Juni 29, 2022
Von Paradox-A
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https://antifaschistischer-jugendkongress.org/

Aufruf zum 7. antifaschistischen Jugendkongress in Chemnitz

Smash the Cis-tem! Destroy borders!

Hiermit laden wir euch vom 15. bis zum 17. Juli 2022 zum 7. Antifaschistischen Jugendkongress in das AJZ in Chemnitz ein. Wir wollen wieder mit euch zusammenkommen, um voneinander und miteinander zu lernen, ins GesprĂ€ch zu kommen, neue Kontakte zu knĂŒpfen, uns zu empowern und gemeinsam eine tolle Zeit zu haben.

Dieses Jahr gehen wir mit dem JuKo weiter in die Tiefe und werfen einen Blick auf patriarchale Muster und rechte Bestrebungen. Dabei bleiben wir nicht in der Region stehen, sondern blicken ĂŒber Sachsen und Deutschland hinaus. Gemeinsam wollen wir aufzeigen, wie sich KĂ€mpfe gegen Patriarchat und Antifeminismus mit anderen Themenfeldern verbinden lassen. In diesem Sinne haben wir wieder spannende Workshops und VortrĂ€ge im Angebot.

Contentwarnung: Homofeindlichkeit und queerfeindliche Äußerungen werden wiedergegeben und Gewalthandlungen beschrieben

Wir wollen aufzeigen, dass Antifaschismus nur feministisch geht. Antifeminismus und Queerfeindlichkeit sind wichtige und verbindende Elemente bĂŒrgerlich-konservativer Ideologien und autoritĂ€ren sowie faschistischen Denkens. So bestehen im Bible Belt im Erzgebirge nicht zufĂ€llig enge Verbindungen zwischen evangelikalen Christ*innen und der organisierten Rechten. Auch fallen Politiker*innen der Sachsen-CDU immer wieder mit rĂŒckstĂ€ndigen Äußerungen zu Familie und Geschlechterbildern auf. Im April 2018 wurde Christopher W. in Aue von Neonazis zu Tode gequĂ€lt, aus Schwulenhass. Dass der Antifeminismus aber ein globales Problem ist, zeigen Regierungen und Bewegungen weltweit, die regelmĂ€ĂŸig durch frauen- und queerfeindliche Politik sowie andere Gewalt auffallen. DafĂŒr reicht schon ein Blick in die nahe europĂ€ische Nachbarschaft, zum Beispiel nach Polen, mit seiner Regierungspartei PiS.

Unter dem Eindruck des Angriffskrieges Putins und seiner Clique ist fĂŒr uns aber auch klar: Wir sind solidarisch mit den Menschen, die unter dem Krieg leiden und sich ihm widersetzen. Doch inmitten von AufrĂŒstungstaumel und der Wiederkehr heroischer MĂ€nnlichkeit muss die radikale Linke antimilitaristische Positionen (wieder) in ihren Kanon aufnehmen! Der Antimilitarismus muss feministisch sein und in den Kampf um das Große und Ganze eingebunden und lautstark auf die Straße getragen werden! Eine solche Sprachlosigkeit wie angesichts der Corona-Pandemie können wir uns nicht noch einmal leisten.

Auch im Kontext des Angriffskrieges zeigt sich, dass rechtes Denken nicht ohne Antifeminismus auskommt. So springen rechte Akteur*innen in Deutschland nur zu gern mit antifeministischen Tiraden auf den AufrĂŒstungszug auf. Angeblich hĂ€tte die “westliche Dekadenz” die Debatten hierzulande sich zu sehr um Gendersternchen und Transrechte drehen lassen. Wehrhaftigkeit, Ehre und falsch verstandener Mut seien dabei auf der Strecke geblieben. Der westliche Mann ist “verweichlicht” und wer in der Ukraine, aus welchen GrĂŒnden auch immer, dem Menschenrecht auf Wehrdienstverweigerung nachkommen will, ist ein “Feigling”. Aber auch der bĂŒrgerliche Mainstream und manche Linke rufen nach AufrĂŒstung und Wehrpflicht. Zudem wird meist vergessen, dass nicht nur cis MĂ€nnern, sondern auch trans Personen mit mĂ€nnlichem Status die Ausreise aus der Ukraine verweigert wird. „Sie seien ja MĂ€nner” und sollten kĂ€mpfen. Unter den Vorzeichen des Krieges und seiner “besonderen” MĂ€nnlichkeit ist dies in doppelter Weise perfide.

Die aktuelle Diskursverschiebung zu mehr MĂ€nnlichkeit birgt die Gefahr, dass Antifeminismus und ĂŒberholt geglaubte MĂ€nnlichkeitsbilder wieder gesellschaftsfĂ€hig werden. Auch wird das Töten und Sterben fĂŒr nationale Interessen enttabuisiert.

Ihr seht, es bleibt kompliziert und es gibt weiterhin viel zu tun! Auch wenn wir uns im Angesicht dessen manchmal von all diesen Baustellen und einem konservativen Vormarsch nur noch erschlagen fĂŒhlen, dĂŒrfen wir nicht vergessen, dass sich ĂŒberall Menschen organisieren und sich gegen den antifeministischen Rollback und die autoritĂ€re Formierung stellen. Ob mit antiautoritĂ€ren Protesten in Russland, queerfeministischen RĂ€umen in Polen oder mit Protesten gegen selbsternannte LebensschĂŒtzer*innen in Sachsen.

Kommt zum JuKo! Ein Wochenende voller Input, Diskussion, Austausch und Inspiration fĂŒr Eure lokale Praxis.




Quelle: Paradox-a.de