Mai 9, 2022
Von Indymedia
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Die Stimmung auf der Auftaktkundgebung hatte von Beginn an einen lauten und entschlossenen Charakter. Die erste Rede des antikapitalistischen Klimatreffen brach den angeblichen Widerspruch zwischen Arbeiter:innen und Klimabewegung auf und beschrieb welche Schlagkraft ein Zusammenschluss entfalten kann. Die benannte Spaltung wird nur im kapitalistischen System von den Herrschenden aufrecht erhalten – weswegen eine Welt abseits von kapitalistischer Ausbeutung, Existenzbedrohung und Klimakrise nur, im Schulterschluss gemeinsam von unten erkĂ€mpft werden kann.

Im zweiten Redebeitrag sprach eine Vertretung der Antifaschistischen Aktionen Karlsruhe und SĂŒdliche Weinstraße ĂŒber die Notwendigkeit eines konsequenten und organisierten Antifaschismus, der sich ĂŒber die eigene Stadtgrenze hinaus gehen muss, um den erstarkenden Faschist:innen effektive Gegenwehr zu leisten und die antifaschistische Bewegung kontinuierlich weiter aufzubauen. Der Kapitalismus sorgt dabei immer wieder fĂŒr neue Krisen und soziale Probleme in denen sich Rechte Akteure als KĂŒmmerer und vermeintliche Problemlöser zu etablieren versuchen. Die Losung dagegen lautet Konfrontation mit allen Mitteln und auf allen Ebenen – unabhĂ€ngig von bĂŒrgerlichen GesetzbĂŒchern.

Die Vertreterin von Krankenhaus statt Fabrik beschrieb, im Anschluss in ihrer wĂŒtenden Rede die desolaten und unmenschlichen ZustĂ€nde fĂŒr Personal in den deutschen KrankenhĂ€usern. Die Grenze des Leistbaren ist fĂŒr die Angestellten lĂ€ngst ĂŒberschritten. FĂŒr die Kapitalfraktionen hinter den KrankenhĂ€usern soll sich das Personal weiter aufs brutalste kaputt arbeiten. Statt Entlastung und bessere Bezahlung ist aus der Krise nicht viel mehr als etwas Applaus geblieben. Das Problem, das die Gesundheit der Menschen zur Ware macht ist das kapitalistische System und wird dies, so lange es existiert weiter voran treiben.

Im Anschluss daran setzte sich die 300 Personen starke Demo, unter lauten Sprechchören vom Festplatz in Bewegung. Auf der Route wurde sich immer wieder fĂŒr eigene, selbstbestimmte Aktionen Raum genommen. So wurde eine Bahnhaltestelle aus der Demonstration heraus mit Banderole und Schildern beklebt – mit dem Verweis, dass die steigenden Preise vom ÖPNV im Widerspruch einer klimagerechten Verkehrswende stehen.

DarĂŒber hinaus wurden mehrere Nazis mit Steckbriefen geoutet und ihrer Bilder anschließend zerrissen, um zu verdeutlichen, was sie von einer organisierten antifaschistischen Bewegung zu erwarten haben.

Auf Höhe der Marienstraße verließ die Demonstration dann die angemeldete Route und zog fĂŒr kurze Zeit ohne die sichtlich ĂŒberforderte Polizei weiter. Um den selbstbestimmten Charakter noch mehr Ausdruck zu verleihen wurden im vorderen Bereich der Demonstration Bengalos und Rauchfackeln gezĂŒndet. Die Cops versperrten daraufhin die Straße, aber als der Demozug sich weigerte anzuhalten, griffen die Cops die Spitze des Aufzuges an. Trotz des massiven Schlagstockeinsatz konnten sie die Demonstration dennoch nicht zurĂŒckdrĂ€ngen. Nach kurzer Zeit zog die Demo weiter.

Nur wenig spĂ€ter grĂŒĂŸten solidarische Anwohner:innen, die Demonstrierenden mit Konfettikanone und einem Banner, zum Thema der WohnraumverdrĂ€ngung in der SĂŒdstadt und forderten die Enteignung von Immobilienkonzernen. ZurĂŒck auf der ursprĂŒnglichen Route erfreute ein brennender Panzer den hinteren Teil der revolutionĂ€ren Demo mit seiner klaren Symbolik in unserer Haltung zu AufrĂŒstung und Krieg. Was wir im aktuellen GebrĂŒll nach AufrĂŒstung der herrschenden Parteien benötigen, ist Klassenkampf, statt Burgfrieden. Denn unsere Klasse wird sonst einmal mehr die Kosten dafĂŒr tragen. Im schlimmsten Fall mit ihrem Leben. Mit lauten Parolen zog die Demonstration von dort weiter zum Herz der SĂŒdstadt, dem Werderplatz.

Auf der dortigen Abschlusskundgebung sprach eine Vertreterin des offenen feministischen Treffens, in einer sehr entschlossenen Rede ĂŒber die Verflechtung von Patriarchat und Kapitalismus, wie dieser von der Ausbeutung von Frauen und weiblich gelesenen Personen profitiert und warum feministische KĂ€mpfe klar antikapitalistisch sein mĂŒssen. Sie hob hervor, welche Macht feministische Streiks entfalten können und das eine Überwindung des herrschenden Systems nur mit feministischen KĂ€mpfen und von allen Geschlechtern gemeinsam gefĂŒhrt und gewonnen werden kann.

Die Kundgebung schloss ein Grußwort der Plattform Perspektive Kommunismus ab und machte deutlich, dass die Ordnung der Herrschenden auf Sand gebaut ist und wie der Weg zu einer befreiten Gesellschaft aussieht, können wir nur gemeinsam als kĂ€mpfende Bewegung heraus finden.

Nach gemeinsamem Singen der Internationalen ließen wir den Tag mit Essen und GetrĂ€nken ausklingen.

Unser Ziel, uns mit fortschrittlichen und revolutionĂ€ren Forderungen Raum zu nehmen, konnten wir erreichen, den Cops trotzen und unsere Wut ĂŒber die UnterdrĂŒckung unserer Klasse zumindest in Teilen von bĂŒrgerlichen Regularien befreit auf die Straße tragen. Die gesammelten Erfahrungen und EindrĂŒcke nehmen wir in unsere kommenden KĂ€mpfe mit.

Eine politische EinschÀtzung zum diesjÀhrigen Arbeiter:innenkampftag, unsere StÀrke als revolutionÀre Bewegung und der Taktik des Repressionsorgans werden wir in den nÀchsten Tagen veröffentlichen.




Quelle: De.indymedia.org