MĂ€rz 27, 2021
Von Freie ArbeiterInnen Union (FAU)
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Seit kurzem sind in vielen StĂ€dten Museumsbesuche unter Hygienebedin­gungen wieder möglich. Auch die BuchlĂ€den, die es in vielen der Kunsteinrichtungen gibt, können nach Monaten des Lockdowns wieder öffnen. Doch in den BuchlĂ€den der MĂŒnchner Kunsteinrichtungen Lenbachhaus, Museum Brandhorst und Haus der Kunst, die zu der Buchhandelskette Walther König GmbH&Co. KG gehören, herrscht großer Unmut. Dort hat sich seit Februar ein Arbeitskonflikt angebahnt, der sich zuletzt verschĂ€rft hat. UnterstĂŒtzt von der Basisgewerkschaft Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union (FAU) MĂŒnchen fordern die studentischen BeschĂ€ftigten der drei Filialen grundlegende Arbeitsrechte ein. Die renommierte Buchhandelskette, deren Stammsitz in Köln ist und zu der auch ein Verlag gehört, betreibt LadengeschĂ€fte in 15 StĂ€dten, darunter auch in London, Wien und Amsterdam. Der Schwerpunkt liegt auf Kunst, Design und Fotografie. Wie in MĂŒnchen sind die GeschĂ€fte hĂ€ufig in Museen angesiedelt.

Walther König zahlte die Löhne in der Pandemie jedoch lediglich als »Vorschuss« und berechnete den BeschÀftigten diese Schichten als Minusstunden.

»Die Buchhandlung beschĂ€ftigt dort fast ausschließlich geringfĂŒgig BeschĂ€ftigte in Befristung, in diesem Falle Werkstudentinnen und -studenten«, sagte der PressesekretĂ€r der FAU MĂŒnchen, Patrick Lohner, im GesprĂ€ch mit der Jungle World. Diese wĂŒrden mit 9,85 Euro pro Stunde eine Bezahlung erhalten, die nur wenige Cent ĂŒber dem gesetzlichen Mindestlohn liegt. Zu Beginn des Protests arbeiteten in den MĂŒnchner Filialen elf Werkstudenten, die sich organisiert haben, und drei Festangestellte. Das ganze TagesgeschĂ€ft sei ohne die Werkstudenten nicht denkbar, sagte Lohner. Ihm zufolge werden die ArbeitskrĂ€fte ungleich behandelt: So zahlt das Unternehmen den Festangestellten Urlaub, den Lohn ­im Krankheitsfall, Weihnachtsgeld, ZuschlĂ€ge fĂŒr Sonderarbeitszeiten und wĂ€hrend der Pandemie auch Kurzarbeitergeld â€“ anders als den Werkstudenten.

Den Pressemitteilungen der FAU lĂ€sst sich entnehmen, dass den Werkstudenten bereits vor der Pandemie der gesetzlich festgelegte Urlaubsanspruch und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall verwehrt wurde. Dabei wurden die durch Krankheit verpass­ten Arbeitsschichten als sogenannte Minusstunden verbucht. Nach der Schließung der Filialen aufgrund der Pandemieverordnungen war das Unternehmen verpflichtet, die Löhne fĂŒr die Werkstudenten weiter zu zahlen. Walther König zahlte sie jedoch lediglich als »Vorschuss« und berechnete den BeschĂ€ftigten auch diese Schichten als Minusstunden. Diese auf einem Arbeitszeitkonto verzeichneten Stunden sollen zu einem spĂ€teren Zeitpunkt ohne Bezahlung nachgearbeitet werden.

Die Auseinandersetzung hatte sich Anfang MĂ€rz zugespitzt. Einem Bericht des Tagesspiegel zufolge hatte das Unternehmen die Löhne von acht der elf Werkstudenten fĂŒr den Monat Februar nicht ausgezahlt. Einen Tag, nachdem diese ein Schreiben an das Unternehmen geschickt und die Zahlung ihrer ausstehenden Löhne eingefordert ­hatten, kĂŒndigte ihnen das Unternehmen. Einer der zwei GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Buchhandelskette, Udo Milz, sagte auf Nachfrage der Jungle World, dass keiner der Werkstudenten auf ihn zugekommen sei. »Statt betriebsbedingte KĂŒndigungen im Februar auszusprechen, haben wir unsere soziale Verantwortung sehr ernst genommen und einvernehmliche Lösungen zur WeiterbeschĂ€ftigung aller Studierenden gefunden.« Dass einige Werkstudenten nicht weiterbeschĂ€ftigt wurden, begrĂŒndete Milz wie folgt: »Auslaufende ArbeitsvertrĂ€ge dĂŒrfen nicht verlĂ€ngert werden, wenn gleichzeitig festangestellte Kolleginnen und Kollegen Kurzarbeitergeld beziehen.« GegenĂŒber dem Tagesspiegel hatte der zweite GeschĂ€ftsfĂŒhrer, Franz König, Mitte MĂ€rz die KĂŒndigungen noch damit begrĂŒndet, dass »die Politik kein absehbares Ende des Lockdowns in Aussicht« stelle.

Auch gegenĂŒber den anderen VorwĂŒrfen bezog König in derselben Zeitung Stellung: »Wir haben die FebruargehĂ€lter gezahlt. Etwaige Überzahlungen wurden verrechnet, wie das alle Unternehmen tun.« Entgegen der Darstellung der Werkstudenten gewĂ€hre man Urlaub oder lasse diesen Anspruch durch eine »erhöhte VergĂŒtung« abgelten. Eine Lohnfortzahlung leiste man »bei Vorlage einer ArbeitsunfĂ€higkeitsbescheinigung«.

FĂŒr das Abarbeiten der wĂ€hrend der Pandemie gesammelten Minusstunden habe man schriftliche Vereinbarungen mit den Werkstudenten getroffen, die »dankbar« angenommen worden seien. Die Zahl dieser Minusstunden beschrĂ€nkten sich auf 30 Prozent der unter normalen Bedingungen zu arbeitenden Stunden. »Wir haben auf diese Weise gemeinsam erreicht, dass die Werkstudierenden ein geregeltes Einkommen behalten und ihre laufenden Kosten (Miete, Lebensunterhalt, etc.) decken können«, schrieb König. Dem Tagesspiegel zufolge lĂ€sst sich ĂŒber diese Vereinbarungen jedoch zumindest streiten. Denn in Paragraph 615 des BĂŒrgerlichen Gesetzbuchs heiße es sinngemĂ€ĂŸ, Angestellte mĂŒssten auch bezahlt werden, wenn der Arbeitgeber keine Arbeit fĂŒr sie habe. Demnach trĂŒgen die Unternehmer das »Risiko, dass AuftrĂ€ge ausfallen, nicht die Angestellten«. Die VorwĂŒrfe, so König, empfinde man zwar »als sehr bedauerlich und verletzend«, nehme sie »dennoch zum Anlass, die vertraglichen Regelungen zu ĂŒberprĂŒfen und erforderlichenfalls zu aktualisieren«.

Dass es im Hause König bisher wenig Widerstand von BeschĂ€ftigten gab, muss nicht an deren Zufriedenheit liegen. »Es gab immer FĂ€lle, wo einige Werkstudenten spĂ€ter ins Lager der Festangestellten wechselten. Da haben ­sich natĂŒrlich viele Hoffnungen gemacht und alles vermieden, um bei der Zentrale negativ aufzufallen«, sagte Lohner. Doch mit der Ruhe im Hause König ist es in MĂŒnchen zumindest vorbei. In den vergangenen zwei Wochen organisierten die BeschĂ€ftigten mehrere Kund­gebungen vor den drei MĂŒnchner KunsthĂ€usern und informierten die Besucher ĂŒber die HintergrĂŒnde ihres Arbeitskampfs.

»Die Aktionen vor dem Museum haben gezeigt, dass wir in diesem Fall nicht auf taube Ohren stoßen, die Angesprochenen waren ĂŒberrascht ĂŒber ­das Verhalten der Buchhandlungskette«, sagte eine der Organisatorinnen. »Wir bekommen auch sehr viele Reaktionen von BeschĂ€ftigten aus anderen StĂ€dten, die die gleichen ZustĂ€nde erleben und uns in unserem Anliegen unterstĂŒtzen«, sagte sie. »Dass Walther König gar nicht auf uns eingeht und wir nun ohne Job dastehen, ist vollkommen inakzeptabel.«




Quelle: Fau.org