalten. Es ist der Glaube an diese essentielle Natur der Welt, an die essentielle Natur des Menschen, der uns dazu gebracht hat, unsere individuellen Rollen als Polizei einzunehmen. Selbst in sogenannten anarchistischen Millieus, die vorgeben soziale Beziehungen anzugreifen und eine kontrollierte [policed] Sozialisation abzuschĂŒtteln, können wir noch immer das allgegenwĂ€rtige Gespenst einer kontrollierenden [policing] MoralitĂ€t hervorbrechen sehen; in Diskussionen darĂŒber ob es OK ist oder nicht, FahrrĂ€der zu stehlen, in endlosen Kritiken linker Gewalt gegenĂŒber Linken19 und dem Silencing [dt. etwa “zum Schweigen bringen”] von trans Personen und/oder Frauen of Color, wenn diese ĂŒber die Grenzen befriedeten sozialen Engagements hinausgehen.

Dieses allgemeine Wesen des Menschen kann durch das, was die westliche Gesellschaft “das Gewissen” getauft hat, in Begriffe gefasst werden; die leise Stimme in dir, die dir sagt, ob das was du gerade tust richtig oder falsch ist, die dir befiehlt aufzuhören, die dir sagt, dass du ins GefĂ€ngnis kommen wirst. Dieses “Gewissen” ist der Bulle in deinem Kopf. Es ist keine universale Schöpfung, die die Menschheit ĂŒberdauert, es ist die Erfindung einer Menschheit, die ihr eigenes, destruktives Potenzial fĂŒrchtet(e), einer Menschheit, die sich vor einer Welt ohne KnĂ€ste fĂŒrchet, einer Menschheit, die sich nach FĂŒhrung und Anleitung sehnt und die, wĂ€hrend sie von ihrem inhĂ€renten Bösen ĂŒberzeugt ist, sich weder ihre eigene Annihilation wĂŒnscht, noch diese herbeisehnt.20

Es ist eine Menschheit, die Geschlecht [Gender] erfunden hat, um ĂŒber Spaltung und Kontrolle ĂŒber sich selbst zu verfĂŒgen; die Lehrer*innen bestellt hat, um ihr “Wissen” weiterzugeben und Psycholog*innen, um ihre Abweichler*innen zu identifizieren – Es ist eine Menschheit, die zerstört werden muss. Diese destruktive Verneinung ist der Beginn und das Ende des Projekts, es darf weder Umerziehung, noch eine Schöpfung oder ein Danach geben; wenn es richtig gemacht wird, wird nichts ĂŒbrig bleiben.

Die zur immateriellen Tötung der kontrollierenden [policing] Menschheit notwendige Annihilation kann kein individuelles Projekt sein; Auch wenn es wahr ist, dass wir unsere eigene Angst abwerfen können (möglicherweise durch eine Verschlechterung unserer materiellen Bedingungen oder durch die Absolute Hingabe zu irgendeinem fehlplatzierten Nihilismus), dass wir uns zum Handeln zwingen können, dass wir uns in Positionen begeben können, in denen wir uns materiell in der Lage fĂŒhlen, Policing anzugreifen, können wir das alleine nur bis zu einem bestimmten, sehr eingeschrĂ€nkten Grad tun.

Wir kommen hier auf Raul Moat zurĂŒck. Indem er seine Angst verlor und sich von der moralischen Konditionierung befreite, die ihm einblĂ€ute, dass das Ermorden von Polizist*innen falsch sei, war er in der Lage das Policing materiell anzugreifen; dennoch war er nicht in der Lage dazu seine eigene Rolle als Polizei abzuwerfen – seine Aufrechterhaltung von Gender Policing [dt. etwa Geschlechterkontrolle]. Erst durch seinen leiblichen Tod erreichte er das, was wir hoffen, atmend zu erreichen: Die Annihilation unserer eigenen Rolle als Polizei.

Wir denken ein guter Ausgangspunkt ist es hier, auf kollektive Momente des Aufstands oder AusbrĂŒchen von Riots zu blicken; Momente in denen die Bullin in unserem Kopf von allen Seiten umgeben ist, von schwarz gekleideten Individuen, die Waffen tragen und drohen, ihr Schaden zuzufĂŒgen.

Wir behaupten, dass unsere Möglichkeiten, im Kontext eines Riots zu handeln diejenigen, die wir in klandestinen Aktionen alleine oder in kleinen Gruppen haben, bei weitem ĂŒbersteigen. Wenn wir zusammen handeln, dann kĂ€mpfen wir kollektiv gegen das “Gewissen” einer*s jeden, wir sind nicht lĂ€nger versprengte, existenzielle EntitĂ€ten, die sich Gedanken darum machen, ob es moralisch richtig oder falsch ist, ein Auto abzufackeln. Wir werden zu einer nebulösen Masse, die eine kollektive Unverantwortlichkeit fĂŒr diese Brandstiftung teilt, eine Masse, die sich statt eine Moral zu konsultieren vielmehr fragt: “Was kann ich als nĂ€chstes tun, um diese Welt in eine Krise zu stĂŒrzen?”.

Wir sind der Meinung, dass wir den Ausbruch des Riots in uns selbst, einander und unseren persönlichen Beziehungen befördern mĂŒssen. Konkret könnte mensch damit beginnen, die eigenen Grenzen zu testen – indem mensch Regeln bricht, von denen mensch dachte, sie seien feststehend – indem mensch das methaphorische Fahrrad stiehlt oder indem mensch die Menschen verprĂŒgelt, die einem sagen “dies ist ein Raum nur fĂŒr Cis-Frauen”; Es bdarf eines gigantischen Mangels an Glauben daran, dass es ein Selbst gibt, das als gut oder schlecht beurteilt wird, aber es ist möglich und es ist ein Anfang. Es bedeutet auch, seine Hand nach Freund*innen und GefĂ€hrt*innen auszustrecken und einander gegenseitig zu ermutigen zu handeln, indem mensch einen Raum schafft, in dem KriminalitĂ€t ermutigt wird und indem mensch sich weigert, einander zurĂŒckzuhalten.

Jenseits von einer Selbst oder seiner Mitstreiter*innen könnte es bedeuten, deine*n Ärzt*in zu ermutigen, ihren*seinen Job hinzuschmeißen (nötigenfalls mit Gewalt) oder soziale Beziehungen wie die zwischen Elter und Kind, Lehrer*in und SchĂŒler*in einzureißen. Wir haben keine klare Vorstellung wie dieser Teil des immateriellen Tötens durchgefĂŒhrt werden kann und wir haben Angst davor, eine Art Maoistisches Abbau-Programm vorzuschlagen, das allen erzĂ€hlt, wie sie andere kontrollieren [policing] und warum sie damit aufhören sollten (mensch denke beispielsweise an Anti-Diskriminierungs-Workshops). Daher stehen wir VorschlĂ€gen von Lösungen jenseits der Zerstörung kritisch gegenĂŒber – wir wissen, dass wir die Bullen in unseren Köpfen töten mĂŒssen, ebenso wie die in den Köpfen – beispielsweise – einer*s Ärzt*in, indem wir das menschliche Subjekt in eine Krise fĂŒhren und indem wir ein Leuchtfeuer aus sozialen Beziehungen entfachen. Was wir nicht tun wollen ist, etwas anzubieten, womit wir diese ersetzen könnten. Ebenso wie die Zerstörung von Geschlecht [Gender] nicht durch die Ausbreitung einer Vielzahl verschiedener trans Geschlechter [genders] erreicht werden wird, wird das Ende des Policings nicht herbeigefĂŒhrt werden, indem wir unser Verhalten gegenseitig kontrollieren [policing] oder versuchen uns selbst oder einander umzuerziehen.

Es ist ein Program totaler destruktiver Verneinung ohne irgendetwas danach – wir mĂŒssen akzeptieren, dass es keine Lösungen gibt.

NatĂŒrlich mĂŒssen wir uns immer dann, wenn wir uns in einem solchen Projekt engagieren, auf die AufstandsbekĂ€mpfung vorbereiten: “Die LegitimitĂ€t “des Volkes”, “der UnterdrĂŒckten”, “der 99%” ist das trojanische Pferd, in dem das Aufbauende in den aufstĂ€ndischen Abbau zurĂŒckgeschmuggelt wird. Das ist die sicherste Methode, um einen Aufstand zu annihilieren – eine, die es nichteinmal erfordert, diesen auf den Straßen zu bekĂ€mpfen. Um den Abbau irreversibel zu machen, mĂŒssen wir anfangen unsere eigene LegitimitĂ€t aufzugeben.”21 Wir mĂŒssen bestĂ€ndig wachsam bezĂŒglich unserer Tendenz zu kontrollieren [police] sein, wir mĂŒssen uns bestĂ€ndig selbst bekĂ€mpfen, wo wir Rassismus verbreiten oder unsere Freund*innen entmutigen, Waffen mit sich zu fĂŒhren, wir mĂŒssen außerdem wachsam hinsichtlich dieser Tendenz bei unseren MitkĂ€mpfer*innen sein, um die Geburt eines neuen moralischen Kompasses innerhalb unserer Kreise zu verhindern. Manchmal bedeutet das materielle Angriffe (wie eine*n Vergewaltiger*in niederzustechen) und manchmal bedeutete es einen immateriellen Angriff, wie sich dafĂŒr zu entschuldigen, jemanden von seiner*ihrer Rache abgebracht zu haben.

Wir wollen uns hier mit dem Unterschied zwischen Rache und Policing beschĂ€ftigen und dazu animieren, dass Rache vielleicht einen endlosen Kreislauf bedeutet, in dem keine*r von uns ĂŒbrig bleibt. Bei all unseren Reden davon, MoralitĂ€t zu zerstören, wollen wir keine Kritik entwickeln, die Vergewaltigungen oder Transfeindlichkeit, etc. vertritt; FĂŒr uns sind diese nicht Frage einer Moral, sondern vielmehr Ausdruck einer materiellen Kontrolle [policing], die wir mangels einer besseren Bezeichnung strukturelle UnterdrĂŒckung nennen wollen. Strukturelle UnterdrĂŒckung ist eine materielle Manifestation des immateriellen Policings, die in unserer derzeitigen Struktur sozialer Beziehungen begrĂŒndet liegt. Rache ist im Gegensatz zu Policing – auch wenn sie einige gleiche Taktiken wie Policing nutzt (z.B. Gewalt) – insofern verschieden, als dass sie ein Versuch in Richtung einer destruktiven Annihilation ist, wĂ€hrend Policing eine Struktur kreativer Kontrolle ist.

Genauso könnte das Zusammenschlagen einer transfeindlichen Person als eine Form der Vermittlung unserer Vorstellung einer Art von “Gerechtigkeit” verstanden werden (auch wenn wir sagen wĂŒrden, dass es schlicht ein Angriff auf ihre Polizei-Rolle ist) und eine Entmutigung fĂŒr diese Person und Andere, sich in Zukunft Ă€hnlich zu verhalten. Auch wenn wir der Meinung sind, dass dies ein sinnvolles und destruktives Projekt gegen Policing ist, akzeptieren wir, dass einige es als konstruktiven Ansatz beschreiben wĂŒrden, der das Verhalten durch Gewalt oder die Angst vor Gewalt kontrolliert [polices]. Dieser Argumentationsstrang kann tatsĂ€chlich eindeutig in den ideologischen ErgĂŒssen radikalen Feminismus beobachtet werden, wie der Ruf nach “Selbstverteidigung”, der ĂŒber eine lange Periode rassistische und transfeindliche Formen des Policings in seine Analyse einbezog und mittlerweile ganz klar eine Struktur der kreativen Kontrolle ist.

Dennoch, wie bereits zuvor bemerkt, wollen wir kein Programm entwickeln, wie der Angriff des Policings zu etwas Besserem fĂŒhren wird und uns ist klar, dass unsere Vergeltung im Gegenzug andere zur Rache an dem, was sie als Form des Policings sehen, anstiften könnte. Wie könnten wir, die die Ermordung des Policings vertreten, dagegen argumentieren, dass wenn unsere Angriffe geeignet sind, eine Form des Policings zu werden, es nötig ist, auch diese zu annihilieren?

Jedoch werden wir uns selbst materiell und immateriell gegen diejenigen AufstandsbekĂ€mpfer*innen verteidigen, die unser destruktives Verlangen fĂ€lschlich als Polizeiarbeit bezichtigen. Diejenigen, die uns des Policings anklagen, um sich selbst davor zu schĂŒtzen, ihre eigene Rolle in struktureller UnterdrĂŒckung zugeben zu mĂŒssen und die uns von ihrem Podium der Privilegien angreifen. Wir sind als Überlebende des unendlichen sozialen Kriegs bereits auf den Totalkrieg vorbereitet und wir sind die Eskalator*innen; Eskalator*innen, die nichts als zwei WĂŒnsche haben: Zu gewinnen und zu sterben.

“Wir hĂ€tten es selbstverstĂ€ndlich vorgezogen, wenn diese Worte von der lebendigen Kraft einer Aktion, eines Angriffs, der IntensitĂ€t eines Feuers in der Dunkelheit, dem Klang einer Explosion, dem Winden einer Kugel in einem Lauf begleitet gewesen wĂ€ren”22

In diesem Teil wollen wir einige praktische RatschlĂ€ge geben, wie mensch sich auf das Projekt der Ermordung von Polizist*innen und ihren Allies (Snitches, zivilen Helden, etc.) vorbereiten könnte. Wir wollen unsere Leser*innen nicht wie Kinder behandeln, also werden wir uns nicht in ĂŒberlangen Details darĂŒber, wo mensch Waffen kaufen kann (wenn du daran interessiert bist und du nicht in den USA lebst, ist das Dark Web der beste Ort dafĂŒr) oder wie genau du dich selbst am besten vorbereiten kannst. Stattdessen wollen wir einige philosophische und praktische Ideen geben, wie KĂ€mpfer*innen angreifen könnten.

Alle existierenden uniformierten Polizist*innen wĂ€re und wird natĂŒrlich aufregend, schwierig, abscheulich und erfreulich sein, aber wichtiger als all das: Es wird nicht genug sein. Selbst wenn jede*r einzelne uniformierte Polizist*in morgen frĂŒh eliminiert wĂ€re, hĂ€tte Policing keine totale Niederlage erlitten. Wie bereits zuvor bemerkt, ist die Polizei ein vernetzter Organismus, der immer mehr Ecken dieser Welt durchdringt.

Auch wenn neue AusbrĂŒche (wie das Dark Web oder sogenannte “TemporĂ€re Autonome Zonen”23) in AusbrĂŒchen der Revolte entstehen, findet das Policing Wege, diese Löcher zu seinem Vorteil und seiner Ausbreitung zu nutzen.

Die Polizei zu zerstören wird nicht nur einen Massenmord erfordern, es erfordert massenhaften Vandalismus, das Löschen von Daten, das Ende der Einstellungsinitiativen der Regierung (und in der Tat der Regierung selbst), die Annihilation von Armeen und schließlich die Zerstörung staatlicher Waffenlager. Es bedeutet die Nivellierung eines jeden Cop Shops, das Abfackeln jedes Streifenwagens, die Durchtrennung von Untersee-Glasfaserkabeln, die Zerstörung von Google und das Zerschlagen von Kameras. Es bedarf einer großen kollektiven Anstrengung des Aufstands, bewaffneter KĂ€mpfer*innen, Hacker*innen und SanitĂ€ter*innen, die in klandestiner UnabhĂ€ngigkeit voneinander auf ein globales Projekt der totalen Annihilierung hinarbeiten.

Weiter wird es einer großen Annihilierung, einer kollaborativen Rache an denen bedĂŒrfen, die den Alptraum des Polizist*innentums aufrechterhalten haben. Es bedeutet vor der HaustĂŒr verdatterter GroßvĂ€ter mit Paradeuniformen an ihren WĂ€nden aufzutauchen und eine 9mm-Pistole in ihr Gesicht abzufeuern. Wir wollen diesem Punkt etwas Aufmerksamkeit widmen: Auch Polizist*innen im Ruhestand sind Teil der Polizei und eine Annihilation ihrer Rolle bedarf materieller Rache. Wenn ein*e Bull*in in Ruhestand geht, wandern die Menschen, die sie*er verhaftet hat, nicht wie von Geisterhand aus dem Knast, tote Freund*innen erstehen nicht einfach aus ihren GrĂ€bern wiederauf und kehren zurĂŒck in unsere Arme, Traumata werden nicht ungeschehen gemacht und das Policing profitiert weiter durch das materielle Beispiel dieser “Held*innen”, die der Gerechtigkeit gedient haben. Das vernetzte Policing erfordert aktive Polizist*innen, Polizei-Ausbilder*innen und Polizist*innen im Ruhestand; dieses System ist Beweis ihres Erbes und ihrer Beteiligung an der Ausbreitung, eine kollektive Geschichte, die einem futuristischen Albtraum zur Geltung verhilft. Mörder*innen, Dieb*innen, “Terrorist*innen” werden noch Jahre nachdem sie die KriminalitĂ€t an den Nagel gehĂ€ngt haben verurteilt, ohne dass jemand mit der Wimper zuckt, wie kommt es da, dass selbst innerhalb des anarchistischen Millieus der Mord an Polizist*innen im Ruhestand immer noch so umstritten ist?

Wenn das Policing so leicht abgeschafft werden könnte, wie Handschellen an den Nagel zu hÀngen, dann wÀre es bereits seit Jahren ausgestorben.

Die TotalitĂ€t dieses Projekts wird zweifellos intensives persönliches und kollektives Training erfordern. PolizeikrĂ€fte sind gut organisiert und schwer bewaffnet und allgemein gut trainiert – Polizist*innen verbringen jeden Tag damit, fĂŒr die Möglichkeit einer aufstĂ€ndischen Destruktion zu trainieren und fĂŒrchten sich mehr als vor allem anderen vor ihrer eigenen Annihilierung. Als eine deutlich weniger bewaffnete und offensichtlich kleinere Kraft (Auch wenn Nicht-Polizist*innen offensichtlich die Zahl der Polizist*innen ĂŒbersteigen, nehmen wir an, dass jede Kraft, die das Policing zerstören will, aller Wahrscheinlichkeit nach in der Minderheit sein wird) wird es erforderlich sein, auf diffuse und unvorhersehbare Art und Weise zu handeln. Hier kann Desorganisierung helfen und das sein, das uns unberechenbar und schwer anzugreifen macht. Die jĂŒngste Welle der sogenenannten ISIS24-Angriffe zum Beispiel zeigen uns die Ineffizienz jeder Polizeikraft, mit einer aufstĂ€ndischen und plötzlich in ihrer eigenen Bevölkerung auftauchenden und mit extremer Gewalt angreifenden Kraft umzugehen. Das bedeutet die FĂŒĂŸe still zu halten, so wenig Aufmerksamkeit wie möglich auf sich ziehen und dann so schnell und so effektiv wie möglich zuzuschlagen, bevor mensch wieder in der Masse unregistrierter Körper verschwindet. Kurz gesagt bedeutet das, einen diffusen Guerillakrieg auf einer Vielzahl von Ebenen zu fĂŒhren. All das benötigt hingebungsvolles Training, Anwendung und Lernen, es erfordert Gruppen zu finden, mit denen operiert werden kann und FĂ€higkeiten zu studieren, die am besten zu deinen bevorzugten Methoden passen.

Einige konkrete Beispiele davon könnten sein, eine Kampfsportart zu lernen, oder wie mensch mit einer Waffe umgeht, Anleitungen und Communiques ĂŒber GuerillakriegsfĂŒhrung oder ĂŒbers Bombenbasteln von AufstĂ€ndischen zu lesen, medizinische FĂ€higkeiten zu erlernen oder sich Wissen ĂŒber Heilpflanzen und Hausmittel anzueignen, sich Hacking-FĂ€higkeiten und den Gebrauch von VerschlĂŒsselung anzueignen oder ein Bullenauto abzufackeln. All das mag ein wenig abschreckend klingen, aber jeden Tag nehmen AufstĂ€ndische ĂŒberall auf der Welt an einem solchen Projekt teil, lernen durch die Anwendung und geben das gelernte durch Communiques, Videos und Infografiken weiter. Wir bemerken, dass wir, wie wir so reden, anfangen wie idealistische RevolutionĂ€r*innen zu klingen, die hoffnungslosen WunschtrĂ€umen hinterherjagen; das mag wahr sein, aber in den Rohrbomben, die Löcher in die WĂ€nde von Cop Shops von Athen bis Addis Abeba sprengen, sehen wir den matten Funken der Möglichkeit.

FĂŒr die Annihilation der Polizei und die Zerstörung der Menschheit.

Wir wissen, dass die Annihilation der Polizei in nĂ€chster Zeit recht unwahrscheinlich ist, aber wir dachten, es wĂ€re eine nette Idee, drei kleine Tricks zu verbreiten, die dir vielleicht bei deinen aufstĂ€ndischen Unterfangen helfen. Wir haben drei herausgesucht, die wir fĂŒr verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig einfach und vermutlich weniger bekannt halten und die den PolizeikrĂ€ften und ihren Polizist*innen materiellen Schaden zufĂŒgen.

1. Ein einfacher ZeitzĂŒnder, um eine Bullenkarre abzufackeln

Unser lieblings zeitverzögerter Brandsatz zum niederbrennen einer Bullenkarre ist ein Ethanolbrennpaste (die kleinen grauen MetallbehĂ€lter mit einer blauen gallertartigen Masse darin, die beim Catering eingesetzt werden)25. Sie brennen relativ langsam ab und erzeugen nicht sofort eine große Flamme, was dir die nötige Zeit verschafft, wegzukommen. AbhĂ€ngig davon, was der gewĂŒnschte Effekt sein soll, können sie entweder unter dem Vorderreifen platziert werden (was ĂŒblicherweise [ – wenn der Motor des Fahrzeugs vorne sitzt, was bei den allermeisten Bullenkarren der Fall sein sollte; Anm. d. Übers. – ] ein Inbrandsetzen des Motors, der dadurch schwer beschĂ€digt/zerstört wird, bewirkt) oder unter dem Heckreifen (was eine Erhitzung des Benzins bewirkt und möglicherweise zu einer Explosion fĂŒhrt26). Hausgemachte Varianten eines solchen Brandsatzes können mit Bierdosen, Kerzen und GrillanzĂŒndern/Brandbeschleunigern hergestellt werden, auch wenn der Effizienzgrad dieser Abwandlungen recht stark variiert und exzessives Testen und Feinjustieren des Brandsatzes erfordert27. Es ist auch möglich, ausschließlich GrillanzĂŒnder/Brandbeschleuniger zu verwenden, auch wenn wir zu bedenken geben wollen, dass diese eine etwas grĂ¶ĂŸere Flamme bilden und du daher etwas weniger Zeit hast, bevor es heiß wird!

2. Eine kleine Menge Luft aus den Reifen entweichen lassen, in der Hoffnung dadurch einen Unfall zu verursachen

Es ist möglich, die Luft aus einem Reifen entwichen zu lassen, indem mensch die Schmutzschutzkappe vom Reifen abschraubt und anschließend eine “Mungobohne” oder einen sehr kleinen Kiesel (solche, die du oft dort, wo Straße und Gehweg aufeinandertreffen findest) oder einen Ă€hnlichen kleinen harten Gegenstand in die Schmutzschutzkappe steckst und diese dann behutsam wieder aufschraubst, so dass dieser neue Verschluss auf das Reifenventil drĂŒckt und langsam Luft entweichen lĂ€sst. Wenn das so gemacht wird, dass der*die Fahrer*in nicht bemerkt, dass der Reifen Luft verliert, ist es möglich, dass er*sie mit dem noch immer Luft verlierenden Reifen losfĂ€hrt; Hier besteht die Möglichkeit, dass der Reifen wĂ€hrend der Fahrt platzt oder zu einem gefĂ€hrlichen Grad platt wird, wĂ€hrend sich das Fahrzeug mit großer Geschwindigkeit bewegt.

3. Die Bremskabel eines Fahrzeugs teilweise durchtrennen

Bei den meisten Fahrzeugen verlaufen die Bremskabel entlang eines der Vorderreifen im Radkasten. Hier handelt es sich um lange, dĂŒnne Metallkabel, die dazu da sind, die Bremsung auszulösen. Wenn diese zu 2/3 oder Ÿ durchtrennt werden, ist es unwahrscheinlich, dass dies von der*dem Fahrer*in bemerkt wird, bis er*sie bei hoher Geschwindigkeit bremst, was die Chancen erhöht, eine*n Polizist*in erfolgreich zu annihilieren.

KCBG, Narcissa, et al. bedanken sich dafĂŒr, dass du ihre inkoherĂ€nten Ausschweifungen bis hierher ertragen hast.

Wenn du Kontakt mit uns aufnehmen willst – LASS ES.

Nachwort der*s Übersetzer*in

Ich möchte an dieser Stelle die Gelegenheit ergreifen, ein paar Worte dazu zu verlieren, warum ich der Überzeugung bin, dass die Annihilation der Polizei – anders, als die ursprĂŒnglichen Autor*innen argumentieren (vgl. S. 24) –, durchaus ein individuelles Projekt sein kann, ja sogar sein muss, wenn es Erfolg haben soll. Dabei will ich auch auf die im Abschnitt »Ein materieller Vorschlag & ein Aufruf zum Aufruhr« unterbreiteten VorschlĂ€ge fĂŒr einen kollektiven Aufstand eingehen und herausarbeiten, warum fĂŒr mich »Desorganisation« eine Entscheidung ist, die ich nicht aus strategischen GrĂŒnden eines »diffusen Guerillakrieges« erwĂ€ge, sondern die vielmehr zentral ist, fĂŒr meine totale destruktive Verneinung.

Dabei will ich nicht ĂŒbersehen, dass die Verfasser*innen dieses Textes nicht notwendiger weise gegen eine individuelle ProjektualitĂ€t der Annihilation des Policings und der Polizei argumentieren und die Überlegungen, in »klandestiner UnabhĂ€ngigkeit« voneinander zu handeln keineswegs bloß »militĂ€rstrategischer« Natur zu entspringen scheinen. In diesem Sinne sind meine Worte weniger als Einspruch gegen die Überlegungen des Textes, sondern vielmehr als Vertiefung einiger Aspekte zu betrachten, wobei freilich offen bleibt, ob die ursprĂŒnglichen Verfasser*innen meine Ansichten nun teilen, ohnehin als banale und unnötige Feststellungen empfinden oder diesen widersprechen wĂŒrden. Vielleicht richten sie sich aber auch weniger an die Verfasser*innen dieses Textes, sondern vielmehr an den Kontext, dem ich diesen Text mit meiner Übersetzung zugĂ€nglich machen möchte und in dem ich glaube, dass diese durchaus von Relevanz sind.

Ich will meine Überlegungen von dem im Text erwĂ€hnten Ausgangspunkt beginnen, dass »unsere Möglichkeiten, im Kontext eines Riots zu handeln diejenigen, die wir in klandestinen Aktionen alleine oder in kleinen Gruppen haben, bei Weitem ĂŒbersteigen« (S. 25). Ich will dabei gar nicht zurĂŒckweisen, dass im Kontext eines Riots die â€șGewissenâ€č der beteiligten Individuen und mögliche moralische Bedenken hĂ€ufig einfach hinweggefegt werden, und ich stimme zu, dass dies ein spannender Moment ist, ein Moment, der bei vielen Beteiligten sicherlich tiefe Spuren hinterlĂ€sst und Ausgangspunkt sein kann, das eigene Policing zu bekĂ€mpfen. Ich sehe aber auch, dass nach einem Riot immer auch beteiligte Individuen zu ihrem â€șGewissenâ€č zurĂŒck finden und sich selbst gegenĂŒber aber meist auch den anderen Beteiligten gegenĂŒber zu einem schlimmeren Policing zurĂŒckkehren als das jemals zuvor sichtbar geworden wĂ€re. Ich spreche von den Debatten darum, welches GeschĂ€ft nicht hĂ€tte geplĂŒndert/zerstört werden dĂŒrfen, von Positionen wie »Riots ja, aber bitte nicht in diesem oder jenem, eigentlich ganz hippen Viertel«, von Äußerungen wie »der Apple Store wurde doch nur geplĂŒndert, weil die Kids alle I-Phones wollten« oder »Ich habe gesehen, wie eine Person ob der Zerstörung geweint hat, das hĂ€tte nicht passieren dĂŒrfen«. Jenseits all dieser moralischen Debatten bleiben freilich auch nach jedem Riot die Debatten um die â€șpolitischeâ€č Vermittelbarkeit nicht aus: »Wir als Autonome und ich als Sprecher der Autonomen haben gewisse Sympathien fĂŒr solche Aktionen, aber bitte doch nicht im eigenen Viertel, wo wir wohnen. Also warum nicht irgendwie in Pöseldorf oder Blankenese?« Dieser gewissermaßen legendĂ€r gewordene Ausspruch irgendeines dahergelaufenen Anwalttrottels nach den G20-Krawallen 2017 in Hamburg verrdeutlicht all diese Position hier vielleicht besser als jedes andere Beispiel.

Offensichtlich gelingt es also durch Riots nicht, das Policing beteiligter Individuen fĂŒr mehr als ein paar Stunden erfolgreich anzugreifen. In Form eines besonders »schlechten Gewissens« droht es stets in den Ruhemomenten nach der Randale zurĂŒckzukehren und stĂ€rker Besitz von uns zu ergreifen, als zuvor. Ich denke das liegt möglicherweise auch in der Natur eines Riots, in dem das eigene â€șGewissenâ€č zwar von den bewaffneten Individuen um einen herum bedroht und oft auch verjagt wird, aber eben nicht annihiliert. Wenn der Riot auch Ausgangspunkt einer erfolgreichen Annihilation des eigenen Policings ist, so markiert er doch nur den Beginn des individuellen Projekts. Eines Projekts, das noch vieler dieser methaphorischen FahrraddiebstĂ€hle bedarf, von denen im Text die Rede ist.

Und auch wenn klar ist, dass in dem Moment, wo sich mein individuelles Projekt um die materielle Annihilation der Polizei dreht, ich alleine nur wenig Aussichten auf Erfolg habe, bedeutet das fĂŒr mich nicht, dass ich die IndividualitĂ€t dieses Projektes deshalb aufgeben muss. Die militĂ€rische Organisation eines Feindes mag oft ĂŒbermĂ€chtig und ein Kampf gegen ihn aussichtslos erscheinen. Aber in Wahrheit ist er das doch meist nur da, wo ich mich auf diese militĂ€rische Logik einlasse: Die Bullen auf der Straße angreifen, wenn sie sich möglicherweise gar selbst zum Angriff formiert haben, das mag ein Unterfangen sein, zu dem nur viele Individuen in der Lage sind und auch nur dann, wenn sie mit einer gemeinsamen Strategie angreifen chaotische Angriffe wie bei Riots scheitern schließlich in der Regel in dem Moment, in dem die Bullen von ihren Waffen Gebrauch machen, die Maske fallen lassen und die Randalierer niederschießen. Einem einzelnen Bullen dagegen auf dem Heimweg aufzulauern, einen Hinterhalt fĂŒr eine Streife vorzubereiten oder einen ganzen Fuhrpark abzufackeln, wenn er gerade unbewacht ist, das sind Angriffe, die ich sowohl als Individuum, als auch innerhalb meiner AffinitĂ€ten tĂ€tigen kann. Manchmal mag es vielleicht spannend sein, derartige Angriffe in einem erweiterten Kreis zu koordinieren, doch zentral ist fĂŒr mich dabei immer, dass ein solches kollektives Projekt von den Individuen und ihren individuellen ProjektualitĂ€ten ausgeht und nicht umgekehrt die dezentralen und unabhĂ€ngigen Angriffe Ergebnis der »militĂ€rstrategischen« Erkenntnis sind, dass Desorganisation eine geeignete Angriffstaktik zu sein scheint Denn wenn es ein solches kollektives Projekt wĂ€re, das den Ausgangspunkt meiner Überlegungen bildet, so glaube ich, habe ich mir selbst wiederum ein Einfallstor fĂŒr Policing geschaffen. An die Stelle einer Moral tritt in diesem Fall vielleicht das Ideal dieses kollektiven Projekts, aber auch dieses ist etwas, das ĂŒber mir steht, das ĂŒber mich und meine individuellen Überlegungen hinausgeht und das die Legitimationsgrundlage bildet, mein Handeln in â€șgutâ€č und â€șschlechtâ€č, â€șrichtigâ€č und â€șfalschâ€č, â€șeffizientâ€č und â€șineffizientâ€č einzuteilen.

Das will ich nicht, denn am Ende geht mir nichts ĂŒber mich.

Endnoten

1Neil Gaiman “Only the end of the world again”. Wir haben das Wort “MĂ€nner” in diesem Zitat durch das Wort “EntitĂ€ten” ersetzt, da es unseren Zwecken besser gerecht wird.

2Mehr dazu spÀter, gedulde dich.

3Das Wort Policing lĂ€sst sich im Deutschen ungefĂ€hr mit “etwas kontrollieren” ĂŒbersetzen. Ich habe mich dazu entschieden, das englische Original beizubehalten, weil so der gemeinsame Wortstamm mit dem Wort Polizei (engl. Police) deutlicher wird. (Anm. d. Übers.)

4Der staatlichen Struktur, die Polizist*innen anstellt und Infrastruktur wie Polizeiwachen, -Fahrzeuge und Waffen bereitstellt

5»Sich um geteilte IdentitĂ€ten zu versammeln bedeutet vor allem die Benennung zu wiederholen und zu bestĂ€tigen, die uns letztlich als kriminell, tötbar und vergewaltigbar stigmatisieren. Ich nenne Benennung den Prozess, in dem wir als illegitim (abnormal, tötenswert) abgesondert werden, wĂ€hrend andere als legitim (normal, gut) bezeichnet werden.« »Progressive Aktivist*innen und Aktivist*innen fĂŒr soziale Gerechtigkeit haben keine Vorstellung von der Gewaltsamkeit dieser Bennnung. Stattdessen versuchen sie uns als normal zu bennnen. Das ist unmöglich. Der Versuch uns selbst zu legitimieren und in sich unter die Normalen zu mischen hĂ€lt die Vorstellung aufrecht, dass es andere gibt die illegitim sind; diese anderen sind keine guten BĂŒrger*innen – bzw. ĂŒberhaupt BĂŒrger*innen« Ignorant Research Institute – »How to Destroy the World«.

6Gender Identity Clinic bezeichnet eine Form der psychiatrischen Klinik im U.K., in der Gender Dysphorie und andere Belange im Zusammenhang mit trans Gesundheit behandelt werden. Gender Identity Kliniken beschÀftigen stets Psychiater*innen und Psycholog*innen, die den Zugang der Patient*innen zu Behandlungen wie Hormonersatztherapien kontrollieren: http://www.nhs.uk/Livewell/Transhealth/Pages/local-gender-identity-clinics.aspx

7»Prevent« ist der Name einer Reihe von Richtlinien im U.K., die Lehrer*innen, Erzieher*innen, und andere BeschĂ€ftigte im Erziehungsbereich dazu verpflichten, ’Polizeibeamt*innen’ und lokalen AutoritĂ€ten sĂ€mtliche Bedenken, die sich hinsichtlich der ‘Radikalisierung’ von Kindern in ihrer Obhut haben, zu melden.

8»KriminalitĂ€t ist eine materielle Handlung an und fĂŒr sich, der Akt des Gesetzebrechens und die materielle Feindschaft gegenĂŒber Gesetzen.« Tom Nomad und Gallus Staning Mag »An enduring Passion for criminality«. Wir wollen hier betonen, dass wir nicht meinen, dass unsere Lehrer*innen uns von unseren ersten “Verbrechen” wie beispielsweise “Ladendiebstahl” abhalten, sondern vielmehr, dass sie Teil davon sind, ein Framework des Policings zu entwickeln, das versucht materielle Feindschaft durch Angst vor der Unmöglichkeit oder den Konsequenzen zu befrieden. Policing ist dabei der Akt, KriminalitĂ€t zu bekĂ€mpfen, nicht die Arbeit, Verbrechen zu stoppen.

9“Zivile Helden” [have a go heros] ist ein umgangssprachlicher englischer Ausdruck, der wörtlich eine Person meint, die versucht [have a go], ein*e Held*in zu sein. Er bezieht sich auf diejenigen, die Polizist*innen bei ihrer Arbeit der tĂ€tlichen Übergriffe, des Kidnapings und Mordes unterstĂŒtzen, die aber nicht selbst bei der Polizei angestellt sind. Klassischerweise sind das die Personen, die dich in dem Moment zu Boden tackeln und dich dort festhalten, als du gerade dachtest, du seiest den uniformierten Polizist*innen erfolgreich entkommen.

10“Neighborhood Watch” ist ein staatlich finanziertes Programm der Polizei, das Hausbesitzer*innen und lokale “BĂŒrger*innen” zu den Augen und Ohren der PolizeikrĂ€fte macht, indem diese ‘verdĂ€chtige VorgĂ€nge’ melden und Verbrechen verhindern. Diejenigen, die daran teilnehmen, nennen wir hier “neighbourhood watchers”. Anmerkung zur Übersetzung: Im Deutschen kommt dem vermutlich die Bezeichnung Blockwart*in am nĂ€chsten. Als “Blockwart” wurde eine – eigentlich zivile – Person wĂ€hrend des Nationalsozialismus bezeichnet, die in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft, beispielsweise dem eigenen Wohnblock, die Aufgabe ĂŒbernahm, die Bewohner*innen und deren Verhalten zu ĂŒberwachen – insbesondere auch JĂŒd*innen und sogenannte “Judenfreunde” –, sie zu maßregeln und an die Behörden zu denunzieren. Heute ist der Begriff Blockwart abwertend fĂŒr all diejenigen gebrĂ€uchlich, die sich in ihrer Nachbarschaft auch ohne staatlichen Auftrag als GesetzeshĂŒter*in aufspielen und bspw. Falschparker*innen, aber auch Sprayer*innen und Dieb*innen an die Bullen denunzieren. Kampagnen wie “Neighbourhood Watch” gibt es meines Wissens nach hier nicht, insbesondere in lĂ€ndlichen Gegend kann mensch aber immer wieder von der Polizei verteilte Aufkleber mit Aufschriften wie “Vorsicht, wachsamer Nachbar” an BriefkĂ€sten und Klingelanlagen beobachten.

11»Aber wenn unsere Rebell*innenaugen aufblicken, um nach der Antwort zu suchen, sollten sie ebenso auch in uns selbst suchen.« Einige AntiautoritÀre Barbaren, die sich bereits innerhalb der Mauern befinden »The Veil Drops«. »Kommunist*innen und Anarchist*innen [ebenso] haben die Wahrheit lange Zeit vor uns verborgen gehalten, der Feind ist nicht nur unser Boss, die Bullin oder die Politiker*innen, es sind auch unsere Freund*innen, unsere Liebhaber*innen und wir selbst« Fight for Nothing »Contradiction, Complicity, Exit«.

12Wir haben von zahllosen Personen innerhalb der linken Szene gehört, wie sie sich auf Handlungen als “volkstĂŒmlich” oder “unvolkstĂŒmlich” bezogen. Damit meinen sie, ob ein bestimmter Handlungsstrang populĂ€r oder unpopulĂ€r sein wird – es ist klar, dass viele Formen der KriminalitĂ€t, inklusive der Annihilation der Polizei “unvolkstĂŒmlich” sind; das interessiert uns einen Scheiß; tatsĂ€chlich betrachten wir diese Bezeichnung selbst als eine Form des Policings, die annihiliert werden muss.

13Raul Moat ist ein bekannter Bösewicht in der allgemeinen Vorstellung der derzeitigen britischen “zivilisierten Gesellschaft”. Ein Arbeiter aus New Castle, der einen Rachefeldzug gegen die Polizei und den industriellen GefĂ€ngniskomplex fĂŒhrte, die seinen eigenen worten nach “sein Leben ruiniert” haben. Als er hörte, dass seine Exfreundin nun mit einem Polizisten ausgehen wĂŒrde (eine LĂŒge, die sie erfand, weil sie Angst davor hatte, dass er versuchen wĂŒrde, sie nach seiner Entlassung aus dem Knast zu verletzen, wo er saß, weil er ein neunjĂ€hriges Mitglied seiner Familie verprĂŒgelt hatte), steigerte sich sein Hass auf Bullen ins Unermessliche und löste eine sechstĂ€gige Randale aus, wĂ€hrend derer er seine Exfreundin, ihren neuen Partner, und zahlreiche Polizist*innen erschoss bzw. versuchte sie zu erschießen. Wir verabscheuen Raul Moats materielle und immaterielle Polizeiarbeit als missbrĂ€uchlicher und rachsĂŒchtiger Partner und TĂ€ter patriarchaler Gewalt, aber applaudieren seinem matteriellen Töten und dem Versuch des materiellen Tötens von Polizist*innen. Auch wenn seine Handlungen vorrangig materieller Art waren, sind wir der Meinung, dass auch ein gewisser Grad immateriellen Tötens stattgefunden haben muss, da es offensichtlich unmöglich ist, den Bulle auf der Straße abzuknallen, ohne zuvor wenigstens einen Teil des Bullen in deinem Kopf zu töten.

14»Der Begriff ‘Selbstabschaffung’ ist ein SchlĂŒsselbegriff, da er die Macht Beziehungen der Ausbeutung abzuschaffen innerhalb der kollektiven Masse der ausgebeuteten Gruppe verortet. Er verweist auf die dem revolutionĂ€ren Prozess innewohnende Spannung: Einem Prozess, in dem die mateielle Basis fĂŒr die kollektiven AffinitĂ€ten, die den Kampf möglich machen, selbst durch den Konflikt und die RevolutionĂ€re Bewegung gewaltsam zerstört werden, was zu der eventuellen Aufhebung dieser AffinitĂ€ten als relevante Deskriptoren jeder Form von geteilter Erfahrung fĂŒhrt. Autonomie ist ein Schritt in Richtung Abschaffung, nicht das endgĂŒltige Ziel.« Sky Palace “To be Liberated From Them (Or Through Them)” in “LIES: A Journal of Material Feminism”. Wir glauben, dass dieser Absatz ungefĂ€hr darauf verweist, was wir mit Selbstabschaffung meinen, zur weiteren LektĂŒre empfehlen wir den ganzen Text oder “No Selves to Abolish” in K. Aarons HOSTIS II.

15Existenzialismus ist eine Philosophie, die die individuelle Existenz, Freiheit und EntscheidungsfĂ€higkeit betont. Wir behaupten, dass diese Denkschule, die so viel der derzeitigen philosophischen Tendenz der Zivilisation absteckt, die Basis “der Benennung” bildet, von der wir zuvor sprachen und wie sie in “How to Destroy the World” beschrieben wird. Wir sind der Ansicht, dass dies ein Grundstein im Projekt des erschaffenen Menschen ist, dem Ansturm auf IdentitĂ€t, der erzwungenen Kategorisierung und den unvermeidbaren Konflikten zwischen “UnterdrĂŒckern” und “UnterdrĂŒckten”. Kurz gesagt: Existenzialismus bildet die Grundlage fĂŒr die Verwandlung disparater EntitĂ€ten in “Menschliche Wesen”. Menschen, die dann unterkategorisiert werden können, in diejenigen, die “geschĂŒtzt” werden sollen und diejenigen die “kontrolliert” werden mĂŒssen; Diese Positionen können fluid und immer verĂ€nderbar sein, aber die Methode bleibt die gleiche; Die Methode (die wir hier als Policing bezeichnen) ist der bestĂ€ndige Prozess, der erst das “Leben” erschafft und es dann beherrscht.

16Descartes Maxime, die die philosophischen und politischen Denktraditionen der westlichen Akademiker*innen grundlegend geprĂ€gt hat, verweist auf einen Glauben an eine dem Menschsein inherĂ€nte “Rechtschaffenheit” und “Wirklichkeit”. Wir sind der Meinung, dass sie in ihrer Gesamtheit annihiliert werden muss, um zu etwas zu gelangen, bei dem Denken in Beziehung zum Handeln (z.B. materielle Handlungen auf einer materiellen Grundlage) steht und nicht in Beziehung zur Existenz (einer Existenz, die die Zeit, den Raum und den Ort ĂŒberdauert).

17»Wir streben nicht nach dem “Ende der Geschichte”, wir streben nach dem Ende von uns selbst und mit uns dem Ende der Welt« Fag Mob »Every.thing’s Going to Shit Anyway (why we hate you)«.

18Als wir diesen Satz schrieben, dachten wir, dass wir etwas neues oder besonderes schreiben wĂŒrden, aber durch Diskussionen mit Freund*innen haben wir festgestellt, dass dieser Satz eine sehr nahe Abwandlung eines Absatzes aus “Gender Nihilismus – ein Anti-Manifest” ist und dass wir möglicherweise dessen Stimmung und Struktur hier ĂŒbernommen haben.

19Wir denken da beispielsweise an einen kĂŒrzlichen Angriff von Feminist*innen of Color in Marseilles gegen ein soziales Zentrum der Linken Szene, in dem eine rassistische Konferenz abgehalten wurde. FĂŒr uns brachen diese Angriffe selbst mit der Logik des Policings, da sie Dinge angriffen, die versuchten die meisten militanten SehnsĂŒchte zu befrieden, zu vereinnahmen oder zu kontrollieren oder die diese direkt angriffen. Die Reaktion des grĂ¶ĂŸten Teils der anarchistischen und Linken Szene war eine erbĂ€rmliche und radikalisierte Form des Policings, von endlosen Wortmeldungen zur Wichtigkeit des Erhalts der “Bewegung” oder der Weigerung communiques der Feminist*innen zu veröffentlichen, ĂŒber Argumente der Einheit auf Basis dessen, dass wir alle Teil eines Kampfes (des Klassenkampfes) seien bis hin zu Beteuerungen, dass der Angriff selbst eine Form des Policings gewesen sei. VERGISS DIESEN SCHEISS. Wenn es ein ewiger Kreislauf der Rache ist, den es erfordert, um unser heimtĂŒckisches und vernetztes Selbst und das Policing untereinander in unseren Millieus zu annihilieren, dann sei es so. Last uns solange kĂ€mpfen, bis keine*r von uns ĂŒbrig ist.

20Wir glauben, dass Hobbes “Leviathan” ein eindrĂŒckliches Beispiel dieser Tendenz ist. Hobbes Konzept des ‘Zustands der Natur’ in dem »Das Leben des Menschen einsam, armseelig, hĂ€sslich, brutal und kurz [ist]« bildet fĂŒr ihn den Ausgangspunkt, um fĂŒr die Notwendigkeit der Zivilisation, des Policings und moralische Werte zu argumentieren, um die Menschheit vor ihrer eigenen Wildheit zu bewahren. Hobbes betrachtet die Erschaffung des Staates als einzige Möglichkeit, “die Menschheit” vor ihrer eigenen nagenden Annihilation zu bewahren.

21Das Unsichtbare Komitee »Der Kommende Aufstand«. Wir wollen betonen, dass auch wenn wir diese eine Stelle des Textes zitieren, wir in extremem Widerspruch zu den Verfasser*innen und vielen ihrer BefĂŒrworter*innen stehen. In Frankreich sind die ‘Appellist*innen’, die Bewegung, die durch und um die Verfasser*innen dieses Textes gegrĂŒndet wurde, eine organisierte Form insurrektionellen Trotzkismus, der soziales Policing einsetzt (ganz besonders entlang der Linien von Rasse [race] und Gender) und versucht, die ekelerregende Form einer vereinheitlichten sozialen Bewegung zu kreieren, die sich nicht selbst kritisiert, nicht selbst annihiliert oder auf die Abschaffung des immateriellen Policings hinarbeitet.

22»Solidarity: A Crack of the time in Captivity« Die Mitglieder der Conspiracy Cells of Fire – FAI/IRF, Michalis Nikolopoulos, Harris Chatzimichelakis, Damiano Bolano, George Nikolopouslos, Panagiotis Argyrou Theofilos Mavropoulos.

23Siehe Hakim Bey “The Temporary Autonomous Zone, Ontological Anarchy, Poetic Terrorism”: “Die TemporĂ€re Autonome Zone ist wie ein Aufstand, der sich nicht direkt gegen den Staat richtet, eine Guerillaoperation, die ein Gebiet (des Landes, der Zeit, der Vorstellung) befreit und sich dann selbst auflöst, nur um sich anderswo/anderswann wieder zu bilden.” Einige Schreiber*innen (John Holloway zum Beispiel) argumentieren, dass diese Zonen die RĂ€ume sind, aus denen eine neue Welt erblĂŒhen wird und verweisen auf Beispiele wie die von den Zapatistas kontrollierten Territorien oder auf die Freistadt Christiana in DĂ€nemark. Wir sind davon nicht ĂŒberzeugt. Wir haben gesehen, wie der Kapitalismus diese AufbrĂŒche in neue Formen des Boutique-Kapitalismus verwandelt, etwa durch den Verkauf von Zapatistischem Kaffee in anarchistischen sozialen Zentren oder der Massenproduktion “Christianischer FahrrĂ€der” fĂŒr Lieferfirmen.

24Wir beziehen uns hier auf die Vielzahl von Angriffen, die in Europa und darĂŒber hinaus ausgefĂŒhrt wurden und von den Herrschenden als vom Islamischen Staat in Irak und Syrien begangen bezeichnet wurden. Speziell sprechen wir von Angriffen wie dem der Ermordung der Autoren des Charlie Hebdo Magazins und der Cops, die sie beschĂŒtzen sollten. Wir sagen “sogenannt”, weil die Angriffe, die wir erwĂ€hnen, nicht notwendigerweise unter dem Namen “ISIS” stattfanden oder sich von der Organisation dazu bekannt wurde und dieser Name ĂŒberhaupt einer ist, den sich ein Reich ausgedacht hat, um “das Andere”, “Das Terroristische”, “Das Extremistische”, etc. zu umfassen. Wir wollen zugleich klar machen, dass wir die Organisation, die sich selbst Daesh/ISIS nennt, nicht gutheißen, insofern, als dass wir der Meinung sind, dass viele ihrer erklĂ€rten Politiken unserem Ziel der Annihilation der Polizei entgegengerichtet sind; Beispielsweise ihre abstoßende Misogynie und ihr Estatismus. Was wir hier herausstellen wollen ist die Effizienz bestimmter strategischer Angriffe, wie dem gegen Charlie Hebdo, bei dem eine kleine Kraft in der Lage dazu war, der Welt große materielle und noch grĂ¶ĂŸere immaterielle Konsequenzen aufzuerlegen.

25Die Brennpaste kann in der Regel direkt in der Dose entzĂŒndet werden. Als Sicherheitsbrennpaste wird sie aber auch in Flaschen und Tuben verkauft (in Bau- und SupermĂ€rkten). Zur sofortigen Verwendung in Dosen abgefĂŒllt findest du diese Brennpaste oft in den Outdoor/Camping-Abteilungen von BaumĂ€rkten und SportgeschĂ€ften, sowie im Gastrohandel (Anm. d. Übers.).

26Das halte ich fĂŒr eher unwahrscheinlich. Auch wenn Autos in Filmen gerne einmal explodieren, kurz nachdem sie Feuer gefangen haben, sind explodierende Autos in der RealitĂ€t eher eine Seltenheit. Auch Autos, die – beispielsweise weil die Feuerwehr wĂ€hrend Riots nicht an sie ran kammen, etc. – vollstĂ€ndig ausgebrannt sind, sind in der Vergangenheit meines Wissens nach so gut wie nie “explodiert”. Grund dafĂŒr ist, dass der Benzintank von Autos in der Regel darauf ausgelegt ist, mindestens eine halbe Stunde lang Flammen standzuhalten. Die meisten brennenden Autos (vor allem Bullenautos) werden vorher gelöscht und selbst wenn ein Auto vollstĂ€ndig ausbrennt dauert dieser Prozess vermutlich weniger lange (Anm. d. Übers.).

27Und auch die Wahrscheinlichkeit, verrĂ€terische Spuren wie DNA-Spuren zu hinterlassen steigt natĂŒrlich, je mehr an einem Brandsatz “herumgebastelt” werden muss (Anm. d. Übers.).

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Quelle: Schwarzerpfeil.de