Mai 26, 2022
Von Indymedia
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Gentil Duarte hatte sein Operationszentrum der Strukturen im Osten des Landes und sein Herz war in der Provinz Guaviare. Daher gab es auch Spekulationen um seinen Aufenthalt und seinen Tod weit entfernt in Venezuela. Eine der Hypothesen könnte sein, dass er bei der Jagd der kolumbianischen Sicherheitsbehörden, vor allem bei der Operation der Polizei am 29. Juli 2021 in Agua Claro, Gemeinde San Vicente del CaguĂĄn, schwer verletzt wurde und sich wegen medizinischen GrĂŒnden in Venezuela befand. Es könnte auch eine Schutzmaßnahme sein, nach dem immer mehr Kommandierende ausgeschaltet worden sind, zuletzt zum Beispiel im Januar dieses Jahr im Westen des Landes Euclides España Caicedo alias „Jhonier“, der die Strukturen im Westlichen Koordinationskommando befehligte.

Der getötete Kommandant Gentil Duarte soll 56 Jahre alt geworden sein. Er stammte aus Florencia, Provinz CaquetĂĄ, und hatte rund 40 Jahre Erfahrung in der aufstĂ€ndischen Bewegung. Er stieg schnell innerhalb des ehemaligen Ostblocks der FARC-EP auf, seit er der 14. Front beigetreten war und schließlich die 7. Front befehligte. Als Kommandant dieser Front fĂŒhrte er vor allem AktivitĂ€ten in der Gemeinde La Macarena in der Provinz Meta durch. Schnell gewann er das Vertrauen der KĂ€mpfer und konnte ĂŒber gute Kontakte zum ehemaligen Oberkommandierenden des Ostblocks, alias Mono Jojoy oder auch Jorge Briceño aufwarten. Zuletzt war er nicht nur Teil des Generalstabs des Ostblocks, sondern auch Mitglied des Zentralen Generalstabs der FARC-EP und wurde Teil des Verhandlungsteams der Guerilla im Zuge der Friedensverhandlungen im kubanischen Havanna.

Kurz nach der AnkĂŒndigung von IvĂĄn Mordisco, nicht mit seiner 1. Front am Friedensprozess teilzunehmen und stattdessen den bewaffneten Kampf fortzufĂŒhren, sendete man Gentil Duarte nach Kolumbien, um dieses Problem zu lösen. Nach seiner Ankunft im Land bot ihm die 1. Front jedoch an, Teil dieser ersten sogenannten Dissidentengruppe zu werden. Seit Ende 2016 schloss sich Gentil Duarte dann der neuen FARC-EP an und baute die Guerilla im ganzen Land mit unterschiedlichen Strukturen auf. Dabei wurde ihm IvĂĄn Mordisco sogar unterstellt. Seit dem ist es den Strukturen der FARC-EP unter Gentil Duarte gelungen, im Osten und SĂŒdosten die Hoheit gegenĂŒber anderen Guerilla-Strukturen zu erlangen.

Mit der 1., 7., 28. und 62. Front ist die Guerilla besonders in CaquetĂĄ, Meta und Guaviare prĂ€sent. In der Provinz Arauca fĂŒhrt sie mit der 10. und 28. Front einen harten Kampf gegen ELN und FARC-EP, Zweites Marquetalia. Im Norden, in der Provinz Norte de Santander, ist sie mit der 33. Front unter alias „Jhon Mechas“ prĂ€sent. In der sĂŒdlichen Provinz Putumayo gibt es Operationen mit der Front Carolina RamĂ­rez. Auf der anderen Seite ist es der Linie um Gentil Duarte im SĂŒdwesten des Landes gelungen, sich durch das Westliche Koordinationskommando (CCO) zu konsolidieren und ihre PrĂ€senz in einem großen Teil des Departements Cauca, im Norden von Nariño, im SĂŒden und Osten von Valle de Cauca, sowie im Westen von Huila und Tolima auszubauen.

Mit IvĂĄn Mordisco gibt es zwar nun einen Kommandierenden, der Gentil Duarte wahrscheinlich gleichwertig ersetzen kann. Doch die Zukunft der Guerilla ist mehr denn je in unsicheren Bahnen, denn mit dem ELN und der FARC-EP, Zweites Marquetalia, unter IvĂĄn MĂĄrquez gibt es eine starke Allianz auf der anderen Seite, die enormen Druck auf bestimmte Territorien auslösen. Es wird fĂŒr neuen ZĂŒndstoff sorgen, wenn sich bestĂ€tigt, dass beide zusammenarbeitende Gruppen am Tod von Gentil Duarte beteiligt waren. Auf der anderen Seite sind die Strukturen der FARC-EP unter IvĂĄn Mordisco zumindest im SĂŒdosten so gefestigt, dass ihnen so schnell keine andere revolutionĂ€re Bewegung gefĂ€hrlich werden kann.




Quelle: De.indymedia.org