Oktober 7, 2021
Von Freie ArbeiterInnen Union (FAU)
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imago images/Martin Wagner

Viel Stress fĂŒr wenig Geld: Paketfahrer im Dienste von Amazon haben wenig Grund zum Lachen

Sie haben bei einem Amazon-Subunternehmen in Halle an der Saale als Beifahrer gearbeitet und wurden im Mai 2020 entlassen. Warum wurden Sie gekĂŒndigt?

Ich bin durch den Job krank geworden, deswegen wurde ich gefeuert. An einem Arbeitstag hatte ich gespĂŒrt, wie sich mein RĂŒcken verschoben hat und ungewöhnliche GerĂ€usche machte. Darum bin ich zum Arzt gegangen. Ich musste dann ein paar Monate im Krankenhaus und zu Hause bleiben.

Was waren Ihre Aufgaben fĂŒr das Amazon-Subunternehmen?

Als Beifahrer sollte ich morgens mit dem Fahrer die Waren am Amazon-Lager in den Miettransporter laden. Das waren zum Beispiel KĂŒhlschrĂ€nke oder Waschmaschinen. Diese wurden dann bis zur Lieferadresse transportiert, bis in die Wohnung der Kunden geliefert und angeschlossen. Einmal mussten wir in Leipzig zu zweit einen KĂŒhlschrank von 95 Kilogramm in die elfte Etage tragen, weil dieser nicht in den kleinen Fahrstuhl dort gepasst hatte. Am Telefon wurde uns mit der KĂŒndigung gedroht, sollten wir den KĂŒhlschrank nicht in fĂŒnf Minuten nach oben getragen haben. Wenn wir zu spĂ€t beim Kunden waren, mussten wir 30 Euro Strafe an den Arbeitgeber zahlen. Manchmal hatten wir alle 30 Minuten einen neuen Termin, der uns in der Amazon-App angezeigt wurde.

Können Sie die Arbeitsbedingungen genauer beschreiben?

Die Arbeit begann um fĂŒnf Uhr morgens. FĂŒr den Feierabend gab es keine genaue Uhrzeit, weil man erst einmal alle Waren zu den Kunden bringen musste. Normalerweise war um 16 Uhr Feierabend, aber eine Tour konnte auch um 17 oder erst 22 Uhr zu Ende sein. Wir haben an sechs Tagen in der Woche ohne Pausen gearbeitet, es war immer Stress. Der höchste Nettolohn, den ich in einem Monat erhalten hatte, betrug 1.100 Euro.

Wie wurden Sie und Ihre Kollegen von Vorgesetzten behandelt?

Meine 24 Arbeitskollegen respektierten den Schichtleiter. Aber einer der Manager hatte vor uns keinen Respekt, er beleidigte uns stÀndig. Die anderen Mitarbeiter haben das ignoriert. Aber ich habe ihm gesagt, dass er das nicht darf. Er antwortete darauf, dass er der Chef sei und er deshalb so mit den Kurieren umgehen könne. Einmal sollte ich unter Androhung von SchlÀgen seine Zigarettenkippe, die er auf den Boden geworfen hatte, aufheben. Aber ich weigerte mich. Das hat ihn richtig geÀrgert.

Jetzt klagen Sie gemeinsam mit der Freien Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union wegen der KĂŒndigung. Was erhoffen Sie sich von dem Gerichtsverfahren im November?

Ich hoffe, dass das Gericht diese Ungerechtigkeiten erkennt und entsprechend urteilt. Hier haben sich Vorgesetzte nicht an geltende Regeln gehalten. Es geht nicht nur um die ­KĂŒndigung, es geht darum, dass ich meinen Lohn nicht vollstĂ€ndig erhalten habe. Das Unternehmen hat die KĂŒndigung außerdem erst so spĂ€t eingereicht, dass ich kein ­Arbeitslosengeld beantragen konnte. In der Folge hatte ich große ­Geldprobleme, bis ich einen neuen Job fand.

Was mĂŒsste sich Ihrer Meinung nach verbessern?

Die Probleme bei den Amazon-Subunternehmen ließen sich durch regelmĂ€ĂŸige Kontrolle lösen. Zudem braucht es einen kritischen öffentlichen Dialog, um die Aufmerksamkeit zu generieren. Einige GeschĂ€ftsfĂŒhrer denken, sie hĂ€tten immer recht und die Arbeiter mĂŒssten alles akzeptieren, was sie befehlen. Diese Probleme entstehen aus der Profitmaximierung, deshalb wollen sie die Rechte der BeschĂ€ftigten nicht anerkennen. Ich werde nie vergessen, wie schlecht dort einige mit mir umgegangen sind, obwohl wir anstĂ€ndig gearbeitet haben. Ich hoffe, dass sich die Situation dort und somit auch bei Amazon verbessert. Denn das geht einfach nicht, dort herrschen unmenschliche Arbeitsbedingungen.




Quelle: Fau.org