April 23, 2021
Von InfoRiot
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Potsdam – In Potsdam organisieren die »Patient:innen gegen die kapitalistische Leidkultur« eine Demonstration unter dem Motto »Solidarische Zukunft statt Kapitalismus«.

Schutz vor der Ansteck­ung mit dem Coro­n­avirus im Betrieb — Fehlanzeige! Schutz der BeschĂ€ftigten in Gas­tronomie und Kul­tur vor Exis­ten­znot, Schutz vor man­gel­haftem Videoun­ter­richt und vor hĂ€us­lich­er Gewalt in der Enge der Woh­nung — alles Fehlanzeige! Stattdessen wer­den die Konz­erne, ihre Patente und ihre Ren­dite geschĂŒtzt. Die Reichen mĂŒssen nicht fĂŒr die Kosten der Krise aufkom­men. Sie wer­den jet­zt noch reicher.

Das wollen Aktivis­ten der linken Szene in Pots­dam nicht wider­spruch­s­los hin­nehmen. Sie bilde­ten eine Gruppe, die sich »Patient:innen gegen die kap­i­tal­is­tis­che Lei­d­kul­tur« nen­nt und organ­isieren eine Demon­stra­tion unter dem Mot­to »Sol­i­darische Zukun­ft statt Kap­i­tal­is­mus«. Tre­ff­punkt ist am 24. April, um 14 Uhr, das Rathaus Babels­berg. Von dort soll es durch das Zen­trum Ost in die Innen­stadt gehen. Anmelder Simon Wohlfahrt rech­net mit mehreren hun­dert Teil­nehmern. In Bran­den­burg seien bei ĂŒber 100 Coro­na-Infek­tio­nen je 100 000 Ein­wohn­er bin­nen ein­er Woche aber nur noch Demon­stra­tio­nen mit max­i­mal 100 Men­schen erlaubt, erlĂ€utert er. Pots­dam hat die Gren­ze ĂŒber­schrit­ten. Deshalb sollen die Teil­nehmer gegebe­nen­falls auf weit­ere AufzĂŒge verteilt wer­den, die vor Ort noch schnell angemeldet wer­den. So sei es mit der Polizei abge­sprochen, sagt Wohlfahrt.

Sein Mit­stre­it­er Jibran Khalil ver­sichert: »Wir nehmen dieses Virus ernst. Es sind so viele Men­schen gestor­ben. Wir beacht­en natĂŒr­lich die Abstand­sregeln, wenn wir am Sam­stag auf der Straße sind.« An der frischen Luft sei die Ansteck­ungs­ge­fahr allerd­ings nicht so hoch. Es gehe auch um das Recht auf Demonstrationsfreiheit.

Reich­tum umverteilen, Mieten senken, Kranken­hĂ€user verge­sellschaften, Patente der Impf­stoffe freigeben, Natur und Kli­ma schĂŒtzen, Sam­mel­lager fĂŒr FlĂŒchtlinge auflösen — das sind die Kern­forderun­gen. »Es darf kein Patent auf ein lebenswichtiges Medika­ment geben«, find­et Maren Schulze, von der die Idee fĂŒr eine solche Demon­stra­tion stammt. Es soll am Sam­stag Kri­tik an der ver­fehlten Coro­na-Poli­tik von Bun­des- und Lan­desregierung geĂŒbt wer­den, ohne dabei Ver­schwörungsmythen zu ver­bre­it­en. Der Ter­min soll auch ein Ange­bot an all jene sein, die mit einzel­nen Coro­na-Maß­nah­men nicht ein­ver­standen sind, die dage­gen protestieren möcht­en, die aber Demon­stra­tio­nen fern­bleiben wollen, bei denen Rechte mit­laufen. »Wir wollen das Feld nicht den soge­nan­nten Schwurbel­ern ĂŒber­lassen«, betont Simon Wohlfahrt. »Wir wollen nicht gegen Masken demon­stri­eren. Masken sind lĂ€stig, aber notwendig.« Es laufe eine radikale Umverteilung von unten nach oben. Da mĂŒsse man die Sys­tem­frage stellen. »Wenn das dann als linksradikal beze­ich­net wird, dann ist das halt so.«

Ange­sprochen von diesem Protest fĂŒhlt sich auch Anna Duksch. Sie engagiert sich bei Fri­days for Future und bemerk­te, dass das Anliegen dieser Bewe­gung langsam aus der gesellschaftlichen Debat­te ver­schwinde. Sie fragt: »Wie wollen wir mit der Kli­makrise umge­hen, wenn wir schon an der Coro­n­akrise scheitern?«






Quelle: Inforiot.de