MĂ€rz 16, 2021
Von Emrawi
287 ansichten


Die Firma Seamox weigert sich weiterhin das Gehalt eines Genossen unserer spanischen Schwestergewerkschaft CNT zu zahlen, der Ende 2019 als Programmierer ĂŒber Seamox in Wien gearbeitet hat. Seamox war dabei das dritte Subunternehmen in einer Kette fĂŒr einen großen österreichischen Telekommunikations-Konzern; ein Modell, das scheinbar bewusst undurchsichtig gestaltet wurde und bestens dafĂŒr geeignet ist, Verantwortung abzuschieben und Arbeitsrechte auszuhebeln, vor allem in Kombination mit der Anwerbung von ArbeitskrĂ€ften aus dem Ausland, die kein Deutsch sprechen und sich so kaum wehren können. (Das WAS berichtete).

Ein Telekommunikationskonzern vergibt also einen IT-Auftrag an eine weltweit tĂ€tige Unternehmensberatung mit Niederlassung in Wien. Diese Unternehmensberatung vergibt einen Teil des Auftrages an einen europaweit tĂ€tigen IT-Dienstleiter, der ebenfalls ein BĂŒro in Wien hat. Diese IT-Firma vergibt den Auftrag wiederum an Seamox, eine kleine Bude in Transdanubien, deren einziges GeschĂ€ftsmodell zu sein scheint, billige ArbeitskrĂ€fte aus dem Ausland anzuwerben und mit windigen Konstruktionen (nur vier Tage Anwesenheit vor Ort, 
) die Sozialversicherungszahlungen zu umgehen, was sie dann „Nearshoring“ nennt.

Unser Genosse aus Spanien kam – gleichsam als moderner Wanderarbeiter – im Glauben, daß er einen halbwegs gut bezhalten Job in Wien hat, auf seine Kosten zur Arbeit angeflogen. Nach kurzer Zeit hat er gecheckt, daß es sich niemals um eine „Freie TĂ€tigkeit“ handeln kann, sondern daß eine sozialversicherungspflichtige Anstellung vorliegt. Als diese Anstellung, die ihm bereits auch zugesagt wurde (schriftliche Zusage liegt dem WAS vor), nie passiert ist, hat er die Reißleine gezogen und nach ein paar Wochen die Arbeit beendet. Die bis dahin geleistete Arbeit ist bis dato nicht bezahlt worden! Im Gegenteil, unser Gewerkschaftsmitglied aus Spanien hat noch rund 1100,- Euro aus eigener Tasche fĂŒr sechs FlĂŒge und die Unterbringung in Wien vorgestreckt, 


Die Reaktion auf unsere erste Kundgebung vom Oktober 2020 vor Seamox war ĂŒbrigens keinerlei Einlenken oder Einsicht, sondern – im Gegenteil – ein plumper Repressionsversuch! Der FirmeneigentĂŒmer bzw. seine Ehefrau haben zwei strafrechtliche Anzeigen gegen uns gestellt. Zum einen gegen die Genossin, welche die Versammlung angezeigt hat, mit dem Vorwurf der „Bedrohung“ durch die Kundgebung. Diese Anzeige hatte von Anfang an keine Chance und die Staatsanwaltschaft hat keinen Anfangsverdacht gesehen. Seamox musste lernen, daß es ein Demonstrationsrecht gibt, das wir in Anspruch genommen haben und auch in Zukunft nehmen werden.

Zum anderen gab es eine Anzeige gegen einen einzelnen Demonstrationsteilnehmer mit dem Vorwurf „Körperverletzung“. Allerdings waren die vorgebrachten Anschuldigungen und Behauptungen so offensichtlich konstruiert und in sich widersprĂŒchlich, dass die Staatsanwaltschaft nach einigen polizeilichen Ermittlungen gar kein Verfahren eingeleitet hat.

Dieser Versuch, uns einzuschĂŒchtern und zum Schweigen zu bringen, wird nicht erfolgreich sein!

Seamox und ebenso den drei anderen involvierten Firmen muß klar sein, daß wir nicht auf wundersame Weise verschwinden werden. Das Gehalt und die Sozialversicherung fĂŒr die Arbeit, die im November und Dezember 2019 bereits geleistet wurde, muß bezahlt werden. Dies ist die einzige Möglichkeit, wie unsere AktivitĂ€ten in diesem Fall beendet werden können. Solange das Gehalt ausstĂ€ndig ist, werden wir unsere Aktionen ausweiten, die Informationen ĂŒber die Machenschaften intensivieren und eine immer grĂ¶ĂŸere Öffentlichkeit ĂŒber die Praxen in der IT-Branche in Kenntnis setzen.

Kommt alle zur dritten Kundgebung vor Seamox in der Rudolf Nurejew-Promenade 1/1 am 18. MĂ€rz um 16:00 Uhr. Zeigen wir den Herrschaften der Firma Seamox, dass die SolidaritĂ€t der ArbeiterInnenklasse stĂ€rker ist als ihre Repressionsversuche und Verleumdungen! Wir stellen diese Kundgebung bewußt in den historischen Kontext der Pariser Kommune. Am 18. MĂ€rz ist der 150. Jahrestag, den wir mit dieser Kundgebung im Sinne weltweiter KlassensolidaritĂ€t direkt begehen wollen.

SolidaritÀt ist eine Waffe!

Erstveröffentlichung auf dem WAS-Blog am 09.03.2021.

Alle Artikel zum Arbeitskonflikt mit der Firma Seamox – auch auf Englisch und Spanisch: wiensyndikat.wordpress.com/tag/seamox




Quelle: Emrawi.org