November 25, 2022
Von FAU Flensburg
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In Großbritannien tobt die Preiskrise. Aber Millionen Menschen im Land setzen sich zur Wehr. Und zwar genau dort, wo sie am meisten ausgebeutet werden: am Arbeitsplatz.

enn man heute in Großbritannien jemanden fragt, wie es gerade um das Land steht, wird man vermutlich keine zitierfähige Antwort erhalten. Das Land stolpert von Krise zu Krise. Mit Rishi Sunak wurde nun im Laufe eines einzigen Jahres der dritte Premierminister ernannt. Die Energiepreise sind seit dem letzten Winter um 96 Prozent gestiegen, die Mieten um rund 20 Prozent. Die Inflation – die sich gerade schon bei 12,3 Prozent bewegt – soll laut Prognosen zum Beginn des kommenden Jahres auf 18 Prozent klettern.

All das in einem Land, das als erstes in Westeuropa 200.000 Tote während der Coronakrise verzeichnete und bereits seit Jahren unter der Sparpolitik leidet. Laut einer Analyse des Trade Union Congress, dem britischen Dachverband der Gewerkschaften, hatten britische Arbeiterinnen und Arbeiter 2021 im Schnitt 60 Pfund monatlich weniger Reallohn als noch zu Beginn der Finanzkrise 2008. Es ist der größte Lohneinbruch seit der Napoleonischen Ära.

Dort, wo Arbeitgeber Lohnerhöhungen gegen die Inflation zugesagt haben, bedeuten diese immer noch einen Reallohnverlust. Das heißt natürlich noch lange nicht, dass für Arbeitgeber dieselben Regeln gelten: Während sich die Lohnangebote für Beschäftigte im Allgemeinen zwischen 2 und 6 Prozent bewegten, stiegen die Durchschnittsgehälter der Chefs der umsatzstärksten börsennotierten britischen Unternehmen um satte 23 Prozent, weil ihnen Bonuszahlungen in Rekordhöhe ausgeschüttet wurden.

Einer dieser Chefs war Philip Jansen, CEO der BT Group, Großbritanniens größtem Anbieter von Internet- und Telefondiensten. BT verzeichnete in diesem Jahr einen Gewinn von 1,3 Milliarden Pfund, wovon Jansen 3,5 Millionen Pfund erhielt – eine Steigerung von 32 Prozent. Er verdient jetzt 86-Mal mehr als der durchschnittliche Angestellte bei BT.

Nach sechs kurzen Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern der Telekommunikationsgewerkschaft (CWU) brach Jansen die Gespräche ab. Stattdessen setzte er einseitig eine unsäglich geringe Erhöhung der jährlichen Grundgehälter um 1.500 Pfund (derzeit etwa 1.700 Euro) durch. Für die 40.000 Callcenter-Mitarbeiterinnen und Außendiensttechniker des Unternehmens bedeutet das de facto eine Lohnkürzung. Die Callcenter-Beschäftigten werden so schlecht bezahlt, dass einige von ihnen zunehmend auf betriebliche Tafeln angewiesen sind.

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Quelle: Fau-fl.org