Februar 6, 2022
Von Indymedia
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Peltier war als junger Indigener dem American Indian Movement (AIM) beigetreten. Inspiriert durch die Black Panther Party begann AIM Ende der 1960er Jahre damit, sich aktiv gegen rassistische Polizeigewalt zu wehren. Zudem führten sie mehrere spektakuläre Besetzungen durch, um internationale Aufmerksamkeit auf die damals wie heute oft verzweifelte Situation der indigenen Überlebenden des Massenmordes durch die weiß europäisch stämmige Mehrheitsgesellschaft zu lenken. 1972 besetzte AIM nach dem us-weiten „March of Broken Treaties“ zusammen mit anderen das „Büro für Indianerangelegenheiten“ in Washington und 1973 die indigene Gedenkstätte ‚Wounded Knee‘, wo die US Kavallerie 1890 einen militärischen Massenmord an Lakota durchgeführt hatte. Die Gedenkstätte sollte damals verkauft und anders genutzt zu werden. Ein wochenlange gewaltsame Auseinandersetzung mit US Behörden war die Folge. Peltier und andere AIM Aktivist*innen gerieten in den gleichen Fokus des FBI wie zuvor bereits die Black Panthers und wurden ebenfalls mit brutaler Gewalt und meist (zumindest damals noch) illegalen Methoden kriminalisiert und z.T. auch ermordet.

Leonard Peltier ging 1975 mit einer AIM Gruppe in die Pine Ridge Reservation (South Dakota), um dort traditionell lebenden Indigenen zu helfen, von denen bereits über 60 durch eine Todesschwadron (GOONS) unter den Augen des FBI ermordet worden waren. Dort schossen sich GOONS, FBI und US Militär wortwörtlich auf diese Gruppe ein. Zwei FBI Beamte und ein AIM Aktivist starben. Der Rest der Gruppe entkam. Bereits 1975 wurden mehrere AIM Aktivisten für den angeblichen Mord an den beiden in zivil agierenden FBI Beamten angeklagt, die damals ohne Vorwarnung zuerst das Feuer eröffnet hatten („Incident at Oglala“). Aus Mangel an Beweisen wurden sie freigesprochen.

Als Leonard Peltier am 4. Februar 1976 gefangenen genommen wurde, manipulierten Staatsanwaltschaft und Polizei sein Verfahren jedoch ähnlich wie es u.a. in den Verfahren von Mumia Abu-Jamal, Kamau Sadiki, Ed Pointexter, Mutulu Shakur, Kenny Zulu Whitmore, Veronza Bowers oder Sundiata Acoli bekannt geworden ist. Peltier ist nun seit 46 Jahren in Haft, überlebte dort zwei Mordanschläge. Er ist seit vielen Jahren sehr krank und steckte sich vergangene Woche auch mit Corona an. Millionen von Menschen haben sich seit 1976 weltweit für seine Freiheit eingesetzt. Seit einigen Wochen fordern viele in den USA Präsident Biden auf, endlich seine Unterschrift unter die Freilassungsurkunde des inzwischen 77 Jahre alten Peltier zu setzen, unter ihnen sogar der ehemalige Staatsanwalt, der damals an seiner Verurteilung mitwirkte …

Auf der Berliner Kundgebung wurden verschiedene Redebeiträge gehalten. Die Aufrufe zur Kundgebung wurden auf deutsch und englisch verlesen und es wurde über Langzeitgefangene, Alter, privatisierte Gesundheitsversorgung und Knast in den USA berichtet.

Mit vielen Grüßen aus dem Rhein-Main Gebiet wurde dann eine aktuelle Zusammenfassung von Leonard Peltiers Fall und Informationen zu seiner derzeitigen, akuten Gesundheitssituation vorgetragen.

Aus München wurden Grüße an die Berliner Kundgebung verlesen. In München fand fast zeitgleich eine Mahnwache für Leonard Peltiers Freiheit vor dem dortigen US Konsulat statt.

Zwischendurch gab es Parolen („Brick by Brick, Wall by Wall, Free Peltier – Free Them All!“) und Songs mit den Themen der ‚First Nations‘, die sich mit Gefangenschaft und Freiheit befassten.

Ähnliche Proteste gab und gibt es rund um Leonard Peltiers 46. Haftjahrestag u.a. in Düsseldorf, München, Hamburg, Leipzig, Stade und Frankfurt am Main. Auch in anderen Teilen Europas wie in Österreich (Wien), Italien (Mailand) und in Frankreich (Paris) wurden mit Kundgebungen auf das Schicksal von Leonard Peltier und anderen Langzeitgefangenen wie Mumia Abu-Jamal aufmerksam gemacht und ihre Freiheit gefordert.

Es gibt vielfältige Möglichkeiten den Kampf um Leonard Peltiers Freiheit zu unterstützen: POST an Leonard Peltier (und andere Gefangene) schicken, Spenden, Unterschriftenlisten und Flyer downloaden und verbreiten, Postkartenaktionen, social media, Mundpropaganda, Zeitungsartikel, Videos und die Mitarbeit/ Gründung einer Unterstützer*innengruppe, Kunstaktionen, Kundgebungen und Demonstrationen und und und…

Es wurde dazu aufgerufen sich auch weiterhin an diesen Kämpfen zu beteiligen und es wurden Flugblätter mit Internetadressen, Telefonnummern etc. verteilt.

Free Leonard Peltier – Free Them All!




Quelle: De.indymedia.org