Juni 13, 2021
Von Freie ArbeiterInnen Union (FAU)
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Blockiertes Warenlager: Gorillas-Kuriere streiken auch am Freita

Simon Zamora Martin

Blockiertes Warenlager: Gorillas-Kuriere streiken auch am Freitag in Berlin

»Bei Gorillas geht es ums Fahrradfahren, nicht um Politik«, verkĂŒndete Firmenchef Kagan SĂŒmer auf einen kurzzeitig eingerĂ€umten Treffen am Freitag nachmittag. In einer 15minĂŒtigen Ansprache wendete er sich an die Rider von Gorillas – so nennen sie die Fahrradkuriere des Onlinesupermarktes – anlĂ€sslich der wilden Streiks in Berlin: Am Mittwoch wurde der Rider Santiago ohne Angaben von GrĂŒnden entlassen, worauf seine Kollegen die Arbeit niederlegten. Schnell weiteten sich die Streiks mit Lagerblockaden auf andere Berliner Standorte aus. Am Donnerstag kam es im Prenzlauer Berg zu Blockaden und fĂŒr Freitag abend sind Streiks und Blockaden in Kreuzberg, möglicherweise auch in Friedrichshain geplant.

Über die Entlassung Santiagos und die Proteste erzĂ€hlte SĂŒmer jedoch Altbackenes. »Es ist nicht in Ordnung, dass sein Fall jetzt fĂŒr politische Interessen eingesetzt wird«, so der Firmenchef. Was genau diese politischen Interessen sind, ließ er offen. Möglicherweise meint er, dass die Streikenden nicht nur die RĂŒcknahme von Santiagos KĂŒndigung fordern, sondern mittlerweile auch eine Abschaffung der Probezeit. Offenbar sah auch das LKA in dem wilden Streik gegen die Entlassung ein potentiell staatsgefĂ€hrdenden Akt. Jörg Reichel, SekretĂ€r der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union in Verdi, identifizierte laut Twitter die zivilen Beamten am Mittwoch als Angehörige des Staatsschutzes.

Das »Gorillas Workers Collective« leakte vor dem Treffen SĂŒmers eine Mitteilung des Firmenchefs, welche ĂŒber den Nachrichtendienst Slack an das mittlere Management gerichtet gewesen sei. Darin heißt es: »Ich habe zu Public Affairs und PR-Agenturen gesprochen«, und weiter: »Sie haben mir gesagt, ich sollte deeskalieren. Ich wĂŒrde lieber sterben, um die Werte zu verteidigen, als zu deeskalieren«.

Eine Neuigkeit hatte SĂŒmer am Freitag dann doch zu verkĂŒnden: Ende Juni wolle er eine Fahrradtour durch Deutschland machen, um die verschiedenen Standorte seiner Firma zu besuchen. »Ich glaube, er war high«, kommentiert der Rider Ador die Rede seines Chefs gegenĂŒber jW. Statt die Probleme zu diskutieren, hĂ€tte er ĂŒber seine Liebe zum Fahrradfahren gesprochen. »Wenn er nicht deeskaliert, machen wir es auch nicht«, so Ador. Am Mittwoch hĂ€tten die BeschĂ€ftigten gegen die Entlassung von Santiago gestreikt, am Donnerstag gegen die Probezeit von sechs Monaten. »Jetzt geht der Kampf um alles: Wir wollen bessere Löhne, einen sicheren Arbeitsplatz und ein Ende der rassistischen und sexistischen Diskriminierung«. Die BeschĂ€ftigten seien hochmotiviert und der Arbeitskampf wĂŒrde in den nĂ€chsten Tagen noch intensiviert werden. »Eine Frage hab ich noch an SĂŒmer«, sagte Ador. »Warum ist es fĂŒr Gorillas schwerer, fĂŒr gute Arbeitsbedingungen zu sorgen, als Filialen in Frankreich und New York aus dem Boden zu stampfen?«




Quelle: Fau.org