November 22, 2020
Von Emrawi
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Am Mödlinger Schrannenplatz folgten am Samstag, den 7.11. nachmittags viele Menschen – mit gebĂŒhrendem Corona-Abstand – dem Aufruf von #zusammenHaltNÖ und Fairness Asyl. Sie kamen zusammen fĂŒr ein starkes und eindrucksvolles Zeichen gegen die regierende Unmenschlichkeit: mit symbolisch aufgestellten Schuhen am Schrannenplatz wird verdeutlicht, wie viel Platz es in Mödling fĂŒr Menschen gibt, die Schutz suchen.

VermĂ€chtnis der beim Attentat Ermordeten wird zum Motto „Bietet Hilfe an!“

Auch das Attentat in Wien ist Thema. Gundi D. von #zusammenHaltNÖ erinnert einleitend an das VermĂ€chtnis einer der Ermordeten von Wien: „Gudrun P. hĂ€tte gesagt, dass Wut, Hass, Ausgrenzung, Nulltoleranz, Gewalt niemals Teil einer Lösung sein können, aber dass sie sehr oft Teil des Problems sind. Wir hĂ€tten uns erinnert, wie schwierig es war in jungen Jahren, unseren Weg zu finden, und dass wir eigentlich das GlĂŒck hatten, immer Menschen um uns zu haben, die uns Wege gezeigt haben, die nicht nur mit Gewalt begangen werden können.“ Und Gundi D. zitiert die Worte der Schwester der Ermordeten, „Wenn ihr meine Schwestern und ihr Andenken ehren wollt, dann bitte ich euch alle, auch nicht mit Hass und Ausgrenzung zu reagieren, das wĂŒrde alles, wofĂŒr sie gestanden ist, gelebt hat und eingetreten ist, mit FĂŒĂŸen treten.“ Gebt Eure Anteilnahme den Lebenden, die sie brauchen. Grenzt nicht aus, sondern integriert! Mit einer Schweigeminute gedenken die Kundgebungsteilnehmer*innen der vier Opfer des Attentats in Wien und der vielen Opfer von Attentaten in Afghanistan und weltweit.

Gundi D. dazu, warum Menschen in Mödling auch in Corona-Zeiten auf die Straße gehen: „In Moria werden Menschenrechte mit FĂŒĂŸen getreten, wir können nicht zuschauen. Wir melden uns laut zu Wort!“

Pater Franz H., Rektor des Missionshauses St. Gabriel: Regierung steht in der Verantwortung und in der Pflicht Aufnahme von FlĂŒchtlinge zu ermöglichen

Pater Franz H., Rektor des Missionshauses St. Gabriel, findet in einer Grußbotschaft aus der QuarantĂ€ne klare Worte: „Unsere Regierung steht in der Verantwortung und in der Pflicht, dass sie ermöglicht, dass solidarische Menschen hier in Österreich FlĂŒchtlinge aufnehmen, sie betreuen und ihnen bei der Integration zu helfen.“ Er verweist auf die Stellungnahme der österreichischen Bischöfe nach dem Brand in Moria, in der sie betonen, dass es keine Alternative zur schnellen und systematischen Evakuierung der Asylsuchenden aus den griechischen Lagern gibt. Pater Franz H. fragt weiter, warum Menschen die sich fĂŒr die Integration und fĂŒr den Dialog mit Zuwanderern einsetzen systematisch demotiviert werden, indem ihre SchĂŒtzlinge abgeschoben und ihnen verunmöglicht wird, sich einzusetzen. Und abschließend wendet sich Pater Franz H. ganz eindringlich an die Kundgebungsteilnehmer*innen: „Diese Politik provoziert Verbrechen und dagegen mĂŒssen wir aufstehen und uns wehren!“

FlĂŒchtlingsheime in NÖ stehen leer – Klare Aufforderung an die Landeshauptfrau geflĂŒchtete Menschen aus Moria sofort aufzunehmen!

Jutta L. von Fairness Asyl erinnert alle: “Österreich hat sich in VertrĂ€gen und Abkommen zum Schutz der Menschenrechte verpflichtet. Der Umgang mit GeflĂŒchteten ist der Lackmustest fĂŒr eine Demokratie, denn schlussendlich steht unser aller Rechtsanspruch auf dem Spiel.”

Die Kundgebungsteilnehmer*innen fordern von der Niederösterreichischen Landesregierung – und vom Bund – Menschen aus Moria zu evakuieren, aufzunehmen und die Heime zu öffnen. Jutta L. weist auf die AbsurditĂ€t der herzlosen FlĂŒchtlingspolitik in Niederösterreich hin: „In Niederösterreich stehen FlĂŒchtlingsunterkĂŒnfte leer, fĂŒr die monatlich enorme Mieten bezahlt werden, hunderte GeflĂŒchtete könnten sofort aufgenommen werden: In Steinhaus am Semmering hĂ€tten fast 200 Menschen Platz, die monatliche Miete betrĂ€gt dort 43.000 €. Der Mietvertrag lĂ€uft bis 31.12.2029. In einem leerstehenden Heim in Korneuburg werden monatlich Mietkosten in Höhe von 31.735 € an eine „Privatperson“ bezahlt. Diese VertrĂ€ge bedeuten Misswirtschaft. Viel mehr noch: diese HĂ€user leer stehen zu lassen, trotz großer Not der Menschen in Moria ist unmenschlich und nicht im Sinne vieler solidarischer Menschen.“

Viele gute GrĂŒnde, Menschen in Not aufzunehmen – „In meinem Herzen fĂŒhle ich es deutlich 
“

Veronika H. von Connect Mödling fĂŒhrte in ihrer Rede fĂŒnf GrĂŒnde an, warum wir geflĂŒchtete Menschen von den griechischen Inseln bei uns aufnehmen mĂŒssen: “Es gibt genug Platz, und es gibt ausreichend Menschen, die bereit sind, geflĂŒchtete MĂ€nner, Frauen und Kinder zu begleiten – Connect Mödling hat das in den vergangenen fĂŒnf Jahren nachhaltig bewiesen.” Und Veronika H. weiter „In meinem Herzen fĂŒhle ich es ganz deutlich, es ist einfach richtig, diese Menschen aufzunehmen, die in Griechenland, zwei Flugstunden von uns entfernt in Europa, im Schlamm hausen, in der KĂ€lte in Zelten schlafen mĂŒssen, kein Trinkwasser, zu wenig zu essen und keine medizinische Versorgung haben, wo Kinder nicht in die Schule gehen können, nicht Kind sein können. – Es fĂŒhlt sich einfach richtig an, einen Teil dieser Menschen nach Österreich zu bringen, wo wir all das in ausreichender Menge haben.“

Offizielle österreichische Politik des Wegsehens spaltet – Gemeinsam den Weg der offenen Herzen gehen: Schaffen wir sichere HĂ€fen und lassen wir Mödling ein Teil davon sein

Die Initiative SeebrĂŒcke, die sich seit 2018 fĂŒr sichere Fluchtrouten und die Aufnahme von Menschen auf der Flucht einsetzt, ist mit Susa K. bei der Kundgebung vertreten. Susa K. bringt die Verbindung zwischen den Statements der Regierungsspitze nach dem Attentat und dem was daraus folgen muss auf den Punkt: „Wenn wir darĂŒber sprechen, dass uns Hass nicht spalten soll, dann mĂŒssen wir das momentane Asylsystem und die österreichische Politik des Wegsehens als das benennen, das sie sind: rassistisch und spaltend und dann mĂŒssen wir gemeinsam einen anderen Weg, den der offenen Herzen und der Freund:innenschaft gehen.“ Und K. weiter, „Österreich hat nicht nur Platz, sondern auch Herz – zusammenhalten heißt: Schaffen wir Sichere HĂ€fen, sichere Gemeinschaften und eine sichere Welt fĂŒr alle und lassen wir Mödling ein Teil davon sein.“

Saira P. von der kĂŒrzlich gegrĂŒndeten Initiative Courage – Mut zur Menschlichkeit, betont: “Die Situation in den Lagern an den EU Außengrenzen ist in den letzten Jahren durchgehend fĂŒrchterlich. Dort leben Menschen die vor dem selben Terror geflĂŒchtet sind, dem wir Anfang dieser Woche in Wien erleben dĂŒrften. Der Unterschied zu uns ist aber, dass sie in ihren LĂ€ndern keinen Schutz und Hilfe erfahren. Und nur weil wir nicht alle retten können, heißt es nicht, dass wir niemanden retten sollen.”

„Wir fordern Sie auf, SchutzbedĂŒrftige aus den FlĂŒchtlingslagern auf den griechischen Inseln aufzunehmen“

Die Kundgebungsteilnehmer*innen schicken eine klare Botschaft an den BĂŒrgermeister von Mödling, die Landeshauptfrau Mikl-Leitner und an die Bundesregierung: Wir fordern die Verantwortlichen in Bund und Land, den BĂŒrgermeister Abg.z.NR Hans Stefan Hintner und den Mödlinger Gemeinderat auf, umgehend SchutzbedĂŒrftige aus den FlĂŒchtlingslagern auf den griechischen Inseln aufzunehmen! Ein Schreiben mit diesem Aufruf geht in den nĂ€chsten Tagen an den BundesprĂ€sidenten, den Bundeskanzler, die Landeshauptfrau und an den Mödlinger BĂŒrgermeister und den Gemeinderat.




Quelle: Emrawi.org