Dezember 11, 2020
Von Anarkismo
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repression / gefangene |
pressemitteilung
author Friday December 11, 2020 16:45author by Verschiedene anarchistische Organisationen

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Nicht der Widerstand ist kriminell, sondern dieses System! – Freiheit fĂŒr die Gefangenen der sozialen Revolte in Chile!

Heute haben wir gemeinsam mit vielen befreundeten klassenkĂ€mpferischen anarchistischen Organisationen aus aller Welt eine weitere internationale ErklĂ€rung veröffentlicht. Anlass sind die derzeitigen KĂ€mpfe in Chile fĂŒr die Freilassung der Menschen, die im Laufe der sozialen Revolte verhaftet wurden.

Diese soziale Revolte nahm vor gut einem Jahr, im Oktober 2019, ihren Anfang mit den entschlossenen Protesten und Direkten Aktionen junger Menschen gegen die Erhöhung von Bus- und Metropreisen in der Haupstadt Santiago. Wie ein Lauffeuer breiteten sich die Proteste auf weite Teile der unterdrĂŒckten Klasse und auf viele Regionen des Landes aus. Millionen nahmen sich die Straßen, um fĂŒr ein wĂŒrdevolles Leben einzustehen und leisteten Widerstand gegen einen brutalen Polizeiapparat, der im Laufe weniger Wochen dutzende Menschen folterte, vergewaltigte und ermordete. Tausende Menschen wurden in diesen Wochen außerdem festgenommen und in die dunklen KnĂ€ste des chilenischen Staates gesperrt. Viele von ihnen sitzen auch ein Jahr spĂ€ter, in dem die Menschen nicht aufgehört haben zu kĂ€mpfen, noch in Haft, oft unter schrecklichen Bedingungen. In den Zellen neben ihnen sitzen indigene Mapuche, auch sie werden vom chilenischen Staat interniert, weil sie seiner neokolonialen Politik nicht tatenlos zusehen, sondern fĂŒr die Bewahrung ihrer Territorien und ihrer Autonomie kĂ€mpfen.

Mit unserer ErklÀrung stellen wir uns hinter die Forderung nach der sofortigen Freilassung aller politischen Gefangenen. Der Widerstand gegen dieses menschenverachtende System ist gerechtfertigt, an jedem Ort, zu jeder Zeit.

Nieder mit der Klassenjustiz ĂŒberall auf der Welt! Es lebe die grenzenlose SolidaritĂ€t!

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“Das GefĂ€ngnis verhindert nicht, dass es zu antisozialen Handlungen kommt; im Gegenteil, es erhöht ihre Zahl. Es bessert nicht diejenigen, die in ihm landen. Reformieren sie es, so viel sie wollen; es wird immer ein Freiheitsentzug sein, ein nutzloses Mittel wie das Kloster, das den Gefangenen immer weniger geeignet fĂŒr das Leben in der Gesellschaft macht. Er bekommt nicht, was er will. Es befleckt die Gesellschaft. Es muss verschwinden” (Peter Kropotkin – “Die GefĂ€ngnisse”)

“Auf dass die Genoss*innen sich nicht einsam fĂŒhlen. Die Menschen, mit denen sie Freud und Leid, Misserfolge und Siege teilten, sind mehr denn je bei ihnen und kĂ€mpfen mit hartnĂ€ckiger Inbrunst. Jeden Tag empfinden sie mehr Liebe und mehr Hass. Das sind die Liebe und der Hass, mit denen wir gemeinsam die Welt von unten aus verĂ€ndern werden.” (Juan C. Mechoso – “Anarchistische Direkte Aktion: Eine Geschichte der fAu”)

1.

Mehr als ein Jahr ist vergangen, seit der Kampf die Straßen verschiedener StĂ€dte in dem Gebiet ĂŒberflutet hat, das der chilenische Staat beherrscht. Und seit diesem Oktober im Jahr 2019 haben die Menschen den Kampf ohne Pause fortgesetzt. Trotz der Repression, der Pandemie und des Hungers blĂŒht der Wille zur Organisierung und zum Kampf. Wir befinden uns in einer Zeit des Kampfes und Widerstandes in verschiedenen Regionen auf der ganzen Welt; von den Indigenen in Ecuador bis zu den Proletarier*innen in Frankreich erheben sich die Menschen gegen das System der Herrschaft.

Deshalb kommt dem Internationalismus, dieser alten Praxis der unterdrĂŒckten Klasse, große Dringlichkeit zu. SolidaritĂ€t in Wort und Tat ist ein elementares Prinzip dieser KĂ€mpfe und zeichnet einen Horizont der Emanzipation vor.

2.

Trotz der allgegenwĂ€rtigen Schwierigkeiten des Lebens haben die kĂ€mpfenden Gemeinschaften in dem vom chilenischen Staat beherrschten Territorium Widerstand geleistet – egal ob mit Barrikaden, Töpfen und Pfannen oder Akten der Selbstverteidigung. Der Staat hat mit blutiger Repression reagiert, mit Tausenden von Verletzten, Hunderten VerstĂŒmmelten, Dutzenden von Toten und Tausenden von Gefangenen. All dies wird von den Handlangern des Staates ausgefĂŒhrt, die ihre Klasseninteressen verteidigen und dabei unsere Leben verschlimmern und unsere Körper und Gebiete angreifen.
Nicht nur Kugeln und TrĂ€nengas wurden gegen unsere Klasse eingesetzt, sondern auch strenge repressive Gesetze. Mit der UnterstĂŒtzung der Sozialdemokratie fĂŒhrte all das zum “Anti-Barrikadengesetz”, zur “Modernisierung” repressiver Apparate wie der “Agencia Nacional de Inteligencia” (ANI, chilenischer Inlandsgeheimdienst) und zur Bereitstellung neuer technologischer Infrastruktur fĂŒr die Spezialeinheiten, die damit ihren Staatsterrorismus weiterentwickeln.

Diese Repression trifft bekanntlich nur unsere Klasse, denn wenn aufgedeckt wird, dass die bewaffneten Truppen der herrschenden Klasse Kriegswaffen und Kampfmittel mit sich fĂŒhren, sind das fĂŒr den Staat nur “ArbeitsgerĂ€te”, wĂ€hrend das Zerschlagen eines Bankfensters fĂŒr den selben Staat einen Akt des Terrorismus darstellt, fĂŒr den er dich jahrelang in den Knast stecken wird. Heute sieht sich unsere Klasse der Gefahr ausgesetzt, ins GefĂ€ngnis gesteckt zu werden, wenn sie nur mal mit einem Löffel (zum LĂ€rm machen) oder einem Schild hinausgeht, um soziale Rechte einzufordern. Das GefĂ€ngnis ist eine Klassenfrage.

3.

Es gibt fast 2.500 Genoss*innen, die heute brutalen juristischen Prozessen ausgesetzt sind, Prozessen, die mehr als ein Jahr gedauert haben und Tausende ohne jede Art von Strafe hinter Gittern halten, wobei die “PrĂ€ventivhaft” als rechtliche Verhöhnung derjenigen benutzt wird, die in diesem Jahr der sozialen Revolte an der Seite ihrer Klasse gekĂ€mpft haben (einschließlich der “MinderjĂ€hrigen”). Andererseits drohen den wenigen Verurteilten, die es gibt, brutale Strafen von 11 bis 20 Jahren fĂŒr die Spekulationen einer Staatsanwaltschaft, die auf Rache sinnt und die bestrafen will, die das System der Herrschaft in Frage gestellt haben, die es gewagt haben, die Kommerzialisierung und Prekarisierung unseres Lebens in Frage zu stellen.

Als ob dies noch nicht genug wĂ€re, wurden die Gefangenen der sozialen Revolte in Isolation gehalten, in ihrem tĂ€glichen Leben gefoltert. Besuche im GefĂ€ngnis wurden verhindert sowie auch andere Leistungen, die den Aufenthalt im Knast ertrĂ€glicher machen wĂŒrden.

4.

Wir rufen zu aktiver SolidaritĂ€t auf. Dazu, sich mit Worten und Körpern fĂŒr die Freiheit unserer Gefangenen einzusetzen, Tage des Protests ĂŒberall zu organisieren und fĂŒr eine GENERALAMNESTIE OHNE BEDINGUNGEN kĂ€mpfen. Wer die Gefangenen vergisst, vergisst den Kampf, und deshalb ist die Erlangung ihrer Freiheit eine Pflicht fĂŒr die kĂ€mpfenden Gemeinschaften. Wir rufen dazu auf, die Organisationen von unten zu stĂ€rken, das Banner der Freiheit unserer Genoss*innen aufzugreifen, sich konkret an den verschiedenen AktivitĂ€ten und Protesttagen zu beteiligen.

5.

Zu guter Letzt bleibt zu sagen, dass es politische Gefangene nicht erst seit dem Beginn der Revolte am 18. Oktober gibt, stattdessen existieren sie schon seit Jahrzehnten. Historisch gesehen hat der Staat versucht, diejenigen zu bestrafen, die fĂŒr den Zusammenbruch der Klassengesellschaft gekĂ€mpft haben. Aus diesem Grund unterstĂŒtzen wir auch die politischen Gefangenen und RevolutionĂ€r*innen der Mapuche, die jeden Tag dafĂŒr kĂ€mpfen, in den GefĂ€ngnissen des chilenischen Staates standhaft zu bleiben.

FREIHEIT FÜR DIE POLITISCHEN GEFANGENEN DER REVOLTE!
KEINE HAFT MEHR FÜR MENSCHEN, DIE KÄMPFEN!
ALLGEMEINE UND BEDINGUNGSLOSE AMNESTIE!
AUFHEBUNG DER REPRESSIVEN GESETZE!
SCHLUSS MIT DEM ANTI-TERROR-GESETZ!

☆ Coordenação Anarquista Brasileira – CAB (Brasilien)
☆ Federación Anarquista Uruguaya – FAU (Uruguay)
☆ Federación Anarquista de Rosario – FAR (Argentinien)
☆ Organización Anarquista de Córdoba – OAC (Argentinien)
☆ Federación Anarquista Santiago – FAS (Chile)
☆ Grupo Libertario Vía Libre (Kolumbien)
☆ Union Communiste Libertaire (Frankreich)
☆ Embat – Organització Libertària de Catalunya (Katalonien)
☆ Alternativa Libertaria – AL/fdca (Italien)
☆ Die Plattform – Anarchakommunistische Organisation
☆ Devrimci AnarƟist Faaliyet – DAF (TĂŒrkei)
☆ Organisation Socialiste Libertaire – OSL (Schweiz)
☆ LibertĂ€re Aktion (Bern/Schweiz)
☆ Melbourne Anarchist Communist Group – MACG (Australien)
☆ Aotearoa Workers Solidarity Movement – AWSM (Aotearoa / Neuseeland)
☆ Zabalaza Anarchist Communist Front – ZACF (SĂŒdafrika)
☆ Federation of Anarchism Era (Afghanistan/Iran)
☆ Workers Solidarity Movement – WSM (Irland)
☆ Anarchist Communist Group – ACG (Großbritannien)
☆ ΑΜαρχÎčÎșÎź ÎŸÎŒÎżÏƒÏ€ÎżÎœÎŽÎŻÎ± – Anarchist Federation (Griechenland)
☆ TekoƟina AnarƟist – TA, (Rojava – Nordost-Syrien)
☆ Organizacion Anarquista de Tucuman (Argentinien)




Quelle: Anarkismo.net