September 8, 2021
Von Freie ArbeiterInnen Union (FAU)
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Das Leipziger Modell findet Nachahmer: Domino’s-Betriebsgruppen in anderen StĂ€dten sind bereits im Aufbau

Bei Deutschlands grĂ¶ĂŸtem Pizzalieferdienst brodelt es. Die Fahrer und BĂ€cker haben sich in Leipzig in einer Betriebsgruppe zusammengeschlossen und bereits erste Erfolge erzielt. Der Rider Aaron Schmidt*, der in ihrem Namen kostenlose Schnelltests im Betrieb gefordert hatte, wurde im Mai entlassen. Durch den öffentlichen Druck der organisierten BeschĂ€ftigten und eine Klage seiner Gewerkschaft »Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union« (FAU) musste die lokale Domino’s-GeschĂ€ftsfĂŒhrung den Kollegen im Juli wieder einstellen und die unrechtmĂ€ĂŸige KĂŒndigung eingestehen.

Johannes Mayer ist Mitglied der Betriebsgruppe »Dominoeffekt«, er begrĂŒĂŸte im jW-GesprĂ€ch die Wiedereinstellung: »Wir freuen uns sehr, dass Aaron wieder angestellt ist. Das zeigt, dass Organisierung wichtig ist, und es zeigt, dass sie wirkt. Das ist ein großer Erfolg.« ZusĂ€tzlich konnte die Betriebsgruppe Verbesserungen der Arbeitsbedingungen mit den Chefs aushandeln. Und es sei erreicht worden, dass Trinkgeld nicht mehr pauschal abgegeben werden muss. »Die Forderungen nach bezahlten RĂŒstzeiten und einer korrekten Arbeitszeiterfassung wurden erfĂŒllt. An- und Abfahrt zum ZentralbĂŒro werden jetzt auch bezahlt, wenn man einen Schnelltest machen möchte«, so Mayer. Allerdings ist fĂŒr Schmidt der Anfahrtsweg zum Arbeitsplatz jetzt bedeutend lĂ€nger, da er in eine Filiale am Stadtrand versetzt wurde. Auch andere Probleme bleiben ungelöst: »Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall werden nicht oder nur nach Nachfrage bezahlt. UnfĂ€lle passieren hĂ€ufig, und fĂŒr diese gefĂ€hrliche Arbeit erhĂ€lt man lediglich den Mindestlohn von 9,60 Euro in der Stunde. Bei einem 20-Stunden-Vertrag komme ich damit gerade so ĂŒber die Runden«, kritisierte der Lieferfahrer Mayer. Die Leipziger GeschĂ€ftsleiter Peter Plaschke und Daniel Willing wollten sich zu den Arbeitsbedingungen ihrer BeschĂ€ftigten sowie zu der unrechtmĂ€ĂŸigen KĂŒndigung auf Anfrage nicht Ă€ußern.

Ende Juli fand ein Treffen zwischen der GeschĂ€ftsfĂŒhrung, Vertretern von Domino’s-Deutschland und Mitarbeitern der renitenten Filiale Leipzig-SĂŒd statt. Domino’s hatte sich an der öffentlichen Skandalisierung des Falls gestört. Mayer fasste die Position des Konzerns auf dieser Versammlung mit folgenden Worten zusammen: »Es wĂ€re schön, wenn sich das alles wieder beruhigt, denn wir seien ja ein Team. Und nur wir zusammen könnten das Unternehmen voranbringen.« DafĂŒr war der Konzern auch bereit, minimale ZugestĂ€ndnisse zu machen und die Standards des Arbeitsrechts einzuhalten. Die Pressestelle von Domino’s-Deutschland wollte den Arbeitskampf in Leipzig gegenĂŒber jW jedoch nicht kommentieren.

Vorausgegangen waren neben verschiedenen Kundgebungen vor den Leipziger Filialen auch mehrere Beschwerden von Kunden ĂŒber Arbeitsbedingungen auf den Social-Media-KanĂ€len des Konzerns. Auf einen offenen Brief mit den Forderungen der Betriebsgruppe reagierte die Hamburger Konzernzentrale erst auf Druck der Gewerkschaft. Diese wurde jedoch zu der Betriebsversammlung in Leipzig nicht eingeladen. Deshalb sieht FAU-Sprecher Sören Winter in dieser lediglich eine PR-Finte des Konzerns: »Das war kein GesprĂ€ch auf Augenhöhe. Es gab ein Teammeeting in der Leipziger Domino’s-Zentrale, der FAU und dem Kollegen Schmidt wurde dazu der Zugang verwehrt.« Doch die Gewerkschaft will ihre Organisation im Betrieb weiter ausbauen: »Domino’s ist es nicht gewohnt, sich an die Rechtslage zu halten und dass es Gewerkschaftsfreiheit gibt, das bringen wir ihnen jetzt bei.« BeschĂ€ftigtenvertreter gebe es zwar noch nicht in allen Filialen, Ziel sei es aber, in allen Betrieben in Leipzig starke Gruppen aufzubauen. Es trĂ€ten auch immer mehr Fahrer ein, die Probleme seien in allen Stores Ă€hnlich, so der Gewerkschafter. »Es wird da noch mal richtig knallen, wenn die Kollegen, die gegangen sind, im nachhinein ihre Urlaubsnachzahlungen einfordern«, versprach der Pressesprecher der FAU Leipzig. Das Leipziger Modell findet bereits Nachahmer: Domino’s-Betriebsgruppen in anderen StĂ€dten seien im Aufbau, bestĂ€tigte Winter.




Quelle: Fau.org