Dezember 4, 2021
Von FAU Flensburg
300 ansichten


Corona-Pandemie verschlechtert die Situation zunehmend. Keine Möglichkeit fĂŒr Heim- oder Kurzarbeit im informellen Sektor fĂŒhrt oft zu Verlust der Arbeit

Tagelöhnerei, Akkordarbeit, informelle Arbeit und allenfalls eine Festanstellung mit niedrigen Löhnen und ohne Rechte ist laut einem Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) der Trend fĂŒr die Zukunft der Arbeitswelt in Lateinamerika und der Karibik. Bei rund 70 Prozent der in den letzten Monaten geschaffenen ArbeitsplĂ€tze handele es sich um informelle Arbeit, so der Bericht. Unterdessen halte die Arbeitslosigkeit und geringere Erwerbsbeteiligung an.

Der Bericht mit dem Titel “BeschĂ€ftigung und InformalitĂ€t in Lateinamerika und der Karibik: Eine unzureichende und ungleichmĂ€ĂŸige Erholung” der ILO beschreibt die Besonderheiten des lateinamerikanischen und karibischen Arbeitsmarkts im Zuge der einsetzenden “RĂŒckkehr zur NormalitĂ€t” nach Ausbruch der Pandemie. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung gehe eine Mehrzahl schlecht bezahlter ArbeitsplĂ€tze ohne Sozialversicherung und Arbeitnehmer:innenschutz einher. Obwohl es sich um einen globalen Prozess handele, seien die mittel- und sĂŒdamerikanischen LĂ€nder weltweit am stĂ€rksten von diesem PhĂ€nomen betroffen.

Wie aus dem Bericht hervorgeht, hat sich im Laufe der Pandemie die GeschÀftstÀtigkeit in einigen Bereichen wie der angemeldeten Arbeit und der SelbststÀndigkeit etwas erholt. Jedoch seien im ersten Quartal 2021 rund 76 Prozent der SelbststÀndigen und etwas mehr als ein Drittel der Arbeitnehmenden im informellen Bereich tÀtig gewesen. Im Zusammenhang damit wird vor einer Neuorganisation des Arbeitsmarkts gewarnt. ArbeitsplÀtze, die zuvor mit Leistungen und sozialer Absicherung entsprechend den jeweiligen arbeitsrechtlichen Vorschriften der einzelnen LÀnder ausgestattet waren, könnten informalisiert werden.

Im Vergleich zu vorherigen Krisen sei dieser Prozess der Informalisierung beispiellos, da die formellen ArbeitsplĂ€tze bisher nach jedem Konjunktureinbruch wiederhergestellt worden seien. Informelle TĂ€tigkeiten hĂ€tten auch zu Krisenzeiten nicht zugenommen und dienten nicht als Zuflucht fĂŒr diejenigen, die ihre formelle BeschĂ€ftigung verloren hatten. Obwohl diese Entwicklung noch nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte, stelle die Informalisierung von ehemals formellen Berufen eine nicht zu unterschĂ€tzende latente Bedrohung dar.

Gleichzeitig seien durch die pandemiebedingte Gesundheitskrise und ihre Auswirkung auf die WirtschaftstĂ€tigkeit der Menschen auch informelle ArbeitsplĂ€tze verloren gegangen, da Arbeitnehmer:innen nicht auf gesellschaftliche UnterstĂŒtzungsnetze zurĂŒckgreifen konnten und keine Möglichkeit zur Kurz- oder Heimarbeit hatten. Das fĂŒhrte in einigen LĂ€ndern sogar kurzzeitig zu einem RĂŒckgang der informellen BeschĂ€ftigung. Aktuell dĂŒrfte in Anbetracht der stĂ€rkeren Erholung des informellen Sektors die Zahl der dort BeschĂ€ftigten in vielen LĂ€ndern wieder Ă€hnlich hoch oder sogar höher sein als vor der Pandemie, als dort etwa 51 Prozent der ErwerbstĂ€tigen beschĂ€ftigt waren.

Mehr lesen (amerika21.de) 




Quelle: Fau-fl.org