September 28, 2020
Von Anarchistische Gruppe Bern
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28 September 2020 /Immer wieder wird versucht, Abtreibung zu verunmöglichen, anzugreifen und zu demoralisieren. Dabei diskutiert die ganze Gesellschaft aufgeregt mit und will die eigene Meinung lautstark preisgeben – dies, obwohl es gerade einmal die HĂ€lfte aller betrifft. Es ist wichtig, ĂŒber den eigenen Körper bestimmen zu können. Denn niemensch weiss besser, was der eigene Körper braucht, als mensch selbst! Wie kommt es also dazu, dass die Gesellschaft zu wissen vorgibt, was fĂŒr eine schwangere Person das Beste sei? Wie wollen Menschen wissen, in was fĂŒr einer Lebenslage die Person gerade ist und ob der Wunsch nach Kinder ĂŒberhaupt existiert?

Der ganze Prozess eines Schwangerschaftsabbruches wird durch die Gesellschaft moralisiert und von Regierungen kriminalisiert. Durch PflichtberatungsgesprĂ€che werden Schwangere beeinflusst und ihnen ein schlechtes Gewissen gemacht. Es wird von Traumata gesprochen, welche Menschen nach einem Abbruch erleiden, von Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen. Beim gesamten GesprĂ€ch liegt der Fokus auf den negativen Folgen, welche ein Schwangerschaftsabbruch mit sich bringt und soll dazu dienen, die schwangere Person von eben diesem abzubringen. Dies fĂŒhrt dazu, dass eine Entscheidungsfindung fast unmöglich wird und der Entschluss zu einem Abbruch nicht mehr selbstbestimmt passieren kann. So weiss mensch nicht mehr, was jetzt das „Richtige“ ist.

In vielen Köpfen der Gesellschaft lebt noch immer das Bild von zwei Geschlechtern. Mann und Frau. Dabei nimmt die Frau klar die Rolle der GebĂ€renden ein, der liebevollen Mutter und Hausfrau. Doch auch in etwas aufgeklĂ€rten Kreisen, in denen eine Frau durchaus Karriere machen darf und kann, gilt es als unverstĂ€ndlich, wenn sie nicht Mutter werden möchte. Egoistisch, unmenschlich, kaltherzig – um nur einige Adjektive zu nennen, welche eine Frau hören muss, wenn sie sich aktiv gegen das Kinderkriegen entscheidet. Diese Voraussetzung – Frau=Mutter – stellt einer schwangeren Frau eine HĂŒrde dar auf dem Weg zur Selbstbestimmung.

Diese moralisierende Haltung gegenĂŒber eines Schwangerschaftsabbruches stellt die Betroffenen nicht nur vor diese immensen HĂŒrden, die wir eben genannt haben – nein – es kommt noch viel mehr dazu. Denn eine schwangere Person, der es fast unmöglich gemacht wird abzutreiben an dem Ort wo sie lebt, wird immer einen Weg finden, dies dennoch zu tun. Diese Alternativen – also eigens durchgefĂŒhrte Abreibungen – sind niemals gefahrlos. Schwere körperliche Folgen bis hin zum Tod sind nicht selten der Fall. Eine weit verbreitete Taktik stellt ihr zum Beispiel die eigens durchgefĂŒhrte Abreibung mit einem KleiderbĂŒgel dar. Auch der Suizid wird als Lösung betrachtet, wenn keine anderen Alternativen zur VerfĂŒgung stehen.
Daher ist eine Entkriminalisierung von grosser Wichtigkeit, um alle Schwangeren vor solchen Folgen schĂŒtzen zu können und ihre Entscheidung – ob fĂŒr oder gegen ein Kind – selbstbestimmt treffen zu können.

Doch das Problem beginnt nicht erst bei der Debatte um den Schwangerschaftsabbruch, sondern bereits bei der KostenĂŒbernahme von VerhĂŒtungsmitteln. Im Moment ist dies ein Wohlstandsprodukt, welches sich nicht jede gebĂ€rfĂ€hige Person leisten kann. Des Weiteren gelten noch immer hormonelle VerhĂŒtungsmittel als am sichersten. Dabei sind diese nur fĂŒr Menschen mit einer GebĂ€rmutter auf dem Markt erhĂ€ltlich. Diese VerhĂŒtungsmittel sind nebst dem finanziellen Aufwand immer ein grosser Einschnitt in den Körper und bleiben niemals ohne Nebenwirkungen. Auch hier ist wieder ein Eingreifen in die Selbstbestimmung des eigenen Körpers zu sehen.
Schlussendlich steht eine gebĂ€rfĂ€hige Person vor einem Berg an Kosten. Angefangen bei den Kosten fĂŒr Tampons, Binden, Cups und endet bei der Frage nach der Finanzierung einer Abtreibung. Wie ein Mensch ein Kind finanzieren kann, wenn noch nicht einmal das Geld da war, um eine Abreibung zu finanzieren? Neues Kapitel.

Die Angriffe auf SchwangerschaftsabbrĂŒche ist Teil der reaktionĂ€ren und antifeministischen Welle weltweit. Die Entkriminalisierung von SchwangerschaftsbrĂŒchen ist ein erster Schritt in Richtung Selbstbestimmung. Lasst uns also zusammenschliessen, vernetzen und verbĂŒnden, damit wir eine befreite Gesellschaft erkĂ€mpfen können und in einem selbstbestimmten Leben fĂŒr alle mĂŒnden.

Wir solidarisieren uns mit allen Gegenprotesten, fĂŒr ein selbstbestimmtes Leben allen GebĂ€rfĂ€higen Menschen.

Solidarische und kĂ€mpferische GrĂŒĂŸe aus Bern
Anarchististe Gruppe Bern / AGB




Quelle: Anarchistisch.ch