Mai 12, 2020
Von FAU Hamburg
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Wie jedes Jahr, so auch anscheinend weitgehend dem öffentlichen Bewusstsein entrĂŒckt, der 12. Mai der Tag der Pflege. Dabei wird auch an Florence Nightingale (12.05.1820 – 13.08.1910) erinnert, die als eine der BegrĂŒnder/*_Innen der modernen westlichen Krankenpflege einflussreiche Reformerin des SanitĂ€tswesens und der GesundheitsfĂŒrsorge Großbritannien und Verfasserin der GrĂŒndungsschriften der Pflegetheorie und gilt. Ihrer Ansicht nach war und ist die Pflegewissenschaft als eigenstĂ€ndige Disziplin von ebenso großer Bedeutung wie die Medizin. Hiervon ist heute wenig zu spĂŒren.

Seit Jahren arbeiten Menschen in der Alten- und Krankenpflege und in artverwandten Berufen, wie etwa Heilerzieher/*_Innen unter teils schwierigen bis desaströsen Bedingungen. Schichtdienst und Einzeldienste, Personalmangel und die Erwartung jederzeit einsatzbereit zu sein sind nur die sichtbaren Auswirkungen. Hinzu kommen als quasi berufsbedingte Begleiterscheinung hÀufig ErschöpfungszustÀnde bis zum Burn-Out, StresszustÀnde und bedingt durch den Schichtdienst oftmals auch Vereinzelung und Einsamkeit.
Die Leistung, die in diesen Berufen wird teilweise belĂ€chelt, da die oftmals von der Politik vertretenden Meinung diejenige ist, dass die entsprechende Arbeit von fast jedem nach einer kurzen Anlernphase erbracht werden kann. Beispielhaft hierfĂŒr wĂ€ren FSJler/*_Innen, BFDler/*_Innen, Praktikant/*_Innen und in der Folge auch von ungelernten AssistenzkrĂ€ften.
Entsprechend niedrig ist dementsprechend auch die Entlohnung, wie dies so hĂ€ufig in sog. „typischen Frauenberufen“ der Fall ist. Berufliche und private Care-Arbeit verbinden sich hier oftmals zu einer doppelten Belastung, Anerkennung und Bezahlung im Grunde gleich null. Produziert wird in diesem Sektor unter kapitalistisch verwertbarem Aspekt ja auch unmittelbar nichts.
Hinzu kommt eine ausgesprochen niedrige Tarifbindung in diesen Berufsgruppen. GeprĂ€gt von einem ĂŒberwiegend eher karitativen Berufsethos, mangelnder gesellschaftlicher Anerkennung und aber auch der eingeschrĂ€nkten Möglichkeiten fĂŒr bessere Bezahlung kĂ€mpfen oder gar streiken zu können (im Falle eines Streikes muss die Versorgung des Klientel weiterhin aufrechterhalten werden)oder auch das SolidaritĂ€tsempfinden in diesen Berufsgruppen nicht ausreichend ist.

Nun stellt die Corona-Krise die Welt ein StĂŒck weit auf den Kopf.
Plötzlich gelten PflegekrĂ€fte und Supermarktangestellte exemplarisch als systemrelevant und Held/*_Innen der Krise, als diejenigen, die die Gesellschaft unter anderem mit aufrechterhalten. Sie werden ĂŒberhĂ€uft mit Balkon-Applaus, kitschigen warmen Worten und billiger Schokolade. Die Arbeitsbedingungen aber sind noch immer die gleichen, bzw. haben sich vor dem Hintergrund der aktuellen Situation noch erschwert. Die schlechte Bezahlung und die mangelnde Tarifbindung, die kapitalistische Ausbeutung des Gesundheitssystems sind weiter existent. Selbst Bundesarbeitsminister Heil erkennt plötzlich, wie schlecht die Bezahlung in diesem beruflichen Sektor ĂŒblicherweise ist. (https://web.archive.org/
/i
/heil-lohn-pflegeberufe-101.html, zuletzt eingesehen am 05.05.2020).
Dennoch werden die UmstĂ€nde, die zu dieser Situation fĂŒhren mit keinem Wort in Frage gestellt. Statt dessen wird am System herum gedoktert und kritische ZustĂ€nde schön geredet oder durch massive Unterschreitung von Personaluntergrenzen in KrankenhĂ€usern kaschiert, PersonalengpĂ€sse in Pflegeeinrichtungen durch panikartige befristete Einstellung von ungelernten AssistenzkrĂ€ften und Aushilfen vertuscht. Auch, wenn COVID-19 dereinst bewĂ€ltigt sein mag – werden sich im Nachgang sicherlich keine Verbesserungen einstellen, im Gegenteil alles deutet auf die Aufrechterhaltung des kapitalistischen Gesundheitssystems hin. Dieses wird genauso exklusiv bleiben, wie jetzt auch werden Menschen am Rande der Gesellschaft weiterhin in Teilen oder gĂ€nzlich ausgeschlossen bleiben.

Pflege und Gesundheit gehören nicht in die HÀnde privater kapitalistischer Unternehmen.!
Wir fordern daher: eine Kollektivierung der Pflegeeinrichtungen und KrankenhĂ€user mit ausreichendem Urlaubsanspruch und einem Grundgehalt, das €20,– die Stunde fĂŒr das Pflegepersonal erreicht, sowie einen FlĂ€chentarif fĂŒr die Pflegeberufe. Steuerfreie Gefahren- und Schichtzulagen, ein Ende der Unterschreitung von Personal-Untergrenzen und in KrankenhĂ€usern und Pflegeeinrichtungen, bzw. eine adĂ€quate Personaldecke. Zugang zum Gesundheits- und Pflegesystem fĂŒr alle!




Quelle: Hamburg.fau.org