Mai 13, 2022
Von Indymedia
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Dass Andreas dann aus dem zunĂ€chst gewĂ€hrten Hausarrest nach Deutschland floh, hat unseres Wissens nach mit Selbstjustiz-Bedrohungen durch die Familie des nach der körperlichen Konfrontation Verstorbenen zu tun.  Es war kein Beweis seiner Schuld. Hatte es die staatliche Justiz dann nötig, mit Rache statt mit einigermaßen sachlicher Beurteilung zu reagieren?

Es ist also nur eines klar: Die endgĂŒltige juristische Entscheidung ist da. Der Fall ist abgeschlossen. Diese Rechtslage ermöglicht es jetzt zumindest sofort, die  Überstellung nach Deutschland fĂŒr den todkranken Gefangenen zu veranlassen. So wie die Ämter in Italien und in Deutschland arbeiten, kann sich aber auch das noch so weit hinziehen, dass Andreas das positive Ergebnis nicht mehr erlebt. Dass er also nicht mal von ihm nahe stehenden Menschen Abschied nehmen kann.

Die medizinische Versorgung ist grundsĂ€tzlich auch in deutschen GefĂ€ngnissen miserabel, das wissen wir alle. Aber das, was bisher in Italien mit Andreas alles unterlassen wurde, wirkt wie eine bewusste Zu-Tode-Vollstreckung, ist besonders krass.  Angeblich ist er in den letzten Wochen sogar im GefĂ€ngnis Secondigliano wieder aus der Krankenstation in eine frĂŒhere Abteilung  zurĂŒck verlegt worden. Noch schlechter geht es anscheinend gar nicht mehr. Eine sofortige Überstellung nach Berlin könnte Andreas nicht mehr heilen, möglicherweise aber das physische Leiden etwas verringern, ganz sicher psychisch bessere Rahmenbedingungen schaffen.

Auch in Italien gibt es Menschen, die Andreas von draußen zu unterstĂŒtzen versuchen. Doch er wird weitgehend isoliert und die Korrespondenz fĂ€llt ihm immer schwerer. Wir hoffen darauf, dass sich nun mehrere knastkritische Gruppen und Personen aufraffen, Andreas durch Druck auf hiesige Instanzen und Öffentlichkeitsherstellung zu einer baldigen RĂŒckkehr nach Deutschland zu verhelfen, wie er sich das wĂŒnscht. Er selbst hat sich ja auch immer wieder fĂŒr Gefangene eingesetzt, die besonders in die MĂŒhlen der Justiz geraten waren. Er sollte jetzt spĂŒren können, dass er nicht alleine steht.

Bitte teilt uns mit, wenn Ihr etwas diesbezĂŒglich unternehmt, damit wir eventuell etwas miteinander koordinieren können! Auch einen kurzfristigen Verteiler zu wechselseitiger Information beteiligter Engagierter wurden wir gerne zusammen stellen, sofern Ihr dazu bereit seid. (Es haben sich ja im hiesigen Verteiler schon einige diesbezĂŒglich sichtbar gemacht.)

Autonomes Knastprojekt, Köln

autonomes-knastprojekt@riseup.net




Quelle: De.indymedia.org