Juli 29, 2021
Von Freie ArbeiterInnen Union (FAU)
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Dauereinsatz: Sollen schnell und zuverlÀssig sein, Infektionsschutz stört da nur

Der Pizzaservice »Domino’s« hat in der Coronakrise enorm profitiert. Da alle Restaurants wĂ€hrend des Shutdowns geschlossen wurden, konnte das Unternehmen auch in der Messestadt expandieren. Allein in Leipzig betreibt die Domino’s Effekt GmbH jetzt acht PizzabĂ€ckereien, eine ist sogar die grĂ¶ĂŸte der Kette in Deutschland. Insgesamt arbeiten fĂŒr die Franchisenehmer Peter Plaschke und Daniel Willing bis zu dreihundert BeschĂ€ftigte.

In der Filiale Leipzig-SĂŒd hatten Aaron Schmidt (Name geĂ€ndert) und seine Kollegen wĂ€hrend der Coronakrise mit Hilfe der Basisgewerkschaft Freie Arbeiterinnen und Arbeiter-Union (FAU) eine Betriebsgruppe aufgebaut, um fĂŒr den lebensnotwendigen Schutz vor den neuartigen Viren mobil zu machen. »Wir haben monatelang nach Schnelltests gefragt. Das wurde ignoriert«, so der ehemalige Fahrer am Dienstag gegenĂŒber jW. Daraufhin organisierten sie im Mai dieses Jahres eine Unterschriftensammlung und reichten sie bei der GeschĂ€ftsfĂŒhrung ein. Zwei Tage spĂ€ter erhielt Schmidt seine KĂŒndigung. »Ich habe mich weggeworfen gefĂŒhlt«, so beschreibt der Lebensmittelausfahrer seine erste Reaktion auf die Entlassung.

Der Exrider hatte schon frĂŒher arbeitsrechtliche Nachfragen an seinen Storemanager gerichtet. »Unsere EinschĂ€tzung ist, dass ich als RĂ€delsfĂŒhrer identifiziert wurde und dass so versucht wurde zu zeigen, dass man sich nicht organisieren sollte«, bekrĂ€ftigte der Gewerkschaftsaktivist. Er spricht von Union Busting, also von Methoden der systematischen BekĂ€mpfung einer betrieblichen Organisierung. »Die GeschĂ€ftsleitung wusste nicht, dass es eine Betriebsgruppe gibt. Aber sie hat gemerkt, dass sich etwas entwickelt. Ich denke, dass mit der KĂŒndigung weiteres verhindert werden sollte«, so Schmidt, der kĂŒnftig studieren wird. Zu diesen VorwĂŒrfen wollte sich Firmeninhaber Peter Plaschke auf Nachfrage der jW nicht telefonisch Ă€ußern.

Der Storemanager hatte die KĂŒndigung lapidar mit »betrieblichen GrĂŒnden« gerechtfertigt. Schmidt bezweifelt diesen KĂŒndigungsgrund, denn »2020 war fĂŒr das Unternehmen ein erfolgreiches Jahr«. Am kommenden Montag wird die KĂŒndigungsschutzklage des frĂŒheren Fahrers, der Hilfe von einem Gewerkschaftsanwalt erhĂ€lt, vor dem Arbeitsgericht Leipzig gegen seinen ehemaligen »Arbeitgeber« verhandelt. Klar ist: »Ich möchte da weiterarbeiten. Ich habe die komplette Pandemie da gearbeitet. Es ist nicht einzusehen, dass man nach minimalsten Forderungen einfach so ausgetauscht wird.«

Der geschasste Pizzaauslieferer geht davon aus, dass sein ehemaliger Storemanager von den GeschĂ€ftsfĂŒhrern die Order bekam, nach der Unterschriftenliste an ihm ein Exempel zu statuieren. Denn seine Arbeitsleistungen seien »vorbildlich« gewesen. »Ich mache meinen Job gerne. Ich war in der Woche vor meiner Entlassung der zweitschnellste Fahrer. Und als einer der DienstĂ€ltesten habe ich viele neue Kollegen angelernt.«

Die Betriebsgruppe stehe bei der Verhandlung geschlossen hinter ihrem Kollegen, bestĂ€tigt auch der Gewerkschaftssprecher Sören Winter. Die Kollegen fordern â€“ unterstĂŒtzt durch die FAU â€“ von der GeschĂ€ftsleitung, keine weiteren KĂŒndigungen auszusprechen. Außerdem sollten ausreichend Schnelltests wĂ€hrend der Arbeitszeit zur VerfĂŒgung gestellt werden, die RĂŒstzeiten mĂŒssten bezahlt und der Urlaub allen BeschĂ€ftigten gewĂ€hrt werden. Mehr noch: Die Arbeitszeit sollte nicht von der Leitung manipuliert und das Trinkgeld sollte solidarisch unter den BeschĂ€ftigten verteilt werden. Das seien alles Standards des deutschen Arbeitsrechts, die bei Domino’s systematisch untergraben wĂŒrden, so Winter.

Die Betriebsgruppe sei in mehreren Stores vertreten und zu weiteren öffentlichen Aktionen bereit, wenn die KĂŒndigung nicht zurĂŒckgenommen werde. Erst im Juni veranstalteten die Kolleginnen und Kollegen mit ihrer Basisgewerkschaft eine Fahrraddemonstration mit 150 Teilnehmern im Umkreis der Domino’s-Filiale in der Leipziger SĂŒdvorstadt.




Quelle: Fau.org