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Wieder einmal werden wir wegen einer antifeministischen Veranstaltung wie dem heutigen sogenannten „Marsch fĂŒrs Leben“ mit der Frage konfrontiert: Was bedeutet linksradikale feministische Kritik fĂŒr uns? 

Hierbei ist uns die Handlungsnotwendigkeit feministischer Intervention – diesen Fundischweinen nicht die Straße zu ĂŒberlassen – klar. Gleichzeitig sind diese antifeministischen Arschlöcher aber auch Teil einer patriarchal strukturierten Gesellschaft. Aus diesem Grund reicht eine singulĂ€re Kritik an selbsternannten christlichen „LebensschĂŒtzer*innen“ und  am christlichen Fundamentalismus nicht aus. Wir wollen eine Antwort auf die kapitalistisch-patriarchalen ZustĂ€nde finden, mit denen wir tagtĂ€glich konfrontiert sind!

Deshalb ist klar: Wir wollen den Fundis den Tag versauen! Wir wollen diese unsĂ€glichen Paragrafen 218 und 219a abschaffen! Wir wollen Gewalt gegen Frauen, Queere, Trans-, Inter– und Non-binary-Personen ein fĂŒr alle Mal beenden!

Das ist nur möglich, wenn wir die kapitalistisch-patriarchalen ZustĂ€nde angreifen, um endlich eine Welt zu erreichen, in der wir ohne Angst verschieden sein können! Dies bedeutet selbstverstĂ€ndlich nicht in irgendeine Partei sei’s SPD, die GrĂŒnen oder die Linken einzutreten. Denn diese verwalten die ZustĂ€nde eher als dass sie diese bekĂ€mpfen: es gilt die feministische Emanzipation voranzubringen. Denn seit Jahrhunderten kĂ€mpfen Frauen fĂŒr ihr Recht auf körperliche Selbstbestimmung. An diese KĂ€mpfe gilt es anzuknĂŒpfen und dennoch etwas Neues zu schaffen. Ob in Argentinien oder der TĂŒrkei, ob in Polen oder im Iran, weltweit gehen Feminist*innen auf die Straße: gegen Feminizide gegen alltĂ€gliche Gewalt und  fĂŒr das Recht auf körperliche Selbstbestimmung. Die patriarchale UnterdrĂŒckung nimmt hierbei durchaus unterschiedliche Formen an – den Widerstand hingegen wollen wir auf eine gemeinsame Basis bringen.

Es geht also um den Aufbau eines feministischen Wirs: Ein feminstisches Wir, das nach der Autorin Koschka Linkerhand aus einer Dialektik, also einem Spannungsfeld, zwischen Gleichheit und Differenz, also Unterschiedlichkeit, besteht. Gleichheit meint, dass wir alle – als Teile des feministischen Wirs â€“ vom Patriarchat betroffen sind. Wir alle erleben eine schmerzvolle und totalitĂ€re (1) Sozialisation. TotalitĂ€r deswegen, da es unmöglich ist, sich ihr ohne weiteres zu entziehen. Dennoch sind die Sozialisationserfahrungen bei jeder Person individuell (und) unterschiedlich. WĂ€hrend Transfrauen z. B. darum kĂ€mpfen,endlich als Frauen akzeptiert zu werden, wollen Cis-Frauen genau diese Zuschreibung möglicherweise loswerden. Auch Gewalterfahrungen können je nach gesellschaftlicher Sozialisation verschieden sein.

Doch es geht nicht darum, diese Erfahrungen gegeneinander auszuspielen, sondern sie als eine gesellschaftliche RealitĂ€t anzuerkennen. Die Analyse sowohl der Unterschiede als auch der Gemeinsamkeiten, ermöglicht es uns, eine feministische Antwort zu formulieren. Diese Analyse soll weder Personen ausschließen, noch eine vollstĂ€ndige Identifikation der Personen mit ihren IdentitĂ€ten zum Ziel haben.

Das Spannungsfeld kann nur auf Basis einer Analyse der sozio-ökonomischen Grundlagen des Patriarchats gedacht werden. Eine linksradikale Kritik an Religion und somit auch an christlichen Fundamentalist*innen, aber auch allen anderen antifeministischen Bestrebungen in der aktuellen Gesellschaft, muss also die kapitalistische Produktionsweise als eine Basis des Patriarchats angreifen: Heute erscheint diese Produktionsweise in der Form des Neoliberalismus, der immer weitere Vereinzelungen, Selbstoptimierungen und eine vollstÀndige Identifikation mit der eigenen Lebensweise fordert. Er verschleiert Herrschaftsmechanismen, wÀhrend die Bedingungen der Kapitalakkumulation weiterhin Bestand haben (2).

Eine feministische Antwort bedeutet also nicht, sich diesem notwendig falschen Bewusstsein hinzugeben, sondern eine feministische Bewegung aufzubauen, welche die Spannungsfelder verschiedener InidividualitĂ€ten berĂŒcksichtigt und gewĂ€hrleistet. Wir wollen eine Bewegung, welche diese IndividualitĂ€ten im gemeinsamen antipatriachalen Kampf vereint. Wir sind Frauen, Lesben, Inter-, Trans- und Non-Binary-Personen, die diese Kategorien ĂŒberflĂŒssig machen wollen. Wir kĂ€mpfen fĂŒr ein Leben, in welchem wir morgens stillen, mittags forschen, abends in den Himmel schauen, und nachts gemeinsam feiern.

Den Kampf gegen das Patriarchat können wir nur gemeinsam gewinnen und wir haben Bock auf kommende KĂ€mpfe mit euch! Lasst uns heute die Fundischweine von der Straße fegen: FĂŒr die Einheit der Vielen ohne Zwang! FĂŒr den Feminismus! Alerta Alerta Antisexista! 

(1)TotalitĂ€t bedeutet nach Adorno das die kapitalistische Gesellschaft – als das Ganze – alle Beziehungen des Menschen erfasst und damit Zwangscharakter hat, dem sich der Einzelne nicht entziehen kann bzw. sich nicht zu sich Selbst verhalten kann.

(2) Feministische Kritik am Patriarchat ist somit zwanglĂ€ufig auch eine Kritik an den bestehenden ökonomischen VerhĂ€ltnissen, denn patriarchale Strukturen der Moderne sind historisch mit der kapitalistischen Produktionsweise verknĂŒpft.




Quelle: Asam.noblogs.org