Oktober 11, 2022
Von Emrawi
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Nagihan Akarsel, Herausgeberin der Zeitung Jineoloji und Mitglied der “Jineoloji”-Akademie wurde am Dienstag, um 9:30 Uhr Ortszeit vor ihrer Wohnung in der Stadt Silêmanî erschossen. Die Aktivistin stammte aus der türkischen Stadt Konya. Bevor sie sich der Jineoloji-Akademie in Silêmanî angeschlossen hatte, arbeitete sie als Journalistin und Autorin und beteiligte sich an der Frauenrevolution in den kurdischen Gebieten in Nordsyrien (Rojava).

Aufgrund ihres Einsatzes für die Befreiung der Frau war sie jahrelang eine politische Gefangene in der Türkei. Als sie ermordet wurde, befand sie sich auf dem Weg zur kurdischen Frauenbibliothek, deren Einrichtung ein laufendes Projekt von ihr gewesen war.

Jineoloji

“Jineoloji” oder “Frauenwisssenschaft” ist eine aus der revolutionären kurdischen Befreiungsbewegung hervorgegangene Theorie, die sich mit dem Aufbau einer nicht-patriarchalen Wissenschaft beschäftigt. Gesellschaftliche und geschichtliche Themen sollen aus Frauensicht neu behandelt werden. In Rojava ist es an vielen Orten ein Schulfach.

Nagihan Akarsel hatte jahrelang Feldarbeit über die Situation von Frauen im kurdischen Şengal (Irak) geleistet, nachdem es vom islamisch-fundamentalistischen “Islamischen Staat” befreit wurde. Sie gab zudem Seminare und Vorträge und trug so viel zur Weiterentwicklung und Bekanntmachung der “Jineoloji”, auch in Europa, bei.

Täter wurden gefasst, aber ihre Identität bleibt unbekannt

Bereits wenige Stunden nach der Tat gaben die Sicherheitsbehörden von Silêmanî bekannt, dass die Mörder gefasst wurden, machten aber keine Angaben zur Identität der Täter. Es wird jedoch von einem gezielten Anschlag des türkischen Geheimdienstes MIT ausgegangen.

Die Männer seien gefasst worden, als sie in die von der PDK (Demokratische Partei Kurdistans) regierte Stadt Hewler fliehen wollten. Die von der Barzani-Familie kontrollierte PDK arbeitet eng mit den USA und der Türkei zusammen und steht dem revolutionären kurdischen Befreiungskampf feindlich gegenüber. Deswegen benutzt der türkische Staat PDK-Gebiete oft als Ausgangsbasis für Attentate.

Neben militärischen Angriffen, bei denen auch oft Zivilist:innen sterben, versucht die türkische Regierung schon lange, den kurdischen Befreiungsbewegung durch gezielte Attentate, auch außerhalb der Türkei zu schwächen. Allein in der Stadt Slemani starben seit September 2021 Fünf Menschen durch Attentate des türkischen Geheimdienstes, unter ihnen der Historiker Suheyl Xursid Eziz, der Revolutionär Yasin Bulut und der Aktivist Zeki Celebi.

Als Reaktion auf die Ermordung von Nagihan Arkasel kam es in Slemani, Nordkurdistan und der Türkei zu Protesten und Gedenkaktionen. In den Städten Istanbul und Amed ging die Polizei mit Gewalt gegen die Demonstrierenden vor.

Zu Kundgebungen kam es auch in mehreren Städten Deutschlands so wie auch in Östereich.




Quelle: Emrawi.org