MĂ€rz 9, 2021
Von Die Plattform
293 ansichten


(ENGLISH BELOW)

Gemeinsam mit unseren Genoss*innen aus aller Welt haben wir anlĂ€sslich des gestrigen feministischen Kampftages am 8. MĂ€rz eine gemeinsame ErklĂ€rung verfasst. Aus anarchistischer und klassenkĂ€mpferischer Perspektive umreißt sie sowohl den Ursprung des 8. MĂ€rz als feministischer Kampftag und zeigt gleichzeitig auf, warum es auch gerade heute – im Angesicht der Pandemie – mehr als notwendig ist, den Kampf gegen das Patriarchat, den Staat und den Kapitalismus energisch zu fĂŒhren. Wir wĂŒnschen euch also ganz viel Spaß beim Lesen!

P.S.: Auf der Website des weltweiten Anarkismo-Netzwerks  findet ihr den Text in vielen unterschiedlichen Sprachen. Schaut auch da mal vorbei!

Gegen die patriarchale UnterdrĂŒckung und die kapitalistische Ausbeutung: Wir sind viele!

Internationale anarchistische ErklÀrung zum weltweiten Kampftag arbeitender Frauen* und Queers 2021

Heute, am 8. MĂ€rz, begehen wir den Internationalen Tag der arbeitenden Frauen* und Queers, ein historisches Datum, an dem wir den Kampf fĂŒr die politischen, sozialen, wirtschaftlichen und sexuellen Rechte von Frauen*, Lesben, Inter-, NichtbinĂ€ren, Transgender- und Agender-Personen (FLINTA*s) der unterdrĂŒckten Klassen hervorheben. Heute zielen wir darauf ab, die systematischen Gewalt des Patriarchats vollstĂ€ndig zu beenden und unterstĂŒtzen den revolutionĂ€ren Kampf der Arbeiter*innen, der von unten ausgeht und dabei auch ein antikolonialer Kampf ist.
Erstmals von einer Gruppe sozialistischer Frauen* auf der 2. Internationalen Konferenz Sozialistischer Frauen 1910 in Kopenhagen vorgeschlagen, sollte der Tag ursprĂŒnglich die BĂŒrger*innenrechte von Frauen* fördern. SpĂ€ter wurde er zu einem weltweiten Tag der Agitation, der Mobilisierung, des Protests und des Streiks fĂŒr das Leben und die Freiheit von FLINTA*s. Vom Protest fĂŒr die Arbeitsrechte und politischen Rechte der Frauen* in den Industriestaaten zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Aufstand der Arbeiter*innen fĂŒr Brot und Frieden, der zusammen mit anderen Streiks und Demonstrationen 1917 die russische Februarrevolution einleitete, wurde der 8. MĂ€rz als Internationaler Frauen*tag durch den aktiven Kampf von FLINTA*s der Arbeiter*innenklasse langsam gefestigt. Dieser Erfolg durch den Kampf von FLINTA*s der Arbeiter*innenklasse ermöglicht es uns, den Errungenschaften der feministischen Bewegung gegen die patriarchalen UnterdrĂŒckung zu gedenken. Der 8. MĂ€rz erlaubt es uns, uns die Debatten und VorschlĂ€ge anzueignen, die unsere VorgĂ€nger*innen gefĂŒhrt und diskutiert haben und RĂ€ume zu schaffen, in denen wir unsere Stimmen gegen die Ungerechtigkeiten und die Gewalt dieses kapitalistischen, patriarchalen und kolonialen Systems der Herrschaft zu erheben.

Der internationale Gedenktag hat mehrere Fahnen des Kampfes, die je nach Region oder Zeit variieren, und unter denen einige KĂ€mpfe besonders hervorstechen: Darunter zum Beispiel der Kampf fĂŒr das allgemeine Wahlrecht und gleiche Löhne, die Anerkennung der Sorgearbeit und anderer Aufgaben, die in die private SphĂ€re verbannt sind und meist von FLINTA*s ausgefĂŒhrt werden, der Kampf fĂŒr die Entkriminalisierung und Legalisierung der Abtreibung und den Zugang zu VerhĂŒtungsmitteln und die Abschaffung der geschlechtsspezifischen Gewalt, die sich unter anderem in den hohen Zahlen von sexuellem Missbrauch, Femiziden und transphoben Morden niederschlĂ€gt. Wir heben diesen Tag, den 8. MĂ€rz, auch hervor als Raum fĂŒr FLINTA*s, da der 8. MĂ€rz es der feministischen Bewegung historisch gesehen oft erlaubt hat, ihre Organisierung in die Öffentlichkeit zu tragen, besonders sichtbar in feministischen Massenmobilisierungen. Zuletzt ist das zum Beispiel durch den Internationalen Frauen*streik geschehen, der in Spanien begann, durch die #NiUnaMenos-Bewegung in Argentinien und Lateinamerika und durch den Kampf fĂŒr legale, sichere und kostenlose Abtreibung in LĂ€ndern auf der ganzen Welt. Heute erleben wir, arbeitende FLINTA*s, die soziale und wirtschaftlichen Krise, die die Folge der COVID-19-Pandemie ist, an vorderster Front. Die Krise hat Formen von Gewalt und patriarchaler Herrschaft aufgedeckt, die oft als Ausbeutung der Arbeitskraft von FLINTA*s in der privaten SphĂ€re und als Unterordnung unter die mĂ€nnliche* Figur in der selbigen unsichtbar bleiben.
Gleichzeitig begĂŒnstigt die aktuelle Situation des Lockdowns den Anstieg hĂ€uslicher Gewalt gegen FLINTA*s und Kinder, sexueller BelĂ€stigung und die Zunahme von FĂ€llen von Femiziden, transphoben Morden und sexuellem Missbrauch, weshalb wir am 8. MĂ€rz mit so großer Dringlichkeit mobilisieren. WĂ€hrend wir jedoch die Bedeutung des feministischen Kampfes in unserer Zeit anerkennen, sind wir uns der Existenz eines weißen, bĂŒrgerlichen und die zweigeschlechtliche Ordnung stĂŒtzenden “Feminismus” bewusst und lehnen ihn ab. Dieser sogenannte “Feminismus” versucht, eine vorherrschende Stellung zu erringen zum Nachteil der UnterdrĂŒckten. Aus diesem Grund stellen wir uns von unseren sozialen Organisationen und Basisorganisationen aus gegen die patriarchale UnterdrĂŒckung, von unten und mittels der direkten Aktion. Wir sind uns auch des Einflusses des Staates auf diese Vielfalt feministischer Strömungen bewusst. Der Staat versucht, die KĂ€mpfe und Forderungen arbeitender FLINTA*s in seine Institutionen zu integrieren, um diese einzuschließen in seine Maschinerie.

An diesem Gedenktag betonen wir auch die Bedeutung von Frauen* und queeren Menschen im Kampf fĂŒr die Rechte der Arbeiter*innenklasse und der vom kapitalistischen Herrschaftssystem UnterdrĂŒckten. Wir heben die TĂ€tigkeit von Aktivist*innen wie Teresa Claramunt, Luisa Capetillo und Virginia Bolten hervor, die fĂŒr die Rechte sexueller und geschlechtlicher Minderheiten, fĂŒr die Beendigung der Ausbeutung der Umwelt, fĂŒr die Abschaffung des Staates und fĂŒr die Beendigung aller Formen der UnterdrĂŒckung im Hinblick auf die revolutionĂ€re Umgestaltung der Gesellschaft kĂ€mpften. So kĂ€mpfen wir heute durch gegenseitige Hilfe, KlassensolidaritĂ€t, kollektive FĂŒrsorge und wiederum durch Kritik an der Gestalt einer politischen Theorie, die auf traditionellen, hierarchischen, binĂ€ren und ausschließenden Vorstellungen von Geschlecht basiert, fĂŒr Sozialismus und Freiheit fĂŒr alle. Deshalb begehen wir den 8. MĂ€rz als einen Tag des revolutionĂ€ren Kampfes fĂŒr unsere Emanzipation, die, wie Emma Goldman in Die Tragödie der Frauenemanzipation (1906) schrieb, “es der Frau ermöglichen sollte, das natĂŒrlich Menschliche in ihr zu Ă€ussern 
 und vom Pfade zur immer grösseren Freiheit sollten alle jene Spuren von Jahrhunderten der Unterwerfung und Sklaverei weggerĂ€umt werden.”

FĂŒr die Befreiung der UnterdrĂŒckten,
hoch mit denen, die kÀmpfen!

☆ Alternativa Libertaria / Federazione dei Comunisti Anarchici (Al/FdCA) – Italien
☆ Anarchist Communist Group (ACG) – Großbritannien
☆ ΑΜαρχÎčÎșÎź ÎŸÎŒÎżÏƒÏ€ÎżÎœÎŽÎŻÎ± / Anarchistische Föderation – Griechenland
☆ Aotearoa Workers Solidarity Movement (AWSM) – Aotearoa/Neuseeland
☆ Coordenação Anarquista Brasileira (CAB) – Brasilien
☆ Die Plattform Anarchakommunistische Organisation – Deutschland
☆ Embat Organització Llibertària de Catalunya – Katalonien
☆ Federación Anarquista de Rosario (FAR) – Argentinien
☆ Federación Anarquista de Santiago (FAS) – Chile
☆ Federación Anarquista Uruguaya (FAU) – Uruguay
☆ Grupo Libertario Vía Libre – Kolumbien
☆ LibertĂ€re Aktion Bern – Schweiz
☆ Melbourne Anarchist Communist Group (MACG) – Australien
☆ Organización Anarquista de Córdoba (OAC) – Argentinien
☆ Organización Anarquista de Tucumán (OAT) – Argentinien
☆ Organisation Socialiste Libertaire (OSL) – Schweiz
☆ Union Communiste Libertaire (UCL) – Frankreich
☆ Workers Solidarity Movement (WSM) – Irland
☆ Zabalaza Anarchist Communist Front (ZACF) – SĂŒdafrika

IN ENGLISH:

Against patriarchal oppression and capitalist exploitation: No one is alone!

Statement on International Working Women’s Day 2021

Today, March 8, we commemorate International Working Women’s Day, a historic date on which we raise the struggle for the political, social, economic, and sexual rights of women, lesbians, and transgender people of the oppressed classes. Today, we aim to put an end to the systematic violence of patriarchy and support the revolutionary workers’, popular and anti-colonial struggle. First proposed by a group of socialist women at the Second International Conference of Socialist Women in 1910 in Copenhagen, the day was initially intended to promote women’s civil rights. Later, it became a day of agitation, mobilization, protest, and strike for the lives and liberty of women and dissidents of the gender system across the globe. From the protest for women’s labor and political rights in the industrial states at the beginning of the 20th century to the revolt for bread and peace by working women that began, along with other strikes and demonstrations, the Russian Revolution of February 1917, March 8 as International Women’s Day was slowly consolidated through the active struggle of working-class women. Therefore, we rescue such great attainment that allows us to remember the achievements of the feminist movement against patriarchal oppression. March 8 also allows us to appropriate the debates and proposals our predecessors had and build spaces that enable us to raise our voices against the injustices and violence of this capitalist, patriarchal and colonialist, system of domination.

The international commemorative day has had multiple banners of struggle that vary in each territory and time. Highlighting among them there’s the struggle for suffrage and equal pay, the recognition of care work and other tasks relegated to the private sphere performed mostly by women, the struggle for the decriminalization and legalization of abortion and access to contraceptives, and the abolition of gender-based violence materialized in high numbers of sexual abuse, femicides, and transfeminicides, among others. We also highlight the date as a space for women and dissidents that have historically allowed the organizational articulation of the feminist movement. Lately, and has been characterized by massive mobilizations, most recently by the International Women’s Strike with beginning in Spain, the #NiUnaMenos movement in Argentina and Latin America, and the struggle for legal, safe and free abortion in countries around the world. Today we, working women, experience, on the front line, the social and economic crisis resulting from the COVID-19 pandemic, which uncovered types of violence and patriarchal domination often made invisible as the exploitation of feminine labor in the private sphere and subordination to the male figure within it. COVID-19 also facilitated the resurgence of domestic violence, harassment, and the increase in cases of femicides, transfeminicides, and sexual abuse due to confinement, which is why we mobilize on March 8 with such heartfelt urgency. However, while we recognize the importance of the feminist struggle in our times, we are aware, and therefore reject, the existence of white, bourgeois, and binary “feminism” that seeks to become hegemonic to the detriment of the oppressed. Thus, we raise, out of our social and grassroots organizations, disputes against patriarchal oppression from below and through direct action. We are also alert of the influence of the State on this plurality of currents present within feminism which seeks to accommodate the struggles and demands of working women within its institutions, to corset them in its machinery.

On the commemoration date, we also stress the importance of women and dissidents in the struggle for the rights of the working class and those oppressed by the system of capitalist domination, highlighting the activism of militants such as Teresa Claramunt, Luisa Capetillo, Lucia Sánchez, and Virginia Bolten, for the rights of women and dissidents, for the curbing of environmental exploitation, for the abolition of the State and the end of all oppressions, looking at the revolutionary transformation of reality. Thus, through mutual support, class solidarity, and collective care, and through the critique of the construction of a political theory based on traditional hierarchical, binary, and exclusionary conceptions of gender too, we fight for socialism and freedom for all. Therefore, we commemorate March 8 as a day of the revolutionary struggle for our emancipation that, as Emma Goldman wrote in The Tragedy of Woman’s Emancipation (1906): “Should make it possible for women to be human in the truest sense. Everything within her that craves assertion and activity should reach its fullest expression; all artificial barriers should be broken, and the road towards greater freedom cleared of every trace of centuries of submission and slavery”

For the liberation of the opressed, long live those who struggle!

☆ Alternativa Libertaria/ Federazione dei Comunisti Anarchici (AL/FdCA) – Italy
☆ Anarchist Communist Group (ACG) – Britain
☆ ΑΜαρχÎčÎșÎź ÎŸÎŒÎżÏƒÏ€ÎżÎœÎŽÎŻÎ± – Anarchist Federation – Greece
☆ Aotearoa Workers Solidarity Movement (AWSM) – Aotearoa/New Zealand
☆ Coordenação Anarquista Brasileira (CAB) – Brazil
☆ Die Plattform – Anarchakommunistische Organisation – Germany
☆ Embat – Organització Llibertària de Catalunya – Catalonia
☆ Federación Anarquista de Rosario (FAR) – Argentina
☆ Federación Anarquista de Santiago (FAS) – Chile
☆ Federación Anarquista Uruguaya (FAU) – Uruguay
☆ Grupo Libertario Vía Libre – Colombia
☆ LibertĂ€re Aktion – Switzerland
☆ Melbourne Anarchist Communist Group (MACG) – Australia
☆ Organización Anarquista de Córdoba (OAC) – Argentina
☆ Organización Anarquista de Tucumán (OAT) – Argentina
☆ Organisation Socialiste Libertaire (OSL) – Switzerland
☆ Union Communiste Libertaire (UCL) – France
☆ Workers Solidarity Movement (WSM) – Ireland
☆ Zabalaza Anarchist Communist Front (ZACF) – South Africa




Quelle: Dieplattform.org