Oktober 25, 2021
Von FAU Marburg
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Am 23.10.21 fand in Magdeburg eine Kundgebung zu Situation im Gesundheitssektor in Sachsen-Anhalt statt.
Wir haben uns mit einer unserem BĂŒchertisch und einem Redebeitrag beteiligt.
Den Aufruf findet ihr unter: mitmischen-md.de/2021/10/13/kundgebung-zur-situation-im-gesundheitssektor-in-sachsen-anhalt/

Es gab eine Ausstellung des Vereins „Pro Krankenhaus Havelberg“ und BeitrĂ€ge unter anderem vom „BĂŒndnis Gesundheit ohne Profite Halle“ und „BĂŒndnis gegen Pflegenotstand Mansfeld-SĂŒdharz„, die seit mehr als eineinhalb Jahren gegen den Pflegenotstand kĂ€mpfen.

Besonders freuen wir uns ĂŒber die Grußworte des Pflegesyndikat der FAU Bern und der UnabhĂ€ngigen Betriebsgruppe am Helios Amper Klinikum Dachau.

Grußwort Pflegesyndikat der FAU Berlin findet ihr Hier.
Das Grußwort der UnabhĂ€ngigen Betriebsgruppe am Helios Amper Klinikum Dachau findet ihr Hier.

Die Rede von Mitglieder der FAU Magdeburg die in der Gesundheitsbranche arbeiten findet ihr Hier.

Es brennt in der Gesundheitsbranche!

Wir sind kritische Gesundheits- und Krankenpfleger:innen, die in der Freien Arbeiter:inne Union Magdeburg organisiert sind, um fĂŒr besser Bedingungen zu KĂ€mpfen.

Seit dem Beginn der aktuellen Pandemie ist der Pflegenotstand in aller Munde. Gezeigt werden Bilder von ĂŒberlasteten Pflegenden und dramatische Überschriften, die uns zu Held:innen der Pandemie adeln oder auch als systemrelevant betiteln. Ebenso wird von der großen Belastung gesprochen, die wir tagtĂ€glich erleben. Personalmangel und massiver Zeitdruck waren auch vor der Pandemie bereits trauriger Standard, auch wenn der „Pflegenotstand“ jetzt erst in aller Munde ist.

Gerade fĂŒr uns Gesundheits- und Krankenpfleger:innen wĂ€chst die physische und psychische Belastung. Immer mehr Patienten:innen kommen auf immer weniger Personal. Immer mehr unserer Kolleg:innen machen diese VerhĂ€ltnisse krank. Allein durch die VerkĂŒrzung der Ausgleichstage, durch die 14 Tage Arbeit, mit lediglich einem freien Tag dazwischen, keine Seltenheit mehr sind.

Die Krankheitsbedingten Ausfallzeiten werden z.B. im Magdeburger Uniklinikum durch eingearbeitete externe Mitarbeitern:innen ausgeglichen.

Diese Quereinsteiger:innen oder auch Leiharbeiter:innen sind auch notwendig um den Mangel an FachkrĂ€ften auszugleichen. Aber unsere internen Kollegen:innen sind dadurch regelmĂ€ĂŸiger Mehrbelastungen ausgesetzt, aufgrund von langjĂ€hrigem Wissen, das sie Externen vermitteln und Kontrollfunktionen, die sie jenen gegenĂŒber erfĂŒllen mĂŒssen.

Im Zusammenhang mit besserer VergĂŒtung und Dienstplangestaltung bei Ă€hnlicher Belastung und Arbeitszeit, fĂŒhrt dies zu stetiger Frustration der Festangestellten. Insgesamt steigt der bĂŒrokratische Druck auf uns. Das wird besonders durch eine Steigerung der Dokumentation deutlich, die auch noch durch unterschiedliche Dokumentationsarten erschwert wird. Es kommt immer wieder zu Doppel- und Dreifacharbeit. Zeit, die aktiv an Patient:innen verloren geht.

Die Liegedauer wird ebenfalls immer mehr verkĂŒrzt, so ist eine menschenwĂŒrdige und nachhaltige Pflege nicht mehr möglich. Nur die Profitmaximierung steht im Vordergrund. Das gesamte System der Fallpauschalen fördert diese nur. Menschen werden dadurch zur Ware, dann zur Fallnummer und damit abkassiert. Die statistische Effizienz steht ĂŒber allem. Die Patient:innen mĂŒssen nur fit gemacht werden, um wieder Lohnarbeit nachgehen zu können. Gesamtgesellschaftliche VerhĂ€ltnisse und miese Arbeitsbedingungen, die auch Ursachen fĂŒr Krankheiten sind, werden nicht beachtet. Es werden nur die Symptome bekĂ€mpft. Der Mensch als Ganzheitliches zĂ€hlt schon lange nicht mehr.

Es gibt keine WertschĂ€tzung und keinen Respekt gegenĂŒber der geleisteten Arbeit, weder seitens der Öffentlichkeit, noch seitens des jeweiligen Klinikums. Immer noch wird leider zu wenig auf diese MissstĂ€nde aufmerksam gemacht. Wir haben kaum die Möglichkeit fĂŒr Mitbestimmung, um unsere Situation zu verbessern.

Wir mĂŒssen als Pflege solidarisch zusammenstehen. Wir dĂŒrfen uns nicht spalten lassen. Weder wegen unseres Abschlusses, noch aufgrund unserer Qualifikation oder auch „interner oder externer“ Mitarbeiter:innen. Wir sind tagtĂ€glich aufeinander angewiesen und so sind wir es auch im Kampf fĂŒr bessere Arbeitsbedingungen. Die SolidaritĂ€t darf nicht bei der Pflege als einzelne Berufsgruppe enden. Wir mĂŒssen uns im Betrieb mit den hauswirtschaftlichen Diensten und ALLEN anderen LohnabhĂ€ngigen zusammenschließen. Nur so bauen wir eine Gegenmacht zu den Profiteur:innen unserer Arbeit auf. Was im Betrieb gilt, gilt auch fĂŒr uns als Ganzes, fĂŒr uns als Klasse der LohnabhĂ€ngigen. Wir dĂŒrfen uns aufgrund von Rassismus, Sexismus, Queerfeindlichkeit oder Bildungsstand nicht spalten lassen. Alle KĂ€mpfe der unterdrĂŒckten Klassen ergĂ€nzen sich. Sie sind notwendig und sie sind die KĂ€mpfe von uns allen. Organisieren wir uns; als Pflege und als Klasse, damit Menschen vor dem Profit stehen, fĂŒr den Aufbau einer selbstbestimmten und solidarischen Welt!




Quelle: Magdeburg.fau.org