Dezember 1, 2022
Von Paradox-A
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Lesedauer: 7 Minuten

ErklĂ€rung der Solidarity Collectives. Beitrag aus Sympathie und zur Dokumentation ĂŒbernommen von: https://enough-is-enough14.org

„Solidarity Collectives“ (frĂŒher „Operation Solidarity„) ist ein antiautoritĂ€res Netzwerk von Freiwilligen, das vor der groß angelegten russischen Invasion in der Ukraine gegrĂŒndet wurde, um Genoss*innen an der Front und der vom Krieg betroffenen Zivilbevölkerung zu helfen. „Collectives“ ist nicht nur ein Name, sondern die Essenz unserer Initiative, der sich verschiedene Organisationen und Gruppen aus der Ukraine, Deutschland, Polen, Frankreich, den USA, den Niederlanden, Kanada und vielen anderen LĂ€ndern angeschlossen haben.

Übersetzt von Riot Turtle.

All das wĂ€re nicht möglich ohne eine große Zahl von Menschen, die vereint sind von der Idee, der ukrainischen Widerstandsbewegung zu helfen. Das ABC-Netzwerk (insbesondere ABC Dresden, Deutschland – ABC Galicja, Polen), das No Borders Team Polen, 161crew Polen, XVX Tacticaid, Antifa International aus den USA, Yellow Peril Tactical aus den USA, Ecological Platform aus Lviv und viele andere – sie alle haben es möglich gemacht. Und ohne unsere Freund*innen in den Gewerkschaftsinitiativen hĂ€tten wir kein schönes BĂŒro/Lagerhaus in Kyiv.

Auf der Grundlage unserer antiautoritĂ€ren Werte haben wir beschlossen, uns aktiv gegen die russische Aggression zu wehren. Wir unterstĂŒtzen das Recht der ukrainischen Bevölkerung auf Selbstverteidigung und betrachten die russische Invasion als einen imperialistischen Akt. Trotz der mehrdimensionalen Merkmale eines jeden globalen Ereignisses sind die HauptgrĂŒnde fĂŒr diesen Krieg die imperiale Politik der Russischen Föderation, der Glaube an die historische Mission der russischen Eliten und der Versuch, die Kontrolle ĂŒber das zu erlangen, was sie als ihren Einflussbereich betrachten. Die GrĂŒnde sollten weder in den wirtschaftlichen Interessen der russischen Oligarchie noch in „russischen Sicherheitsvorkehrungen“ und schon gar nicht in den Machenschaften der NATO gesucht werden. Die volle UnterstĂŒtzung der ukrainischen Bevölkerung in ihrem Kampf (was nicht unbedingt bedeutet, die Politik der Regierung zu unterstĂŒtzen) ist die einzige konsequente Haltung fĂŒr Anarchist*innen und Linke weltweit.

Die Ukrainer*innen fĂŒhren einen bewaffneten Kampf gegen Russland, weil es keine andere Möglichkeit des wirksamen Widerstands mehr gibt. Klassische pazifistische Rezepte funktionieren hier nicht, weil die Konfliktparteien nicht gleichwertig sind. Wenn die russische Armee kapituliert, ist der Krieg zu Ende. Wenn die ukrainischen Soldat*innen ihre Waffen niederlegen oder sie „gegen ihre Regierung richten“, wie einige „Ukraine-Expert*innen“ vorschlagen, wird die russische Armee weitere Gebiete besetzen und weitere Kriegsverbrechen begehen. Beide Lösungen sind jedoch gleichermaßen unrealistisch. Und die RealitĂ€t erfordert praktische Antworten und konkrete Maßnahmen.

Im Großen und Ganzen hat die Ukraine keine andere Wahl, als sich mit Waffen zu verteidigen. Auf individueller Ebene haben sich jedoch viele ukrainische MĂ€nner und Frauen, darunter auch unsere Genoss*innen, freiwillig und bewusst bewaffneten Einheiten angeschlossen.

Was tun wir also? Wir haben ein ehrenamtliches Team aus ganz unterschiedlichen Menschen und Initiativen zusammengestellt, das seine Arbeit trotz Krisen und Umstrukturierungen aufrechterhalten kann. Wir haben ein logistisches Netzwerk und starke Partner*innenschaften mit vielen anarchistischen und linken Initiativen in Europa und darĂŒber hinaus aufgebaut. Im Inland arbeiten wir mit antiautoritĂ€ren Gruppen, Gewerkschaften, lokalen Aktivist*innen und Institutionen in frontnahen Gebieten zusammen.

Die Soldat*innen, die wir unterstĂŒtzen, sind Aktivist*innen verschiedener Überzeugungen: Anarchist*innen, Menschenrechtsverteidiger*innen, Gewerkschafter*innen, Öko-Anarchist*innen, Anarcho-Feminist*innen, Punk-Rocker*innen, politische GeflĂŒchtete aus Belarus und Russland usw. Viele von ihnen waren vor dem Krieg nicht mit den Vorstellungen und Ideen der anderen einverstanden. Auch heute gibt es Menschen mit unterschiedlichen politischen Ansichten und Mitglieder*innen verschiedener Organisationen und Bewegungen, die sich gegen die russische Aggression stellen.

Bei den meisten KĂ€mpfer*innen handelt es sich um Arbeiter*innen verschiedener Berufe ohne politische Parteien oder Stiftungen, die sie unterstĂŒtzen. Deshalb versuchen wir in Solidarity Collectives, Gewerkschaften zu unterstĂŒtzen, deren Mitglieder*innen mobilisiert wurden oder sich freiwillig an die Front begeben haben. Das sind in erster Linie die Gewerkschaften der Eisenbahner*innen, der Bauarbeiter*innen und der Bergleute. Wir sind auch solidarisch mit ihnen im Kampf gegen die Verabschiedung der unsozialen Gesetze, die von einigen widerlichen Politiker*innen unter dem Vorwand der Notwendigkeit wegen des Krieges durchgesetzt werden.

Alle, die wir unterstĂŒtzen, sind jedoch durch einen gemeinsamen Feind geeint, denn die russische imperiale Maschinerie wird nicht zulassen, dass irgendjemand von uns existiert.

hier einige PrĂ€sentationen von verschiedenen Genoss*innen, die wir unterstĂŒtzen:

  • Wir sind Mitglieder*innen der Kooperative „Brot fĂŒr das Leben“. Vor der Invasion haben wir die Ideen des Freeganismus und DIY verbreitet. Wir haben freiberuflich gearbeitet, gekocht, bei lokalen Veranstaltungen bewirtet, Hausbesetzungen durchgefĂŒhrt und offene WerkstĂ€tten im besetzten Haus eingerichtet. Im Februar beschloss ein Teil der Gruppe, dass wir im Falle einer Invasion hier im SĂŒden (der Ukraine) bleiben wĂŒrden, um uns zu wehren. Anfang MĂ€rz schlossen wir uns einer der bewaffneten Gruppen an und bildeten auf ihrem StĂŒtzpunkt unser medizinisches Evakuierungsteam. Damals wurden wir von Genossen von Operation Solidarity mit AusrĂŒstung unterstĂŒtzt, und jetzt werden wir weiterhin von Solidarity Collectives unterstĂŒtzt. Derzeit arbeiten wir in verschiedenen Richtungen, nicht mehr in derselben Gruppe. Aber wir sind durch eine gemeinsame Idee vereint – die Idee von Freiheit, Gleichheit, Schwesternschaft, BrĂŒderlichkeit und all dem, was nur durch Kampf erreicht werden kann.
  • Unser Freund Oleg: Er ist Politikwissenschaftler, Musiker, Fotograf, TierschĂŒtzer und Aktivist. Und jetzt dient er in der 72. Brigade, die im Osten der Ukraine kĂ€mpft. Unter anderem haben sie die Straße von Lyssytschansk nach Bakhmut gehalten. Wir unterstĂŒtzen Oleg nun schon seit geraumer Zeit.
  • Das Resistance Committee (Widerstandskomitee) entstand als Initiative einige Wochen vor dem Beginn der umfassenden Invasion der russischen StreitkrĂ€fte. Ihr Ziel war es, die BemĂŒhungen der verschiedenen anarchistischen/antiautoritĂ€ren Gruppen und Einzelpersonen im militĂ€rischen Bereich zu koordinieren. Jetzt ist sie eher eine Koordinierungs- als eine Organisationsstelle. Das entspricht ihrer ursprĂŒnglichen Aufgabe von damals. Unsere gemeinsamen ideologischen Grundlagen sind in unserem Manifest definiert. Unser unmittelbarer Feind ist derzeit der russische Imperialismus. Wir lehnen jedoch Autoritarismus und UnterdrĂŒckung im Allgemeinen ab. Von Anfang an und bis heute haben Anarchist*innen aus Belarus und Russland, die in der Ukraine die politische UnterdrĂŒckung in ihren jeweiligen LĂ€ndern ĂŒberlebt haben, zusammen mit ukrainischen Genoss*innen aktiv am Resistance Committee teilgenommen. Wir definieren das Resistance Committee als eine antiautoritĂ€re Koordination, also etwas breiter als nur anarchistisch. Die genaue Zahl ist nicht sicher und auch nicht so einfach zu bestimmen, da es keine feste Mitgliedschaft im RC gibt. Sie ist nicht sehr groß, und wir können nicht sagen, dass sie wĂ€chst, obwohl sich seit Beginn der groß angelegten Invasion mehr Anarchist*innen dem Kampf angeschlossen haben. GegenwĂ€rtig haben wir mehrere kleine Gruppen von anarchistischen und antifaschistischen Genoss*innen, die in die Territorialverteidigung, die regulĂ€re Armee und in Freiwilligeneinheiten integriert sind.
  • Unser Genosse „Swallow“ war 2013 Mitglied der antiautoritĂ€ren Selbstverteidigungsgruppe des Euromaidan in Charkiw, beteiligte sich dann an der GrĂŒndung des besetzten Hauses „Autonomia“ in Charkiw, organisierte ein soziales und kulturelles Zentrum und war aktiver Teilnehmer an mehreren aktivistischen Initiativen. Am Morgen des 24. Februar fĂŒhrte Swallow bereits LuftaufklĂ€rung an der Frontlinie mit gewöhnlichen zivilen Drohnen durch.

Derzeit haben die „Solidarity Collectives“ drei Hauptarbeitsbereiche.

MILITÄRISCHE FRONT

Von Beginn des Krieges an bestand unsere Hauptaufgabe darin, antiautoritĂ€re Aktivist*innen, die sich den MilitĂ€reinheiten angeschlossen haben, mit allem Notwendigen zu versorgen. Dank der Spenden konnten wir hundert kugelsichere Westen (Schutzklasse 4), Dutzende von Helmen, NachtsichtgerĂ€te, WĂ€rmebildkameras, EntfernungsmessgerĂ€te, Drohnen, taktische Medizin, MilitĂ€runiformen, Schuhe, Kleidung und vieles mehr kaufen und ĂŒbergeben – sowohl Spezial- als auch AlltagsausrĂŒstung. Heute unterstĂŒtzt Solidarity Collectives regelmĂ€ĂŸig bis zu 80 KĂ€mpfer*innen, von denen sich viele an der Front befinden.

HUMANITÄRE FRONT

Dank des von uns aufgebauten Logistiknetzes, das 4 LagerhÀuser und Fahrzeuge umfasst, haben wir seit Beginn des Krieges humanitÀre Hilfe erhalten und dorthin transportiert, wo sie am dringendsten benötigt wird. Bis heute haben wir unsere eigenen humanitÀren Konvois organisiert oder Sendungen nach Bucha, Bilohorodka, Tschernihiw, Kryvyi Rih, Mykolaiv, Kramatorsk, Malyna, Charkiw und in andere StÀdte geliefert. Bei diesen Transporten handelt es sich um Medikamente, Kleidung, Lebensmittel, SchlafsÀcke und Matratzen, Gasflaschen mit Flaschen und elektronische GerÀte.

MEDIEN

Die „ukrainische Frage“ wird in der ganzen Welt diskutiert. Zu erklĂ€ren, warum alle antiautoritĂ€ren KrĂ€fte trotz allem die ukrainische Widerstandsbewegung unterstĂŒtzen sollten, ist heute unsere Hauptaufgabe. Deshalb sind wir immer bereit, an Konferenzen und Debatten teilzunehmen oder unsere Sichtweise mit Journalist*innen zu teilen.

Wir arbeiten tĂ€glich daran, den Bedarf der KĂ€mpfer*innen zu sammeln, EinkĂ€ufe in der Ukraine und im Ausland zu tĂ€tigen, humanitĂ€re Reisen in die vom Krieg betroffenen Regionen zu organisieren, mit befreundeten Initiativen zu kommunizieren und die Ergebnisse unserer Arbeit zu veröffentlichen. FĂŒr viele von uns ist das jetzt der wichtigste Teil unseres Lebens.

Praxis ist eines unserer GrĂŒndungsprinzipien. Wir haben uns zusammengeschlossen, um den ukrainischen Widerstand gegen die russische Aggression zu unterstĂŒtzen. Aber wir sind nicht nur gegen etwas, wir stehen auch fĂŒr etwas. Unser Ziel ist eine freie und gerechte Gesellschaft, unsere wichtigsten Werte sind soziale, wirtschaftliche und geschlechtliche Gleichheit.

  • Wir sind der Meinung, dass der ukrainische Wiederaufbau, ĂŒber den Politiker*innen und Diplomat*innen bereits diskutieren, der Bevölkerung zugute kommen sollte. Er sollte nicht auf neoliberalen Dogmen beruhen, die die Autor*innen des Wiederaufbauplans dort unterzubringen versuchen.
  • Wir sind der Meinung, dass der Feminismus heute auf einer proaktiven Position basieren sollte. Heute kĂ€mpfen Aktivistinnen der antiautoritĂ€ren Bewegung mutig gegen den Aggressor, leiten militĂ€rische Einheiten und leisten medizinische Hilfe auf dem Schlachtfeld. Auch die meisten Mitglieder*innen des “ Solidarity Collectives“ sind Frauen, und sie leisten den grĂ¶ĂŸten Teil der Arbeit in der militĂ€rischen FĂŒhrung.
  • Wir unterstĂŒtzen antiautoritĂ€re und antikoloniale Bewegungen auf der ganzen Welt. Heute sammeln antiautoritĂ€re Aktivist*innen in der Ukraine Erfahrungen, die fĂŒr den Sturz von Diktatoren und autoritĂ€ren Regimen sowohl in postsowjetischen LĂ€ndern als auch in anderen Regionen nĂŒtzlich sein können.
  • Wir unterstĂŒtzen Tierrechtsbewegungen und kĂ€mpfen gegen den Klimawandel. Wir geben vegane Lebensmittel an vegane KĂ€mpfer*innen weiter und setzen uns fĂŒr den Wechsel von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energiequellen ein. Es geht nicht nur darum, Klimakatastrophen in ferner Zukunft zu verhindern, sondern auch darum, die AbhĂ€ngigkeit von der ressourcenorientierten russischen Wirtschaft zu verringern.

Unsere Ziele sind mit Putins autoritĂ€rem Regime unvereinbar. Aber wir sind bereit, auch in der Nachkriegsukraine fĂŒr sie zu kĂ€mpfen und uns den autoritĂ€ren Tendenzen in unserer Gesellschaft entgegenzustellen.

Wir sind allen dankbar fĂŒr die UnterstĂŒtzung, die wir in all diesen Monaten erhalten haben. Denen, die helfen, Geld zu sammeln, Fahrzeuge zu transportieren, öffentliche Veranstaltungen zu organisieren oder mit humanitĂ€rer Hilfe in die Ukraine zu kommen. Heute spĂŒren wir die Kraft der internationalen SolidaritĂ€t, die trotz der Spaltung der internationalen Linken in der „ukrainischen Frage“ in der Lage ist, Großes zu leisten. Wir sind uns bewusst, dass diese SolidaritĂ€t nicht einfach ist, aber wir rufen euch auf, der KriegsmĂŒdigkeit nicht nachzugeben, besonders jetzt, wo eure UnterstĂŒtzung fĂŒr uns entscheidend ist.

Wir sind auch zu einem offenen Dialog mit denjenigen bereit, die noch zögern, aber bereit sind, die Position der ukrainischen antiautoritÀren Gemeinschaft zu hören. Wir wollen euch auf unserer Seite der Barrikaden sehen!

In der Zwischenzeit geht unsere Arbeit weiter.

Keine Ruhe, bis der letzte Diktator stirbt.

Podcasts ĂŒber uns (Englisch):

https://a-dresden.org/2022/07/10/solidarity-collectives-interview-about-solidarity-work-with-ukraine/embed/#?secret=PKXDcdQSHa#?secret=UCR4QV8VKB

Hier könnt ihr Kontakt zu uns aufnehmen:

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Webseite: https://www.solidaritycollectives.org/en/main-page-english/

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  • Solana (sol): 6hfu8HczgJPW6upigfEPk3edfq6SAfrRCXwbvsYYBWih

Solidarity Collectives, November 2022




Quelle: Paradox-a.de