September 21, 2021
Von Emrawi
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Ehrenmal fĂŒr Kriegsverbrecher

Das Kasseler “Ehrenmal” ist ein Bauwerk mit vier Stockwerken, auf denen mit Plaketten diversen Divisionen und Regimenten des Deutschen Heeres und der Wehrmacht gedenkt wird. “Dabei fehlt es wahrhaftig nicht an Nazikitsch”, sagt Wolfang Kleisteran: “An einer Stelle ist ein großer Panzer der Wehrmacht in die Mauer gemeißelt. Hier wird der Panzerkorps Großdeutschland geehrt, der im zweiten Weltkrieg Teil der Division Großdeutschland war, die fĂŒr diverse Kriegsverbrechen bekannt ist.” Die Division Großdeutschland ermordete im Juni 1940 in mehreren Massakern hunderte Tirailleurs (Schwarze Soldat*innen aus den ehemaligen französischen Kolonien). In Jugoslawien sorgte die Division dafĂŒr, dass nach der Tötung eines SS-Soldaten 36 Zivilist*innen zum Tode verurteilt wurden und kĂŒmmerte sich um die Vollstreckung. Richter war SS-SturmbannfĂŒhrer Rudolf Hoffmann.



Verschwörungstheorien aus der Nachkriegszeit

Neben den Plaketten fĂŒr diverse Wehrmachtseinheiten finden sich auch viele Tafeln zum ersten Weltkrieg. Einige davon glauben an die Dolchstoßlegende: Eine antisemitische Verschwörungstheorie, laut der das Deutsche Heer im Felde unbesiegt gewesen und die Niederlage Deutschlands durch Sozialdemokrat*innen und das “bolschewistische Judentum” zu verantworten gewesen sein soll. So ist auf einer Plakette beispielsweise die Rede von “unbesiegten Toten”.



Soldat*innen sind Mörder*innen

Eine Einordnung dieses ideologischen MĂŒlls gibt es auf dem “Ehrenmal” erst jetzt durch die Plakataktion. Auf 40 Warnhinweisen steht nun ĂŒberall auf dem Denkmal “Soldat*innen sind Mörder*innen” und “Nationalismus gefĂ€hrdet Ihre Gesundheit”. Die Plakette “1940-1945: Die Toten verpflichten die Lebenden” ergĂ€nzten die Aktivist*innen mit: “zu Antimilitarismus und Antifaschismus”. Soldat*innen sind nicht mehr “furchtlos und treu”, sondern “furchtlos und treudoof”. Offiziell gab es bisher nur ErklĂ€rungsschilder unten und oben am “Ehrenmal”, in denen es unter anderem heißt: “Dieses Denkmal war und ist ein Ort der Trauer um die Toten. […] Zum Gedenken an die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges wurden in den 1950er und 1960er Jahren zahlreiche Tafeln militĂ€rischer Einheiten der Wehrmacht angebracht. Heute ist die Erinnerung an die Wehrmacht umstritten, weil sie dem nationalsozialistischen Unrechtsregime diente und in dessen Verbrechen verstrickt war.”

Revisionistische ErklÀrungstafel

“Das ist der Wahnsinn”, findet Wolfgang Kleisteran: “Die Wehrmacht war die Armee der Nazis und diente allein dazu, die nationalsozialistischen Interessen militĂ€risch durchzusetzen. Von einer ’Verstrickung’ kann hier kaum die Rede sein. Die Wehrmacht hat am nationalsozialistischen Angriffs- und Vernichtungskrieg aktiv teilgenommen und ihn mitgeplant”.



Die Bundeswehr ist mit dabei

All das schien die Bundeswehr nicht zu stören, als sie beschloss, ihre eigene Plakette im Denkmal aufzuhĂ€ngen, um ihren zwischen 1956 und 1994 “fĂŒr Recht und Freiheit des deutschen Volkes im Dienst verstorbenen Soldaten der 2. Panzergrenadierdivision” zu gedenken. “Die Bundeswehr sieht sich ganz offensichtlich in der Tradition des Deutschen Heeres und der Wehrmacht”, erklĂ€rt Wolfgang Kleisteran: “Deswegen haben wir hier fĂŒr diese Plakette auch eine extra Sprechblase gebastelt. Auf der Stand: ’Nazidenkmal? Hier pass ich hin!’ Noch in den frĂŒhen Morgenstunden wurde sie von fleißigen Deutschen in mĂŒhsamer Fummelarbeit bis zur Unlesbarkeit abgerissen.”



Plakette fĂŒr Kriegsdienstverweigerer

Auf dem “Ehrenmal” gedenkt nur eine einzige Plakette tatsĂ€chlichen Kriegsopfern: 1985 wurde eine Tafel zur “Erinnerung an die Kasseler Soldaten, die sich dem Kriegsdienst fĂŒr die nationalsozialistische Gewaltherrschaft verweigerten und dafĂŒr verfolgt und getötet wurden” errichtet. Zu dieser Tafel gab es damls eine hitzige Debatte und die Bundeswehr war bei ihrer AufhĂ€ngung explizit nicht dabei. “Naziverbrecher findet man in diesem Verein ehrwĂŒrdiger als Leute, die sich den deutschen Verbrechen widersetzt haben”, schimpft Wolfgang Kleisteran. Den Kriegsdienstverweigerern aus anderen Kriegen wird nicht gedenkt. Auch von einer Tafel, die den 6 Millionen ermordeten JĂŒd*innen oder anderen Opfern des Nationalsozialismus gedenkt, ist keine Spur. “Eigentlich gehört das Ding abgerissen”, sagt Wolfgang Kleisteran: “Solange es steht, sehen wir uns in der Verpflichtung, es zumindest nicht einfach so stehen zu lassen.”






Quelle: Emrawi.org