November 1, 2021
Von Contraste
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Im Zuge der Corona-Pandemie hat die Politik Maßnahmen ergriffen, die sich erheblich auf die Wirtschaft ausgewirkt haben. Wie sind Kollektivbetriebe mit den EinschrĂ€nkungen umgegangen? Und haben sie dank ihrer hierarchiearmen Strukturen andere Lösungen gefunden, um durch die Krise zu kommen?

Regine Beyß, Redaktion Kassel

Als Zeitung fĂŒr Selbstorganisation will die CONTRASTE auch und vor allem in einer so turbulenten Zeit wie der Corona-Krise den Fokus auf solidarische und kollektive Projekte richten und darĂŒber berichten, wie sie mit den einhergehenden Herausforderungen umgegangen sind und umgehen. Seien es finanzielle EngpĂ€sse oder gar existenzbedrohende AusfĂ€lle, der Wegfall von persönlichen Treffen und gemeinsamen Arbeitsbereichen oder die zusĂ€tzlichen Belastungen im Arbeitsalltag durch sich stĂ€ndig verĂ€ndernde Rahmenbedingungen.

FĂŒr den Schwerpunkt haben wir eine Vielzahl von Kollektivbetrieben angefragt und sie gebeten, uns an ihren Erfahrungen der letzten Monate teilhaben zu lassen. Wir wollten wissen, inwiefern sie von den Corona-Maßnahmen betroffen waren und wie sie als Kollektiv darauf reagiert haben. Erfreulicherweise haben sich Kollektive aus unterschiedlichen Bereichen und verschiedenen StĂ€dten zurĂŒckgemeldet. So ist ein lesenswerter und abwechslungsreiche Schwerpunkt entstanden, der vor allem eines deutlich macht: Die Kollektive waren handlungsfĂ€hig und haben versucht, die Belange aller Betroffenen miteinzubeziehen. Oder wie das CafĂ©-Kollektiv aus Marburg (Seite 10) schreibt: »Unsere Struktur, die von SolidaritĂ€t, gleichen Rechten und konsensuellen Aushandlungsprozessen bestimmt ist, hat ihre großen StĂ€rken gezeigt.«

Die finanziellen Einschnitte waren fĂŒr alle Kollektive die grĂ¶ĂŸte Herausforderung – und sind es teilweise immer noch. Staatliche Hilfen und/oder Kurzarbeitergeld wurden zwar in Anspruch genommen, haben aber oft nicht gereicht. So war es auch die SolidaritĂ€t von außen, die die Betriebe am Laufen gehalten hat. Die Regenbogenfabrik in Berlin (Seite 11) hat Spenden aus ihrem jahrzehntelang aufgebauten Netzwerk erhalten – und konnte so die Existenzangst vorĂŒbergehend ĂŒberwinden. Und auch interne SolidaritĂ€t erhöht die Resilienz, wie das Locura-Kollektiv aus Köln berichtet (Seite 9): »Dadurch dass wir unseren Lohn selbst bestimmen und finanziell solidarisch sind, uns gegenseitig sichern, haben wir eine viel höhere Resilienz.« Trotzdem haben die Betriebe an finanzieller Sicherheit eingebĂŒĂŸt, RĂŒcklagen aufgebraucht und Investitionen verschoben.

Auch ein GefĂŒhl von Isolation konnten die Kollektive teilweise nicht vermeiden, wenn es keinen Kontakt mehr zu GĂ€sten gab, nur noch in festen Teams gearbeitet wurde oder Arbeitsbereiche zueinander Abstand gehalten haben. Gemeinsame Treffen und Plena haben nicht mehr stattgefunden oder wurden ins Internet verlagert, wĂ€hrend die Kollektivist*innen auch damit beschĂ€ftigt waren, ihr Privatleben auf die Reihe zu kriegen.

Die Krise wird auf jeden Fall weiterhin Spuren hinterlassen. Ein ZurĂŒck zum alten TagesgeschĂ€ft sei keine leichte Aufgabe, schreibt Michael Spiegel vom »Arsch und Friedrich«-Kollektiv in NĂŒrnberg (Seite 10). Und teilweise ist ein ZurĂŒck auch noch gar nicht möglich. FĂŒr das ehemalige Buskollektiv »Auf Extratour« aus Köln (Seite 12) ist immer noch unklar, welche Reisen stattfinden dĂŒrfen. Von Planungssicherheit kann also noch keine Rede sein. Trotzdem sind alle Kollektive vorsichtig optimistisch und sind sich einig, dass sie weitermachen wollen.

Link: kollektivliste.org


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Quelle: Contraste.org