Januar 5, 2022
Von Rojava Agenda
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Mitte Januar 2022 werden vier Genoss:innen vor das Berner Amtsgericht zitiert, weil sie in irgendeiner Form mit einem “Kill-Erdogan”-Transparent an einer Demonstration in Bern vor fast fĂŒnf Jahren in Verbindung stĂŒnden. Erneut spielt in diesem Prozess ein partnerschaftliches Handeln hiesiger und tĂŒrkischer Politik eine Rolle und erneut nahm die hiesige Politik auf die hiesige Justiz Einfluss – wir kennen dieses Zusammenspiel, nicht erst seit dem Prozess gegen Andi vergangenen November in Bellinzona.

Dieses staatliche Zusammenspiel fusst auf beidseitigen wirtschaftlichen und geostrategischen Interessen, die schon verschiedentlich und mannigfaltig beschrieben wurden: Es geht um gĂŒnstige Produktions- und Exportbedingungen fĂŒr die Schweizer Wirtschaft (zementiert im neuen Freihandelsabkommen), um die Lage der TĂŒrkei am sĂŒdöstlichen Zipfel der EuropĂ€ischen Union (und ihre entsprechende Rolle als gut bezahlte TĂŒrsteherin an der Festung Europa), um die Bedeutung der regionalen und kriegerischen NATO-Macht fĂŒr die anderen NATO-MĂ€chte, genauso wie es darum geht, die SolidaritĂ€t mit Rojava und der kĂ€mpfenden tĂŒrkisch-kurdischen Freiheitsbewegung zu kriminalisieren, damit der dreckige und barbarische Krieg der TĂŒrkei ohne Widerspruch aus dem “ruhigen Hinterland” fortgefĂŒhrt werden möge.

Wir wissen also, was diese oberflĂ€chlich betrachtet ungleichen Partner in ihren gleichen strategischen Interessen eint. Wir wissen genauso, was wir entsprechend von ihnen zu erwarten haben – nichts. Wir wissen umso klarer, was wir ihnen entgegenhalten können: Eine klare und kompromisslose politische SolidaritĂ€t mit all jenen, die auf irgendeine Art und Weise auf dieser Seite der internationalen Barrikaden gegen den tĂŒrkischen islamistisch-faschistischen Staat kĂ€mpfen. Seit einem Jahrzehnt ist die Rojava-Revolution ein entscheidender Bezugspunkt linker KrĂ€fte, ĂŒber verschiedene Phasen und Etappen hinweg haben wir diesen Weg begleitet und unterstĂŒtzt.

Einige Lehren dieser fortlaufenden Auseinandersetzung im ungleichen KrĂ€fteverhĂ€ltnis – egal ob in der internationalen SolidaritĂ€t hier oder in der politischen Arbeit dort – sind es, auf die eigenen KrĂ€fte zu setzen statt an andere Akteure zu appellieren und die Dinge in die eigenen HĂ€nde zu nehmen statt zu hoffen, dass sich andere in Bewegung setzen. “Jeder Sturm beginnt mit einem einzelnen Tropfen. Versucht dieser Tropfen zu sein,” so umschrieb es TekoƟer Orso, der als Internationalist 2019 bei der Befreiung Rojavas fiel. SchĂŒtzen wir diese Tropfen – jeden einzelnen davon – und bĂŒndeln wir sie mittels einer klaren politischen SolidaritĂ€t, vereint in einer Perspektive jenseits des gegenwĂ€rtigen kapitalistischen Elends.

SolidaritÀt mit den Angeklagten in Bern!

Rojava Komitee ZĂŒrich, Januar 2022




Quelle: Rojavaagenda.noblogs.org