Juli 21, 2022
Von Soligruppe FĂŒr Gefangene
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Hier ein weiterer Text in Form einer Kritik an Mouvement Communiste, zum Krieg in der Ukraine, die Übersetzung ist von uns.


Kritischer Kommentar zur politischen Ausrichtung des Textes von Kolektivně proti Kapitálu – Mouvement Communiste

Einleitung von Class War – Tridni Valka

Der folgende Beitrag, der uns von GefĂ€hrten und GefĂ€hrtinnen aus dem Projekt des Proletarchivs geschrieben und zugesandt wurde, setzt sich kritisch mit einem Text von Collectively Against Capital – Mouvement Communiste (KPK/MC) auseinander. Wie der Titel schon sagt, wendet er sich gegen die unterschiedlichen Positionen zum Krieg in der Ukraine, die nicht nur von KPK/MC, sondern auch von anderen Gruppen und Organisationen vertreten werden.

Mit der Veröffentlichung dieses kritischen Beitrags wollen wir also keinen Privatkrieg gegen KPK/MC fĂŒhren. Vielmehr wollen wir die kommunistische Kritik am bourgeoisen Krieg im Allgemeinen gegen alle „kritische UnterstĂŒtzung“, „legitime Verteidigung gegen imperialistische Angriffe“ usw. hervorheben, die (gewollt oder ungewollt) das Proletariat in den bourgeoisen Krieg hineinziehen, es auf dem Altar von Vaterland und Nation opfern und zum Kanonenfutter machen.

Gegen den Versuch der KPK/MC, das Proletariat zur Verteidigung des demokratischen Regimes zu drĂ€ngen, das angeblich gĂŒnstiger fĂŒr den Klassenkampf sei, gegen ihre Definition des revolutionĂ€ren DefĂ€tismus als „kritische UnterstĂŒtzung des Widerstands“, stellt der Text die einzig mögliche Position der Kommunisten und Kommunistinnen gegen den Krieg dar: den Kampf des Proletariats gegen seine „eigene“ Bourgeoisie und seinen „eigenen“ nationalen Staat. Es ist der revolutionĂ€re DefĂ€tismus, der nichts anderes bedeuten kann, als dass das Proletariat den Feind, der sich in seinem „eigenen“ Land befindet, bekĂ€mpfen muss, um seine Niederlage herbeizufĂŒhren und so zur Vereinigung des Weltproletariats auf revolutionĂ€rer Grundlage beizutragen. Um direkt aus dem Text zu zitieren: „Das Ziel des proletarischen Widerstands sollte die Bourgeoisie und das Kapital sein, und nicht, wie KPK/MC sagt, eine der Krieg fĂŒhrenden Seiten. Wenn die Proletarier ihr Blut vergießen mĂŒssen, dann nur fĂŒr ihre eigenen Interessen. [Das heißt, im revolutionĂ€ren Kampf, damit in Zukunft kein Blut mehr vergossen wird. Anm. von CW-TV] Der Frieden ist keine bourgeoise Utopie, sondern ein Motto der Mobilisierung und ein Ziel fĂŒr die Zukunft nach der Überwindung des Kapitalismus durch den Klassenkampf.“

Einen weiteren starken Punkt des Textes sehen wir in der Definition des Staates als „organisierte Gewalt einer Klasse gegen eine andere“. Eine solche Definition steht in klarem Gegensatz zu einer sozialdemokratischen Definition des Staates (egal welche ideologische Familie sie verkörpert, „Anarchisten“, Leninisten, Syndikalisten
), die ihn mit einer „Regierung“ identifiziert, die nach dieser Logik entweder gestĂŒrzt, unterstĂŒtzt (wie es KPK/MC im Fall der Ukraine vorschlagen) oder sogar ĂŒbernommen werden muss, ohne dass ein wirklicher sozialer Wandel stattfindet.

Gegen die von der KPK-MC empfohlene UnterstĂŒtzung der „demokratischen Bewegung“, die erklĂ€rt, dass eine „offene Diktatur ein fĂŒr den Klassenkampf weniger gĂŒnstiges Terrain darstellt als die liberale Demokratie“, stellt der Text klar, dass es nicht im Interesse des Proletariats ist, eine Form gegenĂŒber einer anderen zu verteidigen, sondern sich als Klasse zu organisieren, um seine eigenen Interessen zu verteidigen: „Kommunisten sind weder Demokraten, die eine durch Kapitalismuskritik bereicherte demokratische Politik betreiben, noch diejenigen, die auf ein geeignetes demokratisches Terrain fĂŒr ihren Klassenkampf warten, noch ermutigen sie die Proletarier, fĂŒr demokratische Verfahren zu kĂ€mpfen.“

Wir könnten die weiter unten im Text geĂ€ußerte Kritik hinzufĂŒgen, dass es fĂŒr uns als Kommunisten natĂŒrlich nicht möglich ist, die Demokratie gegen die Diktatur zu verteidigen, wie es im Text klar zum Ausdruck kommt, denn sie sind die beiden Seiten derselben Medaille, der Diktatur des Kapitals, aber auch der Demokratie, die das eigentliche Wesen des Kapitalismus ist. Auf dieser Ebene der Analyse ist sie nicht eine bestimmte SphĂ€re oder eine einfache Form der Kapitalverwaltung, sondern die unverĂ€nderliche Essenz, die die Kapitalgesellschaft am Leben erhĂ€lt, indem sie die Proletarier atomisiert und gleichzeitig das freie Individuum – den StaatsbĂŒrger – auf einer fiktiven Basis der falschen Gemeinschaft der StaatsbĂŒrger, d.h. des Volkes, vereinigt. In diesem Sinne handelt es sich um eine praktische Leugnung der Existenz von Klassen mit gegensĂ€tzlichen Interessen und die konsequente Reproduktion der Gemeinschaft des Geldes, in der sich die Warenbesitzer als rechtlich freie und gleiche Subjekte begegnen, obwohl es sich nach wie vor um das VerhĂ€ltnis zwischen der Bourgeoisie als alleinigem EigentĂŒmer der Produktionsmittel und den Proletariern handelt, die nichts als ihre eigene Arbeitskraft besitzen.

Wenn also sowohl die „demokratischen“ als auch die „totalitĂ€ren“ Regime, unabhĂ€ngig von ihrer Ă€ußeren Form, im Wesentlichen Materialisierungen der Diktatur des Kapitals sind, so ist es gleichzeitig die Demokratie als die Kraft der Atomisierung und der Negation des Proletariats zugunsten der falschen Gemeinschaft der StaatsbĂŒrger und der Nation, die das Wesen dieser Diktatur ist.

Deshalb sind die Kommunisten nicht nur gegen die falsche Dichotomie von „Demokratie“ und „Diktatur“, sondern auch gegen die Demokratie als solche, die das Wesen der Diktatur des Kapitals ist.

Class War/Tridni Valka – Juni 2022

Kritischer Kommentar zur politischen Ausrichtung des Textes von Kolektivně proti Kapitálu – Mouvement Communiste „Ukraine: die Entwicklung der Situation und einige theoretische Bemerkungen“

Der Text akzeptiert die kriegerische Ausrichtung der westlichen Bourgeoisie und verbindet sie mit den Interessen des Proletariats. In dem Text entwickelt die K.P.K.-M.C. ein Analyseraster, das ihre spekulative politische Schlussfolgerung stĂŒtzt, indem sie sowohl von den Fakten als auch vom Realismus abweicht.

In ihrem Text wird der Imperialismus im Jahr 2022 gegen den Kolonialismus ausgetauscht. Allerdings gibt es auf der Welt keine Kolonien mehr zu erobern, die WeltmĂ€chte sind entwickelt, sie haben ihre EinflusssphĂ€ren aufgeteilt und ziehen nur noch an den Grenzen und der Tiefe ihres Einflusses in der Welt. Keine Nation hat hier noch Raum fĂŒr UnabhĂ€ngigkeit. Es ist nur ein weiteres Standbein der K.P.K.-M.C., eine unbegrĂŒndete Behauptung, die die folgende Richtung des Textes unterstĂŒtzt.

Das angeblich demokratische Terrain der Ukraine soll das objektiv fortschrittlichste Umfeld fĂŒr zukĂŒnftige KlassenaktivitĂ€ten sein. Sie zeichnen mögliche Verschiebungen in den möglichen zukĂŒnftigen Aktionen der Arbeiter (und zwar aus GrĂŒnden, die nur sie kennen, in Etappen und nicht spontan). Sie haben PlĂ€ne fĂŒr die fortschrittlichen AktivitĂ€ten des Proletariats – aber all dies sind spekulative Zukunftsszenarien, die die Fortsetzung der heutigen klassenĂŒbergreifenden Zusammenarbeit rechtfertigen sollen.

Der Text verstĂ€rkt die Verwirrung darĂŒber, was im russisch-ukrainischen Konflikt Klasseninteressen sind und was nicht. Die aktuellen sozialen Fragen und die unmittelbaren Interessen unserer Klasse sind durch den bourgeoisen Krieg noch weiter in den Hintergrund gedrĂ€ngt worden (die gelegentlichen Verzögerungen bei der Auszahlung von Löhnen und Renten sind etwas, das das Proletariat hinnehmen muss), und diese Ebenen (die unmittelbaren tĂ€glichen BedĂŒrfnisse der Proletarier) werden im Text der K.P.K.-M.C. ĂŒbersehen.

Die gelegentliche analytische Zuspitzung – „Der ukrainische Staat brach innerhalb von etwa einem Dutzend Tagen zusammen“ /Zitat aus K.P.K.-M.C. M.C./ kann kaum akzeptiert werden, wenn man sie mit den tĂ€glichen Informationen ĂŒber die AktivitĂ€ten der (wenn auch korrupten) staatlichen Institutionen und Unternehmen des Staates und der StĂ€dte in der Region Transkarpatien vergleicht (ArbeitsĂ€mter, Stadtratssitzungen, bestehende Kontrollen: vom Parken ĂŒber den öffentlichen Verkehr bis hin zur polizeilichen Kontrolle und der BekĂ€mpfung der gewöhnlichen KriminalitĂ€t sowie der Improvisation bei der BewĂ€ltigung neuer, durch den Krieg verursachter Situationen) oder dem Willen der westlichen MĂ€chte, der ukrainischen Regierung Waffen und anderes Material anzuvertrauen.

Der Staat im marxistischen Sinne, der Staat als organisierte Gewalt einer Klasse gegen eine andere, ist nicht zusammengebrochen. Die SchwĂ€chung einiger seiner bestehenden Rollen bedeutet nicht seinen Zusammenbruch. Die soziale Rolle des ukrainischen Staates ist seit vielen Jahren reduziert worden. Ein Beispiel dafĂŒr ist die GesundheitsfĂŒrsorge, wo jede einzelne Injektion, die eine Krankenschwester verabreicht, vom Patienten bezahlt wird, wo ein Krankenhausaufenthalt die externe Versorgung mit Lebensmitteln durch die Familie erfordert, weil die Leistungen und das Essen in den KrankenhĂ€usern miserabel sind. An Beispielen fĂŒr das soziale Elend in der Ukraine (und auch in Russland) mangelt es nicht.

1) K.P.K.-M.C. stellt den nationalen Standpunkt und das nationale Interesse als die Interessen des Proletariats dar

„Die ukrainische Bevölkerung wehrt sich gegen den Eindringling. Und das ist nur zu erwarten. Die Verteidigung der StĂ€dte und Dörfer ist vor allem die Verteidigung ihrer Lage gegen die dramatische Verschlimmerung durch den Krieg. Die Freiheit eines demokratischen Regimes ist in ihren Augen einer militĂ€rischen Besatzung vorzuziehen. Der Widerstand im weiteren Sinne muss also als bewaffnete Demokratiebewegung verstanden werden.“ /Zitat aus K.P.K.-M.C./

Die K.P.K.-M.C. gibt die Verteidigung der IntegritĂ€t der Ukraine und der herrschenden VerhĂ€ltnisse als eine materielle Verteidigung der Lebensbedingungen aus. Die K.P.K.-M.C. lĂ€sst die allgemeine ideologische Ausrichtung, die Motive und das VerstĂ€ndnis der Lebensbedingungen der ukrainischen Arbeiter außer Acht und gibt nur die Ideologie im Text wieder, wĂ€hrend sie wie im Westen von Freiheit und Demokratie spricht. Die Masse der ukrainischen Arbeiter, die es vorgezogen haben, im Ausland zu arbeiten, zeigt, dass die gegenwĂ€rtigen Bedingungen eine hinreichend miserable RealitĂ€t sind. Viele ukrainische Arbeiter reisen regelmĂ€ĂŸig fĂŒr einige Wochen vom ökonomisch toten lĂ€ndlichen Raum in die GroßstĂ€dte, oft entweder nach Kiew oder in die großen russischen StĂ€dte, um dort zu arbeiten. Was verteidigen sie?

Die K.P.K.-M.C. macht sich nicht die MĂŒhe zu beschreiben, was „Freiheit eines demokratischen Regimes“ wirklich bedeutet, d.h. das Sprachengesetz gegen mehr als 20% der ukrainischen Bevölkerung, das jahrelange Verbot jeglicher kommunistischer Parteien und Gruppen und Symbole, GefĂ€ngnisstrafen fĂŒr alle Aktivisten separatistischer Politik (nicht nur russischer), die laufende nationalistische Umbenennung von Straßen, die SĂ€uberung von PlĂ€tzen von russischem Einfluss, d.h. die Demontage von Statuen russischer Literaten. Folter, EntfĂŒhrungen, Liquidierung der prorussischen Opposition oder von Organisationen, die bereit sind, mit ihren russischen Partnern zu verhandeln, durch den SBU. Die Entwicklung setzt sich logischerweise fort in der Beschneidung der Rechte der Arbeiter, neuen Verboten von politischen Parteien und Gruppen, willkĂŒrlichen Bestrafungen von PlĂŒnderern


Die K.P.K.-M.C. macht sich nicht die MĂŒhe, dieser Wahl des geringeren Übels eine reale Dimension zu geben, indem sie die Situation nach der Besetzung der Krim vergleicht, d.h. von der EinschrĂ€nkung des politischen Pluralismus und der öffentlichen MeinungsĂ€ußerung bis hin zu EntfĂŒhrung, Folter und Verfolgung von UnabhĂ€ngigkeitsaktivisten, Verfolgung der politischen Opposition oder der tatarischen Minderheit. Sie nehmen die Grautöne nicht mehr wahr, die sie frĂŒher selbst gerne benutzten.

Die demokratischen Inhalte und Absichten der bisher freiwilligen loyalistischen Selbstorganisation werden ĂŒberschĂ€tzt. Es gibt keine auf demokratischen Prinzipien und Rechten basierende Bewegung, die sie in Konflikt mit der Regierung bringen wĂŒrde. Und selbst wenn dies der Fall wĂ€re, wĂŒrden die Klasseninteressen aufgrund des Inhalts der Bewegung selbst vernachlĂ€ssigt werden.

Inzwischen werden die ukrainischen Arbeiter auch Zeuge von Banditentum, RĂŒcksichtslosigkeit und Schmarotzertum durch „ihre eigenen“ Leute.

– PlĂŒnderungen von zerstörten und verlassenen HĂ€usern werden auch von freiwilligen Einheiten begangen, wobei nur einige bestraft werden.

– Es gibt einen illegalen Handel mit humanitĂ€rer Hilfe, den der Staat nur unzureichend zu bekĂ€mpfen versucht, und einen Schwarzmarkt fĂŒr auslĂ€ndische HilfsgĂŒter.

– Die Preise fĂŒr Waren steigen, die Kriegssituation wird von HĂ€ndlern ausgenutzt, der Staat versucht unwirksam, die Preisgestaltung der EndverkĂ€ufer von GrundgĂŒtern durch leicht korrumpierbare Beamte zu kontrollieren.

– Die korrumpierte Ukraine, die seit einigen Jahren vom Ausland bewaffnet wird, hat immer noch keine GrundausrĂŒstung fĂŒr ihre Soldaten – Stiefel, Westen, Helme
 Wehrpflichtige Ukrainer oder solche, die zur Armee gegangen sind, um Geld zu verdienen, ziehen es vor, das notwendige Material fĂŒr die Front zu kaufen oder anderweitig zu beschaffen.

– Die KrankenhĂ€user sind nicht in der Lage, verkrĂŒppelte Soldaten angemessen und kostenlos zu versorgen (der ukrainische Staat hat nicht einmal Prothesen fĂŒr seine verkrĂŒppelten Soldaten).

– Proletarier, die die fĂŒr die Ausreise erforderlichen Bescheinigungen nicht bezahlen oder nicht genug Geld fĂŒr die Grenzkontrollen haben, werden in ihr Heimatland zurĂŒckgeschickt. Arbeitslose, arbeitsfĂ€hige MĂ€nner werden innerhalb des Landes inhaftiert.

– Der ukrainische Staat mag einige seiner Nachbarn kritisieren und seine Einwohner lehren, sie zu hassen, aber seine Arme sind immer noch weit geöffnet, um ihre Hilfe zu empfangen. Der ukrainische Staat ist ein Abgrund, in dem die auslĂ€ndische Hilfe verschwindet, wĂ€hrend nur ein Teil davon zu den Proletariern durchsickert, die sie wirklich am meisten brauchen.

2) „Der Patriotismus ist das verbindende Element und bildet die Hauptgrenze dieser Bewegung. DarĂŒber hinaus gibt es innerhalb des Widerstands paramilitĂ€rische Formationen der extremen Rechten, die völlig ungestraft agieren und sich zunehmender Beliebtheit erfreuen, und die ihre KampffĂ€higkeit im Donbas unter Beweis gestellt haben. Die Form des Widerstands ist leider durch Patriotismus verunreinigt.“ /Zitat von K.P.K.-M.C./

Unter dieser OberflĂ€che gibt es nichts Reines; der Patriotismus ist kein Ă€ußerer Ausdruck, wie ihn die K.P.K.-M.C. darstellt. Der Nationalismus ist dieser bourgeois-demokratischen Bewegung inhĂ€rent und ist einer ihrer Hauptinhalte. Diese Bewegung ist eine billige VerlĂ€ngerung des schwachen ukrainischen Staates, sie wird von der ukrainischen Regierung koordiniert und ist ein provisorisches Organ des Staates. Es gibt keine politische oder sonstige Autonomie, und das ist auch der Grund, warum die K.P.K.-M.C. keine Aufzeichnungen ĂŒber sie fĂŒhrt. Im Gegenteil, die Netzwerke, die Deserteure und Wehrdienstverweigerer (Familie, Freunde, Bekannte
) verstecken, sind kleine positive Beispiele.

3) „Indem sie die ihnen von der russischen Armee auferlegte Kampfform akzeptierten (an Ort und Stelle fixiert sein und das Territorium verteidigen) 
“ /Zitat aus K.P.K.-M.C./

Es ist notwendig, einen der Faktoren zu erwĂ€hnen, und zwar, dass der Feind durch seine AnnĂ€herung, durch seine Aktionen einen Raum schafft, der dann von den ukrainischen KrĂ€ften zum Kampf genutzt wird. Der Beginn der Invasion war nicht im Sinne der Liquidierung der Bevölkerung, die Ukrainer standen nicht vor der Wahl „kĂ€mpfen oder getötet werden“. Sie nutzen den Spielraum, den ihnen das Vorgehen der Russischen Föderation bietet, um sich zu widersetzen.

Die Form des Kampfes richtet sich nach dem Inhalt und es ist billig von der K.P.K.-M.C., alles auf die Russische Föderation zu schieben. Der Klassenkampf wĂŒrde andere Formen finden, andere Wege, sich an die russischen Soldaten zu wenden, er wĂŒrde andere PrioritĂ€ten in seiner Agitation und seinen praktischen Aufgaben haben, er wĂŒrde die Formen im VerhĂ€ltnis zu ihrem Inhalt wĂ€hlen, aber das ist natĂŒrlich im Moment nicht der Punkt. Die Form des Kampfes der Ukrainer ist der Ausdruck des bourgeoisen Aufstandes (der Tausende von Momenten fĂŒr die Ukraine), mehr nicht.

4) „Die erste Pflicht der Kommunisten ist es, die demokratische bewaffnete Bewegung mit allen Mitteln (die heute sehr schwach sind) zu ermutigen, sich von der symbolischen Vormundschaft des ukrainischen Staates zu befreien, der bereits zusammenbricht, indem sie an ihre proletarische Komponente – die große Mehrheit der Freiwilligen – appellieren, den Widerstand auf die Verteidigung ihrer eigenen Interessen gegen ihren Staat und ihre Bosse (die sicherlich bei der ersten Gelegenheit die Seiten wechseln werden) zu verankern.“ /Zitat aus K.P.K.-M.C./

ZunĂ€chst sollten wir betonen, dass es sich bei der Klasse nicht um gentrifizierte staatsbĂŒrgerliche Arbeiter handelt, die bourgeois geworden sind], die in der Territorialverteidigung kĂ€mpfen. Die bourgeoise Bewegung kann nicht verĂ€ndert werden, man kann nur mit ihr brechen, sich von ihr lösen. Eine kritische UnterstĂŒtzung dieser bourgeoisen Bewegung, wie sie heute besteht, fĂŒhrt nur zur StĂ€rkung des Staates, zur StĂ€rkung der HandlungsfĂ€higkeit der derzeitigen Regierung, zur Vertiefung des Krieges, zur fortschreitenden Brutalisierung des Krieges, zur Erhöhung der Zahl der Toten. Die UnterstĂŒtzung der bewaffneten demokratischen Bewegung ist in Wirklichkeit nichts anderes als eine UnterstĂŒtzung des westlichen Imperialismus mit seiner ukrainischen Regierung. Die Idee der so genannten Emanzipation vom Staat ist nur eine Form des bourgeoisen Libertarismus und keine Hinwendung zu Klasseninteressen. MilitĂ€rische Einheiten, die unter den gegenwĂ€rtigen Bedingungen „nichtstaatlicher“ wĂŒrden, wĂŒrden nicht weniger bourgeois werden.

Und was wĂ€re der Inhalt der Abkopplung der bewaffneten demokratischen Bewegung vom Staat in dieser Fantasie? In der Zwischenzeit soll auf Ersuchen des Generalstabs und des Kommandos der StreitkrĂ€fte der Ukraine (19.4.) die Entwaffnung der Territorialverteidigung im Westen der Ukraine und der Abtransport der AusrĂŒstung (Javelin, Stinger, NLAW) in die HĂ€nde der regulĂ€ren Armee erfolgen. Wenn es ein Tauziehen um Waffen aus dem Westen gibt, dann zwischen der bourgeois-nationalistischen Bewegung und der derzeitigen Regierung. Beide Akteure stehen den Klasseninteressen feindlich gegenĂŒber. Es ist notwendig, in erster Linie ĂŒber den Inhalt zu sprechen, und nicht ĂŒber VertikalitĂ€t oder HorizontalitĂ€t, ĂŒber seinen demokratischen Charakter, ĂŒber die Organisationsformen des zivilen Aufstandes.

Die Kommunisten mĂŒssen sich nur um die Interessen ihrer eigenen Klasse kĂŒmmern, die Bourgeoisie tut dasselbe, und es gibt keine neutrale Politik. Die Kommunisten sollten daher die unmittelbaren Interessen der Proletarier, ihre Klasseninteressen, Standpunkte und Perspektiven im Auge behalten und sich weigern, einen demokratischeren Horizont der bestehenden Bewegung zu fördern, wie ihn sich die demokratischen ParteigĂ€nger der K.P.K.-M.C. vorstellen. „Kooperativismus“ bei der FĂŒhrung des bourgeoisen Krieges ist absurd. Das Proletariat wird nicht gewinnen, wenn es in dieser Situation die Zusammenarbeit zwischen den Klassen stĂ€rkt. Ganz zu schweigen von der VerstĂ€rkung der Desorientierung der Proletarier in anderen LĂ€ndern.

5) „Solange keine Klassenpolarisierung innerhalb des populĂ€ren Widerstands auftritt, rufen die Kommunisten nicht zur Schaffung von proletarischen Freiwilligenbrigaden auf, die fĂŒr die soziale Revolution kĂ€mpfen. Diese Losung ergibt nur dann Sinn, wenn sich die untergeordneten Klassen mit eigenen politischen und bewaffneten Strukturen ausstatten, die sich politisch und militĂ€risch klar vom populĂ€ren Widerstand unterscheiden.“ /Zitat aus K.P.K.-M.C./

Ein schön organisierter politischer Plan fĂŒr die „Schaffung von proletarischen Freiwilligenbrigaden“ zur Schaffung einer „eigenen bewaffneten Struktur“ – schöner gradualistischer Idealismus und Organisationsmuster, das die K.P.K.-M.C. hier auftischt. Wir mĂŒssen an die Klasseninteressen, die sozialen Forderungen und den sozialen Kampf appellieren, der, wenn er in dieser Situation entstehen wĂŒrde, unmittelbar, elementar und spontan entstehen wĂŒrde. Selbst wenn es nicht genĂŒgend Ohren gibt, die bereit sind, einer solchen Agitation zuzuhören, ist dies kein ausreichender Grund, die „bourgeoise Plattform“ zu akzeptieren, die ohnehin zu bourgeoisen Inhalten neigen wird. Die AnnĂ€herung an die soziologisch definierten Proletarier innerhalb der populĂ€ren nationalen UnterstĂŒtzung des ukrainischen Krieges um den Preis der Abweichung von den historischen Interessen des Proletariats ist, wie wir weiter unten sehen werden, ein Rezept fĂŒr die PopularitĂ€t der Kommunisten. Eine weniger sterile Rhetorik gegenĂŒber diesem Publikum ist jedoch die Rhetorik der klassenĂŒbergreifenden Kollaboration, d.h. die Opferung des Proletariats fĂŒr die Bourgeoisie.

6) „Trotzdem interpretieren die Kommunisten den revolutionĂ€ren DefĂ€tismus nicht pazifistisch. Die Degradierung des revolutionĂ€ren DefĂ€tismus zum Pazifismus drĂŒckt sich heute in der Ablehnung der kritischen UnterstĂŒtzung des Widerstandes nach der klassischen Übung der Gleichsetzung der „Kriegsparteien“ aus.“ /Zitat aus K.P.K.-M.C./

Beide Seiten sind bourgeois, nicht identisch gleich. Kritische UnterstĂŒtzung = einfach eine UnterstĂŒtzung. Ideologen suchen die esoterischen Tiefen, in die das Proletariat gehen muss, um seine Interessen mit der Bourgeoisie zu vereinen. Die Verteidigung eines so genannten demokratischeren Regimes, das grĂ¶ĂŸtenteils eine Illusion ist, ist nach Ansicht der K.P.K.-M.C. offensichtlich wichtiger als der Tod, die zerstörte Gesundheit und die Zerstörung der bescheidenen BesitztĂŒmer der Proletarier, ihrer HĂ€user, ihrer Lebensbedingungen durch die VerschĂ€rfung des bourgeoisen Krieges. Aber das Ziel des proletarischen Widerstandes sollte die Bourgeoisie und das Kapital sein und nicht, wie die K.P.K.-M.C. vorgibt, eine der Kriegsparteien. Wenn die Proletarier Blut vergießen sollen, dann nur fĂŒr ihre eigenen Interessen. Der Frieden, nicht als eine bourgeoise Utopie, sondern als mobilisierende Losung, sogar als Ziel in der Zukunft nach der Überwindung des Kapitalismus durch den Klassenkampf, wird hier nicht berĂŒcksichtigt, und durch pragmatischen Realismus kommt die K.P.K.-M.C. zu einer Rechtfertigung, sich mit dem kapitalistischen Elend des Augenblicks anzufreunden. Proletarier, akzeptiert, was ihr habt, auch wenn es ein bourgeoiser Krieg ist, euren Tod!

7) „In Anwendung dieser Linie haben die aus der Kommunistischen Internationale hervorgegangenen linken Kommunisten, von wenigen Ausnahmen abgesehen, sofort die Niederlage des Proletariats im Zweiten Weltkrieg erklĂ€rt, sich in ihre kleinen Kreise zurĂŒckgezogen, sich in Sekten verwandelt und sich von jedem Versuch einer proletarischen Organisation unabhĂ€ngig von den Stalinisten und Sozialdemokraten des Widerstands abgeschnitten. Diese Politik trĂ€gt zur politischen Entwaffnung des Proletariats bei und bestĂ€tigt faktisch im Rahmen des gegenwĂ€rtigen Krieges in der Ukraine die russische Politik der Annexion und Zerstörung.“ /Zitat aus K.P.K.-M.C./

Die AktivitĂ€ten der italienischen Kommunisten im Partisanenwiderstand fĂŒhrten zu ihrer Liquidierung durch die Stalinisten. Die AktivitĂ€ten der kommunistischen Linken, die Agitation in den Guerilla-Einheiten, in den militanten populĂ€ren Bewegungen, bei öffentlichen Veranstaltungen, in den Organisationen des populĂ€ren Widerstands, wurden seit den 1920er Jahren von rivalisierenden Stalinisten und Sozialdemokraten aller Art unterdrĂŒckt, zum Schweigen gebracht, diskreditiert, bei den RepressionskrĂ€ften denunziert. Wir können kaum glauben, dass die K.P.K.-M.C. nicht ĂŒber diese Informationen verfĂŒgt, und doch verbreitet sie die Ohnmacht der Strategie, als Lakai in der bourgeoisen Bewegung zu dienen, d.h. das Opfer der Proletarier fĂŒr die bourgeoise Bewegung.

Das heutige Proletariat ist lĂ€ngst durch die Illusionen der Demokratie, durch die Politik der gewĂ€hlten Regierung politisch entwaffnet worden, und seine Zerstörung geht im bourgeoisen patriotischen Krieg weiter. Was nĂŒtzt ihm der Tod im Vergleich zur Kapitulation, zur Niederlage des eigenen Staates und der eigenen Regierung? Die Zerstörung hier wird von der K.P.K.-M.C. fĂ€lschlicherweise nur der Russischen Föderation zugeschrieben, als ob es keinen Zusammenhang oder Willen der ukrainischen Regierung und der gesamten bourgeoisen Bewegung gĂ€be, diesen Krieg fortzusetzen. Was nĂŒtzt den toten Proletariern das demokratische Terrain (das nicht sicher ist, sich nicht in Richtung eines grĂ¶ĂŸeren Autoritarismus zu bewegen), das die K.P.K.-M.C. mit ihrem Tod aufwertet? Der K.P.K.-M.C. geht es hier offensichtlich mehr um die bourgeoise territoriale Aufteilung als um das Überleben der Proletarier. Selbst wenn die KrĂ€fteverhĂ€ltnisse in der Ukraine und die daraus resultierenden westeuropĂ€ischen VerhĂ€ltnisse ĂŒberwiegen, ist ein demokratisches Regime es nicht wert, sich im Krieg zu opfern. In dieser Hinsicht musste die Ukraine allerdings noch propagandistisch eingefĂ€rbt werden. Die Orientierung der Proletarier ist heute immer und ĂŒberall dieselbe, sich an den eigenen Interessen zu orientieren, so wie es die Bourgeoisie egoistisch immer tut.

„Das wĂ€re gleichbedeutend damit, die Annexion eines guten Viertels des Territoriums der Ukraine durch Russland zu akzeptieren.“ /Zitat aus K.P.K.-M.C./

Die K.P.K.-M.C. fĂŒrchtet hier die Annexion, aber sie fĂŒrchtet nicht die Leichen der Proletarier, die geopfert werden, um diese Annexion zu verhindern.

9) „Ebenso stellt die offene Diktatur ein fĂŒr den Klassenkampf weniger gĂŒnstiges Terrain dar als die liberale Demokratie. Die Kommunisten unterscheiden sich jedoch von den aufrichtigen Demokraten, von den Bevölkerungen, die auf Frieden hoffen, durch ihre Politik, die im Kapitalismus und allen seinen Staatsformen, ob demokratisch oder nicht, die Wurzeln des Krieges, des Leids und der Zerstörung aufzeigt, die vor allem die beherrschten Klassen verwĂŒsten.“ /Zitat aus K.P.K.-M.C./

Kommunisten sind weder Demokraten, die eine demokratische Politik betreiben, die durch eine Kritik des Kapitalismus bereichert wird, noch diejenigen, die auf ein geeignetes demokratisches Terrain fĂŒr ihren Klassenkampf warten, noch ermutigen sie die Proletarier, fĂŒr demokratische Verfahren zu kĂ€mpfen. Die unmittelbaren Forderungen, die Interessen der Proletarier, sind durch den Krieg noch mehr an den Rand gedrĂ€ngt worden, und das gilt auch fĂŒr die K.P.K.-M.C.

10) Eine Klassenposition wurde in den Text der K.P.K.-M.C. aufgenommen, leider nur als rhetorischer Zusatz: „Konkret, heute wie immer, fĂŒr den Frieden zu kĂ€mpfen, bedeutet also, mit allen Mitteln die Umwandlung des kapitalistischen Krieges in einen Klassenkrieg zu fördern.“

Um dann fortzufahren, die vereinten Anstrengungen der Klassen, Krieg zu fĂŒhren, zu heiligen:

„In der Ukraine, wie ĂŒberall, wo kapitalistische bewaffnete Konflikte ausbrechen, wĂ€re das Szenario, das objektiv am gĂŒnstigsten fĂŒr den Klassenkrieg ist, der den kapitalistischen Krieg erstickt, das eines Krieges, der weitergeht, begleitet von wachsenden Verlusten in den russischen Reihen, und in dem der populĂ€re Widerstand vollstĂ€ndig und endgĂŒltig den Platz der regulĂ€ren ukrainischen Armee einnimmt. Die Verwirklichung dieses Szenarios wĂŒrde den sterbenden ukrainischen Staat noch mehr schwĂ€chen und in Russland eine politische Krise hervorrufen, die fĂŒr das Auftreten einer anhaltenden und massiven Anfechtung des Staates unerlĂ€sslich ist. Schließlich wird dieses Szenario die WidersprĂŒche innerhalb des so genannten „westlichen“ Lagers verschĂ€rfen und als Beispiel dienen, um Peking von der Vorbereitung seiner Annexion Taiwans abzubringen.“ /Zitat aus K.P.K.-M.C./

Das gĂŒnstigste Szenario fĂŒr die K.P.K.-M.C. ist der fortgesetzte Tod, der fortgesetzte bourgeoise Krieg, gefolgt (als Wunsch) vom Protest gegen den Staat. Der Wunsch ist hier ein Ă€hnliches Szenario, das die Proletarier fĂŒr die antifaschistische Klasseneinheit ĂŒberzeugt. Zuerst muss der öffentliche Raum von den Faschisten gesĂ€ubert werden (oder im national-liberalistischen Sinne muss zuerst der Besatzer gemeinsam besiegt werden), wobei die BedĂŒrfnisse der Proletarier vorĂŒbergehend vergessen werden, und dann wird auch die proletarische Politik angeblich Raum zum Handeln haben. Dies ist eine fĂŒr die Stalinisten typische Politik. In Wirklichkeit hat sie eine Fortsetzung
 das Proletariat wird stĂ€ndig von der Bourgeoisie betrogen und bringt in diesem gemeinsamen Kampf die grĂ¶ĂŸten Opfer. Die gegenwĂ€rtige klassenĂŒbergreifende demokratische Bewegung ist alles und die Ziele und BedĂŒrfnisse des Proletariats sind im Moment nichts. Pragmatismus und MitlĂ€ufertum fĂŒhren hier zur UnterstĂŒtzung der bourgeoisen Bewegung. Das Proletariat in der Tschechischen Republik war in den letzten 30 Jahren nicht in der Lage, das Terrain der Demokratie zu nutzen, und in der Ukraine sollte das Proletariat fĂŒr das vermeintliche demokratische Terrain (eine rein ideologische Idee) sterben. Wenn es keine Klasse gibt, die sich ihrer Interessen bewusst ist, dann hat sie auch keine Möglichkeit, eine politische Krise oder eine SchwĂ€chung des Staates fĂŒr ihre Klasseninteressen zu nutzen. Der K.P.K.-M.C.-Theorie fehlt ein Akteur, sie sucht nach spekulativen Wegen zur SchwĂ€chung des Staates, ohne die Arbeiter aufzufordern, praktische Schritte zur Verteidigung ihrer unmittelbaren Interessen zu unternehmen. Die K.P.K.-M.C. ist der extreme FlĂŒgel der demokratischen sozialen Bewegung – die demokratische Verteidigung des Massakers an den Proletariern.

11) „
 es ist ein Kampf zur Verteidigung des Lebens vor seiner Stalinisierung, einer RĂŒckkehr der „Sowjetzeit“ mit Repression und Zensur und der UnterdrĂŒckung der individuellen und kollektiven Freiheiten
“

Die ökonomische Basis des Stalinismus existiert in Russland nicht und genauso wie die Liberalen macht die K.P.K.-M.C. in diesem Kommentar auf ihrer Facebook-Seite der arbeitenden Bevölkerung mit Stalinismus Angst.


Email: proletarchiv@yahoo.com / www.proletarchiv.yolasite.com




Quelle: Panopticon.blackblogs.org