Mai 14, 2021
Von Die Plattform Ruhr
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Am heutigen Freitag waren wir als Lokalgruppe in Dortmund gemeinsam mit der Ortsgruppe von Fridays For Future auf dem Hansaplatz unterwegs, um den Aktionstag “Keine Kohle fĂŒr die Kohle!” zu unterstĂŒtzen. In dessen Rahmen fanden heute in mehr als 30 StĂ€dten vor Filialen der Commerzbank Aktionen der Klimagerechtigkeitsbewegung statt, um auf die Verwickungen dieser Bank in klimaschĂ€dliche GeschĂ€fte aufmerksam zu machen. Die Commerzbank, die sich selbst immer gerne ein “grĂŒnes” Image gibt, ist nĂ€mlich Kapitalgeberin fĂŒr eine ganze Reihe an Unternehmen, die Profit schlagen aus der Nutzung und dem Ausbau fossiler EnergietrĂ€ger.

Die Commerzbank am Hansaplatz – Ort der Kundgebung

Auf der Kundgebung am Hansaplatz sprach dann zuerst ein*e Vertreter*in der Fridays For Future-Ortsgruppe, die genau diese Verwicklungen in den Fokus rĂŒckte. Daran schloss sich ein Redebeitrag unserer Lokalgruppe an, in dem es vor allem darum ging, dass eine reine Kritik der Commerzbank und anderer Banken nicht ausreicht und dass die Kritik stattdessen dem ganzen System – dem Kapitalismus – gelten muss (die ganze Rede findet ihr am Ende dieses Beitrags). Obwohl wir nur knapp 50 Leute auf der Straße waren, ist es dennoch gut, dass die Klimagerechtigkeitsbewegung in Dortmund endlich wieder auf die Straße geht, statt in Pandemie-Schockstarre zu Hause zu verweilen. Gleichzeitig ist klar, dass diese Form des Aktivismus in der jetzigen Situation nur noch wenige Menschen mobilisieren kann und thematisch breite Teile unserer Klasse nicht erreicht. Daran gilt es zu arbeiten und wieder stĂ€rker Aufbauarbeit zu leisten. Dem wollen wir uns in den nĂ€chsten Wochen und Monaten auf unterschiedliche Weise wieder stĂ€rker widmen. Bleibt also gespannt!

In diesem Sinne: Das Problem heißt Klimakrise, seine Ursache heißt Kapitalismus! System change not climate change!

Unser Redebeitrag

Liebe Freund*innen, liebe Dortmunder*innen,

ich spreche heute hier fĂŒr die anarchakommunistische Gruppe die plattform Ruhr.

Warum wir heute hier sind, habt ihr in der Rede von Fridays For Future schon gehört: Banken wie die Commerzbank, vor der wir heute stehen um zu demonstrieren, stellen Kapital fĂŒr Konzerne bereit, die fette Profite machen mit der Nutzung nicht-erneuerbarer, klimaschĂ€dlicher EnergietrĂ€ger. Kurz um: Die Commerzbank stellt Kohle bereit, damit die Konzerne, die mit Kohleförderung und -verbrennung dick Asche machen auch weiterhin durch ihre GeschĂ€fte Menschen ausbeuten und den Planeten zu grunde richten können. Und wĂ€hrend Banken wie die Commerzbank Milliarden in die aktive Zerstörung von Planet und Klima pumpen, versuchen sie mit millionenteuren Werbekampagnen ihre schmutzigen GeschĂ€fte “grĂŒnzuwaschen”, also so zu tun, als ob ihre GeschĂ€fte eigentlich voll gut sind fĂŒr uns alle und den Planeten und so gar nicht klimaschĂ€dlich. Es ist dehalb so wichtig, dass wir heute hier sind und gleichzeitig an vielen anderen Orten und der Commerzbank zeigen, dass wir uns nicht mehr von ihren Marketingagenturen verarschen lassen!

Von unterschiedlichen Organisationen und Initiativen aus der Klimagerechtigkeitsbewegung werden mittlerweile immer öfter Appelle an die Banken laut, die Finanzierung klimaschĂ€dlicher EnergietrĂ€ger doch endlich zu beenden und sich auch zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens zu bekennen. Auf breiter Linie unterstĂŒtzt auch Fridays For Future diesen Appell.

Ist ja auch kein Wunder, oder? Ist ja logisch, dass wenn jemand was falsch macht, dass man die Perspn dazu auffordert, diesen Mist doch mal sein zu lassen. Leider ist es mit Commerzbank und Co. aber etwas komplizierter als es zunÀchst scheinen mag.

Das liegt daran, dass die Commerzbank – aber natĂŒrlich auch ihre ganzen Konkurrentinnen im BankgeschĂ€ft – ihre Unternehmenspolitik in der RealitĂ€t nicht an MaßstĂ€ben wie sozialer Gerechtigkeit oder Klimagerechtigkeit ausrichten. Was Commerzbank und friends wirklich interessiert, das sind einzig und allein Profite, Profite und noch einmal Profite. Wirtschaftliches Wachstum ist nicht der wichtigste Maßstab dieser Konzerne, in dem absoluten Großteil aller FĂ€lle ist es das einzige. Wenn die Commerzbank sich scheinheilig zum Pariser Klimaabkommen bekennt, dann nicht, weil der Chefetage auf einmal klar geworden ist, wie wichtig doch die Bewahrung von Planet und Klima ist, sondern weil irgendwelche Typen aus dem Marketingbereich in schicken AnzĂŒgen vermuten, dass sich das bestimmt positiv fĂŒrs Konzernimage und damit die Jahresbilanz auswirken wird.

Okay, Klimagerechtigkeit und soziale Gerechtigkeit juckt die Commerzbank nicht, das hĂ€tten wir schonmal festgestellt. Aber wĂ€re es dann nicht die Lösung, einfach die Commerzbank so lange mit staatlichen Sanktionen zu bestrafen, bis es fĂŒr sie nicht mehr profitabel ist, die Zerstörung des Klimas mitzufinanzieren? Leider lautet die Antwort auch hier: Es ist ein bisschen komplizierter.

Wie ich bereits erwĂ€hnt habe: Nicht nur die Commerzbank finanziert Klimazerstörung mit und nicht nur die Commerzbank macht schmutzige GeschĂ€fte auf Kosten von Mensch und Planet. Alle Banken mĂŒssen am Ende des Jahres möglichst viel Profit fĂŒr ihre AktionĂ€r*innen abwerfen, sonst gehen ihre Aktienkurse runter und mittelfristig das ganze Unternehmen kaputt. Und da man Profite nicht macht, indem man selbstlos Geld an die Armen verteilt oder das Klima retten, hat eigentlich keine Bank eine “weiße Weste” – höchstens eine die grĂŒngewaschen ist.
Und zweitens: Der Staat hat leider auch kein großes Interesse daran, das GeschĂ€ftsmodell profitabler heimischer Unternehmen kaputtzumachen. Schließlich zahlen die hier Steuern und sind wichtige Faktoren fĂŒr den Erhalt des Wirtschaftstandorts Deutschland, der in Konkurrenz zu den Nationalwirtschaften anderer LĂ€nder steht.

Dass die ganze Situation so verdammt kompliziert ist, hat tatsĂ€chlich aber einen simplen Grund: das Problem heißt Kapitalismus! Es ist kein Naturgesetz, dass es auf der Welt immer nur um Wachstum und Profit geht und dafĂŒr soziale Gerechtigkeit und Klimagerechtigkeit geopfert werden. Aber genau das sind die “Gesetze” des Kapitalismus, der auf dem Versprechen und dem Drang nach unendlichem Wachstum erbaut ist, wĂ€hrend der Planet, den er sich dafĂŒr zu Nutze macht, leider nun einmal sehr endliche Rohstoffe hat. Es gibt daher in diesem System keine Lösung dieser Klimakrise. Eine Lösung zu suchen, heißt damit anzufangen, dieses System grundlegend in Frage zu stellen, sich mit anderen zusammentun und an der Überwindung des Kapitalismus zu arbeiten. Es gibt alternative GesellschaftsvorschlĂ€ge auf dieser Welt, wo die BedĂŒrfnisse der Menschen und der Schutz von Planet und Klima an erster Stelle stehen, nicht wirtschaftliches Wachstum. Es ist an uns, den Weg zu diesen Alternativen gemeinsam zu gehen als organisierte Klimagerechtigkeitsbewegung!

Warten wir nicht lÀnger vergeblich darauf, dass Staat und Konzerne das Klima retten werden, fangen wir selbst damit an und suchen wir nach Alternativen zu diesem System!

Wir fordern: System change not climate change! Brecht die Macht der Banken und Konzerne!




Quelle: Ruhr.dieplattform.org