Januar 12, 2022
Von IWW Wien
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on 12. Januar 2022
Allgemein
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Der Kollektivvertrag fĂŒr Fahrradbot:innen hat Verbesserungen gebracht.
GrĂŒnde dafĂŒr, sich dennoch zu organisieren, gibt es viele.

Überall, wo man hinsieht, sieht man bunte RucksĂ€cke, die durch die Gegend sausen.
Die Rede ist von Fahrradbot:innen, die seit Jahren das Stadtbild farbenfroh mitprÀgen.
Als erfolgreichste Unternehmen unter den Essenszustellern haben sich
Lieferando und Mjam etabliert,
die in manchen StÀdten sogar die Konkurrenz verdrÀngt haben.
WĂ€hrend das Jahr 2020 fĂŒr einige Unternehmen das finanzielle Aus bedeutete,
konnten diese beiden Unternehmen trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation
deutliche Gewinne verbuchen.
Sogar bei Großveranstaltungen wie der Fußball-Europameisterschaft
konnte sich Lieferando WerbeflÀchen kaufen.
Mjam wiederum etablierte seit Anfang dieses Jahres
österreichweit eigene Online-SupermÀrkte.
Bei solchen wirtschaftlichen Erfolgen könnte man meinen,
dass die Angestellten auch etwas davon haben.
Jedoch ist es so wie immer:
den Arbeiter:innen bleiben lediglich ein paar trockene Brösel vom saftigen Kuchen ĂŒbrig.

Leichte Verbesserungen

Im JĂ€nner 2020 gelang es dem ÖGB nach langen Verhandlungen den weltweit ersten Kollektivvertrag
fĂŒr Fahrradbot:innen einzufĂŒhren. Dieser beinhaltet einen festgeschriebenen Mindestlohn,
Urlaubs- und Krankengeld,
Kilometergeld fĂŒr Fahrradreparatur, geregelte Ruhezeiten und weitere Verbesserungen.
Davor wurden die Bot:innen nur nach Auftrag bezahlt. Das bedeutete im Falle von Auftragsmangel oder
ArbeitsunfÀhigkeit weniger bis kein Einkommen.
Auch mussten die Kosten fĂŒr Fahrradreparaturen
selbst ĂŒbernommen werden.
Spricht man mit LieferandoAngestellen, wie wir es etwa in Salzburg gemacht haben,
zeigt sich zwar eine WertschÀtzung des Kollektivvertrags, jedoch besteht weiterhin Unzufriedenheit.
Kritisiert wird vor allem, dass es keine Sonn- und FeiertagszuschĂŒsse gibt, obwohl diese Tage in der Branche
am meisten Gewinn bringen. Auch wird das Kilometergeld von 24 Cent pro gefahrenem
Kilometer
als zu wenig bemĂ€ngelt, um regelmĂ€ĂŸige Reparaturen zu bezahlen.
Dies liegt vor allem daran, dass die Definition
von „gefahrenem Kilometer“ vom Arbeitgeber vorgegeben wird und
es vor allem wÀhrend der warmen Jahreszeit
weniger AuftrÀge gibt.
Ein weiteres Problem ist, dass manche Unternehmen den Kollektivvertrag umgehen,
indem sie ihre Angestellten als Freie Dienstnehmer:innen anstellen. FĂŒr diese Bot:innen gilt der
Kollektivvertrag nicht.
Sie arbeiten unter denselben prekÀren VerhÀltnissen wie zuvor.

Organizing-Herausforderungen

Da es meist keine Firmenzentrale gibt, in der sich die Belegschaft kennenlernen und untereinander
austauschen könnte, und da es zusÀtzlich noch eine starke Fluktuation gibt,
gilt die Branche als schwierig zu organisieren. Um eine Plattform zur gegenseitigen Vernetzung zu schaffen,
hat die IWW Salzburg im September zwei Veranstaltungen organisiert. Am 10. September gab es zusammen
mit dem Riders Collective ein Alleycat (Schnitzeljagd am Fahrrad)
zum Thema Arbeitsrecht fĂŒr Fahrradbot:innen.
Zwei Wochen darauf veranstalteten wir eine Pay-as-youcan-Bike-Kitchen im Stadtteil Lehen.
Die Spendeneinnahmen unserer Bike Kitchen, gingen an die streikenden Fahrradbot:innen in Berlin,
die Anfang Oktober von ihrem Arbeitgeber Gorillas gekĂŒndigt worden waren. Der Arbeitskampf bei Gorillas zeigt,
dass der Kampf
um bessere Arbeitsbedingungen der Fahrradbot:innen noch lange nicht vorbei ist.

Wo auch immer auf der Welt sich Bot:innen gegen die Schikanen ihrer Arbeitgeber zur Wehr
setzen, werden wir entschlossen mit dabei sein –  oder auch wenn wir in ganz anderen Branchen
arbeiten – unseren kĂ€mpfenden Kolleg:innen solidarisch zur Seite stehen.

Denn ein Erfolg fĂŒr eine:n ist ein Erfolg fĂŒr uns alle!




Quelle: Iww.or.at