November 24, 2021
Von Indymedia
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WĂ€hrend Kolumbien in der Öffentlichkeit den 5. Jahrestag des Friedensabkommens feiert, wird im lĂ€ndlichen Gebiet La Macarena einmal mehr deutlich, wie fragil der Frieden ist. WĂ€hrend Politiker und Prominente den Frieden loben, griffen am 18. November bewaffnete Gruppen das kollektive Sicherheitssystem der Friedensunterzeichner in einem Dorf in dem Gebiet von La Macarena an und setzten es in Brand. Dort befindet sich eine ehemalige Wiedereingliederungszone fĂŒr ehemalige Guerilleros der FARC-EP, die seit ihrem Bestehen der Gefahr von sich wieder bewaffneten Gruppen der FARC ausgesetzt sind. Das Gebiet La Macarena, im Dreieck der Provinzen CaquetĂĄ, Meta und Guaviare gelegen, ist seit jeher eine Bastion der aufstĂ€ndischen Bewegung. Sie ist derzeit das Epizentrum des sogenannten sĂŒdöstlichen Blocks um Gentil Duarte IvĂĄn Mordisco. Sie sind hier unter anderem mit der 1., der 7. und der 16. Front aktiv. Unter ihrem Kommando steht auch die Front Kommandant Jorge Briceño, ein Zusammenschluss aus Personen der alten Fronten 7, 40 und 62, die ihr Aktionsgebiet in La Macarena hat.

Der Zulauf in diese in den Medien als dissidentische Gruppen der FARC bezeichneten Strukturen kommt aber nicht von ungefĂ€hr, sondern hat mit dem fehlenden Vertrauen in den Staat, mit der Sicherheitslage und der NichterfĂŒllung des Abkommens zu tun. Es ist also eine Spirale in einem komplexen Konflikt. Von der neuen aufstĂ€ndischen FARC-EP werden die Friedensunterzeichner nicht mehr als Gesinnungsgenossen, sondern als VerrĂ€ter und Kollaborateure angesehen. So kam es zu der Situation wie im YarĂ­, also dem Gebiet im sĂŒdlichen La Macarena. Die sich verschlechternde Sicherheitslage der Bevölkerung, die Tatsache des Angriffs und der Druck der bewaffneten Gruppen haben nun dafĂŒr gesorgt, dass sich ĂŒber 100 Familien, darunter viele Kinder, zu einer kollektiven Zwangsumsiedlung in die Gemeinde El Doncello in CaquetĂĄ gezwungen sahen. Damit steht die Existenz der Wiedereingliederungszone UrĂ­as RondĂłn auf dem Spiel, aus der die Vertriebenen kamen.

Daraufhin kam es in der Kleinstadt El Doncello zu einem Treffen mit mehreren Institutionen, darunter FĂŒhrungspersonen aus der Wiedereingliederungszone, der staatlichen Behörde fĂŒr die Wiedereingliederung, Mitgliedern aus dem Rat fĂŒr Wiedereingliederung der Partei Comunes, Mitgliedern aus dem Stadtrat von El Doncello und auch Personen der Zweiten Mission der Vereinten Nationen (UN). Dort wurde auf diese Notsituation eingegangen und die Notwendigkeit zur Umsetzung eines sofortigen humanitĂ€ren Plans fĂŒr die Umsiedlung der Gemeinschaft gefordert. Bei dem Treffen wurde deutlich, dass die Schwierigkeit in der nahezu kaum geschehenen Umsetzung des Friedensabkommens hinsichtlich der Sicherheitsmaßnahmen liegt, die die IntegritĂ€t und das Leben der Friedensunterzeichner garantieren sollen. Deutlich wurde, dass es zwar eine ĂŒbermĂ€ĂŸige Militarisierung der Region gibt, diese aber die Sicherheitsprobleme fĂŒr die Gemeinden und fĂŒr die Friedensunterzeichner erhöht, weil Benzin ins Feuer gegossen wird und sich die Spirale der Gewalt dadurch nur erhöht.

Immer wieder wird klargemacht, dass eine Militarisierung der lĂ€ndlichen Region nicht gleich Sicherheit bedeutet, sondern vor allem Repression, EinschĂŒchterung und Stigmatisierung. HĂ€ufig fĂŒhrt es dazu, dass sich Personen der aufstĂ€ndischen Bewegung anschließen, die staatlichen SicherheitskrĂ€fte als Okkupationsarmee angesehen wird. TatsĂ€chlich sorgen erzwungene Zerstörungen von illegalen Kulturen wie Koka nicht zur Problemlösung, sondern schaffen neue. Es liegt in der effektiven Umsetzung des endgĂŒltigen Friedensabkommens mit alternativen Agrarprogrammen, der Zuteilung von Landbesitz und dem Fördern einer Infrastruktur fĂŒr die Regionen, um den Konflikt zu minimieren und den Bauern zu helfen. WĂŒrde das Friedensabkommen richtig umgesetzt und die Punkte erfĂŒllt werden, dann wĂ€re dem Frieden wesentlich mehr geholfen, als in permanenten MilitĂ€roperationen, die hier die einzige staatliche Intervention darstellen.




Quelle: De.indymedia.org