Mai 9, 2022
Von Indymedia
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Heute haben wir uns hier zur antifaschistischen Kranzniederlegung zusammengefunden, um in all seiner Heldenhaftigkeit an die Befreiung Nazideutschlands vor 77 Jahren zu erinnern. Dabei aber auch an den massenhaften, systematischen und industriellen Mord an Millionen Menschen zu erinnern, die aufgrund ihrer politischen, religiösen oder vermeintlich ethnischen Zugehörigkeit, sexuellen Ausrichtung oder NĂŒtzlichkeit von den Nationalsozialisten exekutiert wurden. Aus der Erinnerung an die Verbrechen entsteht fĂŒr die heutige Generation die Verantwortung, dafĂŒr zu sorgen, dass sich ein faschistischer Normalzustand niemals wieder aufbauen und etablieren darf. Geschichte wird zum Anlass genommen, zu erinnern und zu gedenken, aber auch um daraus zu lernen, Schlussfolgerungen zu ziehen und aktiv zu werden, fĂŒr eine Welt ohne Faschismus und ohne Krieg.

Der Schwur der befreiten HĂ€ftlinge des KZ Buchenwald ist nach wie vor aktuell! „Die Vernichtung des Faschismus mit all seinen Wurzeln, der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel“. Zum Erreichen dieses Ziels ist die gemeinsame revolutionĂ€r antifaschistische und antikapitalistische Arbeit in Praxis und Theorie notwendig, auch dies hat uns die Geschichte gelehrt.

Am 18.09.1949 wurde an diesem Ort das VVN-Ehrenmal fĂŒr die gestorbenen antifaschistischen WiderstandskĂ€mpfer aus Finsterwalde errichtet.

Die Namen von 12 WiderstandskĂ€mpfern, welche ermordet wurden oder durch die schlechten Haftbedingungen spĂ€ter verstarben, waren auf den beiden Steintafeln zu finden. 1996, 6 Jahre nach dem Ende der DDR, ließ die Stadt Finsterwalde das VVN-Ehrenmal entfernen und errichtete diese Stahlskulpturen. FĂŒr uns reicht das nicht, wir fordern wie jedes Jahr, dass das VVN-Ehrenmal wieder seinen alten Platz findet und den antifaschistischen WiderstandskĂ€mpfern wieder ehrenhaft gedacht wird.

Wir möchten heute auf einen der antifaschistischen WiderstandskÀmpfer aus Finsterwalde nÀher eingehen:

Paul Liehr, Möbeltischler, Gewerkschafter und aktives Mitglied der KPD geriet sofort 1933 wegen seines politischen Engagement in das Visier des faschistischen Überwachungsapparates und wurde deshalb mehrfach verhaftet. 1937 wurde Paul Liehr erneut verhaftet, weil ihm ein sogenanntes „Rundfunkverbrechen“ vorgeworfen wurde. Er veranstaltete getarnt als Kartenabende gemeinsam mit seinen Genossen kommunistische Hörerabende um Radio Moskau zu hören und um weitere politische Aktionen zu planen. Bei seiner Verhaftung in der Ackerstraße 9 wurden unter den Dielen Plakate des antifaschistischen Widerstands sowie dazugehörige Druckmaschinen gefunden. Nach der dreijĂ€hrigen Haftstrafe im Zuchthaus wurde Paul Liehr dann ins Konzentrationslager verschleppt.

Um unserer Forderung Ausdruck zu verleihen, errichten wir heute gemeinsam einen Nachbau des VVN-Ehrenmals und gedenken damit ehrenvoll den 12 antifaschistischen WiderstandskĂ€mpfern aus Finsterwalde, die fĂŒr den Kampf gegen den Faschismus ihr Leben ließen.

Auf den Tafeln des VVN Denkmals befinden sich die Namen der folgenden 12 antifaschistischen WiderstandskÀmpfer aus Finsterwalde:

Paul Liehr mit 59 Jahren verschollen

Max Gedalje mit 56 Jahren in Buchenwald gestorben

Willi Kamenz mit 37 Jahren verschollen

Joseph Vielkind mit 31 Jahren in Flossenburg gestorben

Kurt Felgentrebe mit 54 Jahren auf dem Transport gestorben

Max Schmidt mit 55 Jahren in Brandenburg hingerichtet

Josef Hittmann mit 38 Jahren im Lager Dachau gestorben

An den Leiden der Haftzeit verstarben nach der Befreiung Nazideutschlands:

Berthold Radlach mit 55 Jahren

Walter Hanschkatz mit 69 Jahren

Herbert Bender mit 33 Jahren

Hermann Fiebiger mit 26 Jahren

und

Martin Röhrs mit 42 Jahren

Wir wollen heute aber auch der antifaschistischen Betriebsgruppe der FIMAG gedenken, die es ermöglicht haben, dass Finsterwalde von den Bombardements der Alliierten verschont blieb und die Stadt Finsterwalde ohne großen Widerstand und Zerstörung am 21.04.1945 von der Roten Armee befreit werden konnte. Mit dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges fand sich eine Gruppe Arbeiter der FIMAG zusammen, welche aus Kommunisten, Sozialdemokraten und parteilosen bestand, um illegale Arbeit gegen den Faschismus zu entwickeln. Die Gruppe fĂŒhrte verschiedene Sabotage Akte in der Industrie aus, um die Produktion kriegswichtiger Komponenten zu verlangsamen oder zu verhindern. Als die Rote Armee kurz vor Finsterwalde war organisierten die antifaschistischen WiderstandskĂ€mpfer der FIMAG die widerstandslose Befreiung der Betriebe und der Stadt Finsterwalde sowie den umliegenden Dörfern. Nachdem sie Kontakt zur Roten Armee aufgebaut hatten und sich verstĂ€ndigten, dass die Rote Armee am Vormittag des 21. April 1945 Finsterwalde befreien wolle, hissten sie beim Eintreffen der Truppen in Finsterwalde Nord und auf dem FIMAG GelĂ€nde die weiße Fahne, öffneten die Werktore und entwaffneten den faschistischen Volkssturm, damit der Kommandoposten der Roten Armee in der FIMAG errichtet werden konnte. Von dort aus ĂŒberbrachte Berta Schwichtenberg den Befehl, die Stadt kampflos zu ĂŒbergeben, an den deutschen Stadtkommandaten, welcher den Befehl befolgte. Nach kurzen Kampfhandlungen in der Cottbuser Straße zogen die Verbliebenen SS-Einheiten ab und die Stadt Finsterwalde galt als offiziell befreit.

Freundinnen und Freunde, bleibt stets wachsam und wehret den AnfÀngen.

Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft. FĂŒr eine freie, entschlossene und revolutionĂ€r antifaschistische und antikapitalistische Bewegung.

Antifa Finsterwalde

 -Video folgt demnĂ€chst

-Die Geschichte der Befreiung von Finsterwalde demnĂ€chst digitalisiert im Archiv vom Infoladen “Black-Mask”




Quelle: De.indymedia.org