Dezember 12, 2021
Von Paradox-A
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Lesedauer: 2 Minuten

Hier der Hinweis auf eine interessante dreiteilige Diskussion, die ich kĂŒrzlich erst entdeckt habe und auch fĂŒr die politische Theorie des Anarchismus inspirierend finde.

von: https://www.hkw.de/de/programm/projekte/veranstaltung/p_138813.php

Klasse ist nicht dasselbe wie Klassenpolitik. Die Frage ist, wann und unter welchen UmstĂ€nden eine solche Klassenpolitik ihre Wirkung entfalten kann. Sie lĂ€sst sich nicht einfach nur in AbhĂ€ngigkeit von einschlĂ€gigen Organisationen (Parteien, Gewerkschaften) denken, die eine bestimmte KlassenidentitĂ€t stiften können. Die wichtigsten Momente der Klassenpolitik entstehen heute durch autonome Praxen, die auch fĂŒr Organisationen der Arbeiterbewegung eine Herausforderung darstellen. Diese Praktiken verwischen die Grenze zwischen Körper und Territorium, Gesetz und Gewalt, Leben und Arbeit. Neue feministische Bewegungen in Lateinamerika und anderswo, Black Lives Matter in den USA, #feesmustfall und #Rhodesmustfall in SĂŒdafrika, aber auch die Selbstorganisation der Migrant*innen in und um Europa sind Beispiele neuer sozialer Bewegungen. Sie verweisen auf Elemente einer „BĂŒrgerkriegs“-Logik zwischen Arbeit und Kapital, die in das GefĂŒge gesellschaftlicher Kooperation eindringt. Zugleich erlauben sie, Klasse in engerer Verbindung mit Rassismus, GeschlechterverhĂ€ltnissen und Nationalismus zu denken, und werfen damit wichtige Fragen fĂŒr das VerhĂ€ltnis des Klassenbegriffs zu Vorstellungen von „Differenz“ auf.

In einer Reihe von GesprĂ€chen mit der Anthropologin Kelly Gillespie, der Soziologin und Aktivistin Raquel GutiĂ©rrez Aguilar, dem Historiker und Literaturwissenschaftler Wang Hui und dem politischen Philosophen Antonio Negri befragen die Sozialwissenschaftlerin VerĂłnica Gago und der Politologe Sandro Mezzadra verschiedene Themenkomplexe. Ausgangspunkt ist jeweils der Begriff der Klasse in seinem VerhĂ€ltnis zu den Kategorien „Rasse“, „Gender“ und „Nation“.

Teil 1
Die situierte Erfahrung
Ausgehend von ihrer je spezifisch verorteten Erfahrung fragen die Teilnehmer*innen, ob und wie sie Klasse als operative Kategorie in der eigenen politischen und theoretischen Praxis erlebt haben. Welche anderen Vokabularien und Konzepte muss man hinzuziehen, wenn man den Begriff der Klasse neu fassen und sich gegen etablierte Formen von Klassenpolitik wenden will?

Teil 2
„Differenz“ und Einheit der Klasse
Lange wurde Differenz als gegenlĂ€ufig zu politischen Bestrebungen von Klassenpolitiken wahrgenommen, galt doch Einheit als ihr zentrales Ziel. LĂ€sst sich sagen, dass soziale Bewegungen und KĂ€mpfe in jĂŒngerer Zeit zu einer produktiven Wendung des angenommenen Gegensatzes zwischen „Differenz“ und „Einheit“ beigetragen haben? Wie können wir uns gegen den Einsatz von Differenz als Instrument der Spaltung und Fragmentierung wenden, ohne dabei von einem bereits konstituierten, homogenen Subjekt auszugehen?

Teil 3
Einheit und revolutionÀre Politik
Wie lĂ€sst sich die Idee der Einheit neu konzipieren angesichts der Vervielfachung und Ausbreitung von sozialen KĂ€mpfen, die sich gegen spezifische Formen der Ausbeutung und Herrschaft wenden? Tragen Konzepte wie SolidaritĂ€t, TransversalitĂ€t und IntersektionalitĂ€t zu einer produktiven Öffnung der Debatte bei? Klassenpolitik ist revolutionĂ€re Politik: Ist es möglich oder gar notwendig, die Grundidee der Revolution aus den Bewegungen und KĂ€mpfen selbst heraus neu zu denken?

Programm in Zusammenarbeit mit VerĂłnica Gago und Sandro Mezzadra.

Kurzbiografien: Verónica Gago, Kelly Gillespie, Raquel Gutiérrez Aguilar, Wang Hui, Sandro Mezzadra, Antonio Negri




Quelle: Paradox-a.de