Oktober 5, 2021
Von La Presse
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Zu einem Kundgebungsaufruf unter dem Motto “Kein Platz fĂŒr Antisemitismus”, der Initative “Leipzig nimmt Platz“, versammelten sich am Abend gut 500 Teilnehmer*innen vor dem Leipziger Hotel Westin. Hintergrund ist ein mutmaßlich antisemitischer Vorfall in dem Hotel, welcher sich am Montagabend ereignet haben soll.

Der Musiker Gil Ofarim wollte als Gast bei Leipziger Hotel Westin einchecken und soll dabei diskriminiert worden sein. Der 39-JĂ€hrige postete ein zweiminĂŒtiges Video auf Instagram, indem er schilderte, wie er in einer Schlange vor den Check-In wartete und andere GĂ€ste vorgezogen wurden. Als er nach fragte warum er lĂ€nger warten mĂŒsse, wurde ihm erklĂ€rt, dass die Warteschlange “entzerrt werden” mĂŒsse. Aus einer “Ecke” wurde gerufen “Pack deinen Stern ein”, was der Mann am Empfang mit “Packen Sie Ihren Stern ein” quittiert haben soll.


Gil Ofarim ist Sohn des in Tel Aviv geborenen Musikers Abi Ofarim. In den 1990er Jahren hatte er als Kinderstar „Gil“ mehrere Charthits und tourte weltweit. „Gil muss die jĂŒngsten Vorkommnisse gestern in Leipzig erst einmal verdauen und ist noch sichtlich schockiert. Heute wĂ€re der Geburtstag seines Vaters gewesen“, so eine Sprecherin gegenĂŒber T-OnlinePolizeisprecher Olaf Hoppe konstatierte gegenĂŒber der Leipziger Volkszeitung: “Wir haben den Fall der Staatsanwaltschaft Leipzig zur rechtlichen PrĂŒfung vorgelegt“. In sozialen Netzwerken sorgten Ofarims Schilderungen am Dienstag vielfach fĂŒr Empörung. Mehrere Politikerinnen und Politiker sowie andere Persönlichkeiten stellten sich hinter den KĂŒnstler.

Die presseverantwortliche, stellvertretende Hotelmanagerin Ă€ußerte sich auf Nachfrage von la-presse.org wie folgt:

Wir sind ein weltoffenes Hotel und lehnen jede Form von Intoleranz, Diskriminierung und Antisemitismus auf das SchĂ€rfste ab. Deshalb sind wir ĂŒber die unertrĂ€glichen VorwĂŒrfe von Herrn Ofarim besorgt und alarmiert. Antisemitismus ist nicht entschuldbar und wird in unserem Hotel nicht geduldet! WĂ€hrend wir weiter versuchen mit Herrn Ofarim persönlich in Kontakt zu treten, um den Vorfall vollstĂ€ndig aufzuklĂ€ren, haben wir die betreffenden Mitarbeiter beurlaubt. Unser Ziel ist es, alle unsere GĂ€ste und MitarbeiterInnen zu integrieren, zu respektieren und zu unterstĂŒtzen, unabhĂ€ngig von Religion, Hautfarbe oder sexueller Orientierung.”

Vor Ort positionierten sich Mitarbeiter*innen des Hotels mit einem Banner. Darauf abgebildet, neben dem Markenlogo, die Fahne Israels und ein Hilal mit fĂŒnfzackigem Stern – eines der bedeutendten muslimischen Embleme. Äußerungen gegenĂŒber der Presse wolle man, nach dem abgegebenen Statement, keine mehr machen.

Es war in diesem Jahr nicht der erste antisemitische Angriff, der fĂŒr Schlagzeilen sorgte. Anfang Mai wurde im Leipziger Stadtteil Gohlis eine ursprĂŒnglich aus Israel stammende junge Frau von einer Anwohnerin antisemitisch beleidigt und attackiert. Inzwischen hat sie die Stadt Leipzig verlassen. Die Leipziger Volkszeitung berichtete.

Anfragen von la-presse.org (gg 17:30 Uhr) zum Verfahrenstand, an Polizei und Staatsanwaltschaft, lagen bis zur Veröffentlichung des Beitrags (gg 19:40 Uhr) noch nicht vor.

Erst im September konstatierte die Innenpolitikerin Kerstin Köditz (Die Linke) in einer Pressemitteilung

In Sachsen werden weiterhin besonders viele antisemitische Straftaten begangen. So wurden allein im ersten Halbjahr 2021 im gesamten Freistaat 96 einschlĂ€gige FĂ€lle bei der Polizei bekannt. [
]  FĂŒr das gesamte Jahr 2020 wurden 173 Taten gemeldet – ein neuer, langjĂ€hriger Höchststand, nachdem die Fallzahlen vier Jahre in Folge gestiegen waren. Dieser Trend ist offensichtlich nicht gebrochen. Stattdessen droht wohl bald schon wieder ein unrĂŒhmlicher Rekord. Die FĂ€lle verteilen sich auf alle Regionen, aber mit großen Unterschieden. So sind Leipzig (23), Dresden (16) und Chemnitz (13) obenauf, mehr als die HĂ€lfte aller Taten entfĂ€llt auf das Gebiet der drei großen StĂ€dte.””

/SO MS




Quelle: La-presse.org