Oktober 30, 2020
Von End Of Road
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Anfang Oktober rĂŒckte in Vegesack auf dem Sedanplatz ein gewaltbereites Rollkommando an, um eine Ă€ltere Frau aus ihrer langjĂ€hrigen Wohnung zu werfen. Verantwortlich fĂŒr den Gewaltakt der Obergerichtsvollzieher Martin Plitzko, bekannt aus zahlreichen Ă€hnlichen EinsĂ€tzen zur Schaffung von Obdachlosen, vornehmlich in Bremen Nord.

Aufgefahren mit dem Dienstwagen auch eine Polizeistreife in voller Bewaffnung. Das Polizeifahrzeug gut sichtbar auf den Platz abgestellt. Auf der RĂŒckseite der gerĂ€umten Wohnung in max. 30 m Entfernung befindet sich die Polizeiwache Vegesack. Neben Plitzko noch ein professioneller TĂŒröffner und ein Trupp Möbelpacker. NatĂŒrlich noch zwei Herrschaften vom Amt fĂŒr Soziale Dienste (Sozialpolizei) und natĂŒrlich die Auftraggeber, zwei Angestellte der Vonovia. Letztere bemĂŒht zu unterstreichen, dass sie erst die leere Wohnung betreten wĂŒrden.

Der RĂ€umung voraus gegangen waren jahrelange Streitigkeiten innerhalb des Hauses um Ruhestörungen und Nachtruhe. Der gerĂ€umten Frau wurde schon die WohnungstĂŒr eingetreten. Da die Vonovia Hausmeisterdienste weitgehend zentralisiert hat und die Verwaltung sich hauptsĂ€chlich in der Zentrale in Bochum befindet, gibt es kein Personal fĂŒr Streitschlichtungen. Also schickte die Vonovia kurzerhand die AnwĂ€lte zur Durchsetzung von KĂŒndigung und RĂ€umung.

Und da Eigentum in einer kapitalistischen Marktwirtschaft besonders geschĂŒtzt ist, kann die Vonovia, wie andere private Vermieter auch, auf die Staatsgewalt zurĂŒck greifen, um ihr Privateigentum in Zukunft besser verwerten, sprich teurer vermieten, zu können. Passiert in jedem Jahr mehrere hundert mal in Bremen. Die bĂŒrgerliche Presse und die vehementen Verteidiger der privatwirtschaftlichen Ordnung schreien nur dann laut auf und fordern „RĂ€umung“ wenn es mal anders herum lĂ€uft und Menschen mal, zumeist leerstehende GebĂ€ude, einer sinnvollen Nutzung zufĂŒhren.

Auch der Riesenapparat beim Amt fĂŒr Soziale Dienste, der „Zentralen Fachstelle Wohnen“ schaut vielen RĂ€umungen meist nur zu. Deren devotes Verhalten gegenĂŒber privaten Vermietern und merkwĂŒrdigen Rechtsauffassungen können mehrere hundert RĂ€umungen in jedem Jahr nicht verhindern. Und da Bremen seinen eigenen Wohnungsbestand in den 90iger Jahren zu großen Teilen privatisiert hat, gibt es auch kaum Möglichkeiten obdachlose Menschen in stĂ€dtischen WohnungsbestĂ€nden leben zu lassen.

RĂ€umungen sind Staatsgewalt zu Gunsten privater Unternehmer. RĂ€umungen sind Gewalt gegen Menschen, fĂŒhren zu Existenzvernichtung und schaffen Obdachlosigkeit.

„Liebig 34“ findet jeden Tag statt, nur eben still und leise. Lasst uns mehr ĂŒber Staatsgewalt mit dem Ziel der Existenzvernichtung Reden und dagegen Handeln.




Quelle: Endofroad.blackblogs.org