Oktober 4, 2021
Von Anarchosyndikalismus
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Folgender Aufruf erschien auf der Webseite des Wiener Arbeiter*innen-Syndikats:

„Die Internationale Woche Gegen Unbezahlte Löhne wurde 2019 von der Internationalen ArbeiterInnen Assoziation (IAA) ins Leben gerufen, um auf das PhĂ€nomen von nichtbezahlten Löhnen und GehĂ€ltern aufmerksam zu machen sowie Möglichkeiten aufzuzeigen, sich durch anarchosyndikalistische Methoden dagegen zur wehr zu setzen. Heuer wird diese Veranstaltung von 11. bis 17. Oktober [2021] stattfinden.

Deine Teilnahme dabei ist mehr als willkommen. Hast Du Erfahrung mit unbezahlten Löhnen? WĂŒrdest du dieses Thema gerne in deinem nĂ€heren Umfeld oder breiteren Öffentlichkeit verbreiten? WĂŒrdest Du Dich gerne bei Aktionen gegen die Ausbeutung von ArbeiterInnen beteiligen – nicht nur wĂ€hrend einer Woche im Jahr und nicht nur in puncto unbezahlter Löhne? Melde dich bei uns – zusammen erreichen wir mehr!

INTERNATIONALE WOCHE GEGEN UNBEZAHLTE LÖHNE – WARUM?

Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir fĂŒr Geld arbeiten gehen mĂŒssen, um zu ĂŒberleben. Wir brauchen Geld fĂŒr Essen, Wohnen, Bildung, aber auch fĂŒr Kultur, Erholung, FreizeitaktivitĂ€ten usw. Wir haben es an sich schon oft schwer, alle unsere Ausgaben abzudecken, weshalb es drastische Auswirkungen auf uns und die Menschen, welche sich auf uns verlassen hat, wenn wir unseren Lohn bzw. Gehalt nicht ausbezahlt bekommen.

Nicht gezahlte Löhne sind ein weit verbreitetes PhĂ€nomen mit derart einschneidender Wirkung auf unsere Lebensweisen, dass die Internationale ArbeiterInnen Assoziation (IAA) beschlossen hat, jĂ€hrlich die dritte Oktoberwoche als die „Internationale Woche Gegen Unbezahlte Löhne“ auszurufen. Gewerkschaften, welche der IAA angehören, engagieren sich wĂ€hrend dieser Woche mit auf das Thema bezogenen bewusstseinsbildenden Maßnahmen, organisieren Protestaktionen vor Betrieben, welche Löhne nicht ausbezahlen und diskutieren gemeinsam, wie das Problem praktisch angegangen werden kann und muss.

Beispiele dafĂŒr lassen sich in folgendem Artikel wiederfinden, welcher ĂŒber die Internationale Woche Gegen Unbezahlte Löhne letzten Jahres berichtet und diese analysiert (in engl.):
https://iwa-ait.org/content/international-week-against-unpaid-wages-supp
 Mehr Informationen darĂŒber werden in der dritten Oktoberwoche prĂ€sentiert.

WIE WIR KÄMPFEN

Wir helfen uns gegenseitig, wir informieren, wir mobilisieren, wir protestieren. Durch kollektive Aktionen versuchen wir die ChefitĂ€ten dort zu treffen, wo ihre Profite und ihre Macht entstehen. Wir handeln in der Gruppe, als Einheit und zeigen ihnen, dass die Probleme, die sie zu verantworten haben, nicht einzelne Menschen betreffen, sondern eine grĂ¶ĂŸere Gemeinschaft angehen, welche sich zusammengeschlossen hat und zusammen dagegen kĂ€mpft.

Wir organisieren direkte Aktionen, d.h. gemeinsame Proteste – „Streikposten“ vor ArbeitsplĂ€tzen, Blockaden, informieren ĂŒber schĂ€digende GeschĂ€ftspraxis, leiten diese an GeschĂ€ftspartnerInnen weiter, boykottieren Produkten und Dienstleistungen, schaffen internationale SolidaritĂ€tskampagnen oder suchen verantwortlichen Personen direkt in den StĂ€tten ihrer ZustĂ€ndigkeitsbereiche auf und vieles mehr.

ChefitĂ€ten wissen, dass sie leicht mit der Nichtbezahlung von Löhnen und GehĂ€ltern wegkommen (ProbezeitgehĂ€lter, ÜberstundenzuschlĂ€ge, Kompensationsleistungen etc. miteingeschlossen), insbesondere bei ArbeitsplĂ€tzen mit fragwĂŒrdigen (oder gar keinen) VertrĂ€gen und informellen mĂŒndlichen Vereinbarungen. GrundsĂ€tzlich gilt: wenn ArbeitnehmerInnen zusammenstehen, sich nicht einschĂŒchtern lassen, sich nicht auf Gerichte verlassen, sondern auf ihre eigenen Fertigkeiten vertrauen und sich aktiv in den Konflikt einbringen, bestehen immer gute Chancen, seinen Lohn zurĂŒckbezahlt zu bekommen. Und wenn sie durch Gewerkschaften handeln, steigen nicht nur die Chancen dafĂŒr, den ihnen zustĂ€ndigen Lohn zu erhalten, sondern die Bedingungen am Arbeitsplatz allgemein zu verbessern.

WIE DU DICH BETEILIGEN KANNST

Wenn Dein Chef Dir den Lohn schuldig bleibt und du handeln möchtest, kontaktiere uns Teile Deine Erfahrungen darĂŒber, wie Du es geschafft hast Deinen schuldig geblieben Lohn zurĂŒck zu bekommen. Verteile Informationen zum Thema in Deiner Gegend (durch Sticker und Poster). Teile Posts zum Thema auf Social Media.
Bringe dich generell ein in KĂ€mpfen gegen die Ausbeutung von ArbeiterInnen

DER ANARCHOSYNDIKALISTISCHE ANSATZ

WĂ€hrend wir die die Taktik der direkten Aktion als effektives Werkzeug schĂ€tzen, um die Auszahlung von geschuldeten Löhnen zu erreichen, mĂŒssen wir einsehen, dass auch wenn wir alle diese Gelder zurĂŒckgewonnen haben, wir das PhĂ€nomen der Ausbeutung so nicht stoppen können. Das kapitalistische System ist naturgemĂ€ĂŸ so angelegt, dass es immer stets den ChefitĂ€ten in die HĂ€nde spielt und es ihnen erlaubt, faule Tricks an uns auszuprobieren. Wir fordern daher keine „faire“ Bezahlung. Das eigentliche Problem liegt am Lohnsystem selbst, welches unsere Arbeitskraft dazu nutzt, sich selbst zu bereichern – auf Kosten der gesamten Gesellschaft. Wir denken auch nicht, dass direkte Aktionen allein dem Selbstzweck dienen. TatsĂ€chlich wichtig ist, dass diese gemeinschaftlich organisiert sind, ermöglichen, Entscheidungen zu fassen, Erfahrungen zu teilen und eine Kultur von gegenseitiger Hilfe entstehen lassen.

Das Ziel der Gewerkschaften, welche in der IAA vereinigt sind, ist letzten Endes nicht, lediglich kurzfristige materielle Siege zu bewirken. Wir sind uns dessen bewusst, dass der tagtĂ€gliche Kampf gegen unbezahlte Löhne nur eine Reaktion auf das unmittelbare Problem darstellen kann. Als Verteidigungsmaßnahmen zu verstehen, gelten sie als Teil eines breiteren, langfristigen BemĂŒhens um fundamentale VerĂ€nderungen in unserer Gesellschaft.

Wir wollen eine Welt, in der die BedĂŒrfnisse der Menschen von oberster Bedeutung sind. Ohne Kapitalismus und seiner Produktion zum Zweck des Profits, welcher uns an den Rand einer ökologischen Katastrophe gebracht hat. Ohne Hierarchien in sĂ€mtlichen Bereichen des sozialen Zusammenlebens, welche uns spalten und BrutstĂ€tten fĂŒr Ungleichheit und UnterdrĂŒckung sind. Und ohne den Staat als BeschĂŒtzer des kapitalistischen Systems und Bewahrer der Macht ĂŒber unsere Gesellschaft. Wir brauchen nichts von alledem, um ein glĂŒckliches Leben zu fĂŒhren und uns zu entfalten.

Deswegen organisieren und verbĂŒnden wir uns mit ArbeiterInnen aus aller Welt.
Sollte unser Ansatz, unsere Haltung Dich nun erreicht haben, setze dich mit uns in Verbindung

Um mehr ĂŒber die IAA zu erfahren, besuche www.iwa-ait.org.“

Quelle:
https://wiensyndikat.wordpress.com/2021/10/04/internationale-woche-gegen-unbezahlte-lohne/

Siehe auch:
„Gemeinsam gegen nicht-gezahlte Löhne“ (ASN Köln, 2010)
https://asnkoeln.wordpress.com/2020/10/11/gemeinsam-gegen-nicht-gezahlte-lohne/




Quelle: Anarchosyndikalismus.blackblogs.org