Mai 3, 2021
Von FAU Bielefeld
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Seit dem 19. April protestieren KranfĂŒhrer*innen in Warschau fĂŒr bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne; in der Folge schlossen sich Kolleg*innen aus weiteren StĂ€dten an

„Am 19. April begann der Protest der KranfĂŒhrer*innen aus der Woiwodschaft Masowien. Die Protestierenden fordern den Abschluss einer Vereinbarung zur Regelung der BeschĂ€ftigungsbedingungen und der Löhne in der Baubranche. UngefĂ€hr 1/4 der KranfĂŒhrer*innen in Warschau (d. h. 50 Personen) unterschrieb einen Aufruf, der die Forderungen des Warschauer BetriebsĂŒbergreifenden Bauausschusses der IP unterstĂŒtzt [s. u.], und protestiert in Form von Urlaub auf Verlangen, Arbeitsverweigerung oder der Teilnahme an Streikposten vor den BĂŒros der wichtigsten Firmen-EigentĂŒmer*innen von KrĂ€nen (Herkules, Layster Group, Trinac Polska). Sowohl die Firmen-EigentĂŒmer*innen der KrĂ€ne, als auch die Vermittler*innen, die fĂŒr die BeschĂ€ftigung der KranfĂŒhrer*innen verantwortlich sind, erhielten Schreiben, die die Aufnahme von Verhandlungen ĂŒber eine Vereinbarung zur Regelung der Arbeitsbedingungen und der Entlohnung in der Baubranche forderten. Falls sie unbeantwortet bleiben, werden in den kommenden Tagen weitere Protestaktionen stattfinden.

Die Vereinbarung, die die KranfĂŒhrer*innen fordern, soll drei wesentliche Punkte enthalten:

  • die Garantie eines Mindeststundenlohns fĂŒr KranfĂŒhrer*innen in Höhe von 37 ZƂ brutto, also das Doppelte des nationalen Mindeststundenlohns,

  • die EinfĂŒhrung eines ‚Höhenzuschlags‘ (drei ZƂ brutto pro Stunde fĂŒr die Arbeit auf KrĂ€nen, die höher als 60 m sind),

  • die Garantie von ArbeitsvertrĂ€gen fĂŒr alle KranfĂŒhrer*innen.

Hauptgrund des Protests sind die sinkenden Einkommen: Im vergangenen Jahr schwankte der Nettostundenlohn der TurmkranfĂŒhrer*innen in Warschau zwischen 27 und 37 ZƂ. Momentan bekommen sie pro Arbeitsstunde zwischen 16 und 23 ZƂ ‚auf die Hand‘. Die Löhne der KranfĂŒhrer*innen fielen also in einem Zeitraum, in dem der Boom in der Baubranche anhĂ€lt, um ungefĂ€hr 1/4. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Durchschnittspreis fĂŒr einen Quadratmeter Wohnraum auf dem PrimĂ€rmarkt um 7% und ĂŒberschritt die Marke von 10.000 ZƂ. Die Mehrheit der Baufirmen verzeichnete im letzten Jahr Gewinne von 50 bis 300 Mill. ZƂ. Genauso gute Ergebnisse notierten die Subunternehmer*innen – z. B. verzeichnete die Firma Hercules, HaupteigentĂŒmerin von TurmkrĂ€nen in Masowien, in den ersten neun Monaten des Jahres 2020 einen Nettogewinn in Höhe von 2,7 Mill. ZƂ.

Neben den niedrigen Löhnen ist das wesentliche Problem in der Baubranche die Nichteinhaltung der Arbeitsschutzvorschriften: Theoretisch dĂŒrfen KranfĂŒhrer*innen tĂ€glich nicht lĂ€nger als acht Stunden arbeiten, in der Praxis gibt es allerdings nur selten eine Baustelle, auf der diese Vorschrift befolgt wird. Das ist das Ergebnis des Drucks der Bauunternehmen, der Bauleiter*innen sowie der Firmen, die die BeschĂ€ftigung als KranfĂŒhrer*in vermitteln, welche die Vorschriften vorsĂ€tzlich brechen, um den Bauprozess zu beschleunigen. Genauso oft passieren solche FĂ€lle:

  • Arbeit mit alten, abgenutzten GerĂ€ten, die nicht zur Nutzung zugelassen werden sollten;

  • Arbeit trotz zu starken Winds.

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Die KranfĂŒhrer*innen ĂŒben eine verantwortungsvolle Arbeit aus, die Konzentration verlangt: Von ihrer PrĂ€zision und Geschicklichkeit hĂ€ngen nicht nur Material und Waren mit einem Millionenwert, sondern auch das Leben und die Gesundheit hunderter Leute ab, die ‚unten‘ arbeiten. Es ist höchste Zeit, dass diese Arbeit in entsprechendem Maße entlohnt wird. Daher die Forderung des Bauausschusses der OZZ IP, in der Baubranche eine Vereinbarung abzuschließen, die die Rolle eines Tarifvertrags erfĂŒllt und einen Mindestlohn, der im Falle der KranfĂŒhrer*innen nicht unterschritten werden kann, sowie einen obligatorischen Zuschlag fĂŒr die Arbeit in großer Höhe festlegt.“

https://ozzip.pl/informacje/mazowieckie/item/2771-operatorzy-zurawi-z-mazowsza-i-warszawy-mowia-dosc-niskich-stawek

https://www.facebook.com/InicjatywaPracownicza/posts/3890681237675113

Appell an die Arbeitgeber*innen der Baubranche, eine Vereinbarung zur Regelung der BeschĂ€ftigungs-, Arbeits- und Lohnbedingungen abzuschließen

„Im Zusammenhang mit der systematischen Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und dem RĂŒckgang der Löhne der TurmkranfĂŒhrer*innen ruft der Warschauer BetriebsĂŒbergreifende Bauausschuss zum Abschluss einer Vereinbarung auf, welche die BeschĂ€ftigungs- und Arbeitsbedingungen sowie das Lohnniveau in unserer Branche regelt.

Insbesondere fordern wir, dass die Vereinbarung folgende Regelungen beinhaltet:

  • die EinfĂŒhrung eines Mindeststundenlohns fĂŒr TurmkranfĂŒhrer*innen in Höhe wenigstens des doppelten Mindeststundenlohns, der auf Grundlage des Gesetzes ĂŒber den Mindestlohn vom 10. Oktober 2002 (Gesetzblatt 2018, Pos. 2177) eingefĂŒhrt wurde;

  • die Sicherstellung eines Arbeitsvertrags fĂŒr alle TurmkranfĂŒhrer*innen;

  • die EinfĂŒhrung einer ‚Höhenzulage‘ von drei ZƂ brutto pro Stunde fĂŒr die Arbeit in einem freistehenden Kran mit einer Höhe von mehr 60 m und einer Zulage von drei ZƂ brutto pro Stunde fĂŒr jeden Anker, der den Kran am GebĂ€ude befestigt, wenn es sich um am GebĂ€ude verankerte KrĂ€ne handelt.

Wir rufen zur schnellstmöglichen Aufnahme von GesprĂ€chen zur Unterzeichnung der o. g. Vereinbarung auf. Unserer Meinung nach soll sie in Form offener GesprĂ€che zwischen der Vertretung der Hauptarbeitgeber*innen in der Baubranche (EigentĂŒmer*innen von KrĂ€nen sowie Firmen, die KranfĂŒhrer*innen eine BeschĂ€ftigung vermitteln) und Mitgliedern unseres Ausschusses ausgehandelt werden.“

https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=102802645289203&id=102778095291658

Zudem wurde zu einer ganzwöchigen (oder lĂ€ngeren) Aktion „Wir achten auf die Arbeitssicherheit“ aufgerufen, die am 26. April begann und deren Höhepunkt eine einstĂŒndige Arbeitsniederlegung am Workers‘ Memorial Day bildete:

„Warum haben wir am 28. April protestiert?

Am 28. April begehen wir den Welttag fĂŒr Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz! Am Protest nahmen einige Dutzend KranfĂŒhrer*innen aus Warschau, Ɓódz, KrakĂłw, Lublin, PoznaƄ und der TrĂłjmiasto teil.

Indem wir die Arbeit fĂŒr eine Stunde unterbrechen und die Sirene einschalten, erinnern wir daran, wie schwer und verantwortungsvoll die Arbeit der TurmkranfĂŒhrer*innen ist und welche Bedeutung die Einhaltung der Arbeitsschutzvorschriften auf den Baustellen hat.

  • Die Bauindustrie zĂ€hlt neben dem Bergbau und der Landwirtschaft zu den Wirtschaftssektoren mit den höchsten statistischen Unfallraten

  • 2019 erlitten im Bauwesen bis zu 4.743 Personen ArbeitsunfĂ€lle, 44 davon starben und 41 weitere trugen schwere Verletzungen davon

  • die Arbeit als KranfĂŒhrer*in zĂ€hlt zu den besonders gefĂ€hrlichen Arbeiten

  • die*der TurmkranfĂŒhrer*in ist sowohl fĂŒr die eigene Sicherheit und das eigene Leben als auch fĂŒr die Sicherheit und das Leben von Dutzenden von Leuten verantwortlich, die auf dem betreffenden Bau arbeiten

  • der mit unserer Arbeit verbundene Stress gilt als einer der wichtigsten beruflichen Risikofaktoren, der dauerhafte Spuren in unseren Körpern hinterlĂ€sst

  • die lang andauernde Arbeit in einer erzwungenen Position ist eine Ursache vieler Gelenks- und WirbelsĂ€ulenerkrankungen

  • 2020 sanken die Löhne der TurmkranfĂŒhrer*innen um 1/4, und die Baubranche erfreute sich Rekordprofiten

  • viele von uns sind mit zivilrechtlichen VertrĂ€gen und selbstĂ€ndig beschĂ€ftigt, dadurch haben wir weder ein Recht auf bezahlten Urlaub noch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

  • wir arbeiten unter Zeitdruck, hĂ€ufig ‚am Telefon‘, oft mit defektem GerĂ€t, worunter die Sicherheit aller leidet, die sich auf der Baustelle befinden

Wir kĂ€mpfen fĂŒr Löhne, die der Verantwortung entsprechen, VertrĂ€ge, die Ruhezeit und Urlaub garantieren, und Arbeit im Einklang mit den Arbeitsschutzvorschriften.

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(28.04.21)

https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=110477194521748&id=102778095291658




Quelle: Bielefeld.fau.org