MĂ€rz 29, 2021
Von Soligruppe FĂŒr Gefangene
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Gefunden auf contrainfos, die Übersetzung ist von uns

(Italienischer Staat) Sante Notarnicola, „kleiner großer Mensch“, ruht nun in Frieden.

Vor ein paar Minuten hat uns Sante Notarnicola verlassen. Ein Junge aus dem SĂŒden, Arbeiter, „Bandit“ (wie er zum Zeitpunkt seiner Verhaftung sagte), politischer Gefangener, Dichter, Meister des Lebens und der moralischen Strenge. Ohne Nachdruck, ohne Geschrei, mit der Gelassenheit eines Menschen, der weiß, wie man nach Gerechtigkeit wĂ€hlt. Er war ein Kommunist durch die Wahl seines Lebens und seiner Kultur, nicht durch organisatorische Zugehörigkeit.

Als geborener KĂ€mpfer hatte er in den letzten Wochen auch Covid besiegt und sich damit „praktisch selbst geheilt“, wie die Ärzte sagten, denn mit 83 Jahren und den verschiedenen Problemen, die er hatte, musste er auch mit den Dosen der Medikamente vorsichtig sein.

Er war vor ein paar Tagen nach Hause zurĂŒckgekehrt, nach Bologna, das nach seiner Kindheit in Turin und 21 Jahren Pilgerschaft im „Kreis der GĂ€mse“1, wie die SpezialgefĂ€ngnisse frĂŒher genannt wurden, seine Stadt geworden war.

Wir sind immer noch traurig ĂŒber die Nachricht. Unser MitgefĂŒhl gilt seiner LebensgefĂ€hrtin Delia und allen GefĂ€hrt*innen, die jeden Tag an seiner Seite waren. In diesen Jahren.

Wir werden morgen hoffentlich sofort etwas mehr sagen.

Der WĂ€chter der Maschinen

Ich kam mit meinem Koffer aus dem SĂŒden
(aus Pappe)
Der Boss
warf fĂŒnfzig Lire in die Luft
zum WĂ€chter der Maschinen:
„Bitte sehr, Kleiner, viel Spaß!“
Die fĂŒnfzig Lire wurden umgedreht
auf dem Asphalt anhaltend
in der NĂ€he eines Gullyschachtes.
Zufrieden, der Chef
betrat das Hotel
mit seiner Hure.
Ich habe die MĂŒnze behalten
Ich streckte meinen Fuß aus
und schiebt es in das Loch.
Es hat geregnet. Lang,
lang die Straße
durch die Peripherie. An
diesem Nachmittag bin ich nicht mit der Straßenbahn gefahren,
Mir fehlten fĂŒnfzig Lire.
Ich kam mit meinem Koffer aus dem SĂŒden
(aus Pappe)

S.Vittore-GefÀngnis 25. MÀrz 1970

Anmerkung von der Soligruppe fĂŒr Gefangene:

Es gibt einen Buch ĂŒber das Leben von Sante Notarnicola auf Deutsch, was 1974 vom Trikont Verlag veröffentlicht wurde. Dieses Buch ist die Autobiographie von Sante Notarnicola, welches ĂŒber sein Leben, ĂŒber die ÜberfĂ€lle auf Banken bis hin zu seiner Inhaftierung berichtet. Es ist noch ĂŒber Antiquariate erhĂ€ltlich. Hier der vollstĂ€ndige Name und die ISBN Nummer des Buches:

-Die BankrÀuber aus der Barriera

Die Lebensgeschichte des RevolutionÀrs Sante Notarnicola von im selbst aufgeschrieben.

Trikont Verlag, MĂŒnchen 1974

ISBN: 3-920385-64-0




Quelle: Panopticon.blackblogs.org