Januar 18, 2021
Von Criminals For Freedom
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Im Rahmen der Death in Custody Kampagne: Am 23.07.2020 verbrannte Ferhat Mayouf in seiner Zelle. Die JVA Moabit, Polizei und Justiz erklĂ€rten den Fall zu einem Suizid und sprechen sich damit von jeder Verantwortung frei. Hintergrundinformationen und Augenzeugenberichte zeichnen allerdings ein anderes Bild: Ferhat Mayouf war psychisch instabil und sprach von Depressionen. Er bekam durch den Knast jedoch keine UnterstĂŒtzung, im Gegenteil wurde er 23 Stunden tĂ€glich eingeschlossen und isoliert. RippenbrĂŒche weisen auf mögliche Misshandlungen durch WĂ€rter*innen hin. Als die Zelle brannte, standen JVA-Mitarbeiter*innen vor der TĂŒr und unternahmen nichts, auch auf Hilferufe von anderen Gefangenen reagierten sie nicht. Das macht deutlich: Ferhat Mayoufs Tod war kein tragischer Unfall, kein freier Entschluss zum Suizid. Die JVA Moabit und die deutsche Justiz sind verantwortlich fĂŒr seinen Tod!

FĂŒr die Verantwortlichen folgten keine Konsequenzen, bis heute. Das ist kein Zufall – und vor allem kein Einzelfall.

Die Ermordung von Oury Jalloh 2005 ist wohl das bekannteste Beispiel dafĂŒr, dass Behörden einer Aufarbeitung nicht nur im Wege stehen, sondern aktiv Verbrechen von Bediensteten des Staates vertuschen. Auch nach Oury Jallohs Tod war von Suizid die Rede. Nur dank der kontinuierlichen Arbeit von Angehörigen, Freund*innen und Aktivist*innen ist einer breiten Öffentlichkeit bekannt, dass Oury Jalloh von Polizisten ermordet wurde. Der Name Oury Jalloh wurde so zu einem traurigen Synonym fĂŒr die mörderische rassistische Polizeigewalt in Deutschland. Seit seinem Tod am 07.01.2005 sind mindestens 97 weitere von Rassismus betroffene Menschen in Gewahrsam gestorben oder durch die Polizei getötet worden.

Kontakt mit der Polizei endet fĂŒr viele Menschen tödlich. Eine lĂŒckenlose AufklĂ€rung aller UmstĂ€nde ist umso (lebens)notwendiger. Schlimm genug, dass die verantwortlichen Behörden diese boykottieren und verschleppen. Es mangelt aber auch an gesellschaftlichem Druck. Der in Deutschland allgegenwĂ€rtige Rassismus und der verbreitete Glaube an die Unfehlbarkeit der Polizei und anderer exekutiver Organe fĂŒhren zu einer tödlichen GleichgĂŒltigkeit den Opfern, Überlebenden und ihren Angehörigen gegenĂŒber.

Wir aber finden: Jeder Tod im Knast, Gewahrsam oder durch Polizei ist einer zu viel.

Daher lasst uns gemeinsam Ferhat Mayouf gedenken, dem verharmlosenden Suizid-Narrativ etwas entgegensetzen und zusammen fĂŒr eine gesellschaftliche VerĂ€nderung kĂ€mpfen.

Kommt alle am 23.01.2021 um 14 Uhr zum Carl von Ossietzky Park (vor dem Knast Moabit)!
[U9 – Turmstr. / S-Bhf. Bellevue]

Lasst uns auch in Pandemie-Zeiten zusammen solidarisch und verantwortungsvoll demonstrieren! Achtet dafĂŒr bitte auf euch und andere, tragt Mund-Nasen-Schutz und haltet Abstand zueinander.

Mehr Infos dazu:
Auf unseren Blog: https://deathincustody.noblogs.org
Von Criminal for Freedom: https://criminalsforfreedom.noblogs.org/radio-interview-ueber-den-mord-an-ferhat/
Vom Lowerclass Magazin: https://lowerclassmag.com/2020/08/28/berlin-ferhat-mayoufs-tod-war-kein-suizid/
Vom Anwalt: https://www.rav.de/publikationen/rav-infobriefe/infobrief-120-2020/todesfaelle-in-gewahrsam-todesfaelle-ohne-aufklaerung/


Im Anschluss, um 15 Uhr, schließt euch der Demo „Corona ist das Virus – Kapitalismus die Pandemie“ an. Vor allem Menschen in KnĂ€sten, Lagern, Wohnheimen, auf der Straße und allgemeinen prekĂ€ren Lebenslagen sind den tödlichen Folgen des Virus ausgeliefert, da Wirtschaftlichkeit vor Menschenleben Vorrang hat. Das muss aufhören.

Mehr Infos: https://kontrapolis.info/1658/

Am 24.01. ist auch der Todestag von Maria, die letztes Jahr von Polizisten in Ihrer Wohnung in Berlin erschossen wurde. Dazu wird auch zu einer Demo aufgerufen:
Am 24.01.21 um 15 Uhr
in Friedrichshain, GrĂŒnbergerstraße 46
Kommt alle vorbei.
Jedes Opfer von Polizeigewalt ist eins zu viel.

Mehr Infos: https://www.abc-berlin.net/maria
und hier der Flyer als .pdf




Quelle: Criminalsforfreedom.noblogs.org