Mai 19, 2022
Von La Presse
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Es ist der fĂŒnfte Der Tag gegen Homophobie, kurz IDAHIT, in Wurzen. Aufgerufen haben die Vereine Rosa Linde in Leipzig und das Netzwerk fĂŒr Demokratische Kultur in Wurzen. Es gab auch eine Gegenveranstaltung. 

Auf dem Markplatz in Wurzen, haben sich knapp 200 Menschen um StĂ€nde versammelt. Sie lauschen Musik und RedebeitrĂ€gen. Am Rande der Szenerie fragen wir ein paar Passantinnen, was sie von der Veranstaltung halten. 

„Jeder soll so leben wie er will“ meint Jenny. „Wenn sich zwei MĂ€nner oder zwei Frauen in der Öffentlichkeit kĂŒssen, finde ich das noch immer befremdlich. Wenn meine kleine irgendwann mit einer Freundin, statt einem Mann nachhause kommt, dann freue mich fĂŒr sie.“ Ein Ă€lteres Paar, auf dem Weg in den Eisladen, schĂŒttelt den Kopf. „Wie kann es sein, dass 2022 noch Vorbehalte gegen individuelle Lebensweisen bestehen?“ meint die Frau. Es sei schade, dass so wenig Ă€ltere Menschen hier seien. „Die Jugend hĂ€tte deren UnterstĂŒtzung verdient“ pflichtet ihr Mann ihr bei.

„In diesem Jahr ist der IDAHIT eine Kooperation aus drei verschieden Projekten in der Rosa Linde. Heute liegt der Schwerpunkt auf queeren GeflĂŒchteten“, so Vera von der Rosa Linde. Sie hat den IDAHIT organsiert und angemeldet. Damit soll auf die „Queere Lebenssituation fĂŒr queere GeflĂŒchtete“ im Landkreis und speziell in der Stadt Wurzen hingewiesen werden.

Die Situation sei, dass alle queeren Menschen in Wurzen „immer mit Diskriminierung, Anfeindung und Ausgrenzung rechnen mĂŒssen“. Bei diesem 5. IDAHIT wĂŒrden Menschen, die in den letzten Jahren RedebeitrĂ€ge gehalten haben, dieses Jahr keine RedebeitrĂ€ge mehr halten – weil sie so viele Anfeindungen im Nachgang erlebt haben. Das betrĂ€fe nicht nur BPOC Personen, sondern alle im Landkreis. Es gĂ€be fĂŒr die Menschen keine Angebote, gleichwohl viele rechte Gruppierungen „die den Menschen das Leben schwer machen“.

Tine arbeitet zusammen mit zwei KollegInnen im „Queer Refugees resilience Project“. Das Netzwerk bietet traumasensible Stabilisierungsgruppenangebote fĂŒr queere GeflĂŒchtete. Sie betreut den Infostand an dem auch die Kampange „Bring back our Neighbours – Kampagne gegen sĂ€chsische Abschiebepolitik“ zum Thema Abschiebung informiert. „Wer ist von Abschiebung bedroht? Welche Konsequenzen kann das haben? Was sind konkrete Handlungsoptionen sich solidarisch zu zeigen“ fĂŒhrt sie aus. Ebenso bewirbt sie eine Petition zur Umsetzung der Vorgriffsregelung im Land Sachsen.

Queer Refuges Network
Das Projekt bietet LSBTIQ* GeflĂŒchteten in Leipzig Verfahrensbegleitung, Einzelberatung, psychosoziale UnterstĂŒtzung oder Hilfe bei der Suche nach sicheren UnterkĂŒnften an.

Que(e)r durch Sachsen: Mobile Beratung im lÀndlichen Raum
Das Projekt bietet LSBTIQ* GeflĂŒchteten mobil, psychosoziale Beratung im lĂ€ndlichen Raum sowie den Landkreisen Leipzig, Mittelsachsen und Nordachsen an.

„Queer Refugees Resilience Project“
Das Projekt bietet LSBTIQ* GeflĂŒchteten aus Leipzig und Umgebung, die auf Grund von traumatischen Erfahrungen von einer Traumafolgesymptomatik bedroht oder betroffen sind UnterstĂŒtzung an. Ziel ist es, die ganzheitliche und nachhaltige (Wieder-)Herstellung innerer und Ă€ußerer Sicherheit zu Gewinnen.

„Wir gehören zu dieser Gesellschaft“
Lilith Raza ist eine Aktivistin fĂŒr LSBTIQ*-Rechte und ist seit 2015 in unterschiedlichen Funktionen tĂ€tig. Sie arbeitet beim LSVD e.V. im Projekt „Queer Refugees Deutschland“ und kam fĂŒr folgende Rede aus Köln nach Wurzen.

„Zukunft Deutschland“
Knapp 350 Meter vom Marktplatz entfernt, liegt der Jacobsplatz. Dort haben sich knapp 10 Personen einer Kundgebung angeschlossen.  Ein Aktivist, der seinen Namen nicht in der Presse lesen möchte, erklĂ€rt auf Nachfrage: »Wir sind heute hier um gegen die Gesellschaft und gegen das System auf die Straße zu gehen – gegen dieses kapitalistische und zionistische System. Durch die andere Kundgebung werden deutsche Familien und das Deutsche Volk geschĂ€digt. Wir mĂŒssen das Deutsche Volk, das ist das wichtigste was wir in Deutschland haben, das mĂŒssen wir schĂŒtzen.« Die Gruppe »Zukunft Deutschland« habe die Gegenveranstaltung angemeldet. „Mit der JN“, der Jugendorganisation der NPD, „habe das nichts zu tun“.

Schon Lagebedingt befinden sich am Jacobsplatz weniger Passantinnen. Ein Ă€lterer Mann hĂ€lt kurz an und zu. Als wir ihn fragen, was er von der Veranstaltung halte, meint er. „Ich bin kein Linkenfreund.“ Der Grund lĂ€ge in seiner DDR Vergangenheit aber auch der fehlenden Jugendarbeit heute. „Wenn es Jugendprojekte gibt, dann erhalten bestimmte Gesinnungen da keinen Zutritt. Das geht doch nicht.“ Nachdem er von seinem erfolgreichen Arbeitskampf mit dem DGB erzĂ€hlte, erzĂ€hlten wir ihm von der Kundgebung auf dem Markt. Dazu meint er „Jeder soll so leben wie er will“. /MS




Quelle: La-presse.org