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In den WĂ€ldern schreiben wir Geschichte


Februar 25, 2021
Von SchwarzerPfeil
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Am Montag Abend, um 23:00, haben die letzten verbliebenen Besetzer:innen den Bahnhofswald in Flensburg freiwillig verlassen. Die Cops konnten die beiden Kletter:innen nicht aus den BĂ€umen kriegen, sie hielten 2 Tage aus. Der besetzte Bahnhofswald ist somit nach 4 Tagen gerĂ€umt. Damit schließt ein Kapitel einer noch offenen Geschichte, der Widerstand wird aber – so die AnkĂŒndigung der Besetzer:innen – weiter gehen. Schon jetzt hat dieses Kapitel hier in Flensburg tiefe Spuren hinterlassen und weit ĂŒber die Stadtgrenzen hinaus Menschen inspiriert.

Doch mal kurz von Anfang an; auch fĂŒr all jene, die nun lediglich durch unsere Twitter und social media Berichterstattung spĂ€t in das Geschehen eingestiegen sind.

InvestorentrÀume


Der Bahnhofswald wurde 2016 frei gegeben zur Bebauung. In einem undurchsichtigen und rechtlich fragwĂŒrdigen Verfahren wurde der Weg geebnet fĂŒr ein 50 Millionen Euro teures Hotel. Dagegen formierte sich seitens der BĂŒrgerinitiative Bahnhofswald schnell Protest. Die genauen UmstĂ€nde sind in diesem Beitrag von Radio Fratz nachzuhören. Auch hier schon zeigte sich die Übermacht von Investor:innen und die limitierte Mitwirkungsmöglichkeit auf parlamentarischer Ebene fĂŒr BĂŒrger:innen.


 drohen zu Platzen.

Im Oktober 2020 wurde dann als Direkte Aktion der Bahnhofswald besetzt, es entstanden schnell einige BaumhĂ€user und eine Mahnwache die fortan 24/7 besetzt war. Es entstand ein kleines Utopia, das SchĂŒler:innen von Fridays For Future, Umweltbewegte, Linke, Anarchist:innen und BĂŒrger:innen zusammen brachte.

Wie viele Flensburger:innen waren wir ĂŒberrascht, hatten wir den Bahnhofswald doch immer nur als GrĂŒnstreifen auf dem Weg zum Bahnhof wahr genommen. Ein erster Besuch bei der Besetzung lehrte uns eines besseren – der Wald ging tief hinein, sogar eine schĂŒtzenswerte Quelle und Spuren von einer Einrichtung als Naherholungsgebiet wurden sichtbar.

jede RĂ€umung hat ihren Preis

Von RĂ€umungsversuchungen.

Im Januar sickerte dann durch, dass eine RĂ€umung fĂŒr den 18.01.2021 geplant sei. Aufgrund der hohen Mobilisierung wurde seitens der Stadt aber vernĂŒnftigerweise dann von diesem Vorhaben abgesehen. Zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich schon ab, dass Flensburg der neue Hotspot der Corona-Mutation B117 werden sollte.

„Wir können in dieser Phase keine Maßnahmen in Gang setzen, die das Ziel gefĂ€hrden, die Ausbreitung der Virus zurĂŒckzudrĂ€ngen“, so Stadtsprecher Teschendorf zur taz am 18.02.202. Es wurde suggeriert, dass die Besetzung und damit der Wald erst einmal gerettet seien. Doch das passte dem Investor wohl nicht – und so schickte er am Freitag den 19.02. eine private Söldner-Armee um das Gewaltmonopol einfach mal zu ĂŒbernehmen. Die Söldner wĂŒteten im Wald, sĂ€gten BĂ€ume auf denen sich noch Menschen befanden an und gefĂ€hrdeten damit Menschenleben. Auch das große Risiko ein Superspreading-Event zu organisieren nahmen die Investoren bewusst in Kauf.

Die Polizei stoppte schließlich das illegale Unterfangen einer privat organisierten RĂ€umung. Da hatten die Söldner in ihrem Amok-Lauf durch den Wald allerdings schon gezielt massenhaft BĂ€ume durch kreisrundes ansĂ€gen getötet.

Versprechungen hat es nie gegeben.

Die verbliebenen BaumhĂ€user und BĂ€ume wĂŒrden bis Ende des Monats (und damit bis zum Ende der Rodungssaison) bleiben, so OberbĂŒrgermeisterin Simone Lange am SamstaggegenĂŒber den Besetzer:innen und der Mahnwache (und gegenĂŒber dem NDR). Am Sonntag zeigte sich dann allerdings, dass Lange wohl eher ein trumpistisches VerhĂ€ltnis zur Wahrheit hat, es wurde schließlich doch gerĂ€umt. Ihre eigene Aussage vom Samstag nannte sie danach in der shz Fake-News und war vollkommen in der Welt der Alternativen Fakten angekommen. Es zeigte sich, dass sie vollkommen richtig in der SPD ist, ist sie doch eine vorbildliche Verfechterin der 3 Grundpfeiler der SPD: Verrat, Betrug und RĂŒckratlosigkeit.

Neben der gebrochenen Zusage, dass nicht gerĂ€umt wird, wurde am Montag auch das Versprechen, dass nicht gerodet wird gebrochen, selbst BĂ€ume, die eigentlich seit dem 1.2. gar nicht mehr gefĂ€llt werden dĂŒrften, wurden abgeholzt.

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Nun wurden also am Sonntag und Montag Cops aus ganz Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und von der Bundespolizei angekarrt um die verbliebenen BaumhĂ€user zu rĂ€umen. Und das zu einem Ă€ußert brisanten Zeitpunkt der Pandemie, bei dem eine nĂ€chtliche Ausgangssperre just in Kraft getreten ist.

Die absurde Legitimation fĂŒr diese RĂ€umung: der Infektionsschutz, denn die BaumhĂ€user seien ja kein Zuhause und somit mĂŒssten die Besetzer:innen nun gehen. Verlogener geht es ja kaum, und wirklich viel muss mensch dazu nicht sagen. Was im Hambi der Brandschutz (und aktuell in der Rigaer94 war und ist, ist hier hier der Infektionsschutz. Mit dem Unterschied, dass diejenigen die vorgeben zu schĂŒtzen in diesem Fall das Feuer erst selber noch legen.

Zur Herrschaft der Rackets.

Die Stadt, die OberbĂŒrgermeisterin und die Cops haben sich mit der RĂ€umung zu Untertanen der Investoren gemacht. Sie haben deutlich signalisiert, dass das Gewaltmonopol, dass ihnen ja ach so heilig ist, doch nicht so wichtig ist – wenn es dann nur von den richtigen aus ihren HĂ€nden gerissen wird. Kapital und Staat geht es niemals um unsere Gesundheit, maximal um unsere ArbeitsfĂ€higkeit – und wenn wir diese nicht ordentlich verwerten, dann ist selbst diese egal. Kapitalismus ist ein Todeskult.


 und der Stadt von unten.

Auf der anderen Seite hat sich gezeigt wie ein breiter, solidarischer Widerstand hier in Flensburg zusammen finden kann. Wie trotz aller widrigen UmstÀnde, Differenz und Uneinigkeiten zusammen gestanden werden kann und den Herrschenden ordentlich in die Suppe gespuckt werden kann.

Wir hoffen, dass diese Dynamik bestehen bleibt, wir hoffen auf viele weitere Widerstandspunkte – auf das Flensburg ein Alptraum fĂŒr jeden Investor und ein Utopia fĂŒr uns von untenwird.

SolidaritĂ€t, Respekt, Freiheit und GlĂŒck fĂŒr alle Besetzer:innen und UnterstĂŒtzer:innen; alle die sich auf sichtbare und unsichtbare Weise an den Protesten beteiligt haben.

Danke feinfrisch und Radio Fratz fĂŒr eure unermĂŒdliche Berichterstattung.

Nicht als Verachtung fĂŒr Investoren, ihre Söldner und deren Untertanen in Stadt und Polizei!

Texte von und ĂŒber die Besetzung findet ihr bei subtilus.info und aktuelle News, auch wie es nun weiter geht, findet ihr bei https://twitter.com/boomdorp

Spenden fĂŒr Material und Repressionskosten können hier hin ĂŒberweisen:
VusEumUmseP e.V.
IBAN: DE30 8306 5408 0004 0613 81
Betreff: Boomdorp (wichtig!)

Up With Trees, Down with Capitalism!

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Quelle: Schwarzerpfeil.de
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