August 4, 2021
Von SchwarzerPfeil
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Um die Ursachen und Auswirkungen der Protestwelle, die am 11. Juli in Kuba ausbrach, zu erforschen, prÀsentieren wir ein Interview mit zwei kubanischen Anarchist_innen und eine Stellungnahme einer anarchistischen Initiative in Kuba. Via CrimethInc.

Wir haben eine breite Palette von ErklĂ€rungen fĂŒr die Proteste in Kuba gehört. Rechte AnhĂ€nger_innen des Kapitalismus geben der kubanischen Regierung die Schuld und behaupten, dass die Proteste auf das Versagen des Einparteien-Sozialismus zurĂŒckzufĂŒhren sind. Selbsternannte Antiimperialist_innen beschuldigen die Regierung der Vereinigten Staaten und behaupten, dass diese Proteste auf eine verdeckte US-Intervention hindeuten. Andere geben den US-Sanktionen gegen Kuba die Schuld und behaupten, dass diese hauptsĂ€chlich fĂŒr die wirtschaftlichen Bedingungen verantwortlich sind, die die Proteste ausgelöst haben. Jede dieser ErzĂ€hlungen enthĂ€lt ein Körnchen Wahrheit, aber alle greifen zu kurz, um das Ganze zu erfassen.

Wie sehen die Menschen in Kuba die Proteste? Wenn wir nicht einfach unsere eigenen Annahmen auf die Ereignisse projizieren wollen, sollten wir als erstes die Kubaner_innen fragen, wie sie das Geschehen verstehen. NatĂŒrlich gibt es unzĂ€hlige verschiedene Perspektiven unter den Teilnehmenden einer populĂ€ren Protestbewegung — aber wir können damit beginnen, diejenigen zu befragen, deren Politik der unseren Ă€hnlich ist.

Eine der sichtbareren kubanischen anarchistischen Gruppen ist der Alfredo López Libertarian Workshop (Taller Libertario Alfredo López), eine anarchistische, antiautoritÀre und antikapitalistische Initiative, die 2012 entstanden ist. Sie sind Teil der Anarchistischen Föderation der Karibik und Zentralamerikas und einer der Gruppen aus dem ABRA Sozialzentrum und der LibertÀren Bibliothek.

Das ABRA Sozialzentrum und die LibertÀre Bibliothek.

Anfang Januar 2021, lange vor dem Beginn der jĂŒngsten Protestbewegung, veröffentlichte der Alfredo LĂłpez Libertarian Workshop eine ErklĂ€rung, in der sie ihre politischen Positionen darlegten. Sie begannen damit, ihren Widerstand gegen die von den USA verhĂ€ngten Handelssanktionen zum Ausdruck zu bringen:

1.) Wir verurteilen jegliches Embargo gegen die kubanische Bevölkerung, egal ob es von außen oder von innen, von irgendeinem Staat, ob USA oder nicht, verhĂ€ngt wird. Wir unterstĂŒtzen radikal die volle Entfaltung der schöpferischen FĂ€higkeiten unserer Bevölkerung — ihre Selbstorganisation, Subsistenz und Selbstbefreiung — in einer Welt, die mehr SolidaritĂ€t und Kooperation braucht.

Zweitens bezweifelten sie, dass die plötzliche Eskalation der sozialen Unruhen in Kuba zwangslĂ€ufig zu positiven Ergebnissen fĂŒhren wĂŒrde, wenn den Arbeiter_innen und armen Menschen Strukturen zur Selbstorganisation fehlen:

2.) Wir unterstĂŒtzen keine Provokationen, die auf eine soziale Explosion abzielen. Dies wĂ€re unter den gegenwĂ€rtigen UmstĂ€nden des organisatorischen RĂŒckgangs der Arbeiter_innenklassen und der prekĂ€rsten Segmente der Gesellschaft tragisch.

Diese Position löste eine Kontroverse aus — siehe z.B. diese Antwort des exilkubanischen Anarchisten Gustavo RodrĂ­guez, der die GrĂŒnde untersucht, warum Anarchist_innen eine „soziale Explosion“ [explosiĂłn social] wie die jĂŒngsten AufstĂ€nde in Chile und Kolumbien unterstĂŒtzen könnten.

Nichtsdestotrotz veröffentlichte der Alfredo LĂłpez Libertarian Workshop vor wenigen Tagen eine ErklĂ€rung, die die jĂŒngsten Proteste in Kuba bekrĂ€ftigte. Es ist bezeichnend, dass eine Organisation, die sich skeptisch ĂŒber „Provokationen, die auf eine soziale Explosion abzielen“ geĂ€ußert hat, das Narrativ zurĂŒckgewiesen hat, dass die Proteste das Ergebnis von Manipulation sind:

Jetzt geopolitische Argumente ĂŒber den Platz Kubas in der imperialen globalen Strategie vorzubringen, zu argumentieren, dass die regierungsfeindlichen Proteste in Kuba zwangslĂ€ufig von der kubanischen Rechten in Miami bezahlt werden, dass die Demonstrierenden einfache Kriminelle sind, die plĂŒndern wollen, dass die wahren RevolutionĂ€r_innen in der Regierung sind — das sind alles Argumente, die einen bedeutenden Teil der RealitĂ€t beschreiben, aber sie gehen an einem Punkt vorbei. Die Menschen in Kuba haben genauso das Recht zu protestieren wie die in Kolumbien und Chile. Was ist der Unterschied? Dass es Oligarchien mit anderen UrsprĂŒngen sind? Mit mehr oder weniger brutalen Praktiken? Mit mehr oder weniger unterscheidbaren Tarnungen? Mehr oder weniger unterwĂŒrfige Haltungen gegenĂŒber der US-Regierung? Mehr oder weniger erhabene Ideen, um ihre Privilegien zu rechtfertigen?

Der Punkt hier ist einfach, aber er ist wesentlich. Arme Menschen in Kuba, wie arme Menschen ĂŒberall, haben das Recht, fĂŒr sich selbst einzutreten. Wer könnte besser als sie wissen, wann es fĂŒr sie notwendig ist zu handeln?

„Wenn du protestierst, wird eine noch schlimmere Regierung an die Macht kommen.“ Dies ist ein Vorwand, den jede Regierung nutzen kann, um die UnterdrĂŒckung von Opposition zu rechtfertigen — und praktisch jede Regierung hat das getan. Wenn wir diese Ausrede legitimieren, stellen wir uns auf die Seite eines Teils der herrschenden Klasse gegen einfache Menschen wie uns und leugnen, dass sie wissen, was das Beste fĂŒr sie ist. Wenn wir uns weigern, den Ausgebeuteten und UnterdrĂŒckten unsere SolidaritĂ€t zu gewĂ€hren, werden sie unweigerlich nach rechts tendieren — so wie sie es im gesamten ehemaligen Ostblock getan haben. Wenn wir die einfachen Demonstrierenden an Orten wie Kuba im Stich lassen, geben wir der extremen Rechten eine einmalige Rekrutierungsmöglichkeit.

Wir sollten das, was in Kuba passiert, in einem globalen Kontext verstehen. Die Menschen protestieren nicht nur in einer Nation. Menschen protestieren in Frankreich, in Hongkong, in Katalonien, im Libanon, in Ecuador, in Chile, in den Vereinigten Staaten, in Belarus, in Russland, in Tunesien, in Brasilien, in Kolumbien. Zahllose Menschen in dramatisch unterschiedlichen geopolitischen Kontexten, unter dramatisch unterschiedlichen Regimen, haben Ă€hnliche Taktiken angewandt, um Ă€hnliche MissstĂ€nde auszudrĂŒcken. Das deutet darauf hin, dass das, was hier vor sich geht, tiefer liegt als das Versagen der kubanischen Regierung oder die Manipulationen der US-Regierung.

Obwohl die Proteste in Kuba durch spezifische wirtschaftliche Entwicklungen ausgelöst wurden, können wir ein paar gemeinsame FĂ€den identifizieren, die praktisch alle der oben genannten Beispiele verbinden. Erstens sehen wir ĂŒberall ein zunehmendes WohlstandsgefĂ€lle und Sparmaßnahmen — vom unverhohlenen Kapitalismus der Vereinigten Staaten ĂŒber die sozialdemokratischen LĂ€nder Nordeuropas bis hin zu autoritĂ€r sozialistischen LĂ€ndern wie China und Nicaragua. Zweitens investieren all diese Regierungen zur gleichen Zeit, in der sie Sozialprogramme und Schutzmaßnahmen kĂŒrzen, betrĂ€chtliche Ressourcen in die Intensivierung von staatlicher Gewalt und Überwachung. Folglich sind praktisch alle von ihnen mit LegitimitĂ€tskrisen konfrontiert, ob diese nun die Form von nationalen UnabhĂ€ngigkeitskĂ€mpfen, populistischen Bewegungen, Forderungen nach „mehr Demokratie“ oder echten horizontalen sozialen Bewegungen annehmen.

Sowohl die Sparmaßnahmen als auch die verstĂ€rkte Polizeiarbeit treffen die am meisten unterdrĂŒckten und verarmten Bevölkerungsgruppen in jedem Land unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig stark — von den Schwarzen Gemeinschaften in den Vereinigten Staaten bis hin zu den sĂŒdostasiatischen Gastarbeiter_innen im Nahen Osten — wĂ€hrend sie gleichzeitig die ReaktionĂ€re aufrĂŒtteln, die Angst haben, ihre Privilegien zu verlieren. Die COVID-19-Pandemie hat diese Situation nur noch verschlimmert und die Kluft zwischen Arm und Reich, Herrschenden und Beherrschten dramatisiert.

Was in Kuba passiert, ist also nicht einzigartig — und es ist nicht nur das Ergebnis von Fehlverhalten oder Intervention der Regierung.[1] Wenn wir die Dinge auf diese Weise sehen, wird unsere Verantwortung klar.

Es liegt nicht in der Macht von Anarchist_innen, autoritĂ€re Regime aus dem 20. Jahrhundert zu unterstĂŒtzen, noch sollten wir das versuchen. Unsere Hoffnungen an die wenig erfolgsversprechenden Aussichten eines staatlichen Projekts zu knĂŒpfen und unser Streben nach Befreiung mit dessen UnzulĂ€nglichkeiten in Verbindung zu bringen, wird uns nur diskreditieren, genauso wie der Zusammenbruch der UdSSR den Sozialismus in Russland diskreditiert hat und das Scheitern von Syriza den Weg fĂŒr die rechtsextreme Partei Neue Demokratie in Griechenland geebnet hat. Wir mĂŒssen eine neue Generation von Bewegungen aufbauen, die sich auf zeitgenössische BasiskĂ€mpfe stĂŒtzen, um die Probleme, die der Kapitalismus auf globaler Ebene aufwirft, in Angriff zu nehmen. Unsere Verantwortung liegt bei den einfachen Menschen in Kuba, nicht bei denen, die sie regieren. Wir sollten mit denjenigen in Kontakt treten, die mit prinzipiellen Formen der Selbstverteidigung und Selbstbestimmung experimentieren, um in SolidaritĂ€t mit ihnen zu handeln — unter den Regimen, die heute herrschen, und unter den Regimen, die ihnen morgen folgen könnten.

In diesem Sinne laden wir dich ein, das folgende Interview mit kubanischen Anarchist_innen ĂŒber die kĂŒrzlichen Ereignisse zu lesen. Im Anschluss an das Interview folgt eine ErklĂ€rung vom Alfredo LĂłpez Libertarian Workshop.

Jede_r Gelehrte bringt vorgefertigte Ideen in die Diskussionen ĂŒber Kuba ein.

Wir haben zwei kubanische Anarchist_innen interviewt. Der eine ist im Alfredo LĂłpez Libertarian Workshop in Havanna tĂ€tig. Die andere ist in Projekte außerhalb Havannas, anderswo auf der Insel, involviert; Anarchist_innen aus den USA trafen sie und ihre GefĂ€hrt_innen im FrĂŒhjahr 2019. Beide bleiben zu ihrer Sicherheit anonym.

Wie wĂŒrdest du dich selbst bezeichnen und wie bist du in der kubanischen Gesellschaft verortet?

Anarchistin von außerhalb Havannas (im Folgenden AAH): Ich bin eine arbeitende Frau. Ich gehöre zwei Organisationen an, einer Gewerkschaft und einer Vereinigung der kreativen Jugend.

Anarchist aus dem Alfredo López Libertarian Workshop (im Folgenden ALLW): Ich bin Anarchist und arbeite mit dem Alfredo López Libertarian Workshop. Ich bin auch Student an der UniversitÀt von Havanna und beteilige mich an verschiedenen Projekten und Arten von Aktivismus.

Was konntest du als Anarchist_in dort machen?

AAH: Die Anarchist_innen hier sind kleine Subkulturen, die vereint sind. Alle kommen miteinander aus und helfen sich gegenseitig. Als Anarchist_in kann man viel tun — was auch immer fĂŒr das Wohl der Menschen im Allgemeinen notwendig ist.

ALLW: Ich habe mich hauptsĂ€chlich fĂŒr die Befreiung der UniversitĂ€tsstudent_innen eingesetzt, die wĂ€hrend und nach dem 11. Juli verhaftet wurden. Wir konnten eine Gruppe von Student_innen und Ehemaligen zusammenstellen, die einen Beschwerdebrief an das Ministerium fĂŒr Höhere Bildung schickten und Druck ausĂŒbten, die Verhafteten so schnell wie möglich freizulassen. Wir wurden in diesem Prozess nicht von Schikanen und EinschĂŒchterungen verschont, da in Kuba die Reform der UniversitĂ€ten vom Staat ĂŒbernommen wurde, der die UniversitĂ€tsverwaltung und die studentische Organisation (die Föderation der UniversitĂ€tsstudent_innen, FederaciĂłn de Estudiantes Universitarios, FEU) zusammen mit der Kommunistischen Partei dominiert. Um die Student_innen einzuschĂŒchtern, damit sie sich nicht organisieren, hat der Staat denselben Vorwand benutzt, um die Proteste zu diskreditieren: dass wir verwirrt sind.“

Abgesehen von meiner Rolle in universitĂ€ren Kreisen, habe ich auch getan, was ich konnte, um die Gesten der SolidaritĂ€t zu unterstĂŒtzen, die schon vor den Protesten stattfanden, um der Gesundheitskrise, die das Land erfasst hat, zu begegnen. Heutzutage ist das einer der relevantesten selbstorganisierten Prozesse in Kuba, und unser Kollektiv ist sich einig, dass es wichtig ist, daran teilzunehmen. Dies mit anderen aktuellen Bewegungen zu verbinden, wird auch ein wichtiger Schritt sein, um bedingte SolidaritĂ€t zu ĂŒberwinden, die am Ende verschwindet oder vom Staat verschlungen wird.

Ein von Anarchist_innen organisierter Guerilla-Garten — Teil des neuen PhĂ€nomens des Umweltschutzes in Kuba, der eine antiautoritĂ€re Strömung in sich trĂ€gt. Dieser Garten wurde auf einer ehemaligen MĂŒllhalde in der Nachbarschaft angelegt.

Wie haben die Proteste begonnen?

AAH: Die KrankenhĂ€user sind in schlechtem Zustand; es gibt nicht genug Medikamente und GerĂ€te, damit die Ärzt_innen ihre Arbeit machen können und leider sterben die Menschen. Wenn man Lebensmittel finden kann, sind sie viel zu teuer, um sie sich leisten zu können. Es ist bekannt, dass die US-Blockade besteht und dass dies bedeutet, dass andere LĂ€nder keinen Handel mit Kuba treiben können, und deshalb sind die Dinge rar. Unter diesen Bedingungen ist es notwendig, jede humanitĂ€re Hilfe zum Wohle der Menschen anzunehmen. Es gab eine Hilfslieferung, die nicht angenommen wurde. [Mehr Informationen hier].

Die Proteste begannen aufgrund des Versagens der KrankenhĂ€user in Matanzas und dem Mangel an Medikamenten. Durch die sozialen Medien begannen die Berichte der Provinz geistige Kraft zu geben. Andere Provinzen hatten die gleichen Probleme, nur weniger schwerwiegend, und wĂŒrden sich bald in der gleichen Situation befinden. Es war ein Impuls, von dieser Situation und anderen, der die Menschen zum explodieren brachte, nicht nur auf sozialen Medien, sondern draußen auf der Straße.

Sie schalteten den Strom fĂŒr sechs Stunden am Tag ab, weil ein thermoelektrisches Kraftwerk Probleme hatte. Am Sonntag, den 11. Juli, konnte man ĂŒber soziale Medien wie Facebook sehen, wie die Menschen in den Provinzen auf die Straße gingen und die Welt um humanitĂ€re Hilfe baten, um die Situation auf der Insel zu verbessern.

Das thermoelektrische Kraftwerk wurde noch am selben Tag repariert, so dass alle Kubaner_innen Strom in ihren HĂ€usern haben konnten.

ALLW: Die Proteste begannen außerhalb von Havanna, in Gebieten, die von der Versorgungsknappheit, den exzessiven QuarantĂ€nen und den bis zu 12 Stunden andauernden StromausfĂ€llen geplagt wurden. Zusammen mit der angesammelten sozialen Unzufriedenheit aus der gegenwĂ€rtigen Krise, die durch die VerschĂ€rfung des US-Embargos und die Misswirtschaft der Regierung hervorgerufen wurde — deren Höhepunkt die Umsetzung einer Reihe von Maßnahmen zu Beginn des Jahres war, die zu einer erhöhten Inflation und dem Wachstum des Schwarzmarktes fĂŒhrten — bedeutete dies, dass in einer Gemeinde wie San Antonio Hunderte von Menschen auf die Straße strömten, um ihre Unzufriedenheit auszudrĂŒcken. Nach der Wirkung dieser Demonstration in den sozialen Medien folgten weitere Proteste in Gegenden, die unter Ă€hnlichen Problemen leiden. Gegen 16 Uhr breiteten sich die Demonstrationen landesweit aus.

Welche Formen der Organisation und des Protests hast du auf und außerhalb der Straßen gesehen?

ALLW: Der Protest in San Antonio war sehr heterogen. So wie ich es verstanden habe, startete eine Gruppe eine Karawane, die durch andere StĂ€dte zog, wĂ€hrend eine andere Gruppe an Ort und Stelle blieb und an einem Punkt mit dem kubanischen PrĂ€sidenten zusammentraf, der sich auf dem Weg dorthin befand. Im Rest des Landes hatten sie einen Ă€hnlichen Charakter; Berichten zufolge waren bis 16 Uhr alle friedlich. Erst nach DĂ­az-Canels KommuniquĂ©, in dem er seine „RevolutionĂ€r_innen“ zur Konfrontation mit den Demonstrierenden aufrief, kam es zu einer harten Repression gegen die friedlichen Demos und zu heftigen ZusammenstĂ¶ĂŸen mit der Polizei. (Die Hauptstadt hatte bereits kurz zuvor den PolizeiknĂŒppel rund um das Kapitol-GebĂ€ude, den Sitz der Nationalversammlung, zu spĂŒren bekommen.)

DarĂŒber hinaus gab es nicht viel Organisation. Alle Demos waren spontan und endeten desorientiert und leicht zerstreut. Die Abschaltung des Internets reduzierte auch ihre Sichtbarkeit, wĂ€hrend eine unmittelbare Flut von (Des-)Informationen vom Staat verkĂŒndete, dass die Proteste an vielen Orten beendet seien. Die Kommunikation erlitt wĂ€hrend dieses ganzen Prozesses einen großen Schlag, da die einzigen Dinge, die durchkamen, die verzerrten Nachrichten der offiziellen Medien und viele Fake News waren, die ĂŒber Messaging-Apps verbreitet wurden. Dies trug erheblich zum Abbau der Spannungen bei, aber die RĂŒckkehr des Internets und die Veröffentlichung von Berichten ĂŒber die Repression haben keine vollstĂ€ndige RĂŒckkehr zur NormalitĂ€t ermöglicht. In diesen Tagen konzentrieren sich die HauptorganisationsrĂ€ume auf den Kampf fĂŒr die Freilassung der Verhafteten — laut einigen Listen mehr als 500 Personen.

Ein anarchistischer Infoladen in Kuba.

Was ist deine Analyse der Protestbewegung? Welche sozialen und politischen Tendenzen sind an ihr beteiligt? Wie groß ist die UnterstĂŒtzung in der Bevölkerung?

AAH: Es gibt verschiedene Generationen in Kuba, einschließlich derer, die die Zeit des Kapitalismus erlebt haben, die unter den Folgen der Regierung von [Fulgencio] Batista gelitten haben und die geholfen haben, die Revolution zu machen, so dass wir eine kostenlose Gesundheitsversorgung und Bildung haben konnten. Dank dieser haben sie lesen und schreiben gelernt. Dieser Teil der Bevölkerung unterstĂŒtzt die Regierung.

Dann gibt es die jĂŒngere Generation, die ĂŒber Internet verfĂŒgt und Wert auf ein „anstĂ€ndiges Leben“ legt — wir reden hier nicht von Luxus, sondern nur von dem Wunsch, dass man sich mit einem Job angemessen ernĂ€hren kann, denn auf dem kubanischen Tisch ist es schwierig, ein FrĂŒhstĂŒck mit Milch, ein Mittagessen mit einem Ei und, sagen wir, ein Abendessen mit einem kleinen StĂŒck Fleisch oder GemĂŒse zu bekommen. Diese Generation ist an GehĂ€lter gewöhnt, die kaum fĂŒr die Ausgaben einer Woche reichen. Vor kurzem wurden die GehĂ€lter erhöht, aber mit der Verknappung ist der Preis fĂŒr alles in die Höhe geschossen und die GrundbedĂŒrfnisse sind unmöglich zu bezahlen. Der einzige Ort, an dem man Lebensmittel oder Reinigungsmittel, HaushaltsgerĂ€te und Ă€hnliches bekommen kann, sind GeschĂ€fte, die nur Karten mit Dollar akzeptieren, die aus anderen LĂ€ndern geschickt werden mĂŒssen, weil Kuba sie nicht verkauft.

ALLW: Die Demonstrationen waren ohne Zweifel eine soziale Explosion. Die Krise und die Spannungen, die durch die PrekaritĂ€t und den Zusammenbruch des Gesundheitssystems entstanden sind, haben sie ausgelöst. Nun, es war keine allgemeine Explosion in allen sozialen Schichten. Jenseits der Gebiete, in denen bedeutende Teile der StĂ€dte involviert waren, fĂŒhrten die Ă€rmsten Teile der Bevölkerung den Großteil der Proteste durch. Die klassistische Voreingenommenheit, mit der der Staat und seine Verteidigenden an das Thema herangegangen sind, zeigt sich in der Kritik an den Demonstrierenden und ihrer Gewalt. Die soziale Ungleichheit ist in Kuba seit Jahrzehnten gewachsen und der Staat hat mit dieser Dynamik gespielt, um Allianzen zu schmieden und LoyalitĂ€ten zu sichern. In diesem Fall gab es einen Zusammenstoß zwischen den am meisten benachteiligten und privilegierten Sektoren. Dieser Konflikt spiegelt sich sogar im Diskurs der staatsloyalsten Teile der Linken wieder. Die Demonstrationen wurden als kriminelle Aktionen dargestellt (die von den USA aus instrumentiert wurden), wobei die Klassengrundlage ignoriert wurde.

Es wĂ€re schwierig, eine politische Tendenz in den Demonstrationen zu definieren (jenseits der liberalen Slogans). Die Menschen gingen auf die Straße, um ihrer prekĂ€ren Situation ein Ende zu setzen — das war ihre Hoffnung, ohne einen anderen Kompass als die Straße, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Was die UnterstĂŒtzung fĂŒr die Proteste angeht, wĂŒrde ich es nicht wagen, einen Prozentsatz zu schĂ€tzen. Aber seit dem 11. Juli hören die Menschen nicht mehr auf, darĂŒber zu sprechen, was passiert ist


Wie hoch ist die UnterstĂŒtzung in der Bevölkerung fĂŒr die Regierung und gegen die Proteste? Welche sozialen und politischen Tendenzen spielen bei der UnterstĂŒtzung des Staates eine Rolle?

ALLW: Es gibt definitiv einen großen Teil, der die Regierung unterstĂŒtzt. Dieser Teil besteht hauptsĂ€chlich aus Menschen, die weniger arm sind und durch ihre Integration in das System privilegiert sind. Das waren die „RevolutionĂ€r_innen“, zu denen DĂ­az-Canel am 11. Juli gesprochen hat.

Der alte ideologische Apparat der Partei zeigt sich in der UnterstĂŒtzung fĂŒr die Regierung. Dieser ist nicht unbedingt in die wirkliche, verborgene Macht hinter dem Staat integriert, an deren Spitze Arturo LĂłpez-Callejas steht, ein MilitĂ€roffizier und PrĂ€sident der GAESA [Grupo de AdministraciĂłn Empresarial SA, das kubanische Wirtschaftskonglomerat im Besitz der RevolutionĂ€ren StreitkrĂ€fte], welches das grĂ¶ĂŸte Wirtschaftskonglomerat des Landes ist. Es sind die linken Kreise, die seit Jahren versuchen, mit einer halbherzigen Kritik an der BĂŒrokratie und einer heftigen Kritik an Dissident_innen die Leiter der Macht zu erklimmen, und ein großer Teil der lateinamerikanischen und internationalen Linken, die sich auf die Seite des falschen antiimperialistischen Diskurses des Staates geschlagen haben. All dies wird in den offiziellen Medien ausgestrahlt — die jetzt aufgrund des fehlenden Internets besser verfĂŒgbar sind — und hat die Dinge vielleicht etwas auf die Seite des Staates gekippt. Aber um es noch einmal zu sagen: Es ist schwierig, in diesem Moment ein Gleichgewicht der KrĂ€fte anzunehmen. In Wahrheit könnte es angesichts der objektiven Situation des Landes eher frĂŒher als spĂ€ter zu einem erneuten Bruch kommen, und diese Monate oder Wochen werden besser definieren, welchen Charakter er annehmen wird.

Die Geschichte steht fĂŒr niemanden still — aber wir können uns dafĂŒr entscheiden, mit ihr Schritt zu halten, wenn wir wollen.

Wie ernst nimmst du den Vorwurf, dass die Proteste von KrÀften koordiniert werden, die mit der Regierung der Vereinigten Staaten verbunden sind? Wer, denkst du, profitiert am meisten von den Protesten?

AAH: Ich glaube nicht, dass die Proteste mit der US-Regierung verbunden sind. Niemand, der auf die Straße ging, wurde von irgendeiner Institution bezahlt; sie gingen hinaus, um um Hilfe zu bitten. Viele sind keine Kriminellen oder Marginalisierte, sondern Arbeiter_innen und Student_innen.

Ich bin mit der Haltung der Polizei nicht einverstanden. Sie können nicht einfach eine Person misshandeln, nur weil sie eine andere Meinung hat. Es muss Meinungsfreiheit herrschen und es darf keine militĂ€rische Intervention geben: das ist Krieg. Ich stimme auch nicht mit dem PrĂ€sidenten ĂŒberein, der zum Kampf aufgerufen hat, weil es keinen BĂŒrgerkrieg geben darf.

In der Vergangenheit haben Gruppen aus anderen LĂ€ndern versucht, die Regierung zu stĂŒrzen, indem sie Leute in Kuba bezahlten. Aber das, was jetzt passiert, ist nicht so. Es war ein Anstoß zur schnellen UnterstĂŒtzung des Gemeinwohls in diesem Land.

ALLW: Die nordamerikanische Einmischung ist hier schon eine alte Geschichte. Schon lange vor dem Sieg der Revolution war bekannt, welchen Stellenwert die Vereinigten Staaten auf Kuba haben. Vor allem seit den 1990er Jahren haben sie einen subversiven Plan entwickelt, der bereits in anderen Teilen der Welt angewendet wurde. Die Umsetzung dieses Plans hat in den letzten Jahren zugenommen, ist aber immer wieder gescheitert und hat eine nationale Debatte ĂŒber die politische Zukunft des Landes angeregt. Jetzt zu sagen, dass diese Politik der Vereinigten Staaten gegenĂŒber Kuba die soziale Explosion hervorgerufen hat, lĂ€sst außer Acht, dass die GrĂŒnde, aus denen die Menschen auf die Straße gegangen sind, eher mit dem schrecklichen Missmanagement der Krise durch die BĂŒrokratie und der enormen Zunahme der PrekaritĂ€t, die ihre Politik provoziert hat, zu tun haben. Die Menschen haben auch die breite InkohĂ€renz zwischen dem, was in den offiziellen Medien gesagt wird, und dem, was in der RealitĂ€t passiert, gesehen, und das hat auch dazu beigetragen, den Staat zu diskreditieren.

FĂŒr die Menschen war die interventionistische Politik der Vereinigten Staaten nicht mehr als das irritierende GerĂ€usch einer MĂŒcke in ihren Ohren, im Vergleich zu dem stĂ€ndigen HĂ€mmern des staatlichen Unsinns.

NatĂŒrlich lehnen wir als Anarchist_innen eine solche imperialistische Politik gegenĂŒber unserem Land ab, aber es ist nicht der Punkt, an dem wir die Verantwortung fĂŒr die nationale Situation sehen.

Viele bezeichnen diese Proteste als die grĂ¶ĂŸten Anti-Regierungs-Mobilisierungen seit 30 Jahren. Scheinen diese Proteste in einem Ă€hnlichen Zusammenhang zu stehen, oder sind sie unterschiedlich?

ALLW: Diese Explosion ist definitiv historisch. Ich weiß von nichts Vergleichbarem seit 1959. Der Unterschied ist durch mehrere Elemente gekennzeichnet: Erstens, die Wiederholung einer Situation wie in der Krise der 1990er Jahre, aber ohne die Hegemonie, die durch eine Persönlichkeit wie Fidel Castro verkörpert wird, oder die gleichen KapazitĂ€ten fĂŒr SolidaritĂ€t wie vor Jahren, die jetzt alle durch die Kooptation vieler Initiativen durch den Staat aufgebraucht sind. Zweitens hat eine nationale RealitĂ€t, die durch das Internet sichtbarer geworden ist, dazu beigetragen, dass die Nachrichten ĂŒber die aufeinanderfolgenden Proteste die Angst ĂŒberwunden haben, die die Demonstrationen vormals durchdrungen hatte. Das dritte Element ist die Erosion des Sozialpakts und des Projekts der „Revolution“, die bisher beispiellos war.

Irgendwelche abschließenden Gedanken?

AAH: Zum Abschluss
 um einen Ausdruck zu verwenden und noch einmal zu lachen: Wir Kubaner_innen sind wie der Delfin: „Bis zum Hals im Wasser und immer lachend.“

Ein Lachen, das aus den Gesichtern der Delfine in einem Meer, das grau geworden ist, ohne das BlaugrĂŒn der Hoffnung, verschwunden ist.

Ein Song, den ich geschrieben habe:

A song that I wrote:

“MIEDO”


Desde que nacĂ­,
Estoy escuchando algo,
Algo que susurra y nadie hablando,
Shhh las paredes tienen oidos
Shhh las paredes tienen oidos,


Miedo en la escuela,
Miedo en la casa,
Miedo en la calle
Miedo en el aire,


Yo quiero gritar
Quiero respirar
Pero es imposible volver a soñar
Es un miedo que asfixia
Es un control social
Disturbio cerebral
Shhh las paredes tienen oidos
Shhh las paredes tienen oidos
Oyeeé no te calles
Oyeee no te calles

_Yo quiero gritar.


Ever since I was born,
I’ve been listening to something,
Something that whispers and no one is talking,
Shhh the walls have ears
Shhh the walls have ears,

Fear in the school,
Fear in the house,
Fear in the street
Fear in the air,

I want to shout
I want to breathe
But it’s impossible to dream again
It’s a fear that suffocates you
It’s social control
A riot in the brain
Shhh the walls have ears
Shhh the walls have ears
Heyyy don’t shut up
Heyyy don’t shut up
I want to shout




Jede Band, die diesen Song spielen will, sollte es tun – und bei jedem mal sagen, dass er fĂŒr Kuba ist.

„Jede Regierung ist ein Feind ihrer Bevölkerung.“

Der folgende Text wurde vor Kurzem von der Alfredo López Libertarian Workshop veröffentlicht.

Der repressive soziale Bann, der die internationale Linke museal beschwichtigt hielt, ist gebrochen. Unter der „kubanischen Revolution“ ist der „kubanische Staat“ in all seiner Rohheit öffentlich in Erscheinung getreten. Derselbe kubanische Staat, der, um dem US-Imperialismus die Stirn zu bieten, eine omniprĂ€sente politische Polizei geschaffen hat, um die von ihm kontrollierte Gesellschaft zu bekĂ€mpfen. Derselbe kubanische Staat, der im Namen des Sozialismus alle Basis- und Arbeiter_innenorganisationen zerstört hat, die dieses Wort zu einer tĂ€glichen RealitĂ€t machten. Derselbe kubanische Staat, der SolidaritĂ€t in eine internationale Marke verwandelt hat, wĂ€hrend er uns in einem stĂ€ndigen Zustand des Misstrauens und der Angst zwischen Nachbar_innen hĂ€lt. Derselbe kubanische Staat, der inmitten der VerschĂ€rfung der US-Blockade mehr Hotels fĂŒr auslĂ€ndische Tourist_innen baut als Infrastrukturen zur Produktion von Milch und Obst. Derselbe kubanische Staat, der den einzigen Impfstoff in Lateinamerika gegen COVID-19 hergestellt hat, aber sein Gesundheitspersonal grundsĂ€tzlich als unbezahlte HilfskrĂ€fte der politische Polizei sieht. Jener kubanische Staat, der in diesen Tagen des Juli 2021 bewiesen hat, was er ist: eine mafiöse Oligarchie in Reinkultur, eine vulgĂ€re Kleptokratie mit dem Anschein von Humanismus und Erleuchtung. Eine Machtpyramide, die so massiv und ĂŒberdimensioniert ist wie die einsamen Megalithen der Osterinsel.

Jetzt geopolitische Argumente aufrechtzuerhalten, ĂŒber Kubas Platz in der imperialen globalen Strategie; zu argumentieren, dass die Anti-Regierungs-Proteste in Kuba zwangslĂ€ufig von der kubanischen Rechten in Miami bezahlt werden; zu argumentieren, dass die Protestierenden einfach Kriminelle sind, die auf PlĂŒnderungen aus sind, dass die wirklichen revolutionĂ€ren Leute bei der Regierung sind, sind alles Argumente, die einen bedeutenden Teil der RealitĂ€t beschreiben, aber einen Punkt nicht berĂŒcksichtigen: das Volk von Kuba hat genauso ein Recht und eine Pflicht zum Protest wie das kolumbianische und chilenische — wo ist der Unterschied? Dass es Oligarchien mit unterschiedlichen UrsprĂŒngen sind? Mit Praktiken, die mehr oder weniger brutal sind? Mit mehr oder weniger unterschiedlichen ideologischen Ausrichtungen? Mit mehr oder weniger unterwĂŒrfigen Haltungen gegenĂŒber der US-Regierung? Mit mehr oder weniger mĂ€chtigen Idealen, um ihre Privilegien zu rechtfertigen? All diese massiven Unterschiede zwischen den kolumbianischen, chilenischen und kubanischen Oligarchien reduzieren sich auf ein Nichts, wenn du an einem schönen Sonntagmorgen entdeckst, dass ebenso wie die mafiösen Oligarchien in Kolumbien und Chile auch die kubanische Oligarchie bis an die ZĂ€hne bewaffnet ist, ein bisschen mehr oder ein bisschen weniger, um dich und deine Geschwister, deinen Körper und deinen Geist zu zerquetschen, wenn du auch nur in ErwĂ€gung ziehst, die von ihnen kontrollierte NormalitĂ€t in Frage zu stellen.

Alles, was der kubanische Staat getan hat, um den nationalen Impfstoff gegen COVID-19 herzustellen, all die Arbeitssubventionen, all die Gehaltsverbesserungen, die vielen Sektoren des kubanischen Staates mitten in der Pandemie angeboten wurden, haben sich plötzlich verflĂŒchtigt, nicht nur wegen der Inflationsspirale und der endemischen Lebensmittelknappheit in Kuba, sondern auch, weil alles, was Teil des makaberen Rahmens der „repressiven Toleranz“ war, ans Licht kam, was jeder anstĂ€ndige Mensch herausfinden kann, ohne irgendwelche großartigen BĂŒcher ĂŒber Gegenkultur zu lesen. Wir können diejenigen, die jetzt ankommen, um die repressive Toleranz in diesem Land zu versĂŒĂŸen und das Trugbild einer militarisierten Harmonie darĂŒber zu errichten, ruhig als das neue Gesicht dessen bezeichnen, was in unserer Zukunft keinen Platz hat. Diejenigen, die im Namen einer zukĂŒnftigen Demokratie oder des reibungslosen Funktionierens der Wirtschaft die Sympathien, die Gemeinschaft und die Energie, die in den Protesten aufblĂŒhten, in Misskredit bringen oder die Geschehnisse jener Tage auf „einfachen Vandalismus durch soziale Degenerierte“ reduzieren wollen, sprechen im Namen und in der Sprache der verkommenen Oligarchien, die in diesem Land wieder einmal schamlos ihre Stimme erheben.

Die „Massen“ sind wieder zu einem „Volk“ geworden, als sie aufhörten zu gehorchen und wieder anfingen, den GefĂŒhlen, den AffinitĂ€ten und den grundlegenden FĂ€higkeiten zu vertrauen, gemeinsam zu tun und zu denken, die im Ungehorsam und der SolidaritĂ€t unter Gleichen inmitten der Spirale der Pandemie und des Mangels wieder aufgetaucht sind. Das ist die neue RealitĂ€t, die in Kuba in diesen Tagen im Juli 2021 geboren wurde und die neue RealitĂ€t, von der wir als Anarchist_innen in Kuba ein Teil sein wollen.


[1] Sowohl der neoliberale Kapitalismus als auch die sozialistischen Regierungen, die auf ihn reagieren, machen uns alle zunehmend verwundbar gegenĂŒber den UnbestĂ€ndigkeiten der MĂ€rkte und globalen Lieferketten. In einem landwirtschaftlich produktiven Land wie Kuba ist der Mangel an erschwinglichen Lebensmitteln eine vom Kapitalismus geschaffene AbsurditĂ€t, vermittelt durch eine sozialistische Regierung, die der Integration in die globale Wirtschaft Vorrang vor einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion gegeben hat.

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Quelle: Schwarzerpfeil.de