Februar 9, 2021
Von Die Plattform
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Heute vor 100 Jahren, am 8. Februar 1921, verstarb Peter Kropotkin, Biologe, Geograf, RevolutionÀr und Vordenker des anarchistischen Kommunismus in der russischen Stadt Dimitrow.

Kropotkin, der 1842 als Sohn einer russischen Adelsfamilie in Moskau zu Welt kam, fĂŒhrte ein bewegtes Leben: Desillusioniert von seiner Ausbildung im Palast des Zaren wandte er sich gegen den Willen seiner Familie biologischen und geografischen Studien zu und verbrachte lange Jahre auf Forschungsreisen in der menschenfeindlichen Umgebung Sibiriens.
Aus seinen Erfahrungen und Beobachtungen dort wuchs seine Überzeugung, dass nicht, wie von Charles Darwin behauptet, der stĂ€ndige Kampf ums Dasein der prĂ€gende Faktor des Zusammenlebens in Mensch- und Tierwelt war, sondern stattdessen die gegenseitige Hilfe, also die freiwillige Zusammenarbeit von Individuen zum beidseitigem Nutzen.

Bald kam der junge Kropotkin mit den Ideen des Sozialismus und des Anarchismus in BerĂŒhrung, denen er sich kurze Zeit spĂ€ter zuwandte und die den Rest seines Lebens prĂ€gen sollten. Im Laufe der nĂ€chsten Jahre reiste Kropotkin als Aktivist durch die verschiedenen LĂ€nder Europas, hielt VortrĂ€ge und arbeitete an einer Reihe von Zeitungen und Zeitschriften mit, um die revolutionĂ€re Sache voranzutreiben. Immer wieder wurde er fĂŒr seinen Aktivismus von den Herrschenden eingekerkert. Kropotkin wurde in dieser Zeit auch als Buchautor tĂ€tig und veröffentlichte mehrere wegweisende Schriften, mit denen er die Idee des anarchistischen Kommunismus entscheidend prĂ€gte. Zu seinen bekannteste Werken zĂ€hlen “Die Eroberung des Brotes” und “Gegenseitige Hilfe im Tier- und Menschenreich”.

Im Jahr 1917 wurde der mittlerweile hochbetagte Kropotkin Zeuge davon, wie die erhoffte Revolution seine Heimat Russland erreichte. Doch schnell erkannte er, dass sich die Revolution unter der FĂŒhrung der autoritĂ€ren Parteikommunist*innen um Lenin in die falsche Richtung entwickelte. Die Bolschewiki unterdrĂŒckten jegliche Kritik an und Widerstand gegen ihre neue Herrschaft. Schnell geriet auch die anarchistische Bewegung, die die Gefahr erkannte, ins Fadenkreuz der Bolschewiki und wurde mit Repression, Haft und Mord ĂŒberzogen.
Kropotkin agitierte in seinen Schriften offen gegen die neuen Herrschenden und prangerte deren Verhalten an. Doch es war zu spĂ€t: Sein BegrĂ€bnis 1921, zu dem Zehntausende herbeiströmten, unter ihnen zahlreiche bekannte Aktivist*innen der weltweiten anarchistischen Bewegung, markierte die letzte große öffentliche Versammlung der Bewegung in der sich entwickelnden UdSSR. Viele der anwesenden Anarchist*innen, die nur fĂŒr ihre Teilnahme an Kropotkins BegrĂ€bnis noch einmal ihre GefĂ€ngniszellen verlassen durften, verschwanden danach in den Kerkern der Bolschewiki.

Wir gedenken heute Peter Kropotkin, der mit seinem Wirken auch unsere Vision einer befreiten Gesellschaft auf Grundlage des anarchistischen Kommunismus entscheidend mitgeprÀgt hat.

Es lebe der anarchistische Kommunismus!




Quelle: Dieplattform.org